mini|Jörg Schmidt-Reitwein in 2017Jörg Schmidt-Reitwein (* 21. Februar 1939 in Königs Wusterhausen; † 21. August 2023Matthias Wallinger: Kameramann Jörg Schmidt-Reitwein mit 84 Jahren gestorben. In: openpr.de, 13. September 2023, abgerufen am 13. September 2023.) war ein deutscher Kameramann.

Leben Schmidt-Reitwein wurde als Sohn des Malers Karl Schmidt-Reitwein und seiner Ehefrau Barbara Schmidt-Reitwein, geb. Linde in Königs Wusterhausen bei Berlin geboren. Seine Mutter Barbara war die Nichte des Edvard-Munch-Freundes und -Förderers Dr. Max Linde und der beiden Maler Hermann Linde und Heinrich Eduard Linde-Walther. Nach dem frühen Tod des Vaters 1941 zog die Mutter zurück in die Nähe von Lübeck und Schmidt-Reitwein wuchs in Bad Schwartau auf. Ab 1952 besuchte er die Waldorfschule in Rendsburg. 1957 begann er in Lübeck ein Studium der Physik, das er nach vier Semestern abbrach.

1959 zog Schmidt-Reitwein nach Berlin und praktizierte im Synchronstudio der Aer Film/Genschow-Film sowie in dem Kopierwerk Fikopa. 1960 war er für die Tontechnik bei zwei Kurzfilmen verantwortlich, 1961 in derselben Funktion bei Hansjürgen Pohlands Spielfilmdebüt Tobby.

1961 geriet er in die Schlagzeilen, als er kurz nach dem Mauerbau bei der Unterstützung eines Fluchtversuches gefasst und von der DDR-Justiz als Menschenhändler und Kopfgeldjäger zu fünf Jahren in der Haftanstalt Bautzen verurteilt wurde. 1964 konnte ihn die Bundesrepublik gegen Butter im Wert von 86.000 DM freikaufen.

Schmidt-Reitwein ließ sich in München nieder und war an den Tonaufnahmen der Filme Wilder Reiter GmbH und Alle Jahre wieder beteiligt. Seit 1965 war er Kameraassistent bei mehreren Dokumentarfilmen. 1968 assistierte er wiederholt dem Kameramann Dietrich Lohmann.

Als Lohmann sich wegen der Gefährlichkeit der Aufnahmen bei dem Wüsten-Dokumentarfilm Fata Morgana zurückzog, sprang Schmidt-Reitwein ein, wodurch ihm der Durchbruch gelang. Er wurde zum Kameramann Werner Herzogs und arbeitete mit anderen Regisseuren des Neuen Deutschen Films wie Werner Schroeter, Alexander Kluge, Edgar Reitz, Ula Stöckl und besonders Herbert Achternbusch zusammen. Zweimal erhielt er den Bundesfilmpreis, 1976 für Herz aus Glas und 1984 für Wo die grünen Ameisen träumen.

Er war von 1965 bis 1972 mit Erika Kaul verheiratet und wurde Vater seiner Tochter Iris Maria (* 1966). Aus der zweiten Ehe mit Susanne Rupprecht stammt sein Sohn Tobias Lukas (* 1989) sowie seine Töchter Lara und Lisa (* 1992). Aus seiner dritten Ehe ging seine Tochter Ana (* 2003) hervor.

Filmografie 1968: Heimatmuseum 1969: Der Image-Berater 1969: Maßnahmen gegen Fanatiker 1970: Anglia 1971: Behinderte Zukunft 1971: Land des Schweigens und der Dunkelheit 1971: Fata Morgana 1974: Jeder für sich und Gott gegen alle 1974: Das Andechser Gefühl 1974: Die große Ekstase des Bildschnitzers Steiner 1976: Herz aus Glas 1976: Die Atlantikschwimmer 1976: Ob’s stürmt oder schneit 1977: Bierkampf 1977: La Soufrière – Warten auf eine unausweichliche Katastrophe 1977: Servus Bayern 1977: Zeit der Empfindsamkeit 1978: Deutschland im Herbst 1979: Nosferatu – Phantom der Nacht 1979: Woyzeck 1979: Baldauf 1979: Die Patriotin 1979: Max und Traudl 1980: Der Kandidat 1980: Der Komantsche 1981: Das letzte Loch 1981: Der Neger Erwin 1982: Liebeskonzil 1982: Land of Look Behind 1983: Das Gespenst 1983: Der Depp 1983: Die Olympiasiegerin 1984: Rita Ritter 1984: Wanderkrebs 1984: Wo die grünen Ameisen träumen 1985: Die Praxis der Liebe 1986: Portrait Werner Herzog 1987: Triumph der Gerechten 1988: Seefahrer 1988: Villa Air Bel – Varian Fry in Marseille 1940/41 1989: Gesucht: Monika Ertl 1989: In meinem Herzen, Schatz… 1989: Wodaabe – Die Hirten der Sonne. Nomaden am Südrand der Sahara 1990: Bavaria Blue 1990: Echos aus einem düsteren Reich 1991: Wilma wohnt weit weg 1992: Heiß – Kalt 1992: Probefahrt ins Paradies 1993: Tatort: Himmel und Erde 1993: Brandnacht 1995: Glocken aus der Tiefe – Glaube und Aberglaube in Rußland 1995: Verbotene Zone (Fernsehfilm) 1996: Tatort: Das Mädchen mit der Puppe 1996: Tatort: Der Spezialist 1996: Tatort: Die Abrechnung 1996: Die Verwandlung der Welt in Musik: Bayreuth vor der Premiere 1996: Im Rausch der Liebe 2000: Fisimatenten 2000: Tatort: Trittbrettfahrer 2000: Das rote Strumpfband 2001: Pilgrimage 2003: Poem – Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug 2003: Himmelreich 2005: Jessye Norman – 'Ich leb allein in meinem Himmel, meinem Lieben, meinem Lied' 2007: Marmorera 2007: Der Ruf der Geckos 2012: Wie zwischen Himmel und Erde (aka Escape from Tibet)

Auszeichnungen 1976: Filmband in Gold für Herz aus Glas 1984: Filmband in Gold für Wo die grünen Ameisen träumen

Literatur Gerke Dunkhase: Jörg Schmidt-Reitwein – Kameramann. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lg. 18 (1991) Jörg Schmidt-Reitwein: Ich muss Kameramann werden. In: Béatrice Ottersbach, Thomas Schadt (Hrsg.): Kamerabekenntnisse, Konstanz: UVK Verlag (Praxis Film, Bd. 41), 2008 Thomas Brandlmeier: Kameraautoren. Technik und Ästhetik, Marburg: Schüren (Edition Film-Dienst, Bd. 6), 2008

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Einzelnachweise

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