mini|Desmond Dekker im Jazzhaus Freiburg (1992) Desmond Dekker (eigentlich Desmond Adolphus Dacres; * 16. Juli 1941 in Kingston, Jamaika; † 25. Mai 2006 in Thornton Heath, Greater London, England) war neben Laurel Aitken und Prince Buster sowie (dem im damaligen Ska aber noch nicht ganz so bekannten) Bob Marley und Jimmy Cliff einer der bedeutendsten jamaikanischen Ska-Sänger und Komponisten.

Leben Desmond Dacres hatte schon als Jugendlicher die Eltern verloren. Nach seiner Ausbildung an der Alpha Boys School folgte eine Lehre und die Berufstätigkeit als Schweißer. Unter anderem mit Bob Marley begann er seine musikalische Laufbahn 1963 in der jamaikanischen Hauptstadt Kingston. Zunächst lehnten ihn die Musikproduzenten Coxsone Dodd (Studio One) und Duke Reid ab, doch dann gab ihm Leslie Kong eine Chance und nahm mit ihm die Skanummer Honor your Father and your Mother auf. Ein Jahr später wurde Dacres alias Desmond Dekker auf King of Ska von den Cherrypies begleitet, besser bekannt als The Maytals. Desmond Dekker stellte dann seine eigene Background-Gesangstruppe zusammen: die Aces, bestehend aus Wilson James und Easton Barrington Howard. Manchmal ließ er sich auch von den Four Aces, Easton Barrington Howard und seinen drei Brüdern Carl, Patrick und Clive, unterstützen. Von den Mitt- bis zu den Endsechzigern hatte Dekker eine beeindruckende Erfolgsserie mit 20 Nummer-eins-Hits in den jamaikanischen Charts.

Im Jahr 1967 sang Desmond Dekker gemeinsam mit seinem Halbbruder George (später bei The Pioneers) im Background auf Derrick Morgans Tougher Than Tough, das gemeinhin als der erste Rocksteady-Song gilt. Das Lied widmet sich der Thematik der Rude boys, rivalisierender Gangsterbanden, die in Kingston ihr Unwesen treiben. Dieses Thema stand auch im Mittelpunkt von Dekkers eigenem, von James-Bond-Filmen inspirierten Stück 007 (Shanty Town), das ein Top-15-Hit in England werden sollte. Dekker war ein Freund von Paul McCartney, der das wahrscheinlichPaul McCartney: Lyrics. 1956 bis heute. Hrsg. mit einer Einleitung von Paul Muldoon. Aus dem Englischen übersetzt von Conny Lösche. C. H. Beck, München 2021, ISBN 978-3-406-77650-2, S. 537. auf Dekker bezogene Desmond wiederholt im Song Ob-La-Di, Ob-La-Da vom sogenannten „Weißen Album“ erwähnte. Er belegte mit Unity den zweiten Platz beim alljährlichen jamaikanischen Songfestival, das er im folgenden Jahr mit Intensified gewann.

1968 gelang ihm mit seinem wohl bekanntesten Song Israelites der internationale Durchbruch. Das Lied wurde noch in Jamaika produziert und war der erste jamaikanische Welthit. Israelites erreichte 1969 Platz 1 sowohl in England als auch in Deutschland und ist ein Top-10-Erfolg in den USA. Thema des Songs ist die Armut der Bevölkerung und die daraus resultierende Gewalt. Dem Song folgte It Mek, ein Top-10-Erfolg in Deutschland und England. It Mek kann in etwa mit „deswegen ist es passiert“ übersetzt werden und war von einem Erlebnis seiner Schwester Elaine inspiriert, die vor ihrem Haus von einer Mauer gefallen war und nach Eiswasser geschrien hatte.

In den 1970er Jahren nahm Dekker das von Jimmy Cliff geschriebene Stück You Can Get It If You Really Want aus dem Film The Harder They Come auf, das Platz 2 in England erreichte. Der Song Pretty Africa behandelt die Rastafari-Thematik „Zurück nach Afrika“. Sing a Little Song von 1975 war erneut eine Top-10-Single in England. In den folgenden Jahren sollte ihm sowohl in England als auch in Jamaika kein großer Erfolg mehr beschieden sein. In der Ära des „2-Tone-Ska“ veröffentlichte er das Album Black & Dekker, das jedoch ein kommerzieller Flop wurde. 1984 musste Dekker sogar Bankrott erklären. 1993 nahm er, gemeinsam mit der 2-Tone-Band The Specials, das Album King of Kings auf.

Desmond Dekker war seit den 1970er Jahren in der englischen Grafschaft Surrey zu Hause. Er starb zwei Wochen nach einem Auftritt im nordenglischen Leeds am 25. Mai 2006 in seinem Haus im Alter von 64 Jahren an einem Herzinfarkt, ohne zuvor an Herzbeschwerden gelitten zu haben. Im Juni desselben Jahres wollte Dekker wieder auf Tournee gehen. Er war geschieden und hinterließ einen Sohn und eine Tochter.

Diskografie

Alben

Weitere Alben 1967: Action! 1970: You Can Get It If You Really Want 1980: Black and Dekker 1981: Compass Point 1981: Profile 1991: King of Ska (Varese) 1992: Music Like Dirt 1993: King of Kings 1996: Moving Out 1997: Intensified 1998: Writing on the Wall 2000: Halfway to Paradise

Kompilationen

Weitere Kompilationen 1974: Double Dekker 1978: Sweet 16 Hits 1985: Desmond Dekker and the Aces 1987: 20 Golden Pieces 1987: Official Live & Rare 1988: Greatest Hits 1989: The Best of & The Rest of Desmond Dekker 1991: King of Ska (Trojan) 1992: Rockin’ Steady: The Best of Desmond Dekker 1993: Israelites: 20 Greatest Hits 1994: Black & Dekker/Compass Point 1994: Shanty Town Original 1996: Archive 1997: First Time for a Long Time: Rarities… 1997: The Original Rude Boy 1998: Israelites: The Best of Desmond Dekker… 2000: Desmond Dekker 2000: Best of Desmond Dekker 2000: Desmond Dekker and the Aces "Action!" +… 2000: Gold 2001: Israelites: Anthology 1963–1999 2001: The Best of Desmond Dekker: The Israelites 2002: Israelites: The Best of Desmond Dekker 2003: Rudy Got Soul: The Complete Early Years… 2006: The Essential Desmond Dekker 2006: This Is Desmond Dekker (Bonustracks)

Singles

Weitere Singles 1963: Honour Your Mother & Father 1964: Jeserene (mit The Four Aces) 1964: King of Ska 1966: Rudy Got Soul (mit The Aces) 1967: Unity (mit The Aces) 1967: Hey Grandma 1967: Rude Boy Train 1967: Pretty Africa 1967: Sabotage 1968: Intensified (Music Like Dirt) 1968: Beautiful and Dangerous 1968: Writing on the Wall 1968: Bongo Girl 1968: Shing a Ling 1968: Fu Man Chu (mit The Aces) 1969: Problems 1971: The Song We Used to Sing 1973: It Gotta Be So 1973: Everybody Join Hands 1977: Roots Rock 1980: Rude Boy Train 1989: Honour Your Mother & Father / B-Sites 1990: The Israelites (feat. General Levy)

Gastbeiträge

Weblinks

Offizielle Website

Nachrufe Reggae legend Desmond Dekker dies In: BBC vom 26. Mai 2006 (englisch) Reggae-Legende: Desmond Dekker gestorben In: Spiegel Online vom 26. Mai 2006 Desmond Dekker, 64, Pioneer of Jamaican Music, Dies In: New York Times vom 27. Mai 2006 (englisch)

Musikbeispiele Desmond Dekker & The Aces: Desmond Dekker & The Aces: Desmond Dekker & The Aces: Desmond Dekker & The Aces:

Einzelnachweise

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