mini|Blick auf die Nordseite, im Hintergrund St. Aposteln (2008) mini|Der Neumarkt von oben (2020) mini|Archäologische Ausgrabung Neumarkt, 2023. mini|Blick in Richtung Nordosten (2011)

Der Neumarkt (auf Kölsch Nümaat) ist mit 27.216 m² (ca. 8.600 m² Nutzfläche) der größte der etwa 30 Kölner Plätze und liegt in der Altstadt-Süd.

Geschichte des Platzes Der Neumarkt wurde 1076 durch Erzbischof Hildolf in einer Urkunde als Platz „in novo mercato“ festgelegt und diente zur Entlastung des Alter Markts. Damals schenkte Erzbischof Hildolf dem Domkloster fünf Hofstätten am Neumarkt („quinque nostras fiscales areas in novo mercato sitas“).Mitteilungen aus dem Stadtarchiv Köln, Köln, das Reich und Europa, Ausgabe 60, 1971, S. 94. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich in der Gegend ein unbesiedeltes Areal befand.Eduard Hegel, Das mittelalterliche Pfarrsystem und seine kirchliche Infrastruktur um 1500, 1992, S. 10. Dieses Areal lag unmittelbar an der westlichen Stadtmauer. Das neue Marktzentrum bedeutete eine Neuorientierung der Stadt,Klaus Gereon Beuckers: Die Ezzonen und ihre Stiftungen, 1993, S. 204 ff. da Erzbischof Brun bislang die Marktaktivitäten auf Alter Markt und Heumarkt konzentriert hatte. Als Markt wurde er fast ausschließlich zur Ausstellung und zum Verkauf von Vieh genutzt; ansonsten war er Austragungsort für Feste und Exerzierplatz.Hermann M. Wollschläger: Hansestadt Köln: Die Geschichte einer europäischen Handelsmetropole, 1988, S. 69. Seit 1178 wird er „novo mercato“ oder „novo foro“ genannt. Nach Caesarius von Heisterbach gab es 1195 eine erste selbstständige Brauerei für das Stift St. Aposteln am Neumarkt.Kölsche Jahrestafel über das Jahr 1195; Kölsch-Net

Römische Spuren am Neumarkt mini|hochkant|Kopie des Athenafundes an der Nordseite des Neumarktes

Im Zuge baulicher Erweiterungen des Gebäudekomplexes der Hauptstelle der Kreissparkasse Köln wurden auf den Grundstücken der ehemaligen Häuser Gertrudenstraße 14/16 in den Jahren 1979 bis 1980 Reste eines römischen Wohnhauses sowie Teile erhaltener Wandmalereien desselben freigelegt. Aus den Resten dieses Gebäudes konnte rekonstruiert werden, dass es sich um ein sogenanntes Peristylhaus mit einem umlaufenden Säulengang handelte. Die Malereien, deren Originalfragmente sich im Römisch-Germanischen Museum befinden, wurden in das 1. Jahrhundert nach Christus datiert. Bei einem weiteren Fund handelt es sich um einen schon 1881 an der Nordseite des Neumarktes gefundenen „Athenakopf“. Der Kopf ist wahrscheinlich eine Kopie der „Athena Parthenos“ und wurde um 100 nach Chr. eingeordnet.Info der Kreissparkasse Köln

Im westlichen Bereich der Platzanlage wurde im Sommer 2023 bei Grabungen zum Neubau eines Springbrunnens Fundamente eines römischen Hauses mit Badeanlage gefunden. Neben den Pfeilern wurden ein ehemaliger Heizraum und Fragmente eines Heizkanals festgestellt.

Frühe Nutzung mini|Neumarkt, Mühlenturm, Tränke und Brunnentürmchen im 16. Jahrhundert

Der Platz war 1197 so weit gediehen, dass auf Wunsch des Grafen Florenz von Hennegau hier ein Turnier stattfinden konnte. Der Neumarkt diente zunächst als Pferde-, Hühner- und Viehmarkt, worauf eine 1374 installierte Tränke hinwies. Ab 1365 fand ein Pferdemarkt statt, im südöstlichen Teil befand sich ein Pferdegatter. Auf dem Neumarkt stand neben der Pferdetränke (in Höhe Fleischmengergasse) eine Wasserpumpe und die erste in der Stadt 1392 errichtete Windmühle (knapp 18 Meter hoch, Durchmesser 10–12 Meter). Die an der Ostseite in der Platzmitte stehende Windmühle besaß sechs Stockwerke und diente zunächst der Mehlherstellung, ab 1596 wurde sie als Gefangenenturm genutzt. Die landseitigen Windmühlen kamen zum Einsatz, wenn die Rheinmühlen nicht betrieben werden konnten.Franz Bender: Illustrierte Geschichte der Stadt Köln, 1912, S. 212. Außer auf dem Neumarkt gab es Windmühlen an der Ulrepforte (Kartäusermühle), die Bottmühle und am Gereonstor jeweils auf der Stadtmauer.

Der neue Platz diente auch als Hinrichtungsstätte. Am 30. Mai 1382 enthauptete der Henker auf dem Neumarkt den seit Mai 1375 lebenslang aus der Stadt verbannten und gefangen genommenen Schöffen Gerhard von Benasis.Peter Fuchs (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der Stadt Köln, Band 1, 1991, S. 332. Der Patrizier Heinrich von Stave wurde am 11. Januar 1396 auf dem Neumarkt hingerichtet. Hier befand sich auch der Treffpunkt und der Tanzplatz für den Hexensabbat, wo angeblich unter Vorsitz des Teufels gegessen, getrunken, getanzt und vor allem neue Untaten geplant wurden.Gabriela Wagner, Werner Schäfke: Frauen in Köln: 200 Jahre Stadtgeschichte, 1990, S. 26.

Gebäude Als erstes Gebäude entstand um 965 an der Westseite des noch nicht als Platz ausgewiesenen Neumarkts der Vorgängerbau der heutigen Kirche St. Aposteln, dem Apostelnstift „apostolorum nomen“. Der imposante Westturm der nachfolgenden Kirche wurde um 1170 begonnen. Die ersten profanen Gebäude entstanden erst um 1200. In heutiger Neumarkt Nr. 2/Ecke Schildergasse gab es um 1200 den „Schwerthof“, für den 1493 ein Bewohner namens Abel vom Schwerthof in den Schreinsbüchern nachgewiesen ist. Einige am Neumarkt wohnende Personen benannten sich nach ihrem Wohnort, so „Hermann vom Neumarkt“ während der Amtszeit des Erzbischofs Arnold I. von Köln (1137–1151), „Arnold de novo foro“ (nach 1226), Elisabeth vom Neumarkt (1235) oder „Ludger vom Neumarkt“ vom Patriziergeschlecht Hirzelin, dem Kölner Bürgermeister zwischen 1305 und 1306. Um 1237 verteilte der reiche Kölner Kaufmann „Typoldus de novo foro“ (Diepold vom Neumarkt) an seine drei Kinder 15 HäuserBarbara Beuys: Familienleben in Deutschland, 1984, S. 127. in der Nähe der heutigen nach ihm benannten Thieboldsgasse. „Symon de novo foro“ wird erstmals 1275 erwähnt, seine Patrizierfamilie nannte sich nunmehr Hirzelin oder Hyrtzelin.

mini|Neumarkt – Kölner Stadtansicht von 1570 des Arnold Mercator

Der Dechant und das Kapitel des Apostelnstiftes übergaben am 15. August 1285 das Haus des Wittrammis auf dem Neumarkt dem Johannes von Aldercruch zur Erbpacht. In heutiger Neumarkt Nr. 5 lag „Haus Scharfenstein“in Köln gab es im Mittelalter keine Hausnummern, die Häuser erhielten vielmehr meist die Namen ihrer Bewohner, das seit 1326 der Patrizierfamilie Pfeil von Schar(p)fenstein gehörte, ging 1512 in den Besitz von Goldschmied Daem Pfeil bis zu seinem Tod 1533 über, denn er war mit Belgina Scharpfenstein verheiratet; danach hieß es „zum Löwen“. Am 26. Dezember 1432 pachteten Rutger van Gymnich und Gattin Nesa ein Haus von Johann Scherfgin zwischen Haus Zantz und Haus Rypelbank bei der Fleischhalle (Nr. 7).Ludwig Röhrscheid: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, Band 82–85, 1907, S. 173. Im Drimborner Hof („Drey Borner Hof“) Nr. 11 übernachtete Herzog von Montmorency auf seiner Durchreise mit großem Tross,Franz Walter Ilges, Casanova in Köln, 1926, S. 35. Nr. 13/Ecke Fleischmengergasse hieß „zum großen Kasten“, in Nr. 17 ist seit 1238 das Haus „zur Ahren“ belegt, Nr. 19 beherbergte seit 1347 das „Repelinshaus“. Seit 1277 ist an Nr. 23–25 das Brauhaus „zum Spaten“ nachgewiesen, in Nr. 27 befand sich um 1200 das Haus „zum großen Stern“, Nr. 29 „ad aquilam sine capite“ (zum kopflosen Adler), Nr. 41 seit 1271 der „Schüdderump“ und Nr. 45 seit 1366 das „Neckelshaus“ (ab 1538 „zum Bären“). Tuchhändler Heinrich von Gozelin (1250–1311) besaß drei Häuser neben dem Schallenhof. Das auf dem Neumarkt spätestens bereits seit 1307 bestehende Hospital St. Agnes erhielt am 14. August 1308 einen Altar.

Neumarkt Nr. 2 mini|ohne|350px|Neumarkt – Peter von Brachel (1650)

In Nr. 2 erhob sich um 1200 der „Schwerthof“, eine Rüstkammer für Adelige, die nach mehreren Umbauten den Besitzer wechselte. Umstritten ist, wer sein neuer Besitzer wurde. Nach Ansicht von Helmut Signon gelangte das Grundstück in den Besitz von Philipp Christian Graf von Sternberg und Manderscheid,Helmut Signon, Alle Straßen führen durch Köln, 2006, S. 267. der hier 1758 den Blankenheimer Hof errichten ließ und ihn nach seiner Gattin Augusta benannte, der Tochter von Johann Wilhelm Franz von Manderscheid zu Blankenheim. Nach Auffassung von Hans Vogts entstand der Nesselroder Hof 1724/28 für Franz Carl von Nesselrode;Hans Vogts, Kölner Wohnhaus, 1966, S. 787. oder den Grafen von Nesselrode-Ehreshoven, der später in den Besitz von Manderscheid-Blankenheim überging und dann „Blankenheimer Hof“ hieß. Der benachbarte Schallenhof in Nr. 4 war danach seit 1756 mit dem Blankenheimer Hof verbunden, 1766 gelangte der Nesselroder Hof in das Eigentum der Grafen Manderscheid-Blankenheim, der ihn und den Schützenhof abreißen ließ und hier den Blankenheimer Hof errichtete.

Neumarkt Nr. 4 Seit Ende des 12. Jahrhunderts existierte in Nr. 4 der „Schallenhof“ der Familie Schall von Bell, aus dem später der städtische Schützenhof entstand. Die Familie Schall von Bell ließ sich 1592 am heutigen Neumarkt Nr. 47 ein neues Familiendomizil errichten und verkaufte den Schallenhof der Stadt. Goedefried von Roedenheym verkaufte bereits am 2. August 1488 die ihm gehörende Hälfte des Schallenhofs („Schallenhuyss“) an die Stadt.Konstantin Höhlbaum: Mitteilungen aus dem Stadtarchiv von Köln, 1892, S. 83. Sie ließ hier für die Schützenbruderschaft frühestens 1444 einen Schützenhof errichten, der sowohl dem Freizeitvergnügen als auch der militärischen Ausbildung diente; er lag dem Mercatorplan („Schutten hoff“) zufolge in der CasiusgaßPeter Johanek: Die Stadt und ihr Rand, 2008, S. 64. hinter (südlich) den Nrn. 2–4 und war von diesen durch eine Mauer getrennt. Die Stadt verkaufte den Schützenhof 1682. An Stelle des Schützenhofs entstand 1766 durch den Reichsgrafen Manderscheid-Blankenheim der Blankenheimer Hof.Leonard Ennen: Geschichte der Stadt Köln, Band 3, 1869, S. 933.

Reichsgraf Manderscheid-Blankenheim verband ihn mit dem benachbarten Schützenhof (Nr. 4–6).Hans Vogts: Die profanen Denkmäler der Stadt Köln, 1930, S. 516. Der Nesselroder Hof (Nr. 4) fiel als „Nationalgut“ nach dem Abzug der Franzosen dem preußischen Staat zu, der ihn 1909 an die Stadt Köln veräußerte, während der Rechtsübergang erst 1911 stattfand.Ernst Zander: Befestigungs- und Militärgeschichte Kölns, Band 1, 1944, S. 562 f. Im Blankenheimer Hof übernachtete Napoleon Bonaparte zweimal. Der Blankenheimer Hof musste 1912 dem Durchbruch der Zeppelinstraße weichen.Josef Ruhland, Marianne Strutz-Köchel: Erhalten und gestalten, 1981, S. 246 Das 1907 fertiggestellte Polizeipräsidium (Schildergasse 122/Ecke Krebsgasse) übernahm nicht die Bauflucht der benachbarten Neumarkt Nr. 2, sondern wurde zurückgesetzt, um die hier einmündende Schildergasse zu verbreitern.Klemens Klemmer: Jacob Koerfer (1875-1930), 1987, S. 102.

Neumarkt Nr. 6 mini|hochkant|Richmodisturm (2010)