Siatista ( ) ist eine Kleinstadt und ein Gemeindebezirk (Dimos Siatistas; Δήμος Σιάτιστας) der Gemeinde Voio im Westen des Regionalbezirks Kozani in der Region Westmakedonien, Griechenland. Bis 2010 war Siatista eine eigenständige Gemeinde, seit 1952 eine ‚Stadtgemeinde‘ (dimos).

Geographie, Geologie und Klima Geographie 250px|mini|Panoramablick auf Siatista mini|Die Hauptkirche von Siatista mini|Das Rathaus (Dimarchio) mini|Die Hauptstraße

Siatista liegt an der südlichen Flanke des Berges Velia (Höhe 1688 m) auf einer Höhe von 650 bis 920 m. Die Kleinstadt Siatista selbst erstreckt sich bogenförmig in einem Tal, dessen nördliche, nordöstliche und östliche Grenze der Velia und dessen südliche, südwestliche, und westliche Begrenzung eine Hügelkette ist. Lediglich nach Nordwesten in Richtung Kastoria und nach Südsüdost in Richtung Grevena ist das Tal, in welchem Siatista liegt, offen. Weiter südöstlich der Kleinstadt Siatista beginnen die nordwestlichen Höhenzüge des Vourinos (Höhe 1866 m). Zwischen dem Vourinos im Süden und dem Velia im Norden verläuft von Westsüdwest nach Ostnordost ein zwischen ca. 600 m und 1200 m breites und knapp 9,5 km langes Tal, welches das Tal des Flusses Aliakmonas im Westen mit der Ebene von Eordaia (Kozani-Ptolemaida-Becken) verbindet. Im 18. Jahrhundert wurde dieses verkehrstechnisch wichtige Tal auch als Klisoura von Siatista bezeichnet. Der Fluss Aliakmonas passiert in 4 bis 5 km Entfernung westlich der Ortsmitte der Kleinstadt Siatista das Gemeindegebiet von Nordnordwest nach Südsüdost. Durch Siatista fließt der kleine Fluss Siatistikos (Siatístikos Potamós), welcher sich südlich mit dem kleinen Fluss Tservenia (Tservénia Réma) vereinigt und als Siatistikos in den Aliakmonas mündet.

Das Gemeindegebiet von Siatista beginnt im Norden bei Breitengrad 40° 46' Nord und erstreckt sich nach Süden bis Längengrad 40° 53' Nord. Im Westen liegt die Grenze beim Längengrad 21° 07' Ost und im Osten bei Längengrad 21° 24' Ost.A. Michailidis, F. Chatzitheodoridis, I. Mountousis, K. Papanikolaou: The Use of Real Options Methodology to Pasturelands Evaluation. (PDF) In: American Journal of Applied Sciences, 2006, 3 (8), S. 1984 ff. Das Gemeindegebiet von Siatista ist insgesamt gebirgig. Die Höhe über dem Meeresspiegel variiert zwischen 500 und 1600 m. Der größte Teil liegt auf Höhen von mehr als 800 m.

Zur Gemeinde Siatista gehören die Ortschaften Mikrokastro (4,7 km westlich von Siatista), Paleokastro (8,3 km östlich von Siatista) und Dafnero (9,1 km östlich) sowie das Kloster Moni Kimiseos Theotokou Mikrokastro.

Siatista liegt 21 km (Luftlinie) bzw. 30 km (Straßenverbindung) westsüdwestlich der Präfekturhauptstadt Kozani. Die Entfernung nach Grevena im Südwesten beträgt ebenfalls 21 km Luftlinie und knapp 30 km Straßenverbindung. Nach Kastoria im Nordwesten beträgt die Entfernung 39 km Luftlinie (ca. 50 km Straße), nach Kalambaka im Süden sind es 61 km Luftlinie, nach Metsovo im Südwesten 63 km, nach Ioannina im Südwesten 90 km, nach Veria im Nordosten 62 km, nach Ptolemaida im Nordnordosten 30 km und nach Florina im Norden 60 km. Die Entfernung zwischen Siatista und der zweitgrößten griechischen Stadt Thessaloniki im Ostnordosten beträgt 126 km, zur griechischen Hauptstadt Athen im Südosten sind es 316 km Luftlinie.

Geologie Das Gebiet der Gemeinde Siatista gehört zur geotektonischen Zone West-Pelagonia und wird vorwiegend aus metamorphen Gesteinen gebildet: Phyllite, Gneis und Kalkstein.

Klima Die von 1992 bis 2001 ermittelte Durchschnittstemperatur in Siatista beträgt 13,0 °C, die mittlere Niederschlagsmenge im gleichen Zeitraum betrug 337 mm. Die Sommer in Siatista sind lange und warm, die Winter insgesamt mild und relativ kurz. Niederschlag tritt im gesamten Jahr auf, vorwiegend jedoch im Herbst/Winter. In Siatista traten auch besondere Wetterereignisse auf. Am 13. Juni 1930 starben in der Region von Siatista 22 Menschen infolge von Hagel.Barbara Tufty: 1001 Questions Answered about Hurricanes, Tornadoes, and Other Natural Air Disasters. 2. Auflage. Courier Dover Publications, 1997, ISBN 0-486-25455-0, S. 146.

Geschichte

Vorgeschichte und Antike (bis 395 n. Chr.) Die Geschichte der Gemeinde Siatista beginnt im Paläolithikum (Altsteinzeit). In der Nähe der Ortschaft Paleokastro innerhalb der heutigen Gemeindegrenzen wurde ein Faustkeil aus Stein entdeckt.George A. Christopoulos: Prehistory and Protohistory. Volume 1. Pennsylvania State University Press, 1974, S. 43. Auch eine prähistorische Bronzenadel wurde in der Gegend von Siatista gefunden,Rastko Vasić: Die Nadeln im Zentralbalkan: Vojvodina, Serbien, Kosovo und Makedonien. Franz Steiner Verlag, 2003, ISBN 3-515-07920-3, S. 67. Siedlungsreste aus dieser Zeit wurden bisher nicht entdeckt.

Die Gegend um Siatista gehörte in der Antike zur Landschaft Südliche Orestis der antiken Region Makedonien.J. S. Gandeto: Ancient Macedonians: Differences Between the Ancient Macedonians and the Ancient Greeks. Writer's Showcase Press, 2002, ISBN 0-595-23306-6, S. 10 ff. In Siatista fand man Reste einer antiken Siedlung. William Martin Leake berichtete Anfang des 18. Jahrhunderts über das Vorhandensein antiker Mauerreste im Bereich der Ortschaft Paleokastro.William Martin Leake: Travels in Northern Greece. Band 1. Rodwell, 1835, S. 313. Auf seinem Feldzug nach Theben passierte Alexander der Große das Tal, die Klisoura von Siatista, unmittelbar östlich von Siatista.Nicholas Geoffrey Lemprière Hammond: Sources for Alexander the Great: an analysis of Plutarch's life and Arrian's Anabasis Alexandrou. Cambridge University Press, 2007, ISBN 0-521-43264-2, S. 205.A. B. Bosworth: Conquest and Empire: The Reign of Alexander the Great. Cambridge University Press, 1993, ISBN 0-521-40679-X, S. 32.

Byzantinische Zeit (395–1390) In der Zeit der Herrschaft des byzantinischen Reiches ist über die Region von Siatista nichts Detailliertes bekannt. Eine Siedlung hatte in diesem Zeitraum nicht bestanden. Analog dem weiteren Umfeld von Nordwestgriechenland war Siatista ab dem 6. Jahrhundert Durchzugs- oder Zielgebiet der Slawen. Eine dauerhafte Ansiedlung erfolgte offensichtlich nicht. Mitte bis Ende des 9. Jahrhunderts kam die Region von Siatista unter Kontrolle des ersten bulgarischen Reiches, dessen Territorien Zar Samuil I. erfolgreich auf das griechische Festland ausdehnen konnte. Die byzantinische Herrschaft ging somit zeitweilig verloren, wurde im Verlauf des frühen 10. Jahrhunderts wiederhergestellt. 1204 endet die byzantinische Herrschaft erneut mit der Einnahme von Konstantinopel durch die Kreuzfahrer des vierten Kreuzzugs. Welchem der nachfolgend errichteten Kreuzfahrerstaaten die Region von Siatista unterstellt wurde (Königreich Thessaloniki, Despotat Epirus) ist nicht bekannt. Das Despotat Epirus erlangte spätestens 1224 die Kontrolle über die Region Siatista mit der Einnahme von Thessaloniki. Das Despotat Epirus blieb maximal bis 1259 Herrscher über die Region Siatista: in der im gleichen Jahr stattfindenden Schlacht von Pelagonia unterlag das Despotat Epirus dem Kaiserreich von Nikäa und mit dessen fortgesetzter Machtausweitung kommt 1264 mit der Rückeroberung von Konstantinopel die Region von Siatista wieder unter byzantinische Kontrolle. Mitte des 14. Jahrhunderts dehnt das serbische Königreich unter König Stefan Uroš IV. Dušan seinen Machtbereich bis weit nach Zentralgriechenland aus. Die Region von Siatista gelangte somit unter serbische Kontrolle, welche allerdings aufgrund des frühen Todes des serbischen Königs nicht lange anhielt. Die Byzantiner erlangten erneut die Herrschaft, aber nur noch für kurze Zeit. Ende des 13. Jahrhunderts eroberten die Streitkräfte des osmanischen Reiches die Region um Siatista. Während dieser gesamten mittelalterlichen Zeit gibt es keine sicheren Belege für eine dauerhafte Siedlung auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Siatista.

Osmanische Zeit bis zum 19. Jahrhundert (1390–1800) Die heutige Stadt Siatista wurde wahrscheinlich im 15. Jahrhundert unter Besatzung des osmanischen Reiches gegründet. Andere Quellen geben die Mitte des 16. Jahrhunderts als Gründungszeit an.Alexandros Ph. Lagopoulos, Karin Boklund-Lagopoulou: Meaning and Geography: The Social Conception of the Region in Northern Greece. Walter de Gruyter, 1992, ISBN 3-11-012956-6, S. 58. Um den Reglementierungen und den Repressalien der osmanischen Herrscher möglichst zu entgehen, schlossen sich Bewohner umliegender Dörfer zusammen und gründeten die neue Siedlung Gerania (Γεράνεια).Apostolos E. Valacopoulos: The Greek Nation, 1453–1669. The Cultural and Economic Background of Modern Greek Society. Rutgers University Press, 1976, ISBN 0-8135-0810-X, S. 58. Der Name findet sich noch heute in einer Stadtteilbezeichnung. Gesicherte schriftliche Quellen zur exakten Datierung der Errichtung der Gemeinde sind nicht verfügbar.

Nach Einfällen von Albanern in der Region im Jahr 1612 nahm der Ort viele Flüchtlinge auf. Ihre Blütezeit erreicht die Stadt im 17. und 18. Jahrhundert.Apostolos E. Valacopoulos: The Greek Nation, 1453–1669. The Cultural and Economic Background of Modern Greek Society. Rutgers University Press, 1976, ISBN 0-8135-0810-X, S. 68. Die Einwohnerzahl betrug zum damaligen Zeitpunkt etwa 12.000. Webereien und Gerbereien prägten zu dieser Zeit das Ortsbild. Siatista wurde Anfang des 17. Jahrhunderts zu einer regelrechten Handelsstadt: Karawanen verließen die Stadt mit Waren sowohl der Stadt selbst als auch Waren aus dem Nahen Osten und zogen über Bitola (damals Monastir) nach Belgrad, und weiter über Zemun (bereits Österreich-Ungarn) nach Budapest und Wien.Apostolos E. Valacopoulos The Greek Nation, 1453–1669. The Cultural and Economic Background of Modern Greek Society. Rutgers University Press, 1976, ISBN 0-8135-0810-X, S. 264. Neben dem Handelsverkehr in Form von Karawanen siedelten sich auch Händler aus Siatista in den mitteleuropäischen Großstädten an. Beispielsweise lehrte der Philosoph Methodios Anthrakitis (1660–1736), welcher Standpunkte der Aufklärung entsprechend denen von Rene Descartes vertrat, nach einem Aufenthalt in Venedig in Ioannina, Kozani und Siatista.Jonathan Irvine Israel: Enlightenment Contested: Philosophy, Modernity, and the Emancipation of Man 1670-1752. Oxford University Press, 2006, ISBN 0-19-927922-5, S. 321.

19. Jahrhundert bis Beginn der Balkankriege (1800–1912) Im Vorfeld des griechischen Unabhängigkeitskrieges von 1821 bis 1829 mit der anschließenden Unabhängigkeit Griechenlands und Beendigung der osmanischen Besatzung spielten Bewohner aus Siatista eine wichtige Rolle, allerdings nicht in Siatista, sondern in Wien. Im Oktober 1790 erhielten die aus Siatista stammenden Brüder Poulios und Georgios Makridis Poulios die Erlaubnis (Lizenz) des österreich-ungarischen Kaisers, die Gazette (Zeitung) Ephemeris zu veröffentlichen, die erste regelmäßig bis 1797 zweimalig in der Woche erscheinende griechischsprachige Zeitung der Neuzeit.Zeitungsartikel. In: Makedonia, Thessaloniki, 21. Oktober 2007 (griechisch); makthes.gr abgerufen am 2. November 2007. Rigas Fereos (1757–1798), einer der Vordenker der griechischen Unabhängigkeitsbewegung, publizierte in dieser Gazette eine Verfassung für ein von der osmanischen Herrschaft befreites Griechenland.Thanos Veremis. Greece: The Modern Sequel: from 1831 to the Present. C. Hurst & Co, 2002, ISBN 1-85065-462-X, S. 334. Nach der Verhaftung von Rigas Fereos wurde die Zeitung Ephemeris verboten.