Herten ist eine große kreisangehörige Stadt im Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen. Als Mitglied des Kreises Recklinghausen gehört sie zum Regierungsbezirk Münster und ist darüber hinaus Teil der Metropolregion Rhein-Ruhr.

Geografie Räumliche Lage Die Stadt liegt im Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen. Die höchste Erhebung ist die Halde Hoheward im Emscherbruch in Herten-Süd mit 152,5 m. Die höchste natürliche Erhebung befindet sich im Westen des Recklinghäuser Lößrücken in Scherlebeck, nahe der Stadtgrenze zu Recklinghausen (-Hochlar) mit 110 m. Dort stehen auch die Wassertürme Herten.

Stadtgebiet mini|hochkant=1.5|Stadtteilkarte Das Stadtgebiet hat eine Fläche von 37,32 Quadratkilometern.Neubürgerbroschüre der Stadt Herten, herten.de (PDF; 7,0 MB), S. 23 Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 9,5 Kilometer, die West-Ost-Ausdehnung 6,5 Kilometer.

Herten besteht nach statistischer Gliederung der Stadt aus den neun Stadtteilen Scherlebeck, Langenbochum, Disteln, Paschenberg, Herten-Mitte, Herten-Südwest, Herten-Südost, Bertlich und dem größten Stadtteil, der bis Ende 1974 eigenständigen Stadt Westerholt.Stadtteilkarte von Herten auf herten.de (JPG; 9,3 MB)

Paschenberg im Norden und Herten-Mitte liegen in der Hauptsache auf dem Gebiet der alten Gemeinde Herten, auf deren südlichen Gebiet später der Wohn-Stadtteil Herten-Süd entstand. Das etwa 6,5 km² große Gebiet unmittelbar nördlich der Emscher, das heute die Halden Hoheward und Hoppenbruch trägt und deutlich durch die A 2 abgetrennt ist, wird seit jeher namentlich Hertener Mark genannt, analog der westlich benachbarten Resser Mark und dem – allerdings bewohnten – Recklinghäuser Stadtteil Hochlarmark im Osten; der Name ist auch als Straßenname erhalten. Dass Herten den Süden hingegen in einen West- und einen Ostteil trennt, ist vermutlich dem Wunsch geschuldet, jeweils vergleichbare Einwohnerzahlen zu haben; eine Siedlungs- oder Kulturgrenze stellen Ewald- und Schützenstraße im bewohnten Teil nicht dar. In der Hertener Mark wiederum springt die Grenze zwischen Südwest und Südost willkürlich nach Osten und verläuft über die Westflanke der Halde Hoheward. Neben den Halden und dem Hertener Emscherbruch (NSG) im Westen besteht die Hertener Mark aus drei deutlich voneinander getrennten Industriegebieten, nämlich dem ehemaligen Gebiet von Zeche Ewald im nördlichen Westen, dem Industriegebiet an der Industriestraße im Nordosten und dem durch die Halden abgetrennte Industriegebiet im Südosten.

Die Gebiete, die bereits im Jahr 1926 zusätzlich zu Herten kamen, sind die alten Bauerschaften der früheren Landgemeinde Recklinghausen Scherlebeck, Disteln, Ebbelich und Langenbochum. Lediglich das zwischen der Stadtmitte und Westerholt gelegene Ebbelich gründete keinen Stadtteil; der immer noch bauerschaftliche Wohnplatz wurde von Mitte annektiert, der Ebbelicher Berg nördlich der Bahngleise kam zu Paschenberg.

Im Jahr 1974 kam noch die früher eigenständige Freiheit Westerholt hinzu sowie von der ansonsten an Marl gegangenen Gemeinde Polsum die Bauerschaft Bertlich.

mini|hochkant=1.5|Übersicht Am 31. Dezember 2020 hatten die Hertener Stadtteile folgende Einwohnerzahlen:Einwohnerzahlen in Herten nach Stadtteilen auf herten.de Stadtteil Fläche in km², regioplaner.de (PDF; 3,1 MB); im Vergleich zur Angabe der Stadt Herten fehlen in der Summe der neun Bezirke 0,75 km², was vor allem an der grob falschen Zahl für Mitte liegt, wo ein Messwert angegeben ist. Auch der Wert für Disteln ist ein Messwert. Die Genauigkeit der Einzelflächen sollte man nicht höher als eine Nachkommastelle ansetzen. Einwohner Einwohner-dichte in EW/km² darunter Ausländer Ausländerquote Scherlebeck 5,9 6.896 1200 615 8,92 % Langenbochum 3,6 8.050 2200 829 10,30 % Disteln 2,1 6.861 3300 542 7,90 % Paschenberg 2,6 6.272 2400 1.374 21,91 % Herten-Mitte 4,4 8.726 2000 1.851 21,21 % Herten-Südwest 5,7 6.014 1100 1.532 25,47 % Herten-Südost 5,0 5.512 1100 1.151 20,88 % Bertlich 4,0 3.425 900 277 8,09 % Westerholt 4,0 10.841 2700 1.642 15,15 % Gesamt 36,6 62.597 1700 9.813 15,68 % Westerholt ist hiernach der größte statistische Bezirk, allerdings hat der eigentliche Stadtteil Herten-Süd (etwa 4,2 km²) eine sogar knapp höhere Einwohnerzahl und mit etwa 2700 Einwohnern pro km² die nach Disteln und zusammen mit Westerholt höchste Einwohnerdichte.

Geschichte Mittelalter und Frühe Neuzeit mini|hochkant=1.5|Karte des Deutschen Reiches 1 : 100.000 des heutigen Hertener Gebietes Ende des 19. Jahrhunderts;größere Teile der ehemaligen Landgemeinde Recklinghausen kamen erst 1926 zum Ortsgebiet, Westerholt und Bertlich erst 1975 mini|hochkant|Die Hertener Innenstadt mit dem Standbild Antonius’ des Großen – des „Vaters der Mönche“ Herten wurde um 1050 im Heberegister der Abtei Werden an der Ruhr als „Herthene“ erstmals erwähnt. Um 1350 wurden die Herren von Herten als Besitzer der Burg Herten erwähnt. Am 2. Februar 1376 wurde das Haus Herten (der Vorläufer des heutigen Schlosses) erwähnt. Im Mittelalter war der Ort Teil des Kurfürstentums Köln. Für etwa 300 Jahre war das Schloss Herten Sitz der Statthalter des kurkölnischen Gerichtsbezirks.

19. und 20. Jahrhundert Im Zuge der Säkularisation wurde das Vest Recklinghausen und damit auch Herten durch den Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 dem Herzogtum Arenberg-Meppen zugeschlagen. Als das Herzogtum aufgelöst wurde, fiel das Vest Recklinghausen am 22. Januar 1811 an das Großherzogtum Berg. Herten wurde zum Sitz eines Bürgermeisteramtes (Mairie), zu dem auch das Dorf Resse gehörte.Walter Vollmer: Westfälische Städtebilder. Berichte und Betrachtungen. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1963, S. 253. 1815 wurde Herten preußisch. 1816 wurde Herten dem damals gegründeten Kreis Recklinghausen zugeordnet. 1845 wurde die Herter Mark geteilt.Emi Wollny: Herten wird eine Stadt. Verlag der Buchhandlung Droste, Herten 1987, S. 82.

Gemäß der preußischen Landgemeindeordnung für die Provinz Westfalen vom 31. Oktober 1841 wurde Herten 1844 als Landgemeinde konstituiert, erhielt also eine gewählte Gemeindevertretung. Von 1844 bis 1856 gehörte die Landgemeinde zum Amt Recklinghausen. 1857 trat Herten aus dem Amtsverband aus und bildete seitdem ein eigenes Amt.Amtsblatt der Regierung Münster 1857: Bildung des Amtes Herten Erster Amtmann wurde Graf Felix von Droste zu Vischering von Nesselrode-Reichenstein († 1865), der damit die lange, von 1539 bis 1802 reichende Tradition der Leitung der örtlichen Verwaltung durch die Familie Nesselrode-Reichenstein wieder aufnahm.Emi Wollny: Herten wird eine Stadt. Verlag der Buchhandlung Droste, Herten 1987, S. 61.

Herten blieb bis zum Beginn des Steinkohlebergbaus 1872 dörflich geprägt. Die dann einsetzende Industrialisierung beschleunigte das Wachstum der Bevölkerung. Da das Arbeitskräfteangebot der Umgebung nicht ausreichte, wurden zahlreiche Polen, Tschechen und Slowenen angeworben. Herten entwickelte sich zu einer der größten Bergbaustädte in Europa, zwischen dem alten Dorf und dem Emscherbruch entstand der Stadtteil Herten-Süd.Emi Wollny: Herten wird eine Stadt. Verlag der Buchhandlung Droste, Herten 1987, S. 101–114. 1882 installierte man mit vier Petroleumlaternen erstmals Straßenbeleuchtung in der Gemeinde. Die Gasanstalt eröffnete am 29. September 1900. Am 10. Mai 1901 nahm die Straßenbahn den Betrieb auf. Während der Ruhrbesetzung 1923 stand die Stadt unter der Kontrolle der französischen Militärverwaltung.Emi Wollny: Herten wird eine Stadt. Verlag der Buchhandlung Droste, Herten 1987, S. 157–188.

Am 1. April 1926 wurden die Bauerschaften Ebbelich, Disteln, Langenbochum und Scherlebeck aus der Landgemeinde Recklinghausen herausgelöst und nach Herten eingemeindet. Die Einwohnerzahl nahm von 19.000 auf 35.500 zu, die Fläche der Gemeinde stieg von 1500 auf 2900 Hektar. Das Amt Herten wurde 1934 aufgehoben, wodurch Herten zu einer amtsfreien Gemeinde wurde. Am 20. April 1936 erhielt Herten das Recht, die Bezeichnung „Stadt“ zu führen, sowie am 8. Juni 1936 das Recht, ein eigenes Stadtwappen zu führen. Weitere Rechte waren gemäß der Deutschen Gemeindeordnung von 1935 nicht damit verbunden.

Wie überall im Deutschen Reich begann auch in Herten nach der sogenannten „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten 1933 die Drangsalierung und Verfolgung der jüdischen Bürger. Viele Hertener Juden wanderten darauf ins Mandatsgebiet Palästina, nach Belgien, nach Großbritannien oder in die USA aus.Alltag im III. Reich, Krieg und Kriegsende in Herten. Dokumentation zur Ausstellung im Rathaus Herten vom 8. Mai – 17. Juni 1985. Stadt Herten, Herten 1987, S. 82. Im August 1935 lebten noch 16 Juden in Herten. Vier jüdische Bürger der Stadt wurden in das Ghetto Riga deportiert und dort ermordet.Alltag im III. Reich, Krieg und Kriegsende in Herten. Dokumentation zur Ausstellung im Rathaus Herten vom 8. Mai – 17. Juni 1985. Stadt Herten, Herten 1987, S. 82 und 86.

Im Zweiten Weltkrieg kamen 62 Einwohner bei Luftangriffen ums Leben.Alltag im III. Reich, Krieg und Kriegsende in Herten. Dokumentation zur Ausstellung im Rathaus Herten vom 8. Mai – 17. Juni 1985. Stadt Herten, Herten 1987, S. 50. Herten erlitt mit einem Zerstörungsgrad von 16 % nur relativ geringe Zerstörungen, und 145 Häuser wurden zerstört.Erich Keyser: Westfälisches Städtebuch. Kohlhammer, Stuttgart 1954. Rathaus und Wasserschloss wurden bei Fliegerangriffen leicht beschädigt, und nur an der Schlosskapelle entstanden größere Schäden. Insgesamt waren 21,1 % des Wohnraumes zerstört, und 11.600 m³ Trümmerschutt mussten abgefahren werden.Statistisches Jahrbuch deutscher Gemeinden. Braunschweig 1952, S. 387.

Durch den Zustrom von Flüchtlingen und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten und aus Siebenbürgen nach dem Zweiten Weltkrieg und die Attraktivität des Bergbaustandortes stieg die Bevölkerung der Stadt bis 1961 auf rund 52.000. Im Hertener Rathaus wurde eine umfangreiche Sammlung von Zeugnissen der Volkskultur der Siebenbürger Sachsen aus 28 Ortschaften zusammengetragen und ausgestellt.Walter Vollmer: Westfälische Städtebilder. Berichte und Betrachtungen. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1963, S. 258.

Am 1. Januar 1975 kam es im Zuge der kommunalen Neugliederung zur Eingliederung der Stadt Westerholt und des Ortsteils Bertlich.

Eingemeindungen 1. April 1926: Bauerschaften Ebbelich, Disteln, Langenbochum und Scherlebeck der aufgelösten Landgemeinde Recklinghausen 1. Januar 1975: Stadt Westerholt und Ortsteil Bertlich der Gemeinde Polsum

Einwohnerstatistik mini|hochkant|Schacht 2 der Zeche Ewald mini|Einwohnerentwicklung von Herten von 1871 bis 20161961 hatte Herten knapp 52.000 Einwohner. Einen Zuwachs von 17.686 Personen auf den historischen Höchststand von 70.795 brachte die Eingemeindung von Westerholt und Bertlich am 1. Januar 1975. Am 30. Juni 2005 betrug die „Amtliche Einwohnerzahl“ für Herten nach Fortschreibung des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen 65.070 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern).

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Dabei handelt es sich um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes. Die Angaben beziehen sich ab 1871 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Jahr Einwohner 1871¹ 870 1890¹ 3.600 1900¹ 12.186 1905¹ 15.475 1910¹ 17.673 1916¹ 17.350 1917¹ 17.134 1919¹ 18.347 1925¹ 19.167 1933¹ 34.256 1939¹ 32.697 Jahr Einwohner 1945 34.177 1946¹ 35.704 1950¹ 41.889 1956¹ 48.854 1961¹ 51.847 1965 52.724 1970¹ 52.669 1974 52.982 1975 70.647 1980 69.247 1985 68.004 Jahr Einwohner 1987¹ 67.806 1990 69.245 1995 69.183 2000 66.930 2005 64.807 2011¹ 61.505 2012 61.001 2016 61.461 2022 62.473 ¹ Volkszählungsergebnis

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