mini|Bruno Frey (2010)

Bruno S. Frey (* 4. Mai 1941 in Basel) ist ein Schweizer Wirtschaftswissenschaftler. Er gilt als einer der Pioniere der Ökonomischen Theorie der Politik und der ökonomischen Glücksforschung sowie als führender Forscher im Bereich der Kulturökonomik.

Frey ist ständiger Gastprofessor für Politische Ökonomie an der Universität Basel. Des Weiteren ist er Forschungsdirektor des von ihm gegründeten CREMA – Center for Research in Economics, Management and the Arts in Zürich.

Frey hat in wissenschaftlichen Zeitschriften der Nationalökonomie sowie in Journalen der Politikwissenschaft, der Managementlehre, der Psychologie, der Soziologie, des Rechts, der Geschichte, der Kunst und Kultur und der Theologie veröffentlicht.

Er steht laut aktuellem research-Ranking weltweit auf Platz 16 der Kategorie Economics and Finance und auf Platz 3 der Kategorie Political Science.Bruno S. Frey, auf research.com In der Wirtschaftswoche (14.12.23) war Frey Nummer 1 im Ranking für das wissenschaftliche Lebenswerk für Ökonomen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Ausbildung, Tätigkeiten Bruno Frey beendete 1964 sein Studium der Nationalökonomie an der Philosophisch-Historischen Fakultät der Universität Basel und an der Universität Cambridge (England) mit dem Licentiatus rerum politicarum (Lizenziat). Er wurde 1965 promoviert und habilitierte sich 1969 an der Universität Basel, der er von 1970 bis 2010 als ausserordentlicher Professor verbunden blieb. Eine ordentliche Professur erhielt Frey 1970 an der Universität Konstanz; 1977 wechselte er als Ordinarius für Volkswirtschaftslehre an die Universität Zürich. Von 2010 bis 2013 arbeitete er als Distinguished Professor of Behavioural Science an der Warwick Business School. (PDF; 78 kB)

Ende Juli 2012 liess die Universität Zürich das Arbeitsverhältnis des mittlerweile emeritierten Professors auslaufen. Laut Medienberichten war Kritik an Freys wissenschaftlicher Arbeitsweise Anlass der Entscheidung. Von 2012 bis 2015 war Frey Gastprofessor für Politische Ökonomie an der Zeppelin Universität Friedrichshafen. Seit August 2015 ist Frey Permanent Visiting Professor an der Universität Basel, wo er Mitgründer des Center for Research in Economics and Well-Being (CREW) ist. (aufgerufen am 6. Juni 2020).

Frey ist seit 1969 tätig als Mitherausgeber der volkswirtschaftlichen Fachzeitschrift Kyklos.www.kyklos-review.ch Seit 2004 leitet er als einer der vier Forschungsdirektoren das CREMA (Center for Research in Economics, Management and the Arts), eine private unabhängige Organisation, gemeinsam mit seinen Mitgründern Reiner Eichenberger (Universität Fribourg) und René L. Frey und der später dazugekommenen Margit Osterloh (Universität Zürich).www.crema-research.ch

2004 wurde er neben vier Nobelpreisträgern in das achtköpfige Expertenkomitee des Copenhagen Consensus berufen. Hier wurden, auf der Basis von ökonomischen Kosten-Nutzen-Analysen, Empfehlungen dazu erarbeitet, welchen Herausforderungen der Menschheit (Hunger, AIDS, Wasserversorgung, Zugang zu sanitären Einrichtungen, Handelsbeschränkungen, Korruption und globale Erwärmung) Priorität beigemessen werden sollte.

Frey hat die im November 2016 veröffentlichte Charta der Digitalen Grundrechte der Europäischen Union unterstützt.Volltext (PDF; 2 MB) mit Liste der Unterstützer und Liste der Initiatoren.

Frey ist Mitglied im Kuratorium von Mehr Demokratie e.V.

Forschung Freys Forschungsschwerpunkt ist die Anwendung der Ökonomie auf neue Bereiche (Politik, Kunst, Geschichte, Terrorismus und Krieg, Familie) und die Erweiterung des Modells menschlichen Verhaltens durch Einbezug psychologischer und soziologischer Elemente (Verhaltensökonomie). Er hat sich jeweils als einer der ersten Ökonomen befasst mit den Gebieten: Empirische Modelle zum Zusammenhang von Wirtschaft und Politik, insbesondere politisch-ökonomische Konjunkturzyklen Neue Konzepte des Föderalismus (Functional, Overlapping, Competing Jurisdiction, FOCJ) Crowding-out und intrinsische Motivation Auszeichnungen.

Politik, Politische Ökonomie Demokratie und Föderalismus Auf diesem Gebiet befasste sich Frey hauptsächlich mit der Rolle der direkten Demokratie. Er entwickelte (zusammen mit Reiner Eichenberger) eine funktional orientierte Form des Föderalismus namens Functional Overlapping Competing Jurisdiction (FOCJ). Die Autoren betrachten sowohl die direkte Demokratie als auch den Föderalismus als richtungsweisende Institutionen der Zukunft.Beat Kappeler (Hrsg.): Was vermag Ökonomie?: Silvio Borner, Bruno S. Frey, Kurt Schiltknecht zu wirtschaftlichem Wert, Wachstum, Wandel und Wettbewerb. Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2007, ISBN 978-3-03823-331-2, S. 29

Ökonomie des Terrorismus Frey argumentiert, dass Terroristen möglichst in die zivile Gesellschaft zurückgebracht werden sollten, indem man mit ihnen diskutiert und ihre Anliegen ernst nimmt. Ein wirksames Mittel gegen Terrorismus sei auch eine Dezentralisierung von Wirtschaft und Politik. Abschreckungen seien selten sinnvoll für den Umgang mit Terroristen. Hierbei beruft sich Frey auch auf geschichtliche Erfahrungen.Dealing with Terrorism: Stick or Carrot. Cheltenham, UK and Nothhampton, Mass.: Edward Elgar Publishing Ltd.(2004)

Neue Vorschläge zu Demokratie und Partizipation Aus einer Public Choice Perspektive entwickelt Bruno S. Frey unterschiedliche demokratie- als auch partizipationsrechtliche Ideen, die sowohl im politischen als auch im wirtschaftlichen Kontext Anwendung finden können: Unternehmen könnten Stimmrechte, die gewöhnlich bei den Eigentümern bzw. Gesellschaftern liegen, teilweise an die Belegschaft, Kunden oder andere am unternehmerischen Prozess beteiligte Akteure ausgeben, um damit von derer Nähe und Wissen über den operativen Geschäftsprozess zu profitieren und über teilhabe Motivation zu generieren. Bezüglich demokratischer Wahlsysteme in einem Staat schlägt Bruno S. Frey eine Kopplung von Wohnhaft und Stimmrecht sowie einem respektive Einschleifen und Ausschleifen von Stimmengewichtungen vor. Damit folgt er dem grundlegenden demokratischen Konzept, dass diejenigen entscheiden, welche betroffen sind. Einwanderer beispielsweise könnten nach den ersten zwei Jahren 20 %, nach fünf Jahren 50 % und auch 100 % des Stimmgewichtes erhalten. Im Ausland lebende Staatsbürger würden respektiv ein abnehmendes Stimmrechts-Gewicht erhalten. Für Pendler wiederum wäre eine Aufteilung des Stimmrechts 50 % am Wohnort, 50 % im Land der Anstellung denkbar. Bezüglich Verfassungsrechtlichen Entscheidungen schlägt Frey eine überproportionale Gewichtung von Stimmen von älteren Wählern vor. Ganz im Gegensatz zu der gewöhnlichen Argumentation, dass junge Menschen stärker in demokratische Entscheidungen involviert sein sollten, da Entscheidungen weiter in ihre persönliche Zukunft hinein reichen, geht Frey davon aus, dass bei verfassungsrechtlichen Grundsatzentscheidungen alte Menschen weniger Eigeninteressen geleitet entscheiden und damit tragfähigere Entscheidungen zustande kommen. Bezüglich des Phänomens knapp aussehender Volksabstimmungen schlägt Frey vor, dass die knapp gescheiterte Opposition dazu angehalten werden sollte, sofort ein Gegenvorschlag bzw. neuen Kompromiss auszuarbeiten, über welchen zeitnah wieder abgestimmt wird und welcher potentiell einen grösseren Teil der Bevölkerungsmeinungen abbildet. Frey schlägt zudem vor, dass zufallsbasierte oder aleatorische Konzepte neben Wahlen in Demokratien eingesetzt werden könnten. Das Zufallsprinzip erlaubt die konkrete Garantie von Chancengleichheit, Fairness und präziser Representation und reduziert damit politische Probleme, welche die Neue Politische Ökonomie beschreibt. Volksreferenden könnten per Los entschieden werden, dessen Gewichtung könne auf den Abstimmungsergebnissen beruhen. Parlamentsmitglieder könnten teilweise per Los aus der Gesamtbevölkerung in das Parlament gewählt werden.

Flexible Entscheidungsregel Als Alternative zur etablierten Einfachen Mehrheitsregel schlägt Frey die Flexible Entscheidungsregel vor. Diese Änderung ist deshalb erforderlich, weil auch bekannte direktdemokratische Verfahren keine vollumfängliche Mitsprache ermöglichen. Denn wenn Entscheidungen durch einfache Mehrheiten erfolgen, werden die Anliegen der Überstimmten vernachlässigt. Flexible Entscheidungsregeln sollen genau diesen Nachteil von Mehrheitsregierungen überwinden. Sie funktionieren wie folgt: Die Wählerschaft stimmt über einen Vorschlag ab. Die unterlegene Meinung wird nun nicht, wie bisher, vollständig ausgeschlossen, sondern in dem Maße ihres Teilerfolges mit in die zukünftige Lösung integriert. Wenn bei einer Abstimmung zur Senkung des Wahlalters von 18 auf 16 Jahre das Ergebnis beispielsweise so lautet, dass 65 Prozent dagegen und 35 Prozent dafür sind, würde den Jugendlichen bisher jegliches Stimmrecht verweigert. Mit der neuen Regelung könnte hingegen vereinbart werden, dass Jugendliche unter 18 Jahre zwar kein volles Stimmrecht erhalten, aber immerhin 35 Prozent des Gewichts einer vollen Stimme.

Neuer Vorschlag zur Flüchtlingspolitik Im April 2016 publizierte Bruno Frey zusammen mit der Ökonomin Margit Osterloh einen viel beachteten Artikel, der auch im Radio und Fernsehen diskutiert wurde.Kulturzeit-Interview mit Margit Osterloh Sie schlagen in Analogie zum Genossenschaftsmodell vor, dass Flüchtlinge einen Anteilschein zum Eintritt ins Land erwerben müssen. Wer einen solchen Anteilsschein kauft, kann in das entsprechende Land einreisen und erhält eine Arbeitsbewilligung. Anerkannten politischen Asylbewerbern wird die Gebühr zurückerstattet. Mit diesem Verfahren würden die kriminellen Schlepper ausgebootet und die Integrationsmotivation der Flüchtlinge gestärkt. Ausserdem werde ihre Bereitschaft zur Rückkehr in ihr Heimatland unterstützt, nicht zuletzt, weil sie dann ihren Anteilschein verkaufen und mit dem Geld eine Position in ihrer Heimat aufbauen können. Die Flüchtlinge würden nicht länger als passive «Ware» behandelt, sondern können sich als Individuen selbst entscheiden. Der Vorschlag sei somit für die Flüchtlinge, das Empfängerland und das Heimatland vorteilhaft.

Night light intensity als Indikator ökonomischer Aktivität Es ist weitgehend bekannt, dass viele autokratische Regierungen systematisch offizielle BIP-Statistiken manipulieren. Die Determinanten liegen allerdings noch grösstenteils im Verborgenen, mit Ausnahmen in spezifischen Kontexten wie der Autokratie oder bestimmten Beförderungsstrukturen. Durch die Erweiterung um institutioneller Faktoren, die die Datenmanipulation beeinflussen können, liegen folgende Ergebnisse vor:

Wirtschaftliche Offenheit verringert die Manipulation, Dezentralisierung erhöht diese. Politische Offenheit verringert die Manipulation für Länder, die das BIP zu niedrig ausweisen, und erhöht die Manipulation für Länder, die das BIP zu hoch ausweisen. Überraschenderweise werden keine Auswirkungen der Pressefreiheit und der Unabhängigkeit des statistischen Amtes gefunden.

Ein darauf aufbauendes Thema beschäftigt sich mit der Frage nach den Manipulationsmöglichkeiten von Nachtlichtintensität, die als exogene, aus dem Weltraum gemessene Indikatoren gelten. Es wird davon ausgegangen, dass sie unabhängig von Manipulationen durch Regierungen sind, was bei herkömmlichen BIP-Messungen ein ernstes Problem darstellt. Messungen der nächtlichen Lichtintensität sind daher für eine Vielzahl von Akteuren, einschliesslich Wirtschaftsforschern, von grossem Nutzen. Wir argumentieren jedoch, dass die Annahme, Nachtlichtindikatoren seien exogen, weil sie aus dem Weltraum stammen, in Zweifel gezogen werden muss. Nachtlichtmessungen können in der Tat von der Regierung manipuliert werden, indem verschiedene politische Entscheidungen, z. B. zur Reduktion von Lichtverschmutzung verabschiedet werden. Wenn Regierungen die von Satelliten gesammelten Daten manipulieren, um das GDP zu übertreiben, entsteht ein Zielkonflikt mit Umweltbelangen.

Verhaltensökonomik