mini|Peterson Toscano Peterson Toscano (* 17. Februar 1965 in Stamford (Connecticut)) ist ein US-amerikanischer Lehrer, Theaterautor und Schauspieler. Er nimmt eine führende Rolle in der Bewegung der Ex-Gay-Überlebenden ein.

Leben Toscano wuchs zusammen mit zwei Schwestern in Lake Huntington (New York) auf. Seine römisch-katholischen Eltern Pete und Anita mit italienischem Migrationshintergrund führten das Lokal Pete’s Pub. Seit Beginn der Pubertät hatte er Probleme mit seiner Sexualität. In seinen Augen sah es folgendermaßen aus: Sex sei schlecht und Sex sei schmutzig, schwuler Sex sei besonders schlecht und schmutzig. Die Abscheu und Schuld ließen ihn sich in der römisch-katholischen Kirche engagieren und er verbrachte sehr viel Zeit dort und in dem lokalen römisch-katholischen Jugendverband (Catholic Youth Organization, CYO). Er sah seine Hingabe als Rebellion gegen den lauen Glauben seiner liberalen italienischen Familie und als Rückzug von seinen sexuellen Wünschen. Mit 15 Jahren hatte er ein persönliches religiöses Erlebnis und fühlte sich von Gott geliebt und akzeptiert. Als er dieses Erlebnis zwei evangelikalen Frauen erzählte, die bei den CYO-Treffen sangen, erklärten sie ihm, er sei „wiedergeboren“.Christine Dinsmore: When a Dos Equis Is More Than a Beer (PDF; 81 kB), Out, Juli/August 2006, Stand: 10. Juli 2006, bei christinedinsmore.com Toscano glaubte ihren Worten und wechselte 1982 mit 17 Jahren zum evangelikalen Glauben, „weil ich religiöse Leidenschaft suchte und einer einflussreichen Gemeinschaft angehören wollte.“Katja Gelinsky: Kirche und Homosexualität – Umschwulung zum Ehemann, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 17. Juni 2007, Nr. 24 / Seite 59, Stand: 19. Juni 2007. Er schloss sich der Gemeinde der beiden Frauen an, der Gospel Tabernacle aus Honesdale (Pennsylvania). Dies hat seinen Eltern größere Sorgen bereitet als die Ahnung, dass ihr Sohn möglicherweise schwul sei.Michael Heussen: US-Organisation „Exodus“ setzt auf Umerziehung – „Man muss das Schwulsein in den Griff bekommen“ (tagesschau.de-Archiv), ARD Weltspiegel, 12. August 2007, Stand: 11. August 2007.

Bis zu seinem Schulabschluss im Jahre 1983 besuchte er die Narrowsburg Central Rural School. Die ersten zwei Jahre seines Studiums (1983–85) verbrachte er am Nyack College in Nyack (New York), wo er Anglistik und Bibelkunde als Hauptfächer belegte. 1985 arbeitete er fünf Monate für die World Radio Missionary Fellowship (Radio HCJB) als medizinischer Missionar in Quito in Ecuador. Danach zog er nach New York City, wo er sein Studium am City College of New York 1986 fortsetzte. Dieses schloss er 1989 mit einem Bachelor of Arts (Cum laude) in Anglistik und Theaterwissenschaften ab. Toscano arbeitete in der alternativen Bildungsarbeit zuerst für das Grand Street Settlement und danach als Lehrer und Bildungsdirektor für C.A.S.E.S. einer Alternative zum Gefängnisaufenthalt für jugendliche Straftäter. Sein professionelles Schauspieldebüt gab er 1989 im Stück Kaspar von Peter Handke im Cafe Bustello. 1990 heiratete er in New York eine Frau. In England bereiteten sich 1995 er und seine Frau für drei Monate auf die nächste Station vor, Missionar und Programmdirektor einer Radiostation der britischen Hilfsorganisation Christian Vision in Sambia. Dort wurde er nach sechs Monaten geoutet. 1996 trennte er sich von seiner Frau, lebte wieder drei Monate in England und kehrte dann in die Vereinigten Staaten zurück um zwei Jahre lang beim Ex-Gay-Programm Love in Action in Memphis (Tennessee) teilzunehmen. Seine Frau und er ließen sich 1998 scheiden. Im Januar 1999Peterson Toscano: , homonomo.com, Stand: 8. Mai 2007. hatte er letztendlich sein Coming-out und akzeptierte sich selbst als schwuler Mann.

mini|Plakat zum Stück The Re-Education of George W. Bush Im Jahre 1999 gründete er auch p2son productions und begann mit seinem Ein-Mann-Stück Footprints, An Inspirational Comedy aufzutreten, welches auf dem Gedicht Footprints in the Sand basiert. Auf der Bühne stellt er durch gekonnte Änderung der Körperhaltung, Mimik, Stimme und Akzent verschiedene Charaktere dar. In seinem ersten Stück stellt er die Charaktere Tony Buffusi, Jerry Wayne, Sylvia Goldblum und Basil Huntington dar. Als Komiker und Theaterautor lässt er sich oft von der Dichtkunst, der Bibel und anderen Texten als auch durch ausführliche Interviews inspirieren. Weitere Stücke von ihm sind How the Indians Discovered Columbus, The Re-Education of George W. Bush, Legion! The Golden Apple & the Golden Urn und Queer 101. Letzteres führte er auch am 31. März 2005 bei der International Conference on Language, Literature and Identity in der University of Yaounde in Kamerun auf.

mini|links|Plakat zum Stück Doin' Time in the Homo No Mo Halfway House Die Ein-Mann-Satire Doin' Time in the Homo No Mo Halfway House – How I Survived the Ex-Gay MovementSteve Boese: A Visit to the Homo No Mo Halfway House, Ex-Gay-Watch, 16. Oktober 2003. hatte am 17. Februar 2003 Premiere. Er arbeitet darin mit fünf Charakteren seine Erlebnisse als Ex-Gay auf, insbesondere seine Zeit bei Love In Action, ohne zu predigen, zu richten oder zu generalisieren was andere Leute tun oder lassen sollen. Ein anderer Aufbau desselben Themas nennt sich Talking Trash in the Homo No Mo’ Halfway House – Language, Life and Lies in the Ex-Gay Movement.Mike Airhart: Peterson Toscano: Ex-exgay artist announces winter tour dates, Ex-Gay-Watch, 8. Jänner 2005. Auslandsauftritte gab es mit beiden Programmen in Kanada, England, Wales, Dänemark und Schweden.

Toscano trat in den Spielfilmen Star Queen – A Star is Bored (2002) und Getting Married? (2001) von Eli Parker auf. Man sah ihn auch in der Dokumentation Fish Can't Fly (2005), die den Konflikt vieler Lesben und Schwulen mit ihrem Glauben beleuchtet. Der Titel geht auf einen Kommentar seines Vaters zurück (siehe unten). Weitere Auftritte hatte er in den Dokumentationen For Such a Time as This (2010) und This is What Love in Action Looks Like (2011).

Er schreibt in drei Blogs in den Sprachen Englisch (Peterson Toscano’s A Musing), Spanisch (Dos Equis) und Schwedisch (Svensk Spädbarn), wo er über sein aktuelles Leben, seine Erfahrungen als Ex-Gay, Neuigkeiten in der Bewegung der Ex-Gay-Überlebenden berichtet. Durch sein Engagement als Ex-Gay-Überlebender berichteten bis Ende 2007 Zeitungen, Internetmedien, Radio und Fernsehen in USA, EnglandPeterson Toscano: I am what I am and it’s not a choice, New Statesman, 20. Juli 2007.Joe Roberts: Ex-gay survivors speak out, pinknews.co.uk, 29. Juni 2007.Pat Ashworth und Brian Draer: Greenbelt: Heavenly, but hardly ordinary, Church Times, 2006. SchwedenAv Lars Klint: , Expressen, 24. September 2006.Tor Billgren: Intervju med Peterson Toscano, Antigayretorik, 20. August 2007 – über ein Radiointerview im Schwedischen Nationalradio und Deutschland über sein Schicksal, seine Ansichten und Auftritte. Unter anderem gab es Berichte in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, Maxi,Peterson Toscano: German Women’s Magazine Visits Ex-Gay Movement, Peterson Toscano’s A Musing, 25. September 2006. Washington Blade, The New York TimesMichael Luo: , New York Times, 12. Februar 2007, bei rickross.com, People und Interviews sowie Auftritte in Weltspiegel, The Montel Williams Show, Public Radio International, The Tyra Banks Show und The Morning Show with Mike and Juliet.Mike Airhart: Ex-Gays, Survivors, and Therapists Debate on Fox Morning Show, Ex-Gay-Watch, 13. September 2007.

Mit Christine BakkeStephen Fried: „They tried to cure me of being gay“, Glamour, 4/2007 und der technischen Unterstützung von Steve Boese startete er am 2. April 2007Eugene Wagner: Ex-Gay Survivor Site Beyondexgay.com Launches Today, Conference Set for June, Ex-Gay-Watch, 2. April 2007. das Internetangebot Beyond Ex-Gay (bXg) für Ex-Gay-Überlebende. Zusammen mit SoulForce und der University of California in Irvine (Kalifornien) veranstalteten sie vom 28. Juni bis zum 1. Juli 2007 eine Konferenz unter dem Motto Undoing the Damage, Affirming Our Lives Together. Bei einer Pressekonferenz am 27. Juni entschuldigten sich auch drei ehemalige Führungsmitglieder des Zusammenschlusses Exodus International (Jermey Marks von Courage UK, Michael Bussee, Mitbegründer von Exodus International und Darlene Bogle) öffentlich für ihre Rolle Konversionstherapien angeboten und gefördert zu haben.Michelle Garcia: A sincere apology, The Advocate, 29. Juni 2007. Zur selben Zeit fand im selben Ort eine Ex-Gay-Konferenz von Exodus statt.

Ein Quäker-Seelsorger verweist auf die gewaltlose Vorgangsweise in der Arbeit Toscanos, Unrecht aufzuzeigen ohne negativ eingestellte Personen oder Gegner zu attackieren.Peterson Toscano: Travel Minute, Peterson Toscano’s A Musing, 6. Februar 2007.

Peterson lebt derzeit in Hartford (Connecticut), ist Mitglied der Religious Society of Friends (Quäker) in West Hartford, ernährt sich veganPeterson Toscano: Alternative Lifestyles, Peterson Toscano’s A Musing, 6. Oktober 2006. und unterrichtet an der Watkinson School Schüler in einem speziellen Befähigungsprogramm.

Ex-Gay-Erfahrung Peterson Toscano versuchte 17 Jahre lang mit Hilfe verschiedenster christlicher Programme und Therapien in drei Ländern (USA, Ecuador, England) auf drei Kontinenten und dem Einsatz von über 30.000 US-Dollar heterosexuell zu werden oder wenigstens seine Zuneigung zum gleichen Geschlecht zu unterdrücken. Bis zu seinem endgültigen Coming-out dauerte es von 1981 bis 1998.

Seit er 15 war, hatte er inständige Gebete zu Gott geschickt, dieser möge seinen homosexuellen Phantasien ein Ende bereiten, was aber nicht erhört wurde. In Ecuador arbeitete er auch ehrenamtlich im Büro von Exodus Südamerika in Quito, hatte formlose Zusammenkünfte mit dem Präsidenten von Exodus und nahm an einer „Psycho-Drama“-Sitzung teil.

In New York City besuchte er dann zwei Jahre lang die wöchentlichen Gruppentreffen der Life Ministries, die damals zum Programm von Exodus International gehörten. Die meisten Teilnehmer damals kamen aus der Unterhaltungsindustrie.

Später suchte er Unterstützung im charismatischen Teil der Pfingstbewegung in der Zungenreden und Heilungsrituale praktiziert wurden, eine Ausnahme im Programmspektrum der Ex-Gay-Bewegung. Er hatte drei Exorzismus-Sitzungen, auch Erlösungs-Sitzungen genannt.

Toscano hatte dann sechs Jahre lang immer wieder pastorale Unterstützung (Gospel Tabernacle, Glory Tabernacle, Times Square Church). Während dieser Zeit lernte er auch seine zukünftige Frau kennen und weil beide dachten, Gott hätte ihn befreit, heirateten sie 1990, was oft auch als Heilungsweg verstanden wird. Dies sollte sich später als Irrtum erweisen

Bald hatte er wieder homosexuelle Affären. Er besuchte mit seiner Frau zwei Wochen lang jeden Tag drei bis vier Stunden eine Eheberatung beim christlichen Berater Harry W. Schaumburg, der auch das Buch False Intimacy: Understanding the Struggle of Sexual Addiction herausgegeben hat und auf Sexsucht spezialisiert war, da Homosexualität im Ex-Gay-Bereich oft als eine Form von Sexsucht angesehen wird. Die Beratung bestand zu einem Großteil aus Gebet, Lesungen und GesprächstherapieJohn Dicker: , Colorado Springs Independent, 29. Jänner 2004..

Nach der Rückkehr aus Sambia hatte er drei Monate lang in England wöchentliche Sitzungen mit dem Berater von True Freedom Trust (TFT). Darüber hinaus hat er im Laufe der Zeit Bibelpassagen auswendig gelernt, um die vermeintlich schlechten schwulen Gedanken durch heilige zu ersetzen. Er las viele Bücher über Homosexualität, Ex-Gay-Seelsorge, -Heilung, -Veränderung, darunter auch Bücher von Mario Bergner, Leanne Payne und Andy Cominski. Er besuchte dutzende religiöser Seminare über Heiligkeit und Christliche Anhängerschaft als Teil seiner Versuche ein besserer Christ zu werden um nicht so stark von seinen homosexuellen Gefühlen abhängig zu sein. Auch Exodus-Seminare besuchte er.