Jeder für sich und Gott gegen alle ist ein deutscher Spielfilm von Werner Herzog aus dem Jahr 1974 über das Leben Kaspar Hausers.

Handlung Der Film erzählt die Geschichte von Kaspar Hauser, der seine ersten 18 Jahre in einem engen Kellerverlies verbringt, isoliert von jeglichem menschlichen Kontakt außer einem Fremden, der ihm sein Essen bringt. Eines Tages im Jahr 1828 führt ihn dieser Fremde aus seiner Zelle heraus, lehrt ihn gehen und ein paar Sätze und lässt ihn dann in Nürnberg allein. Er wird Gegenstand der Neugierde der breiten Öffentlichkeit und in einem Zirkus ausgestellt, bevor ihn der Lehrer Georg Friedrich Daumer rettet. Mit dessen Hilfe lernt Kaspar schnell Lesen und Schreiben und entwickelt unorthodoxe Annäherungen an Religion und Logik, doch Musik erfreut ihn am meisten.

Er zieht die Aufmerksamkeit des Klerus, der Akademiker und des Adels auf sich, wird aber von einer unbekannten Person angegriffen, die ihn mit blutigem Kopf zurücklässt. Er erholt sich, wird jedoch erneut auf mysteriöse Weise mit einem Stich in die Brust attackiert – möglicherweise vom selben Mann, der ihn nach Nürnberg gebracht hat. Aufgrund der schweren Verletzung verfällt er ins Delirium, worin er Visionen vom Nomadenvolk der Berber in der Wüste Sahara beschreibt, und stirbt kurz danach.

Adaption Der Film verfolgt die Lebensgeschichte Kaspar Hausers in etwa, wie sie im Volkstum überliefert ist. Er verwendet den Wortlaut echter Briefe, die bei Hauser gefunden wurden. Viele Details in der Anfangssequenz über seine Gefangenschaft und Freilassung sind tief im Volksglauben verwurzelt, werden von Historikern und Medizinern aber als Erfindung zurückgewiesen.Siehe z. B. Ivo Striedinger: Hauser Kaspar, der „rätselhafte Findling“. In: Lebensläufe aus Franken, III. Bd., 1927, S. 199–215, Karl Leonhard: Kaspar Hauser und die moderne Kenntnis des Hospitalismus, in Confinia Psychiatrica 13, 1970, S. 213–229.

Produktion Werner Herzog entdeckte den Hauptdarsteller Bruno S. in einem Dokumentarfilm über Straßenmusiker. Fasziniert von Bruno, besetzte ihn Herzog als Hauptrolle zweier seiner Filme, Jeder für sich und Gott gegen alle und Stroszek, ungeachtet der Tatsache, dass er keine Erfahrung als Schauspieler hatte.

Der historische Kaspar Hauser war 17, als er in Nürnberg entdeckt wurde. Der Film erwähnt Kaspars Alter nicht, doch Bruno S. war während der Dreharbeiten 41 Jahre alt.

Gedreht wurde der Film vom Juni bis August 1974. Die Außenaufnahmen entstanden in Dinkelsbühl im Landkreis Ansbach, unter anderem am nahe gelegenen Hesselberg, in der westlichen Sahara (Traumsequenzen) und in Irland. Die Uraufführung erfolgte am 1. November 1974 in Dinkelsbühl (Cinemobil).CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film – Werner Herzog

Kritiken

Auszeichnungen Internationale Filmfestspiele von Cannes 1975 Ausgezeichnet FIPRESCI-Preis für Werner Herzog Großer Preis der Jury für Werner Herzog Preis der Ökumenischen Jury für Werner Herzog

Nominiert Goldene Palme für den besten Film für Werner Herzog

Deutscher Filmpreis 1975 Ausgezeichnet Hervorragende Einzelleistung: Schnitt für Beate Mainka-Jellinghaus (außerdem für In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod) Hervorragende Einzelleistung: Szenenbild für Henning von Gierke Herausragende Verdienste um den deutschen Film für Werner Herzog (Preisgeld von 150.000 DM)

Siehe auch Kaspar Hauser (1993)

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Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1974 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Filmbiografie Kategorie:Filmdrama Kategorie:Historienfilm Kategorie:Kaspar Hauser Kategorie:Werner Herzog