mini|Missionsprofil von Chang’e 4

Das Mondprogramm der Volksrepublik China () ist ein Programm zur Erforschung und Erschließung des Mondes. Seit 2023 werden die unbemannten, von der Nationalen Raumfahrtbehörde Chinas koordinierten Missionen unter der Bezeichnung „Internationale Mondforschungsstation“ geführt. Die bemannte Monderkundung wurde dem Büro für bemannte Raumfahrt übertragen.

Geschichte Die Chinesische Akademie der Wissenschaften schlug im Jahr 1991 eine Monderkundungsmission vor und setzte so das Mondprogramm der Volksrepublik China in Gang. Im Rahmen des „Programms 863“, also des im März 1986 noch unter Deng Xiaoping gestarteten Nationalen Programms zur Förderung von Hochtechnologie, wurde eine Projektgruppe Monderkundung (月球探测课题组) gebildet und Gelder aus dem 8. Fünfjahresplan (1991–1995) zugewiesen.Man beachte: das Mondprogramm lief von Anfang an nicht unter dem Begriff „Grundlagenforschung“, sondern wurde unter der Rubrik „angewandte Technologie“ geführt. Zhou Enlais altes Diktum, dass die Wissenschaft dem Aufbau des Landes zu dienen habe gilt immer noch. 1994 legte die Akademie der Wissenschaften eine umfassende Machbarkeitsstudie für ein Monderkundungsprogramm vor und die ersten Mittel wurden freigegeben. 1998 hatten die Experten der Akademie die einzelnen Unterprojekte definiert, die für eine Monderkundung notwendig waren: Telemetrie, Bahnverfolgung und Steuerung über große Entfernung Schutz der Elektronik vor Weltraumstrahlung, Hitze und Kälte Berechnung der Flugbahn und des Orbits sowie der nötigen Bahnkorrekturmanöver Korrekte Ausrichtung der Sonden auf die Mondoberfläche Automatische Vermeidung von Felsbrocken und stark geneigten Oberflächen bei Landungen Der Sprecher ist Prof. Ye Peijian, der Chefkonstrukteur der ersten Chang’e-Sonden. Weitgehend autonom agierendes Fahrzeug

Ouyang Ziyuan, der Experte für extraterrestrisches Material wie Meteoriten, kosmischen Staub und Mondgestein,Mark Wade: nannte 1992 nicht nur die Erzvorkommen wie Eisen, Thorium und Titan als mögliches Ziel von Mondmissionen, sondern auch den Abbau von lunarem Helium-3, das als ein idealer Brennstoff für ein Kernfusionskraftwerk gilt. Seit 1994 arbeitet China konkret an Kernfusionsreaktoren. Dementsprechend lautete der Titel des Abschlussberichts im Jahr 2000: „Wissenschaftliche Ziele einer Sonde für die Erkundung von Bodenschätzen auf dem Mond durch China“ (中国月球资源探测卫星科学目标).

Bis zum Jahr 2000 war die Existenz des Mondprogramms vertraulich. Am 22. November 2000 erwähnte der Staatsrat der Volksrepublik China in seinem „Weißbuch zu den chinesischen Weltraumaktivitäten“ unter der Rubrik „Langfristige Ziele (für die nächsten 20 Jahre)“ erstmals öffentlich, dass China beabsichtige, „Vorstudien“ zu einer Erkundung des Mondes zu betreiben. Dies beschrieb den Stand des Projekts jedoch nicht ganz zutreffend, und auf einer von der damaligen Kommission für Wissenschaft, Technik und Industrie für Landesverteidigung im Januar 2001 in Harbin einberufenen Konferenz zur Tiefraumerkundung drängten die Wissenschaftler darauf, die Details des Mondprogramms öffentlich zu machen.

Das Mondprogramm wurde auf einer internationalen Konferenz über Technologie und praktischen Nutzen der Tiefraumerkundung am 13. August 2002 in Qingdao vorgestellt. Dort waren Vertreter der Nationalen Raumfahrtbehörde Chinas, der NASA, Roskosmos und ESA anwesend. Am 26. Mai 2003 wurde das Programm von Ouyang Ziyuan mit einem äußerst detailreichen Vortrag in einer populärwissenschaftlichen Fernsehreihe der chinesischen Öffentlichkeit vorgestellt. Dabei ging er unter anderem auf die Erzvorkommen ein, vor allem auf die 150 Billiarden Tonnen Titan, die auf dem Mond lagern („so viel kann man gar nicht abbauen, dass das zu Ende geht“). Ouyang erwähnte auch den Mondvertrag von 1979, der von China nicht unterzeichnet wurde. Nach seiner Interpretation gehörte der Mond an sich zwar der internationalen Gemeinschaft, aber es sei in dem Vertrag nicht geregelt, dass man die Ressourcen des Mondes nicht ausbeuten dürfe; de facto sei es so, dass wer der Erste bei der Nutzung sei, als Erster einen Profit daraus erzielen konnte (谁先利用,谁先获益). Zum tatsächlichen Inhalt des Mondvertrages siehe den englischen Originaltext bei den Weblinks. Ouyang Ziyuan war zu diesem Zeitpunkt noch kein offizieller Mitarbeiter des Mondprogramms und äußerte hier nur seine Privatmeinung als Mitglied der Akademie der Wissenschaften. CCTV ist jedoch ein staatlichen Direktiven unterliegender Fernsehsender. Dies war also im Prinzip der offizielle Standpunkt der chinesischen Regierung. Seit 2018, und vor allem seit der Landung von Chang’e 4 auf der Rückseite des Mondes am 3. Januar 2019 wurde der Tonfall deutlich weniger aggressiv.

Nun trat man in die konkrete Phase des Programms ein. Im September 2003 bildete die Kommission für Wissenschaft, Technik und Industrie für Landesverteidigung eine „Führungsgruppe Monderkundungsprojekt“ (月球探测工程领导小组, Pinyin Yuèqiú Tàncè Gōngchéng Lǐngdǎo Xiǎozǔ), deren Vorsitz der Leiter der Wehrtechnik-Kommission Zhang Yunchuan (, * 1946) übernahm. Die Führungsgruppe koordinierte zum einen die Arbeit der zahlreichen am Projekt beteiligten Firmen und Institutionen. So werden zum Beispiel die Nutzlasten der Mondsonden vom Nationalen Zentrum für Weltraumwissenschaften der Akademie der Wissenschaften entwickelt und dann die Aufträge zum Bau besagter Nutzlasten an einzelne Firmen vergeben. Bei der Chang’e-4-Mission kamen auch Nutzlasten von der Chongqing-Universität und ausländischen Partnern zum Einsatz, was die Koordination weiter verkomplizierte. Zum anderen erstellte die Führungsgruppe bis Ende 2003 für den Staatsrat einen Bericht mit einem vorläufigen Zeitplan und den einzelnen Schritten eines nationalen Monderkundungsprogramms.

Programmstruktur Das chinesische Mondprogramm bestand ursprünglich aus Drei Großen Schritten, die wiederum in Kleine Schritte unterteilt waren. Der Erste Große Schritt wurde mit der Landung der Probenrückholsonde Chang’e 5 in der Inneren Mongolei am 16. Dezember 2020 abgeschlossen. Danach konkretisierten sich die Pläne für eine Internationale Mondforschungsstation und die Erschließung des Wirtschaftsraums Erde-Mond (地月经济圈). Nach den ersten drei Kleinen Schritten (Umkreisung, Landung, Rückkehr) wurde nun als vierter Schritt die Erkundung der Polregion eingeführt, bei der unter den Schlagworten „Prospektion“ (Chang’e 6), „Forschung“ (Chang’e 7) und „Bauen“ (Chang’e 8) der Aufbau einer unbemannten Forschungsstation am südlichen Rand des Südpol-Aitken-Beckens auf der Rückseite des Mondes vorangetrieben werden soll.

Mit Stand März 2024 sieht die Struktur des chinesischen Mondprogramms folgendermaßen aus:

Umkreisung (), Landung (), Rückkehr (), Erkundung der Polregion () Prospektion () Forschung () Bauen ()

Der vierte Schritt sollte im Frühsommer 2024 beginnen. Mit autonom agierenden, miteinander vernetzten Robotern auf dem Boden, knapp über dem Boden fliegenden Kleinsonden sowie vom Orbit aus sollen weltraumwissenschaftliche Forschungen durchgeführt und Technologien für den Bau von in fernerer Zukunft auch von Menschen bewohnbaren Stationen erprobt werden. Enthält Liste mit 30 über den gesamten Mond verteilten, in die nähere Wahl gezogenen Standorten für bemannte Monderkundung.

1. Schritt, Umkreisung (Chang’e 1, 2007 und Chang’e 2, 2010) Am 24. Januar 2004 startete Premierminister Wen Jiabao mit seiner Unterschrift auf dem Bericht der Führungsgruppe Monderkundungsprojekt offiziell das Mondprogramm der Volksrepublik China. Die Mittel für den ersten Großen Schritt (1,4 Milliarden Yuan, von der Kaufkraft her etwa 1,4 Milliarden Euro) wurden freigegeben und der Bau des unbemannten Orbiters Chang’e 1 war genehmigt. Ouyang Ziyuan wurde dabei zum Chefwissenschaftler des Mondprogramms ernannt.

Am 2. Juni 2004 wurde am Hauptquartier der Nationalen Raumfahrtbehörde in Peking ein „Zentrum für Monderkundungs- und Raumfahrt-Projekte“ (国家航天局探月与航天工程中心, Pinyin Guójiā Hángtiānjú Tànyuè Yǔ Hángtiān Gōngchéng Zhōngxīn) eingerichtet, das seither für alle technischen und administrativen Aspekte des Monderkundungsprojekts und der bemannten Raumfahrt zuständig ist. Zu seinen Aufgaben gehören: Erstellung der Gesamtplanung eines Projekts Planung des Entwicklungsverfahrens mit der Abfolge der einzelnen Schritte Formulierung der Anforderungen an die einzelnen Komponenten Abschluss von Verträgen mit Zulieferfirmen Verwaltung des festen Anlagevermögens Erstellung von Kostenvoranschlägen für die einzelnen Raumschiffe und Sonden sowie wichtige Unterprojekte Überwachung und Kontrolle der Ausgaben Koordinierung, Überwachung und Kontrolle aller Systeme der Projekte Öffentlichkeitsarbeit Verwaltung und Verwertung der Urheberrechte an den gewonnenen Erkenntnissen Anwerbung und Betreuung von Investoren Einrichtung und Pflege eines Archivs

Das Konzept für den Ablauf der Mission war im September 2004 ausgearbeitet. Dann begann unter der Leitung von Ye Peijian die Entwicklung des ersten Prototyps der Sonde; am 20. Dezember 2004 fanden die ersten Tests statt. Im Juli 2006 war der finale Prototyp hergestellt und getestet und man trat in die Phase der Systemintegration ein. Am 27. Juli 2006 unterzeichnete schließlich die Wehrtechnik-Kommission mit der Akademie für Weltraumtechnologie einen Vertrag über die Anfertigung der realen Sonde. Diese war im Dezember 2006 fertiggestellt und durchlief am 5. Januar 2007 erfolgreich die Endabnahme. Am 24. Oktober 2007 wurde Chang’e 1 vom Kosmodrom Xichang gestartet. Am 1. März 2009 schlug Chang’e 1 gezielt um 09:13 Uhr MEZ bei 1,5 Grad südlicher Breite und 52,36 Grad östlicher Länge im Mare Fecunditatis auf dem Mond auf.

Zhang Yunchuan, der Vorsitzende der Führungsgruppe Monderkundungsprojekt bei der Kommission für Wissenschaft, Technik und Industrie für Landesverteidigung, war ein reiner Parteikader, der vor seiner Ernennung zum Leiter der Kommission im März 2003 nie etwas mit Raumfahrt zu tun gehabt hatte. Zum 30. August 2007 wurde er zum Parteisekretär der Provinz Hebei ernannt und übergab seine Ämter in der Wehrtechnik-Kommission und der Führungsgruppe Mond an Zhang Qingwei, einen Experten aus der Raumfahrtbranche.Zhang Qingwei war bei der CALT unter anderem für die Entwicklung der Changzheng-2F-Rakete zuständig, bei der CASC für die bemannte Raumfahrt (Shenzhou 5 und Shenzhou 6).

Am 15. März 2008 wurde die Wehrtechnik-Kommission bei einer Neuorganisation aufgelöst. Die Nationale Raumfahrtbehörde, die bis dahin der Wehrtechnik-Kommission unterstand, wurde mit Wirkung vom 21. März 2008 dem Ministerium für Industrie und Informationstechnik unterstellt. Ihre Leitung behielt, wie schon seit dem 23. April 2004, der Kryotechnik-Ingenieur Sun Laiyan (孙来燕, * 1957). Zhang Qingwei ging zurück in die Wirtschaft und wurde Vorstandsvorsitzender der Commercial Aircraft Corporation of China. Die Führungsgruppe Monderkundungsprojekt blieb bestehen, war aber nun unter dem Dach des Zentrums für Monderkundungs- und Raumfahrt-Projekte bei der Nationalen Raumfahrtbehörde angesiedelt.Andere Gruppen im Zentrum für Monderkundungs- und Raumfahrt-Projekte befassen sich mit der Asteroidenmission Tianwen-2 und, seit dem 11. Januar 2016, mit dem Marsprogramm. Ihren Vorsitz übernahm der Elektroingenieur Chen Qiufa, bis dahin stellvertretender Leiter der Wehrtechnik-Kommission. Chen Qiufa hatte seine Examensarbeit an der Universität für Wehrtechnik der Volksbefreiungsarmee in Changsha eigentlich zum Thema „Elektronische Kampfführung“ geschrieben, war aber seitdem immer im Luft- und Raumfahrt-Sektor tätig gewesen. Am 31. Juli 2010 wurde er der Nachfolger von Sun Laiyan als Direktor der Nationalen Raumfahrtbehörde.