Der Waldkauz (Strix aluco) ist eine mittelgroße Eulenart mit einer Verbreitung von Europa bis nach Westsibirien und in den Iran. Er kommt außerdem in Südostasien vor. In Mitteleuropa ist der Waldkauz gemeinsam mit der Waldohreule die häufigste Eule.Heintzenberg, S. 42. Er fehlt lediglich in baumarmen Gebieten.Bezzel, S. 312. Waldkäuze benötigen als Brutareal reich strukturierte Landschaften, in denen sich Wälder und Baumgruppen mit offenen Flächen abwechseln. Er ist ein Höhlenbrüter, der neben Baumhöhlen auch in Mauerlöchern, Felshöhlen sowie Dachböden brütet. Er frisst bevorzugt Mäuse, kann aber seine Ernährung bei Mäusemangel auf Kleinvögel umstellen.

Kennzeichnend für diese dämmerungs- und nachtaktive Eulenart ist eine gedrungene Gestalt mit rundem Kopf und einer rindenähnlichen Gefiederfärbung. Von September bis November sowie im zeitigen Frühjahr ist der Reviergesang des Männchens weithin hörbar.

Der Waldkauz war in Deutschland Vogel des Jahres 2017.Der Waldkauz als Vogel des Jahres 2017 auf der Website des Naturschutzbundes Deutschland (abgerufen am 11. Januar 2017)

Beschreibung Erscheinungsbild erwachsener Waldkäuze Der Waldkauz erreicht eine Körperlänge von 40 bis 42 Zentimetern und wiegt zwischen 330 und 630 Gramm.Mebs et al., S. 226. Weibchen sind tendenziell schwerer als die Männchen.Melde, S. 11. Das durchschnittliche Gewicht von in Deutschland gefangenen Waldkauzweibchen beträgt 560 Gramm, während Männchen 120 Gramm leichter sind. Der Körperbau ist kompakt, der Kopf wirkt im Verhältnis zur Körpergröße groß. Federohren wie bei der Waldohreule fehlen. Der Gesichtsschleier ist dunkel umrahmt und überwiegend einfarbig beigebraun. Oberhalb des Gesichtsschleiers finden sich zwei weißliche Farbstriche, die besonders bei den dunklen Farbmorphen auffallen. Der dicke Schnabel ist stark gekrümmt und gewöhnlich schwefelgelb mit einer hornfarbenen bis hellgrauen Schnabelbasis. Die Wachshaut wirkt geschwollen und ist leicht grünlich. Die Iris ist schwarzbraun, die Pupille blauschwarz. Die Augenlider sind kahl und blass rot. Die Krallen sind an ihrer Wurzel grau, gehen dann in ein Hornbraun über und enden in einer schwarzen Spitze.

mini|Porträt eines Waldkauzes, gut zu erkennen sind die zwei weißlichen Farbstriche am oberen Ende des Gesichtsschleiers. Waldkäuze kommen in Mitteleuropa in verschiedenen Farbmorphen vor. Dies reicht von einer grauen Farbvariante über eine braune bis hin zu einer rostbraunen. Die Grundfärbung des Gefieders ist weder vom Alter noch vom Geschlecht bestimmt, wie lange Zeit vermutet wurde. Sie stellt vielmehr eine Anpassung an unterschiedliche Lebensräume dar. Die verschiedenen Farbmorphen können durchaus im gleichen Gebiet vorkommen und verpaaren sich auch miteinander. Paare mit unterschiedlicher Grundfärbung haben häufig auch Junge mit beiden Farbvarianten.

Das Gefieder sitzt sehr locker und lässt dadurch den Waldkauz größer wirken, als er tatsächlich ist. Die Körperoberseite ist grundsätzlich dunkler als die Körperunterseite. Das Gefieder weist eine rindenartige Tarnfärbung auf: Die Schultern und Flügel haben helle Tropfenflecken, die im Halbdunkel des Waldes wie Sonnenflecken wirken und damit die Tarnung erhöhen. Eine vergleichbare Gefiederfärbung mit Tropfenflecken findet sich auch bei einer Reihe anderer Vögel wie Zwergohreule, Wendehals, Sperlingskauz und Ziegenmelker, die sich tagsüber bevorzugt in der Nähe von Stämmen aufhalten.Melde, S. 6. Die Federn der Körperoberseite haben jeweils seitlich verästelte Längsstreifen. Diese Ästelung ist vor allem auf dem Rücken und den Oberschwanzdecken dichter, so dass das Gefieder hier verwaschener wirkt. Die Schwungfedern sind braun, wobei die Außenfahnen weißliche, die Innenfahnen fahlbraune Querbinden aufweisen.Melde, S. 9.

Geographische Variationen im Erscheinungsbild mini|Die Nominatform Strix aluco aluco Obwohl die Farbmorphen überall in Europa vorkommen, dominieren braune bis rostbraune Waldkäuze in den luftfeuchteren Klimazonen Westeuropas. So weisen im holländischen Dünengebiet achtzig Prozent der dort lebenden Waldkäuze ein rostrotes Gefieder auf. Die graue Morphe kommt im östlichen Verbreitungsgebiet häufiger vor. Im äußersten Norden weisen dagegen alle Waldkäuze ein graues Gefieder auf. Die in Sibirien und Zentralasien lebenden Unterarten des Waldkauzes haben ein graues und weißes Gefieder. Die nordafrikanische Unterart ist dunkel graubraun. Die in Süd- und Ostasien vorkommenden haben ein quer- und nicht längsgestreiftes Gefieder. Um den Gesichtsschleier verlaufen bei diesen Arten außerdem feine Linien.

Die sibirischen und skandinavischen Unterarten sind zwölf Prozent größer und vierzig Prozent schwerer als westeuropäische Vögel. Dies entspricht der Bergmannschen Regel, nach der bei endothermen Tieren, d. h. bei Säugern und Vögeln, die Individuen einer Art in den kälteren Arealen ihres Verbreitungsgebietes größer sind als in den wärmeren.

Die Grundfärbung des Gefieders ist genetisch bedingt und Studien in Finnland und Italien lassen darauf schließen, dass die grauen Morphen unter den Waldkäuzen eine höhere Reproduktionsrate und ein besseres Immunsystem haben sowie weniger von Parasiten befallen werden als die braunen Morphen. Da die Waldkäuze bei der Partnerwahl keine Präferenzen bezüglich der Gefiederfärbung zeigen, ist der Selektionsdruck auf braune Farbmorphen aber nicht sehr stark. Die in Italien durchgeführten Untersuchungen belegen aber auch, dass die Gefiederfärbung eine evolutionäre Anpassung an verschiedene Lebensräume ist. Waldkäuze mit einer braunen Grundfärbung treten vor allem in Waldgebieten auf. In Finnland dagegen dominieren entsprechend der Glogerschen Regel graue Waldkäuze.

Flugbild Die Flügel des Waldkauzes sind im Vergleich zu anderen Eulenarten eher kurz, breit und gerundet; die Spannweite beträgt 81 bis 96 cm.

Waldkäuze sind wendige Flieger, die auch in dichten Baumbeständen sicher und schnell manövrieren. Ihr Flugbild ist verglichen mit dem der Waldohreule plumper, langschwänziger und breitflügliger. Waldkäuze fliegen mit schnellen Flügelschlägen. Der grundsätzlich geradlinige Flug wird immer wieder von längeren Gleitphasen unterbrochen.Heintzenberg, S. 43.

Erscheinungsbild der Jungen mini|Ein kurz nach dem Schlüpfen aus dem Nest gefallenes Küken Frisch geschlüpfte Küken sind dicht und verhältnismäßig kurz grauweiß bedunt. Auch die Beine sind mit einem dichten Dunengefieder bedeckt, das bis zu den Krallen reicht. Lediglich auf der Rückseite des Laufgelenks finden sich keine Dunen. Die Wachshaut ist bei ihnen noch fleischfarben. Sie färbt sich sehr schnell in ein Graurosa mit einer rosa Basis um. Der Eizahn fällt zwischen dem 6. und 7. Lebenstag ab. Die Augen sind anfangs geschlossen und öffnen sich erst zwischen dem 8. und 11. Lebenstag.Melde, S. 77.mini|Waldkauz als ÄstlingAb etwa dem 14. Lebenstag erscheinen die ersten Dunen auf dem Rücken, die ein wellenförmiges Muster aufweisen. Je nach Farbmorphe sind diese und das wollig wirkende Zwischenkleid blassbräunlich oder gräulich weiß und weisen eine dichte braune, graue oder rostbraune Bänderung auf. Verhältnismäßig ungewöhnlich ist, dass dieser Querstreifung ein längsgestreiftes adultes Gefieder folgt. Im Alter von etwa sechs Wochen setzt die nächste Mauser ein, bei der bis auf Schwanzfedern, Schwingen und die großen Handdecken alle Federn gewechselt werden. Die Entwicklung dieses Kleides ist mit knapp fünf Monaten abgeschlossen.Melde, S. 78. Die Jungen sehen zwar den Altvögeln jetzt sehr ähnlich, lassen sich aber anhand der Großgefiedermauser noch bis ins 3. Kalenderjahr eindeutig unterscheiden.Kevin Baker: Identification Guide to European Non-Passerines. In: BTO Guide 24, 1993, S. 284–287

Lautäußerungen Waldkäuze verfügen über ein großes Lautrepertoire, deren einzelne Rufe in Lautstärke und Klangfarbe stark variieren. Dagegen verfügen Waldkäuze nur über sehr wenige Instrumentallaute. Der Flug ist geräuschlos. Sie lassen lediglich bei aggressiver Erregung ein Schnabelknappen hören.

Der typische Ruf des Waldkauzes ist das vom Männchen geäußerte langgezogene, heulende Huh-Huhuhu-Huuuh, das vorwiegend während der Balzzeit zu hören ist. Bei diesem Ruf folgt auf ein gedehntes Huuuu nach kurzer Pause ein gestoßenes Hu und am Ende der Strophe ein vollklingender Roller von zwei bis drei Sekunden Länge.Hans-Heiner Bergmann, Hans-Wolfgang Helb, Sabine Baumann: Die Stimmen der Vögel Europas – 474 Vogelporträts mit 914 Rufen und Gesängen auf 2.200 Sonogrammen. Aula-Verlag, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-89104-710-1, S. 309 und S. 310. Die Länge und Form der Strophe ist abhängig vom Erregungszustand des Kauzes. Die Männchen, deren Rufe individuell so charakteristisch sind, dass sie daran unterschieden werden können, rufen sowohl auf einer Anwarte sitzend als auch fliegend. Zum Rufrepertoire des Männchens gehört auch ein trillerndes Wuwuwuwu..., das besonders beim Zeigen der Nisthöhle und unmittelbar vor der Begattung zu hören ist.

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Das Weibchen gibt ein raues Kuwitt von sich. Dieser Ruf ist besonders häufig in der Balzzeit zu hören, wenn Männchen und Weibchen abwechselnd rufen. Auch Stein- und Raufußkauz verfügen in ihren jeweiligen Rufrepertoires über einen Kuwitt-Ruf. Das Kuwitt des Waldkauzes ist allerdings schärfer. Von Waldkauzmännchen ist dieser Ruf gelegentlich auch zu hören. Er zeigt mit diesem Ruf seinen Standort an, lässt ihn aber gelegentlich sogar in den Rufduellen mit dem Weibchen hören.Melde, S. 14.

Junge Waldkäuze, die noch in der Nisthöhle sitzen, betteln mit leisen Zickzickzick-Rufen um Futter.Melde, S. 16. Mit zunehmendem Lebensalter verändert sich dieser Ruf in ein heiseres Kszik und noch später in ein Pitjäh, das dann über Kewick-Laute schließlich in das Kuwitt der ausgewachsenen Waldkäuze übergeht.

Verbreitung und Lebensraum mini|280px|Verbreitungskarte des Waldkauzes (ohne Himalajakauz) Der Waldkauz besiedelt in der Paläarktis die Laubwälder und Mischwälder der gemäßigten und der mediterranen Zone bis an den südlichen Rand der borealen Nadelwälder. Die Verbreitung des Waldkauzes ist disjunkt, er kommt in zwei räumlich getrennten Arealen in Europa und Asien vor. Das westliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Westeuropa und Nordwestafrika bis nach Iran und Westsibirien. Das kleine östliche Verbreitungsgebiet umfasst die zentralasiatischen Republiken – außer Turkmenistan – sowie Afghanistan und den Norden Pakistans. Daran schließt sich ein Gebiet an, das über den Himalaya bis nach China und Korea reicht und vom nahe verwandten Himalajakauz besiedelt ist. Dieser wird in der Literatur teilweise noch als Unterart des Waldkauzes geführt.Mebs et al., S. 227.

Der Waldkauz ist in den kälteren Regionen seines Verbreitungsgebietes ein Vogel der Tiefebenen. In Schottland brütet er in Höhenlagen bis zu 550 Meter über NN. In den Alpen kommt er bis in Höhen von 1800Adrian Aebischer: Waldkauz Strix aluco. In: Eulen und Käuze. 2008, S. 213. und in der Türkei von 2350 Meter vor.Mebs et al., S. 228. Eine Unterart, die jetzt zum Himalajakauz gezählt wird, brütet In Myanmar noch in Höhenlagen von 2800 Metern über NN.

Waldkäuze sind ausgeprägte Standvögel, die ihr Revier auch im Winter nicht verlassen. Lediglich die Jungtiere wandern in verschiedenen Richtungen ab, sobald sie flügge sind. Die Dispersionszeit der Jungvögel fällt mit der Herbstbalz der Waldkäuze zusammen. Die Elternvögel vertreiben in dieser Zeit den Nachwuchs aus ihrem Revier. Die meisten jungen Waldkäuze siedeln sich meist unweit des Reviers der Elternvögel an. Die Dispersiondistanzen unterscheiden sich je nach geographischer Lage. Während juvenile Waldkäuze in der Schweiz oder Deutschland im Median 6 km dispersieren, so legen juvenile finnische Waldkäuze im Median 17 km bis zu ihrem Brutgebiet zurück.Dani Studler: Distanzen und Richtungen dispersierender Waldkäuze (Strix aluco) in Europa von 1910 bis 2015. In: Dispersion des Waldkauzes, 2017, S. 33–37.