Walsum ist der nördlichste Stadtbezirk der Stadt Duisburg mit 50.473 Einwohnern. Die ehemalige Stadt Walsum gehörte bis zum 31. Dezember 1974 zum Kreis Dinslaken.

Geographie Räumliche Lage Walsum liegt am unteren Niederrhein im Nordwesten des Ruhrgebietes und ist seit 1975 der nördlichste Stadtbezirk von Duisburg. Walsum wird im Westen durch den Niederrhein, im Norden durch die Stadt Dinslaken, im Osten durch den Oberhausener Stadtteil Holten und im Süden durch den Duisburger Stadtbezirk Hamborn begrenzt.

Stadtteile mini|Das Wohngebäude mit angrenzendem Wirtschaftsgebäude von 1819 mit spätbarockem Giebel des ehemaligen Vierlindenhofes, der zum Namensgeber des auf seinen Ackerflächen entstandenen Stadtteils wurde. Das Anwesen brannte am 17. Mai 2012 nieder und wurde im Februar 2014 komplett abgerissen. Der Stadtbezirk Walsum besteht aus sechs Stadtteilen mit folgenden Einwohnerzahlen: Alt-Walsum (4272 Einwohner) Aldenrade (13.946 Einwohner) Fahrn (7806 Einwohner) Overbruch (4944 Einwohner) Vierlinden (12.139 Einwohner) Wehofen (7366 Einwohner)

Quelle: Einwohnerstatistik der Stadt Duisburg, Stand 31. Dezember 2025.

Geschichte Der Name Walsum kann auf das 7./8. Jahrhundert als fränkische Ortsbezeichnung zurückgeführt werden. Urkundlich erwähnt wurde Walsum erstmals im 12. Jahrhundert. Der größte Entwicklungsschub kam mit der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Seit 1905 selbstständig, wurde Walsum im Jahre 1975 nach Duisburg eingemeindet.

Vorgeschichte und Römerzeit Bereits 2000 v. Chr. belegen erste Funde aus der Jungsteinzeit eine Ansiedlungsstätte. Man fand dort ein Steinbeil aus Quarzit, Feuersteinmesser und eine Feuersteinspitze. In der Bronzezeit um 800 v. Chr. wurden 34 Urnengräber einer urkeltischen Bauerngruppe angelegt. Ungefähr ab dem Jahr 55 v. Chr. eroberten die Römer den linken Niederrhein. In Walsum fanden sich ein germanischer Brunnen mit Gefäßen, Schuhresten und römischen Münzen aus der Zeit um 160 bis 250 n. Chr. Um das Jahr 400 n. Chr. endete die Römerzeit am Niederrhein.

Mittelalter Nach dem Ende der Römerzeit wurde ein frühmittelalterliches Gräberfeld mit 44 Bestattungen mit Tongefäßen, Waffen und Gerätschaften aus Eisen angelegt. Es stammt aus der Zeit um 670 bis 740. Die Ausgrabung wurde 1933 beim Bau des ZechenhafensRudolf Stampfuß: Der spätfränkische Sippenfriedhof von Walsum. (= Quellenschriften zur Westdeutschen Vor- und Frühgeschichte. 1). Leipzig 1939. (Nachdruck: Habelt, Bonn 1971, ISBN 3-7749-1184-3)Frank Siegmund: Merowingerzeit am Niederrhein. (= Rheinische Ausgrabungen. 34). Rheinland-Verlag, Köln 1998, ISBN 3-7927-1247-4, S. 194–195 und 434. von dem Duisburger Archäologen Rudolf Stampfuß durchgeführt.

Etwa 200 Jahre später wurde im Jahre 980 die Bauerschaft „Aldenroda“ (Aldenrade) erstmals schriftlich erwähnt. Im Jahre 1144 wurde Walsum in einer Urkunde des Erzbischofs Arnold I. von Köln erstmals erwähnt: Alwardus und Wolfhildis erhalten einen Oberhof bei „Walsheim“.Erich Wisplinghoff: Urkunden und Quellen zur Geschichte von Stadt und Abtei Siegburg. Siegburg 1964, , S. 117 Nr. 53.

Knapp 100 Jahre später, im Jahre 1250 erschien das Kirchspiel „Walsheim“ im Heberegister des Xantener Offiziums. Das Kirchspiel, das zum Dekanat Duisburg und Archidiakonat Xanten gehörte, umfasste ursprünglich das gesamte Gebiet der Walsheimer oder Walsumer Mark zwischen Rotbach, Rhein, Emscher, Fernewald und Klosterhardt. Etwas später folgte 1269 in einer Urkunde des Ritters Heinrich Stecke, Burgmann von Holten, die erste Erwähnung eines Walsumer Pfarrers: „Fredericus pastor ecclesiae de Walsheim“.

Die Edelfrau Mechthild von Holte schenkte 1281 dem Johanniterorden das Patronat der Kirche in „Walsem“. 1289 wurde die Gerichtsbarkeit „in Walshem“ durch Burkhard, genannt Stecke, an den Grafen Dietrich VI. von Kleve verkauft. Im Jahr 1292 erfolgte die Fertigstellung des Ordenshauses der Johanniter neben der Kirche, der spätere Kommlers Hof.

Nach langem Rechtsstreit zwischen den Johannitern und Graf Johann von der Mark wurde 1319 Holten vom Walsumer Kirchspiel abgetrennt und das Patronat der Johanniter an der Walsumer Kirche bestätigt. 1370 ist Constantinus Crone von Hysvelt als Inhaber der Höfe Ochtrop und Hückelhoven belegt; Johann Ingen Lohe wurde 1490 Herr auf Haus Loh im Driesenbusch und Bernhard Hystvelt wurde 1492 Besitzer des Rittergutes Watereck.

16. bis 18. Jahrhundert Im Jahre 1507 kam der römisch-deutsche König und spätere Kaiser Maximilian I. von Duisburg zu Pferde nach Walsum, um sich rheinabwärts nach Brabant einzuschiffen. mini|1713: Rheinverlauf von Walsum bis Rheinberg nach Johann Bucker

Der spanische Feldherr Francisco de Mendoza lag 1598 während des Achtzigjährigen Krieges mit 21.000 Fußsoldaten und 2500 Reitern vor der Festung Orsoy und vor Walsum, wo ein Lager mit Schanzen errichtet wurde. Eine von den Spaniern gebaute Schwimmbrücke über den Rhein wurde durch einen Sturm zerstört, woraufhin Mendoza mit der Belagerung von Rheinberg begann. In der Folgezeit des Krieges kam es 1601 zu großen Schäden durch Überfälle holländischer Söldner.

Eine Karte des Kartographen Johann Bucker aus dem Jahre 1713 zeigt das Dorf Walsum mit Kirche, das Fährhaus am Rhein und den Ortsteil Aldenrade. Zu dieser Zeit entsprach das Rheinbett bereits weitgehend dem heutigen Stromverlauf.

Seit 1611 wurde der Besitz der Johanniter in Walsum von der Kommende Herrenstrunden bei Bergisch Gladbach verwaltet. 1620 starb der Hauskomtur und Pastor Heinrich Brinkmann, der letzte Johanniter in Walsum. 1755 gelangte das Rittergut Haus Watereck in den Besitz des Senators Arnold Huyssen aus Essen. 1806 wurden die Ländereien der Johanniter-Kommende in Walsum säkularisiert.

Industrialisierung im 19. Jahrhundert In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann sich die dörfliche Struktur Walsums durch die Ausdehnung des Bergbaus und der Stahlindustrie nach Norden nachhaltig zu ändern. Industrielle und Firmen begannen Grundstücke aufzukaufen: die Gute-Hoffnungs-Hütte aus Oberhausen ab 1868, der Industrielle Julius Grillo ab 1869, der Industrielle Max Haniel ab 1871 sowie „Gewerkschaft Deutscher Kaiser“ unter der Leitung von August Thyssen ab 1896.

Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Kriegsende Am 1. April 1905 wurde Walsum mit 5179 Einwohnern eine eigene Bürgermeisterei. Zum Ersten Bürgermeister wurde Johannes Hoeveler ernannt, er amtierte bis 1933. Im gleichen Jahr erfolgte die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Walsum-Aldenrade, die heutige Löschgruppe 401 der Feuerwehr Duisburg, und 1907 gründete sich der „TV Walsum-Aldenrade 07“. 1909 folgte die Gründung des Vereins „Spiel und Sport 09 Walsum“, heute „Sportfreunde Walsum 09“.

Weimarer Republik In der Endphase des Ersten Weltkrieges 1918 brach in Deutschland die Novemberrevolution aus, was zum Ende der Monarchie und zur Ausrufung der Republik am 9. November 1918 führte (→ Weimarer Republik). Diese ersten Jahre nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg waren durch soziale und politische Spannungen geprägt. Während der März-Unruhen nach dem Kapp-Putsch im Jahre 1920 kamen ca. 30 Personen bei Kämpfen zwischen der „Roten Ruhrarmee“ und der Reichswehr ums Leben. In den Jahren 1923 bis 1925 war Walsum von belgischen Truppen besetzt (→ Ruhrbesetzung), um ausstehende Reparationszahlungen aufgrund des Friedensvertrages von Versailles durchzusetzen.

Die Industrialisierung schritt nach dem Ersten Weltkrieg weiter voran. Im Jahre 1921 errichtete die Gutehoffnungshütte Oberhausen die Rheinwerft Walsum in der Nähe des Südhafens, die sich zur leistungsfähigsten Flusswerft am Rhein entwickelte. Bis zur Schließung im Jahre 1982 wurden hier über tausend Fluss- und Spezialschiffe gebaut.

Aufgrund der weiter steigenden Bevölkerungszahlen, insbesondere durch Flüchtlinge aus dem besetzten Saargebiet, wurden ab 1921 neue Siedlungen in Vierlinden und in Overbruch („Weiße Siedlung“ ab 1932) gebaut.

1919 erfolgte die Gründung des Spielvereins Walsum 1919 und 1928 die DJK Vierlinden 1928.

Zeit des Nationalsozialismus 1933 setzte das NS-Regime den langjährigen Bürgermeister Johannes Hoeveler ab. 1935 begann die August-Thyssen-Hütte den Bau der Eigenheimsiedlung „Rote Siedlung“ für ihre Arbeiter in den Hamborner Stahlwerken. 1939 wurde die Kohleförderung auf der Zeche Walsum begonnen. Der Schacht wurde als kriegswichtige Industrie planmäßig ausgebaut, auch unter Einsatz von zahlreichen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern. 1942 flogen Bomber der Westalliierten erste Luftangriffe auf das Ruhrgebiet, darunter auch auf Walsumer Industriebetriebe. In diese Zeit fällt auch die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Walsum-Vierlinden, heute Löschgruppe 402.

Nach Bombenangriffen und Artilleriebeschuss überquerten am 24. März 1945 Truppen der Westalliierten den Rhein im Rahmen der „Operation Plunder“. Im Rahmen dieser Operation unternahm die 79. US-Infanteriedivision die Operation Flashpoint und eroberte Walsum.Charles B. MacDonald: The Last Offensive. (United States Army in World War II, European Theater of Operations). Office of the Chief of Military History, Department of the Army. Washington D.C. 1973, S. 303–309. (online auf ibiblio.org) Es war das Kriegsende für Walsum. Es waren etwa 309 zivile Opfer, etwa 150 Auswärtige und Zwangsarbeiter und etwa 880 gefallene Soldaten zu beklagen.Heimatkalender Kreis Dinslaken 1950, S. 142. Etwa 1600 Wohnungen wurden total zerstört und etwa 2200 Wohnungen erheblich oder mittelschwer beschädigt.Neue Ruhr/Rhein-Zeitung, 5. Januar 1946.

Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1958 Im Jahre 1949 begann mit dem Bau der „Dr. H. Barking-Siedlung“ an der Saarbrückener Straße der Wiederaufbau. 1950 folgte der Siedlungsbau am Franz-Lenze-Platz. Auf sportlichem Sektor erfolgte 1951 die Gründung des Kanuvereins Wassersportverein „Glück-Auf“ Walsum 1956 besuchte der damalige Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard Walsum und weihte den Schacht „Wilhelm“ ein. Im selben Jahr erfolgte die Einweihung des „Franz-Hitze-Hauses“.

Stadt Walsum 1958 bis 1975 mini|Rheinfähre Orsoy Am 1. Juli 1958 erhielt die Gemeinde Walsum mit über 40.000 Einwohnern das Stadtrecht. Weitere Ereignisse dieses Jahres waren der Bau des Kraftwerkes am Schacht Walsum, der Stadtsparkassenneubau in Aldenrade, die Inbetriebnahme der Autofähre Orsoy–Walsum sowie die Einweihung der Fridtjof-Nansen-Realschule. Im Folgejahr wurde der Bau des Hallenbades an der Prinzenstraße abgeschlossen und der „1. Schwimmverein Walsum“ gegründet. 1961 kam der „1. Walsumer Judo Club“ hinzu. Im kulturellen Bereich wurde am 17. November 1967 der Neubau des Kopernikus-Gymnasiums seiner Bestimmung übergeben. 1974 folgten die Eröffnung des Allwetterbads und des Kulturzentrums mit großer Aula an der Stadthalle Walsum.

Stadtbezirk Duisburg-Walsum seit 1975 Am 1. Januar 1975 endete mit dem Ruhrgebiet-Gesetz die Eigenständigkeit der Stadt Walsum. Sie wurde im Zuge der kommunalen Neugliederung in Nordrhein-Westfalen in die Stadt Duisburg eingemeindet. Der Walsumer Ortsteil Eppinghoven kam zur Stadt Dinslaken, während der westliche Teil des Hamborner Ortsteils Fahrn dem Stadtbezirk Walsum zugeordnet wurde.

Weitere Ereignisse waren: 1980 die Eröffnung des Jugendzentrums „Alte Schmiede“ in Wehofen 1984 der Neubau der Sparkasse am Kometenplatz 1985 der Neubau der Autobahn 59 bis zur Dr.-Hans-Böckler-Straße 1987 die Gründung der Gesamtschule Walsum 1991 die Gründung des Naturschutzgebietes „Rheinaue Walsum“ 1993 die Fertigstellung des Neubaus des Rathauses Walsum als Sitz der Bezirksvertretung 1996 die Verlängerung der Autobahn 59 bis zur Dinslakener Stadtgrenze 1999 der Abbruch des Straßenbahndepots der DVG 2004 die Wahl des Wehofeners Adolf Sauerland (CDU) zum Oberbürgermeister von Duisburg 2006 die Grundsteinlegung im November zum Bau des umstrittenen 700 MW starken Kraftwerksblocks 10 durch die Steag 2008 die Fertigstellung des 181 Meter hohen Kühlturmes für den neuen Kraftwerksblock 10 im Juli