Die Zwerg-Wyandotte ist ein Zwerghuhn, das in den USA aus der Wyandotte erzüchtet wurde. Von dort aus trat es einen Siegeszug auch durch Europa an und zählt in Deutschland zu den beliebtesten und verbreitetsten Zwerghuhnrassen. Züchter verschiedener Länder haben bei der Weiterzucht unterschiedlichen Merkmalen besondere Beachtung geschenkt, sodass Tiere der gleichen Rasse und des gleichen Farbenschlages im Ländervergleich leicht unterschiedlich ausfallen. Um diesen Abweichungen Rechnung zu tragen, wurde für die in Deutschland gezüchteten Zwerg-Wyandotten 2018 offiziell die Rassebezeichnung Deutsche Zwerg-Wyandotte eingeführt. Sie zählen zu den „Nutzzwergen“, da sie viele Eier legen und auch ausreichend Fleisch ansetzen. Die beeindruckende Zahl von 28 Farbenschlägen zeigt aber, dass sie nicht ausschließlich als Nutztiere gehalten werden.

Namensgebend für die Großrasse, und damit auch die verzwergten Tiere, ist eine Gruppe nordamerikanischer Indianerstämme: die Wyandot oder Huronen.

Geschichte Bereits um die Jahrhundertwende (19./20. Jahrhundert) waren die Zwerg-Wyandotten in den USA bekannt. Von dort gelangten sie nach England. Karl Huth aus Frankfurt importierte von dort die ersten Tiere nach Deutschland, wo er sie 1906 das erste Mal zeigte. Die Tiere erfreuten sich sofort großer Beliebtheit und forderten viele Züchter dazu heraus, neue Farbenschläge zu erzüchten, sodass auf der 1. Nationalen Zwerghuhnschau 1920 in Leipzig weiße, rebhuhnfarbig-gebänderte, gestreifte, schwarze, silberfarbig-gebänderte, goldfarbene, weiß-columbiafarbene, rote und silber-schwarzgesäumte Tiere ausgestellt wurden. Die Zwerg-Wyandotten machten ein Fünftel aller ausgestellten Tiere aus.

Erzüchtung der verschiedenen Farbenschläge (Quellenangabe der Bezeichnung des Farbenschlags gilt für sämtliche Angaben zum Farbenschlag, wenn nicht anderweitig gekennzeichnet!) FarbenschlagErzüchterJahr der Erzüchtung / Erstausstellung /

Anerkennungverwendete ElterntiereBesonderheitenweißE.J. Brown, Scorries/GB

Hermann Küchler, Zuckelhausen/D

(Import von Bruteiern und Weiterzucht)1903

1910

1913 erstmals in D ausgestelltrebhuhnfarbiger Zwerg-Wyandotten-Hahn mit leichten weißen Wyandotten

zusätzlich Einkreuzung von weißen Zwerg-CochinIm Handbuch der Zwerghuhnzüchter aus dem Jahre 1921 berichtet Walter Rüst ausführlich über die Entstehung der weißen Zwerg-Wyandotten. Seinen Ausführungen zufolge importierte Küchler zwei Dutzend Bruteier aus England aus denen lediglich ein kleines Hähnchen schlüpfte. So war er gezwungen zusätzlich auf weiße Zwerg-Cochin-Hennen zurückzugreifen, um weiterzüchten zu können.rebhuhnfarbig-gebändert (ehemals: rebhuhnfarbig)K. Huth, Frankfurt/D

(Import und Weiterzucht)1906 erstmals in D ausgestellt

1910 anerkannterster nach Deutschland eingeführter Farbenschlagbraun-gebändertK. Huth, Frankfurt/D

(Import und Weiterzucht)1906 erstmals in D ausgestelltanfangs nur Hennenzuchtlinie für die rebhuhnfarbig-gebändertengoldhalsig (zwischenzeitlich: rebhuhnfarbig)K. Huth, Frankfurt/D

(Import und Weiterzucht)1906 erstmals in D ausgestelltanfangs nur Hahnenzuchtlinie für die rebhuhnfarbig-gebändertenschwarz1909 erstmals in D ausgestelltschwarze Wyandotten mit schwarzen Zwerg-Cochin, schwarzen Bantam und rebhuhnfarbigen Zwerg-WyandottengestreiftRichard Günther, Leipzig/Dab 1910 1913 erstmals in D ausgestelltPlymouth Rocks mit weißen Zwerg-Wyandotten, Dominikanern, weiß-schwarzcolumbiafarbene Brahma, porzellanfarbige Zwerghühner und weiße Orpingtonsilber-schwarzgesäumt (ehemals: silber)Franz Glasser, Berlin-Mariendorf/D

Weigel, Dresden/D

Otto Dittert, Wetzlar/D1917 erstmals in D ausgestelltu. a. weiße Zwerg-WyandottenGlasser, Weigel und Dittert gaben die Zucht wieder auf; heutige Tiere gehen auf Georg Schmidt jr., Mainbernheim/D zurück.silberfarbig-gebändert (ehemals: dunkel)Franz Glasser, Berlin-Mariendorf/D1917 erstmals in D ausgestelltklein gebliebener Wyandotten-Hahn, Zwerg-Wyandotten in weiß, silber-schwarzgesäumt und rebhuhnfarbig, dunkle Zwerg-Brahma und gestreifte Zwerg-Plymouth Rockssilberhalsigbei der Verbreitung als eigenständiger Farbenschlag spielte Rudolf Crössmann, Pfungstadt/D eine wichtige Rolleseit Zucht als eigenständiger Farbenschlag wurden goldhalsige und falsch gefärbte silberfarbig-gebänderte Zwerg-Wyandotten eingekreuztanfangs nur Hahnenzuchtlinie der silberfarbig- gebändertenweiß-schwarzcolumbia (ehemals: hell)Franz Glasser, Berlin-Mariendorf/DEnde 1910er-JahregelbA. Martin, Hohenfichte/D Gustav Lamparter, Reutlingen/D

Sandherr, Feuerbach/D

Fritz Jahn, Bürgerl/D

nach dem Zweiten Weltkrieg:

Wilhelm Timmerhausab 1918

ab 1922

ab 1960gelbe Wyandotten mit rebhuhnfarbigen Zwerg-Wyandotten, gelbe Zwerg-Cochin, gelbe Zwerg-Plymouth Rocks

Zwerg-Rhodeländer mit gelben Zwerg-Cochin, Zwerg-Plymouth Rocks, Zwerg-OrpingtonrotFritz Jahn, Bürgel/D1920 erstmals in D ausgestelltZwerg-Wyandotten mit Zwerg-Rhodeländerngold-schwarzgesäumt (ehemals: gold)Otto Dittert, Wetzlar/D1924 erstmals in D ausgestelltgold-schwarzgesäumte Wyandotten mit goldenen Sebrightgold-blaugesäumt (ehemals: blaugold)Alfred Nier, Chemnitz/D1920er-JahreNeuerzüchtung ab 1945: blaue Zwerg-Wyandotte mit lehmfarbiger Fehlfärbung und gold-schwarzgesäumter Zwerg-Wyandotten-HahnAlle Tiere dieses Farbenschlags gingen im Zweiten Weltkrieg verloren; Neuerzüchtung durch Kurt Wachtmeister, Wetzlar/D (ab 1945).gold-weißgesäumt (ehemals: weißgold)Alfred Nier, Chemnitz/D

Georg Schmidt jr., Mainbernheim/D

Kurt Wachtmeister, Wetzlar/D1920er-Jahre

1950er-Jahreweiße und schwarze Zwerg-WyandottenDie von Alfred Nier erzüchteten gold-weißgesäumten Zwerg-Wyandotten gingen durch den Zweiten Weltkrieg komplett verloren, sodass Georg Schmidt nach dem Krieg neu anfangen musste. Er fand in Kurt Wachtmeister einen Unterstützer. Bei der Erzüchtung gab es einige Rückschläge – unter anderem wurden Wachtmeister einmal sämtliche Zuchttiere gestohlen.schwarz-weißgeschecktJohannes Zoch, Berlin/D1926 1936 anerkanntblauvermutlich 1930er-Jahreschwarze und andalusierweiße Zwerg-Wyandottenbraun-porzellanfarbig (ehemals: bunt)Helmut Mom, Orsoy/D1963 1966 erstmals in D ausgestellt

1973 anerkanntZwerg-Sussex mit schwarz-weißgescheckten und braun-gebänderten Zwerg-WyandottenkennfarbigRichard Weidling, Alsfeld/Dab 1969 1980 anerkanntgoldhalsige Zwerg-Wyandotten mit gestreiften Zwerg-Wyandottengelb-weißgesperbertHans Odefey, Sterup/Dab 1972

1980 anerkanntrote und weiße Zwerg-Wyandotten mit gelb-weißgesperberten Zwerg-Cochinorangefarbig-gebändertGottfried Hölzel, Zwickau-Pöhlau/Dab 1972 1996 anerkanntorangefarbige Zwerg-Italiener mit silberfarbig-gebänderten Zwerg-WyandottenorangehalsigRudolf Wenzl, Neuenrade/D1992 anerkanntweiß-blaucolumbiavon Norbert Hühn, Marburg-Bauerbach/D in D etabliert1992 anerkanntZwerg-Wyandotten in Weiß-Blaucolumbia aus DänemarkDieser Farbenschlag existierte bereits in Dänemark und den Niederlanden, als Norbert Hühn mit der „Anpassung“ an deutsche Vorlieben begann.birkenfarbigHerbert Mahler, Hemmoor/D1995 anerkanntlachsfarbigvon Werner Schulze, Siegen/D in D etabliert1995 anerkanntDieser Farbenschlag existierte bereits längere Zeit in Dänemark, als Werner Schulze mit der „Anpassung“ an deutsche Vorlieben begann.gelb-blaucolumbiaValentin Deppisch, Geroldshausen/D

Thomas Müller, Almersbach/D1995 anerkanntZwerg-Wyandotten in Gelb-Schwarzcolumbia und Weiß-Blaucolumbia.gelb-schwarzgesäumt2001 anerkanntgelb-schwarzcolumbiaKarl Nimmich, Wolfenbüttel/Dweißer Zwerg-Wyandotten-Hahn mit Gold im Hals- und Sattelbehang mit Zwerg-Wyandotten weiß-schwarzcolumbiafarbig, Zwerg-Wyandotten gelbblau-silberhalsigperlgrauHeiko Schulze, Zettlitz OT Rüx/D2024 anerkanntperlgrauer amerikanischer Zwerg Wyandotten Hahn (sehr schlechter Typ) mit schwarzer Dt. Zwerg Wyandotten Henne

Rassetypische Merkmale Die Dt. Zwerg-Wyandotte weist einen gestreckten, kräftigen Körperbau auf, steht dabei mittelhoch und breit, bei waagerechter Körperhaltung. Das Schwanzende soll möglichst bis in Augenhöhe ansteigen. Betrachtet man das Huhn von hinten, so sieht der Schwanz hufeisenförmig aus. Tiere aller Farbenschläge weisen gelbe Beine und Rosenkämme auf.

Sie legen cremefarbene bis hellbraune Eier.

Verhalten und Haltung Den Tieren wird eine ruhige und elegante Behäbigkeit nachgesagt. Entsprechend zutraulich sind sie und damit auch besonders für Anfänger bzw. Jugendliche oder Kinder geeignet. Sie sind robust, fliegen kaum und kommen mit wenig Platz aus. Die Hennen sind gute Glucken, die ihre Küken verlässlich führen. Da sie oft und dauerhaft in Brutstimmung geraten, muss ihnen in dieser Zeit verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet werden, damit ihre Brütigkeit den Gesundheitszustand der Henne auf Dauer nicht beeinträchtigt.

Nutzeigenschaften Zwerg-Wyandotten gelten als ausgesprochen wirtschaftlich. Ihre Legeleistung beläuft sich auf durchschnittliche 160 Eier pro Jahr von mindestens 40 g. Als besonders frühreif gilt der silberfarbig-gebänderte Farbenschlag, dessen Vertreterinnen schon mit viereinhalb Monaten zu legen beginnen. Sie setzen auch Fleisch an, sodass sie ggf. auch zum Schlachten in Frage kommen. Das Fett der Zwerg-Wyandotten ist gelb, weshalb sie sich besonders für das Zubereiten von Hühnersuppen eignen.

Verbreitung Die Zwerg-Wyandotten sind die am weitesten verbreitete Zwerghuhnrasse in Deutschland. +Verbreitung der einzelnen Farbenschläge in Deutschland laut Zuchttierbestandserfassung von 2023 Farbenschlag Zuchten Hähne Hennen Veränderung zu 2018: Zuchten Veränderung zu 2018: Hähne Veränderung zu 2018: Hennen birkenfarbig 105 178 647 −12 −42 −133 blau 87 187 648 −4 6 −12 blau-silberhalsig 12 18 79 9 10 52 braun-gebändert 79 151 522 −17 −20 −111 braun-porzellanfarbig 34 57 211 −21 −39 −150 gelb 165 312 1233 6 25 138 gelb-blaucolumbia 20 41 143 1 7 20 gelb-schwarzcolumbia 208 438 1696 −2 37 −3 gelb-schwarzgesäumt 52 100 405 7 18 99 gelb-weißgesperbert 42 90 310 8 35 108 gestreift 236 468 1870 −69 −101 −396 gold-blaugesäumt 70 155 550 −11 −7 −126 goldhalsig 38 67 233 −8 −15 −64 gold-schwarzgesäumt 74 123 487 −40 −28 −162 gold-weißgesäumt 58 133 551 −33 8 35 kennfarbig 31 57 201 −6 −4 −23 lachsfarbig 158 282 1137 −18 −4 −11 orangefarbig-gebändert 127 231 923 −5 8 −8 orangehalsig 15 29 112 1 2 12 rebhuhnfarbig-gebändert 94 246 997 −27 −11 −13 rot 135 240 970 16 48 152 schwarz 347 791 2960 −47 −51 −131 schwarz-weißgescheckt 68 142 532 −4 −11 −65 silberfarbig-gebändert 224 443 1741 6 16 −83 silberhalsig 36 64 263 1 1 −17 silber-schwarzgesäumt 207 395 1478 −22 −21 −235 weiß 357 735 2808 −29 −63 −343 weiß-blaucolumbia 34 78 253 4 14 28 weiß-schwarzcolumbia 166 323 1426 −30 −23 −98

Die Zuchttierbestandserfassung des Bundes Deutscher Rassegeflügelzüchter (BDRG) erfolgt in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) und basiert auf freiwilligen Angaben von Züchtern. Die Zahl der tatsächlich gehaltenen Tiere dürfte (je nach Farbenschlag) weit höher ausfallen, da reine Halter und auch zahlreiche Züchter nicht erfasst sind. Trotzdem lässt sich aus den Zahlen ablesen, welche Farbenschläge weit verbreitet und welche eher selten sind.

Weblinks filmisches Rasseportrait von (Zwerg-) Wyandotten

Besonders für Züchter gibt es zahlreiche Sondervereine, die sich mit der Erhaltung, Förderung und Weiterzucht der vielen verschiedenen Farbenschläge der Zwerg-Wyandotten beschäftigen:

Sonderverein der braungebänderten, goldhalsigen und silberhalsigen Zwerg-Wyandotten Sonderverein der Züchter der Zwerg-Wyandotten birkenfarbig und weiß-schwarzcolumbia Sonderverein der Züchter gestreifter Zwerg-Wyandotten Sonderverein zur Erhaltung und Förderung orangefarbig-gebänderter und orangehalsiger Deutscher Zwerg-Wyandotten Sonderverein der Züchter schwarzer Zwerg-Wyandotten Sonderverein der Züchter seltener Zwerg-Wyandotten Sonderverein zur Förderung und Erhaltung der weißen Zwerg-Wyandotten Sonderverein der Zucht gesäumter Deutscher Wyandotten und gesäumter Deutscher Zwerg-Wyandotten

Einzelnachweise

Kategorie:Zwerghuhn