Das Bahnbetriebswerk Lüneburg (Kurzform Bw Lüneburg, Abkürzung Lbg) war ein Bahnbetriebswerk für Dampflokomotiven der Deutschen Bundesbahn (DB) und ihrer Vorgängerbahnen in Lüneburg.

mini|hochkant=1.4|Gleisplan des Bahnbetriebswerkes (Bw) Lüneburg:1: Ringlokschuppen, 16 Stände2: Drehscheibe, 23 m3: Wasserturm4: Wasserkran5: Schlackegrube6: Kohlebansen7: Stellwerk Lf8: Bahnsteig zwischen Gleis 2 und 39: Tankstelle und Wasserfüllanlage (2008)10: Betriebswerkstatt Lüneburg (2008)Gleise: Stand November 1984 mini|Umgebauter Wasserturm des ehemaligen Bahnbetriebswerkes und P+R-Anlage mini|Anlagen der DB Netz auf der südlichen Geländehälfte. In dem erhalten gebliebenen Gebäude ist die Betriebswerkstatt Lüneburg untergebracht. mini|Tankstelle und Wasserfüllanlage, im Hintergrund der Turmtriebwagen der Betriebswerkstatt

mini|Kleinlokomotiven der Leistungsklasse II (Köf II) waren vor allem in den 1950er-Jahren in Lüneburg beheimatet. Erstmals wurden 1847 mit der Eröffnung der Bahnstrecke Hannover–Hamburg Schienenfahrzeuge in Lüneburg stationiert. 1960 wurden alle Fahrzeuge an benachbarte Betriebswerke abgegeben und nur noch Betriebspersonal vorgehalten. 1983 wurde die Dienststelle aufgelöst.

In Lüneburg waren hauptsächlich Dampflokomotiven stationiert. Daneben gehörten für kurze Zeit Akkumulatortriebwagen, Schienenbusse und Kleinlokomotiven zum Bestand. Die Größe des Bahnbetriebswerkes wurde im Verzeichnis der Bahnbetriebswerke der Deutschen Reichsbahn aus dem Jahre 1939 mit einer Belegschaft zwischen 200 und 599 Personen angegeben.

Betriebsanlagen Das Bahnbetriebswerk befand sich am Ende des Personenbahnhofes Lüneburg Ost, etwa 300 Meter südlich des Empfangsgebäudes, östlich der Gleise der Hauptstrecke Hannover–Hamburg. Zentrales Bauwerk war ein Ringlokschuppen mit 16 Ständen und einer Drehscheibe mit 23 Metern Durchmesser. An der Rückseite des Lokschuppens befand sich ein Wasserturm, der in anderer Funktion erhalten geblieben ist. An die Drehscheibe schlossen sich in Richtung Süden drei Gleise an, die zum Wasserkran und der Schlackegrube, sowie den Kohlebansen führten und in ein Nebengleis des Bahnhofes mündeten. Südöstlich des Lokschuppens befanden sich zwei Nebengebäude des Betriebswerkes, von den eines noch vorhanden ist.

Auf der nördlichen Hälfte des Geländes, auf der sich der Ringlokschuppen und die Drehscheibe befanden, wurde während einer Neugestaltung des Bahnhofsbereiches in den Jahren 1994 bis 2002 eine P+R-Anlage errichtet. Der Wasserturm wurde in ein Bürogebäude umgebaut. Die südliche Geländehälfte wird weiterhin von der Deutschen Bahn genutzt. In dem erhalten gebliebenen Gebäude hat die DB Netz die Betriebswerkstatt Lüneburg untergebracht. Die Gleise des Bahnbetriebswerkes sind auf dem Gelände der Deutschen Bahn noch vorhanden. An einem Gleis, das früher zur Schlackegrube und zum Wasserkran führte, betreibt die DB Netz eine Tankstelle für dieselbetriebene Schienenfahrzeuge und eine Wasserfüllanlage. Ein weiteres Gleis wird von der Betriebswerkstatt zum Abstellen eines Turmtriebwagens zur Fahrleitungsunterhaltung genutzt.

Geschichte Als die am 1. Mai 1847 eröffnete Eisenbahnstrecke Hannover–Hamburg von den Königlich Hannöverschen Staatseisenbahnen gebaut wurde, erhielt der Lüneburger Bahnhof einen Wagenschuppen und ein Maschinenhaus für zwei Lokomotiven. Die Wasserversorgung erfolgte mittels zweier Wasserstationen, von denen sich eine an der Ausfahrt Richtung Hamburg und die andere im Maschinenhaus befand. Der Bahnhof wurde erstmals ab 1863 erweitert, als die Strecke nach Lauenburg/Elbe gebaut wurde. Die Berlin-Hamburger Eisenbahn (BHE), die am 31. Dezember 1874 ihre Wittenberge-Buchholzer Zweigbahn eröffnete und dafür einen eigenen Bahnhof, jetzt Lüneburg West, gegenüber dem Staatsbahnhof baute, unterhielt in Lüneburg eine eigene Betriebswerkstätte.

Nach der Verstaatlichung der Berlin-Hamburger Eisenbahn 1884 gab es Überlegungen, die gesamte Bahnhofsanlage grundlegend um- oder völlig neu zu bauen. Das Rangieren war sehr aufwändig und die gesamte Bahnhofsanlage den Anforderungen nicht mehr gewachsen. 1892/93 begannen die Arbeiten zum Umbau des Bahnhofsgeländes, die bis 1900 dauerten. Die betriebliche Konzeption der Gegenwart geht auf diesen Umbau zurück.

Mitte November 1910 wurde eine Ladestation für Akkumulatortriebwagen in Betrieb genommen. Dem ging am 30. August eine Probefahrt eines in Uelzen beheimateten Akkumulatortriebwagens von Lüneburg in das 102,4 Kilometer entfernte Wittenberge voraus. Mit der Probefahrt sollte festgestellt werden, ob ein planmäßiger Verkehr möglich ist. Über das Ergebnis dieser Fahrt ist nichts bekannt, ab November verkehrten regelmäßig Akkumulatortriebwagen zwischen Lüneburg und Wittenberge. Die Ladestation wurde bis Februar 1917 betrieben.

Die ursprüngliche Betriebswerkstätte Lüneburg war eine Dienststelle des Maschinenamtes Stendal und gehörte zur Eisenbahndirektion (ED) Hannover der Preußischen Staatseisenbahnen, nach Bildung der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft umbenannt in Reichsbahndirektion Hannover. Am 1. Oktober 1931 wurde das Bahnbetriebswerk dem Maschinenamt Hamburg-Harburg und damit der Reichsbahndirektion Altona unterstellt.

Aus den 1930er-Jahren ist überliefert, dass im Bahnbetriebswerk neben Lokomotiven auch Eisenbahnwagen gewartet wurden. Ferner waren dem Betriebswerk Kraftwagen zugeteilt. Näheres dazu ist nicht bekannt.

Die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges blieben für das Bahnbetriebswerk Lüneburg bis zum Überfall auf die Sowjetunion zunächst gering. Die großen Raumgewinne an der Ostfront hatten einen riesigen Lokbedarf zur Folge. Das Betriebswerk gab zwischen Juli 1941 und August 1942 fast den gesamten Bestand an Schlepptender-Lokomotiven für den Kriegseinsatz ab. Die Lücken wurden teilweise durch so genannte Leihloks aus Frankreich geschlossen, die dort zwangsweise abgezogen wurden. Ab Mai 1943 wurden Maschinen der deutschen Einheitsbaureihe 50 stationiert, so dass ab 1944 wieder zahlenmäßig der Vorkriegsbestand erreicht war.

Am 22. Februar 1945 wurden der Bahnhof und seine nähere Umgebung von 30 US-amerikanischen Bombern des Typs Martin B-26 „Marauder“ angegriffen. Offiziell wurden dabei 267 Menschen getötet, inoffiziell 350. Der Schienenverkehr wurde fast vollständig lahmgelegt, nur über den Westbahnhof konnten noch unregelmäßig Züge verkehren. Ein zweiter Angriff gegen den Güterbahnhof wurde am 7. April geflogen, bei dem ein mit 400 Häftlingen besetzter KZ-Zug, der zu dem Zeitpunkt im Lüneburger Güterbahnhof abgestellt war, getroffen wurde. Die Zahl der Toten ist nicht bekannt. Nach Kriegsende waren alle baulichen Anlagen des Bahnbetriebswerks bis auf das Magazingebäude und die Werkstätten zerstört.

Das wieder aufgebaute Bahnbetriebswerk gab zum 1. März 1960 alle Dampfloks und einen Monat später zum 1. April auch die Triebwagen ab. Die Auflösung als eigenständige Dienststelle erfolgte am 28. Mai 1960. Die Personaldienststelle in Lüneburg stellte weiterhin das Betriebspersonal für die abgegebenen Fahrzeuge und den örtlichen Rangier- und Übergabedienst. Zum 1. Januar 1983 erfolgte die vollständige Auflösung. Die Anlagen selbst wurden sowohl nach der Auflösung des Bahnbetriebswerks wie auch nach der Auflösung der Personaldienststelle noch zum Abstellen von Schienenfahrzeugen genutzt.

Bahnstrecken Lüneburg liegt an drei Staatsbahnstrecken, auf denen die Fahrzeuge des Betriebswerkes zum Einsatz gekommen sind: Bahnstrecke Hannover–Hamburg (seit 1847) Bahnstrecke Lübeck–Lüneburg (seit 1864) Bahnstrecke Wittenberge–Buchholz (seit 1874)

Fahrzeuge In Lüneburg waren zur Reichsbahn- und Bundesbahnzeit 30–35 Dampflokomotiven gleichzeitig stationiert. Zur Länderbahnzeit gehörten kurzzeitig Akkumulatortriebwagenpaare zum Bestand, zur Bundesbahnzeit Uerdinger Schienenbusse mit Beiwagen. Die Reichsbahn begann mit der Beheimatung von dieselbetriebenen Kleinlokomotiven. Für die Hilfeleistung bei Unfällen war in Lüneburg ein Hilfszug stationiert. Aus den Jahren 1926 und 1939 ist ein Bestand von zwei Gerätewagen bekannt.

Baureihen Der Fahrzeugpark setzte sich zu zwei Dritteln aus schweren Güterzug- und zeitweise auch Personenzuglokomotiven zusammen. Das verbliebene Drittel verteilte sich zu etwa gleichen Teilen auf Güterzug- und Personenzug-Tenderlokomotiven.

Länderbahnen Lüneburg gehörte zum Königreich Hannover. In der Anfangszeit waren Lokomotiven der Hannoverschen Staatsbahn stationiert. Die Berlin-Hamburger Eisenbahn hielt in ihrer Betriebswerkstätte in den ersten Betriebsjahren unter anderem Lokomotiven mit der Achsfolge 1A1n2 vor. Diese Lokomotiven wurden ab Dezember 1869 von Borsig gebaut und trugen die Fabriknummern 2470–2474. Sie wurden als Götterserie bezeichnet, weil sie wie alle Lokomotiven der Berlin-Hamburger Eisenbahn Namen trugen und nach griechischen und römischen Göttern benannt waren. Diese Fahrzeuge wurde zwischen 1893 und 1899 ausgemustert.

Der erste überlieferte Triebfahrzeugbestand der Preußischen Staatseisenbahnen aus dem Jahr 1914 wies 48 Lokomotiven aus insgesamt zwölf verschiedenen Baureihen aus, wobei aus der Hälfte der Baureihen nur ein oder zwei Exemplare in Lüneburg vorhanden waren.

Zum Bestand gehörten drei Akkumulatortriebwagenpaare der Bauart Wittfeld, von denen zwei Neulieferungen ab 1910 und ein weiteres ab 1912 in Lüneburg stationiert waren. Die Triebwagen hatten ursprünglich eine Reichweite von 100 Kilometern. Ab 1911 wurden die Akkumulatoren bei fälligen Plattenwechseln auf einen Fahrbereich von 130 Kilometern umgebaut. Die Akkumulatortriebwagen wurden 1917 wieder aus Lüneburg abgezogen. Eines dieser Wagenpaare, AT 377/378, fiel als Reparationsleistung 1920 an die Polnischen Staatsbahnen (PKP).

Die vor dem Ersten Weltkrieg beheimateten Schnellzuglokomotiven der preußischen Baureihen S 1, S 2, S 3 und S 5.2 wurden während des Krieges oder in den Folgejahren ausgemustert oder abgezogen. Die ebenfalls in Lüneburg beheimatete Baureihe P 4.1 folgte Anfang der 1920er-Jahre. Die Schnell- und Personenzugloks wurden nicht durch andere Fahrzeuge ersetzt. Von den vier Güterzugbaureihen G 3, G 4.2/G 4.3, G 5.2 und G 7.2 blieb nur die letztgenannte bis in die 1920er-Jahre in Lüneburg stationiert. Insgesamt reduzierte sich die Typenvielfalt dauerhaft auf vier bis sechs Baureihen, die gleichzeitig im Bahnbetriebswerk beheimatet waren.

Schlepptender-Lokomotiven Ab 1923 wurde die Baureihe 57.10–35 stationiert. In den Jahren 1928 und 1929 wurde die bereits vor dem Ersten Weltkrieg vorhandene Baureihe 55.7–14 (G 7.2) durch die 55.25–57 ersetzt. Anfang der 1930er-Jahre sank infolge der Weltwirtschaftskrise das Transportvolumen und damit der Bedarf an Güterzuglokomotiven. In Lüneburg wurden deshalb die vorhandenen Lokomotiven der Baureihe 55.0-6 ausgemustert.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden fast alle schweren Lokomotiven für den Einsatz an der Ostfront abgegeben, darunter alle Loks der Baureihen 55.25-56, 56.2 (seit Februar 1938 in Lüneburg), 56.20–29 und 57.10–35. Ab Dezember 1940 waren Leihloks der französischen Baureihen 140 K, 040 (preußische G 8.1), 40 TA (1918/19 abgetretene preußische T 13) und 140 D im Einsatz, wodurch die Verluste teilweise ausgeglichen werden konnten. Zwischen Mai und August 1943 erhielt das Bahnbetriebswerk Lüneburg acht Neuanlieferungen der Einheitsbaureihe 50. Im Oktober und November 1943 wurden weitere Lokomotiven dieser Baureihe von der Reichsbahndirektion Königsberg und im Juni 1944 von der Reichsbahndirektion Posen übernommen. 1944 konnte wieder der Vorkriegsbestand von gut 30 Lokomotiven erreicht werden.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges und in den Folgejahren gelangten einzelne Lokomotiven verschiedener Typen nach Lüneburg, unter anderem die Baureihe 17, sowie die Baureihen Tp109 und Ty23 der polnischen Staatsbahnen PKP. Diese Loks wurden nach kurzer Zeit an andere Bahnbetriebswerke weitergegeben oder ausgemustert.