Praxis Bülowbogen ist der Titel einer deutschen Fernsehserie, die von 1987 bis 1996 von der ARD in Zusammenarbeit mit der NFP Neue Film Produktion produziert und im Vorabendprogramm des Ersten Deutschen Fernsehens ausgestrahlt wurde.
Im Mittelpunkt der Serie steht der Arzt Dr. Peter Brockmann, dargestellt von Günter Pfitzmann. Neben den vielen Alltagsproblemen seiner Patienten hat sich Brockmann mit seiner schwierigen Familie auseinanderzusetzen und nebenher seine Beziehungsprobleme, insbesondere zu seiner Arzthelferin Gabi Köhler zu meistern, die von Anita Kupsch verkörpert wird.
Die Praxis befindet sich in der im Berliner Ortsteil Schöneberg. Die namensgebende Bezeichnung Bülowbogen leitet sich vom bogenförmigen Verlauf der Bülowstraße am östlich gelegenen Dennewitzplatz ab. In der Nähe verkehrt auch die U-Bahn-Linie U2 mit mehreren Hochbahnhöfen. Die Station Gleisdreieck verhalf dem von Klaus Schwarzkopf gespielten Obdachlosen zu dessen Spitznamen.
Nach 107 Folgen wurde die Serie eingestellt. Mit Günter Pfitzmann hörten auch Anita Kupsch und ein Teil der Belegschaft auf. 1997 erschien der Seriennachfolger Dr. Sommerfeld – Neues vom Bülowbogen mit Rainer Hunold in der Hauptrolle.
Alle sechs Staffeln wurden auf DVD veröffentlicht.
Protagonisten der Serie Peter Brockmann Peter Brockmann ist praktischer Arzt und betreibt eine stets gut besuchte hausärztliche Praxis im West-Berliner Ortsteil Schöneberg. Sein Vater war Apotheker in Berlin und kam an der Ostfront im Zweiten Weltkrieg ums Leben. Seine Patienten stammen aus unterschiedlichen sozialen Schichten. So ist er oft mit Problemen wie Dauerarbeitslosigkeit, Armut und damit einhergehenden Auswirkungen wie Drogenkonsum, Alkoholabhängigkeit und häuslicher Gewalt konfrontiert. Er steht seinen Patienten mit Rat und Tat zur Seite und unterstützt sie auch bei Anliegen, die weit über medizinische Fragestellungen hinausgehen, wodurch er oftmals auch selbst in Schwierigkeiten gerät, die mitunter zu Mord- und Gewaltandrohungen führen. Hiervon lässt er sich jedoch nicht beirren.
Im Laufe der Serie kommen Einzelheiten über seine Biografie ans Licht. So wurde er im Alter von 17 Jahren, gemeinsam mit dem kompletten Jahrgang der Oberprima, im Zweiten Weltkrieg als Flakhelfer eingezogen. Später studierte er Medizin in Greifswald und Berlin und legte dort seine Examina ab. Im Anschluss daran folgte er seinem Doktorvater, der Berlin aus politischen Gründen verließ, an die Universität nach Wien und promovierte dort im Fach Medizin.
Zu Beginn der Serie ist er mit Hannelore (genannt „Lore“) Brockmann (geborene Maerker) verheiratet, die ihn jedoch 20 Jahre zuvor verließ und zunächst spurlos verschwunden war. Aus der Ehe ging seine Tochter Kathrin hervor, die ihrerseits acht Jahre alt war, als ihre Mutter wegging.
Im Lauf dieser 20 Jahre sowie im Serienverlauf unterhielt Brockmann Beziehungen zu unterschiedlichen Frauen, zunächst zu seiner Sprechstundenhilfe Gabi. Diese Beziehung zerbrach allerdings, weil sich Brockmann nicht scheiden lassen, Gabi aber heiraten wollte. Dennoch bleiben beide sehr eng miteinander befreundet.
Spätere Beziehungen zerbrechen nach einiger Zeit. Dazu gehört die Beziehung mit der Restaurantbesitzerin Bea Knapp, mit welcher er zum Serienstart liiert war und die Beziehung mit der Rechtsanwältin Iris Pauli, mit welcher Brockmann von Mitte der ersten Staffel bis zum Ende der zweiten Staffel verbunden war. Mit der Apothekerin Pia Michaelis geht er sogar eine Verlobung ein, allerdings findet eine Hochzeit niemals statt, da die Beziehung zum Ende der vierten Staffel ebenfalls zerbricht.
Im Verlauf der ersten Staffel kehrt seine Frau Lore unerwartet zurück und offenbart ihm, dass sie ihn verlassen habe, da sie sich damals sehr vernachlässigt fühlte und Peter immer nur mit der Medizin beschäftigt war. Sie habe einen Mann namens George kennengelernt und sei in die Vereinigten Staaten ausgewandert.
George sei zwar mittlerweile gestorben, habe ihr aber ein großes Vermögen und eine Villa in Hollywood hinterlassen. In der zweiten Staffel wird die Ehe von Peter und Lore im gegenseitigen Einvernehmen geschieden. Nach der Scheidung bricht der Kontakt wieder ab, bis Peter Brockmann zu Beginn der fünften Staffel die Nachricht erhält, dass Lore an einer Krebserkrankung in den USA gestorben sei.
In der vorletzten Folge der Serie lernt Peter Brockmann durch einen Zufall seinen Kollegen Dr. Peter Sommerfeld kennen und versteht sich mit diesem auf Anhieb sehr gut. Sommerfeld erklärt ihm, dass er die Praxis gern übernehmen würde. Er arbeite zwar in einer Gemeinschaftspraxis mit einem Kollegen zusammen, verstehe sich doch mit diesem nicht mehr und würde gern seine eigene Praxis eröffnen, möglichst in der Gegend des Bülowbogens. Nach vielen Gesprächen und Diskussionen, insbesondere mit Gabi Köhler, plant Brockmann schließlich eine gemeinsame Hochzeit und kündigt an, dass er in absehbarer Zeit seine Praxis an einen Nachfolger übergeben wird. Ob es hierzu kommt, wird zwar nicht mehr thematisiert, allerdings startet die Nachfolgeserie damit, dass Peter Sommerfeld die bisherige Praxis von Peter Brockmann übernommen hat und als seine eigene neu eröffnet.
Kathrin Brockmann Kathrin Brockmann ist die gemeinsame Tochter von Peter und Lore. Sie ist ebenfalls promovierte Ärztin und arbeitet zu Beginn befristet in einem Krankenhaus. Bei der Rückkehr ihrer Mutter zeigt sich Kathrin zunächst abweisend, da sie Lore nachträgt, dass sie die Familie verlassen hatte. Schließlich kommt es jedoch zu einer Aussprache zwischen Mutter und Tochter. Eine Unstimmigkeit im Verlauf der Serie besteht darin, dass bei der ersten Begegnung zwischen Lore und Kathrin (Folge 19) von Briefen die Rede ist, die Lore aus Amerika geschrieben hatte und die Kathrin und ihr Vater auch gelesen hatten. Nach dem Tod Lores (Folge 82) tauchten Briefe Lores auf, die diese geschrieben, aber nie abgeschickt hatte. Mehrere Andeutungen Peters und Kathrins (Folgen 89 und 90) lassen darauf schließen, dass sie zu Lebzeiten Lores keine Briefe aus Amerika erhalten hatten.
Im Verlauf der zweiten Staffel erhält sie ein Stellenangebot aus Münster. Gleichzeitig macht ihr Peter Brockmann das Angebot, in seiner Praxis mitzuarbeiten. Dieses Angebot nimmt sie an und steigt als Fachärztin für innere Medizin in die Praxis ein, wodurch diese nach 30-jährigem Bestehen zur Gemeinschaftspraxis wird (Folge 35). Sie beginnt im Verlauf der dritten Staffel eine Beziehung zu Carlos Neuhaus, dem Bruder von Peter Brockmanns zeitweiliger Lebensgefährtin Pia Michaelis. Nachdem dieser sie jedoch betrügt, begeht sie während einer Autofahrt einen Suizidversuch, den sie schwerverletzt überlebt. Danach ist sie vorübergehend querschnittsgelähmt. Sie zieht mit ihrem Vater in eine Parterrewohnung im Haus von Richard Solms, wo sie sich in dessen Stiefsohn Wolf verliebt. Nachdem sich dieser jedoch wieder mit seiner Frau versöhnt hat, endet die kurze Beziehung. Während dieser Zeit befindet sie sich auf dem Wege der Besserung und lernt langsam wieder zu laufen. Um ihre Therapiefortschritte weiter voranzutreiben, geht sie mit ihrem ehemaligen Studienkollegen Christian Eschenbach nach Freiburg, um sich dort weiter behandeln zu lassen. Nach einiger Zeit schickt sie ihrem Vater einen Brief und teilt ihm mit, dass sie mit Christian Eschenbach eine Beziehung begonnen hat, in Freiburg bleibt und daher nicht mehr in die Gemeinschaftspraxis zurückkehren wird.
Familie Maerker
Die Familie Maerker ist die Familie von Peter Brockmanns Frau bzw. Exfrau Lore, die zunächst in einer Villa auf der Insel Schwanenwerder lebt. Auch er wohnt in einem Holzhaus auf deren Grundstück. Durch den Besitz einer Firma für medizinische Produkte ist die Familie sehr wohlhabend. Der ursprüngliche Eigentümer und Gründer, der verstorbene Konsul Kurt Maerker, ist der Vater von Lore. Nach seinem Tod wurden die Firmenanteile in Form von Aktien zwischen seiner Witwe Anna und seinen Kindern Gisela, Lore und Georg aufgeteilt. Außerdem arbeiten einige Familienmitglieder in der Geschäftsleitung. Während Georg Maerker und seine Schwester Gisela Saalbach als promovierte Chemiker in Funktion zweier gleichberechtigter Gesellschafter hauptsächlich für die Produktion verantwortlich sind, kümmert sich Bernd Saalbach, der Mann von Gisela Saalbach, als Prokurist (ohne im Besitz von Aktien zu sein) um das Geschäftliche und hegt immer wieder den Wunsch nach Expansionen und Erschließung von neuen Geschäftsbereichen, z. B. im Bereich der Kosmetik. Peter Brockmann verwaltet jedoch die Geschäftsanteile seiner Frau in deren Abwesenheit und verfügt deswegen im Aufsichtsrat über eine Sperrminorität, sodass viele solcher Vorhaben aufgrund seines Vetos gekippt werden, wodurch er Bernd Saalbach gegen sich aufbringt.
Als dieser ein Expansionsvorhaben am Aufsichtsrat vorbei genehmigt und einen Vertrag mit einer sich später als unseriös herausstellenden Marketing-Agentur abschließt, die in Wirklichkeit nur an Firmenanteile kommen möchte, gerät der Betrieb in eine solche finanzielle Schieflage, dass sogar die Insolvenz droht. Peter Brockmann kann in diesem Fall Abhilfe schaffen, da er der Firma aus der Dividende der Geschäftsanteile seiner Frau einen Kredit über 1,6 Millionen Mark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund Millionen Euro) gewährt. Er knüpft dies allerdings an die Bedingung, dass Bernd Saalbach in seinen Kompetenzen beschnitten wird und Entscheidungen, die er fällt, von seinem Schwager Georg Maerker abzeichnen lassen muss, solange bis der Kredit vollständig zurückgezahlt ist, damit das Geld seiner Frau nicht leichtsinnig aufs Spiel gesetzt wird.
Seitdem beginnt Bernd Saalbach aus Rache gegen Peter Brockmann zu intrigieren. So streut er zum Beispiel die Vermutung, dass Peter Brockmann überhaupt nicht zum Führen eines Doktortitels berechtigt sei, da er im Fach Medizin nie promoviert habe. Dies kann allerdings später zu dessen Gunsten aufgeklärt werden. Er hatte es seinerzeit versäumt, seine Promotion in Deutschland anerkennen zu lassen. Später versucht er über Lore Brockmann, die nach ihrer Scheidung und Abschluss aller Geschäfte wieder in die USA zurückkehren will, an deren Firmenanteile zu kommen bzw. sie auf seine Seite zu ziehen. Da sich Peter Brockmann aber weiter um diese Angelegenheiten kümmern soll, scheitert auch dieser Plan. Bernd Saalbach treibt seine Intrigen schließlich so weit, dass er auf Beschluss aller Anteilseigner entlassen werden soll. Dieser Entlassung kommt er jedoch mit seiner Kündigung zuvor. Danach erhält er eine Anstellung bei einem nicht näher beschriebenen Konzern. Nachdem er weitere Intrigen gegen die Familien plant, die allesamt nicht funktionieren, betrinkt er sich in einer Kneipe, verursacht mit seinem Auto im betrunkenen Zustand einen Unfall, bei dem zwei Menschen schwer verletzt werden und begeht Fahrerflucht. Daher verliert er seinen Führerschein, wird zu einer Geldstrafe und 18 Monaten Haft verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Zudem muss er mit weiteren zivilrechtlichen Konsequenzen rechnen und schiebt die Schuld hierfür auf die Familie Maerker, die ihn psychisch völlig fertiggemacht habe und fordert daher eine Entschädigung in Millionenhöhe. Einige Zeit später sucht er noch einmal den Kontakt zur gesamten Familie, seinen Kindern und zu Peter Brockmann, entschuldigt sich bei allen für sein Verhalten und verabschiedet sich, da er eine Stelle als Manager bei einer Firma in Leipzig angenommen hat. Kurz darauf nimmt er sich, vermutlich durch eine Überdosis Schlaftabletten, das Leben. Gisela Saalbach zieht kurz nach Bernds Suizid mit den noch minderjährigen Söhnen Jens und Hinrich in die Schweiz, um dort eine neue Stelle anzutreten. Da die bereits volljährige Tochter Annelie Saalbach bereits zum Ende der zweiten Staffel zum Studium nach Passau gezogen ist, tritt dieser Familienzweig mit dem Umzug in die Schweiz während der vierten Staffel nicht mehr in Erscheinung, sondern wird nur noch gelegentlich erwähnt.