mini|200px|Adi Holzer im Jahr 2010 vor seinem Gemälde Jammerbucht Adi Holzer (* 21. April 1936 in Stockerau bei Wien in Niederösterreich) ist ein österreichischer Bildender Künstler, Illustrator, Zeichner, Maler, Grafiker, Glasmaler und Bildhauer von Bronzeplastiken und Glasskulpturen. Er arbeitet abwechselnd in seinen Ateliers in Værløse in Dänemark und Winklern in Österreich. In Österreich ist er Mitglied des Kärntner Kunstvereins.

Leben

Adi Holzer wurde am 21. April 1936 in der niederösterreichischen Stadt Stockerau geboren. Sein Vater, der Kaufmann Otto Holzer, hatte eine Lebensmittelgroßhandlung und starb 1942 im Alter von 33 Jahren. Adis Mutter Anna Maria Holzer heiratete 1944 Leo Kantor, den Gutsverwalter im Schloss Seebarn bei Graf Wilczek. Zu den frühesten Kindheitserinnerungen von Adi Holzer gehört der Jahrmarkt der Stadt Stockerau. Dort begeisterten ihn die gewaltigen Elefanten, die Stelzenläufer, die Hutschenschleuderer und die Zirkusdarbietungen mit dem Magier, der Kunstreiterin, dem Seiltänzer, dem Säbel- und Feuerschlucker, dem Löwenbändiger und der Frau ohne Unterleib.Adi Holzer beschreibt 1977 seine Erinnerungen an Stockerau in Spuren der Kindheit. Diese Große außerordentliche Kunstvorstellung mit dem Manegenzauber wurde später zu einem der wichtigen Themen seines Kunstschaffens. In dem nebenstehenden Bild Zirkusparade malt Adi Holzer den Elefanten und die Zirkusleute aus der Perspektive des Kindes: Der Elefant ist so riesig, dass er die Türme der Stadt weit überragt, und die Stelzen des Stelzenläufers sind so lang, dass der Stelzenläufer nach den Sternen greifen kann.

Adi Holzers Kindheit wurde von den Ereignissen des Krieges und der Nachkriegszeit geprägt. Die Flucht vor den russischen Truppen und der daraus resultierende häufige Wechsel des Wohnsitzes führte zu Aufenthalten 1944 im Schloss Seebarn, 1945 auf Schloss Moosham im Salzburger Lungau, 1946 in Retz bei seiner Großmutter Anna Fenk (Omi genannt) und seiner Tante Maria Fenk (Tante Muz genannt) und im Sommer 1947 auf der Burg Kreuzenstein bei Wien.

Die Tante Muz war eine seiner Lieblingstanten,Fotografie: Welt und Traum. Erinnerungen bevor alles verweht … S. 31. er fühlte sich ihr sehr verbunden. Sie war phantasiebegabt und träumerisch, visionär und hellseherisch, weltoffen und kontroversiell. In seinem Spätwerk erscheint sie unter dem Bildtitel Die lächelnde Tante. Seine frühen Kindheitserinnerungen verarbeitete er in seinen Büchern Spuren der Kindheit (1977), Imaginäres Tagebuch: Zwischen Himmel und Erde (1996), Welt und Traum. Erinnerungen bevor alles verweht … (2009) und in seinem Bildzyklus Welt der Kindheit. Sein Stiefvater Leo Kantor starb im Jahr 1954 nach einem Herzinfarkt.

Adi Holzer besuchte in Stockerau das Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium und machte dort 1955 seine Matura. Seine Geburtsstadt Stockerau weckte in ihm eine tief empfundene christliche Religiosität. Stockerau ist von dem heiligen Märtyrer Koloman geprägt, dem Adi Holzer im Jahr 1986 den Koloman Zyklus widmete. Er ist in Stockerau in der Pfarre, Kirchenplatz 3, ausgestellt.

Bei der Maturareise lernte er 1955 in Nizza seine Frau, die dänische Medizinstudentin und spätere Kinderärztin Kirsten Inger Mygind, kennen, die von ihm nach ihren Initialen Kim genannt wird. In den Jahren 1955–1960 studierte er an der Akademie der bildenden Künste Wien bei den Professoren Robin Christian Andersen und Herbert Boeckl. Adi Holzer beurteilt Herbert Boeckl 1996 so: Unter meinen Lehrern an der Wiener Akademie für bildende Künste war Herbert Boeckl die weitaus bedeutendste Künstlerpersönlichkeit. Er hatte Ausstrahlung – Charisma.Adi Holzer, Siegfried Karrer: Imaginäres Tagebuch: Zwischen Himmel und Erde. Verlag Galerien Weihergut, Salzburg 1996 (Zitat auf Seite 38).

Adi Holzer schloss sein Studium 1960 mit dem Diplom für Malerei ab. Anschließend arbeitete er 1960–1962 in Kärnten als Kunsterzieher am Bundesrealgymnasium Klagenfurt am Völkermarkter Ring. In den Jahren 1959 und 1960 begann er seine künstlerische Karriere. 1959 veröffentlichte er zwei Holzschnitte und drei Farbholzschnitte, 1960 einen Holzschnitt und einen Farbholzschnitt, einen Siebdruck und vier Farbsiebdrucke jeweils noch in kleinen Auflagen von drei bis dreißig Exemplaren – das war der Anfang von über tausend von Adi Holzer bisher veröffentlichten Druckgrafiken, die nur einen Teil seines bildnerischen Gesamtwerkes ausmachen.

Sieben Jahre lang lebte Adi Holzer von seiner Freundin und Verlobten Kim getrennt, da sie ihr Medizinstudium und ihre Arbeit als Kinderärztin in Dänemark wahrnahm. Nach seiner Heirat mit Kim 1962 in Dänemark und Flitterwochen im südlichen Österreich lebten beide in Hareskovby im Nordwesten von Kopenhagen. Seitdem trägt Kim den Ehenamen Kirsten Inger Holzer. Kim arbeitete 35 Jahre lang als Kinderärztin in Kopenhagen.

Adi Holzer lernte 1965 den Clown Charlie Rivel kennen, und er war mit dem dänischen Lyriker Jørgen Holmgaard eng befreundet, der bereits 1969 im Alter von 42 Jahren an einem Herzversagen starb. Mit diesen beiden Persönlichkeiten arbeitete er in Buchveröffentlichungen zusammen, ihnen widmete er zahlreiche eigene Werke; die Freundschaft mit ihnen prägte sein Denken und sein Lebenswerk. Er malte und radierte Charlie Rivel, schuf von ihm Plastiken und Glasskulpturen, und er widmete ihm das Buch „clown!“ hommage a charlie rivel. Seine Freundschaft mit dem Enkel von Charlie Rivel, dem Clown Benny Schumann, führte zu zahlreichen Auftritten dieses Artisten bei Vernissagen von Adi Holzer in Dänemark, Schweden und Österreich.

Im Jahr 1969 entschloss sich Adi Holzer, ausschließlich als bildender Künstler zu arbeiten und auf den Lehrberuf zu verzichten. Er baute 1974 im Nordwesten Kopenhagens in Værløse ein Gartenatelier als Anbau an den Backsteinbau Aladdins Hule. Im Garten fanden ab 1975 bei seinen Atelierausstellungen Konzerte, Zirkusvorstellungen und Theateraufführungen vor bis zu dreihundert Zuschauern statt. Die Arbeitsaufenthalte in Venedig (1983), Bibione (1984), an der Côte d’Azur in Nizza, Menton, Haut de Cagnes (1983), Antibes (1984) und Vence (1995) haben sein Lebenswerk ebenso geprägt wie seine Reisen nach Ägypten (1969), in die USA (1977) und nach Israel (1980, 1982, 1987, 1996 und 2000). In Israel besuchte er am 29. September 1980 Arik Brauer in En Hod. Im Anschluss an die Israelreisen veröffentlichte er 2002 das Buch Israel – heiliges Land. Im Jahr 1983 entstand ein dänischer Fernsehfilm über Adi Holzer.

mini|Personen und Ereignisse wecken Emotionen. Sein Bruder Otto starb 1985 an einem Herzinfarkt. In diesem Jahr arbeitete er in Kärnten. Dort erwachte in ihm der Wunsch nach einem Atelier in Kärnten. 1990 errichtete er es im Haus Holzer in Winklern im oberen Mölltal in der Nähe des Grossglockners; dort ist er Mitglied im Kärntner Kunstverein. Zahlreiche Bildwerke zeigen den Blick auf die Pfarrkirche Winklern und auf den Großglockner. In dem Pflegeheim Winklern schuf er 2003 großformatige Wandbilder in Seccomalerei zum Jahreszyklus Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Auch in der Umgebung von Winklern gestaltete er verschiedene Werke im öffentlichen Raum, beispielsweise 1998 ein Glasmosaik im Durchmesser von zwei Metern in der Wilhelm-Swarovski-Beobachtungswarte Grossglockner auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe. Seine Verbundenheit mit Kärnten und der geistesverwandten Osttiroler Mundartdichterin Gertraud Patterer führte zu der Veröffentlichung ihrer Osttiroler Mundartgedichte und Mundartdichtungen in seinen Büchern Tauerngold (1982), Die Kosakentragödie in Kärnten und Osttirol (2007) und in ihren eigenen Büchern Die Percht (2011) und Schneeflocken (2012).

Adi Holzer nahm an mehr als 300 internationalen Ausstellungen, Kunstmessen, Biennalen und Triennalen in Europa, USA und Australien teil. Seine handgemalten Glasfenster, Bilder und Fresken, seine Grafiken, Mosaiken, Bronzeplastiken und Glasskulpturen befinden sich in öffentlichen Gebäuden und Sammlungen sowohl in Europa als auch in USA, Ägypten, Australien und Japan. Im Januar 2005 erteilte ihm die Braunschweiger Karneval-Gesellschaft von 1872 den Auftrag, den Karnevalsorden für die Session 2005/2006 zu entwerfen.

Zu seinen Leitbildern gehören Marc Chagall, James Ensor, Vincent van Gogh, Gustav Klimt, Oskar Kokoschka, Alfred Kubin, Henri Matisse, Emil Nolde, Rembrandt van Rijn, Egon Schiele und Henri de Toulouse-Lautrec, aber er entwickelt eine eigenständige Bildwelt, in der er österreichische und skandinavische künstlerische Traditionen fortführt. Einer seiner Weggefährten ist der dänische Bildhauer Niels Helledie; zusammen mit ihm gestaltete er die Innenräume der Theodor-Fliedner-Kirche im Marienstift Braunschweig und die Hasseris Kirche in Dänemark. Zu seinem Freundeskreis gehört Herbert Lederer.

mini|Der Lebenslauf 1997 Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der Arbeit mit dem Medium Glas. 1982 begann er, die deutschen Kirchen St. Petri in Rüningen, das Marienstift und das Kirchenzentrum in Braunschweig mit handgemalten Glasfenstern auszustatten. Bis in die Gegenwart hat er Glasfenster für zahlreiche Kirchen und profane Gebäude in Dänemark und in Österreich gestaltet. Dazu gehören auch großformatige durchsichtige Glasmosaike. Ein bekanntes Beispiel ist das Glasmosaik in der Wilhelm-Swarovski-Beobachtungswarte auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe an der Großglockner-Hochalpenstraße. Adi Holzer schuf diese Glasarbeiten zwanzig Jahre lang in der Werkstatt Per Heebsgaard in Kopenhagen, Dänemark, und seit 2006 in der Glaserei und Glasmalerei Werkstätte Schlierbach im Stift Schlierbach in Österreich. Seit Dezember 2005 erarbeitet er seine Glasskulpturen in Zusammenarbeit mit Adriano Berengo und mit dessen hochqualifizierten Glasbläsern in den Glasstudios von Adriano Berengo Fine Arts in Murano / Venedig.Liste von Kurzfilmen bei . Ausgezeichnete Abbildungen seiner Glasskulpturen befinden sich in diesem Ausstellungskatalog: Adi Holzer: Conflict. Katalog zur Ausstellung in der Berengo Collection, Venedig 2010. Berengo Studio, Murano 2010 (englischer Text). Bis zum Jahr 2016 entstanden dort rund 70 verschiedene Glasskulpturen, Die Auflage jeder Glasskulptur beträgt sechs nummerierte und signierte Exemplare zuzüglich zwei Exemplare mit den Bezeichnungen A.P. 1/2 und 2/2. Daneben entstehen dort auch sakrale Werke wie beispielsweise Taufschalen für Kirchen und kleine Glasobjekte (Hemisphären).

Es war Adi Holzer bis zum Jahr 1993 nicht möglich, Kirchen in Dänemark mit religiösen Bildmotiven in Fresken und Kirchenfenstern zu versehen, selbst wenn die Kirchenvorstände der Kirchengemeinden dies von Adi Holzer verlangten. Die vorgesetzte Behörde Akademiraadet an der Akademie für die schönen Künste in Kopenhagen legte ihr Veto ein. 1994 widersprach der Bischof von Aalborg diesem Bilderverbot und genehmigte die Anträge der Kirchenvorstände. Damit war es Adi Holzer bereits in den Jahren 1994 und 1995 möglich, zwei dänische Kirchen mit seinen Kunstwerken zu versehen: die Husum Kirche in Kopenhagen und die Hasseris Kirke in Aalborg.

Adi Holzer beschreibt diesen öffentlich geführten „Kulturkampf“ 1996 so:

mini|Kim als Glasmalerin im Jahr 2015