mini|350px|Sattel mit Benennung der Einzelteile mini|250px|Sattelunterseite von innen nach außen: Mitte Sattelkammer, rechts und links braune Sattelpolster und Pauschen, Schweißblätter dunkler, Gurtstrippen und Sattelblätter

Ein Reitsattel wird bei Reittieren verwendet, um das Reiten sicherer zu machen und den Tierrücken zu schonen. Dieser Artikel bezieht sich auf Reitsättel für Pferde; daneben gibt es noch diverse andere Sattelformen für andere Reittiere.

Der Sattel wird auf die Sattellage, den Bereich hinter dem Widerrist, aufgelegt und mit dem Sattelgurt befestigt.

Sättel bestehen aus einem Sattelbaum, der dem Sattel die Form gibt, einer Sitzfläche und den Sattelblättern aus Leder oder Kunststoff. Für die Passgenauigkeit auf dem Pferderücken werden Sattelbäume in verschiedenen Größen und Kammerweiten angeboten. Es gibt auch baumlose Sättel und Sättel mit Lederbaum. Sattelunterlagen wie Schabracken, Pads oder Woilache schützen den Sattel vor Schweiß und dienen bei Bedarf als Polster.

Geschichte Der älteste bekannte Ledersattel ist zwischen 2400 und 2700 Jahre alt. Er stammt aus einem Frauengrab im Yanghai-Gräberfeld das zu der Subeixi-Kultur im nordwestlichen China gehört, deren Träger nomadisch lebten. Sie bestand in einem Zeitraum von vor etwa 700 bis 300 v. Chr.2,700-year-old leather saddle found in woman's tomb in China is oldest on record, Tom Metcalfe, Live Science, 24. Mai 2023 Der Sattel wurde mit Hilfe der Radiokarbonmethode zwischen 724 and 396 v. Chr. datiert. Die Sättel der Subeixi-Kultur wurden aus übereinander genähten Lederschichten gefertigt. Längs der Wirbelsäule verlief eine Naht. Seitlich davon war je eine Tasche, die mit organischem Material wie Stroh oder Tierhaar gepolstert war.Patrick Wertmann, Maria Yibulayinmu, Mayke Wagner, Chris Taylor, Samira Müller, Dongliang Xu, Irina Elkina, Christian Leipe, Yonghong Deng und Pavel E. Tarasov: The earliest directly dated saddle for horse-riding from a mid-1st millennium BCE female burial in Northwest China . Archaeological Research in Asia 35, 2023, S. 100451, doi:10.1016/j.ara.2023.100451 Nachfolgend nutzten auch die Skythen ähnliche Sättel. Beispiele davon wurden ebenfalls in Gräbern der Pasyryk-Kultur im Altai entdeckt.Elena V. Stepanova: Reconstruction of a Scythian Saddle from Pazyryk Barrow No. 3. The Silk Road 14, 2016, S. 1–18Elena V. Stepanova: Saddles of the Hun-Sarmatian period. In: Svetlana V. Pankova und St John Simpson (Hrsg.): Masters of the Steppe: The Impact of the Scythians and Later Nomad Societies of Eurasia. Archaeopress, Oxford, 2021, S. 561–587

Die ersten Packsättel waren Bocksättel, die aus zwei Brettern bestehen, die rechts und links am Pferd anliegen und mittels Bügeln vorne und hinten miteinander verbunden wurden. Bocksättel waren geeignet, um einerseits viel Gepäck sicher auf dem Tier zu befestigen und andererseits den Rücken des Tieres zu schonen und dadurch längere Wege sicher zurückzulegen. Die erste Maßnahme zur Verwendung dieser Sättel als Reitsättel war, sie mit Kissen und/oder Decken abzupolstern.

Sättel aus gepolsterten Kissen wurden schon von den Griechen benutzt, sie hatten Lammfelle oder Decken, die mit einem Sattelgurt gehalten wurden. Xenophon empfahl in seinen fachliterarischen Werken, diesen Gurt in bestimmten Situationen zu benutzen, um den Beinen mehr Halt zu verschaffen.

Im fernöstlichen Raum war der Steigbügel schon seit dem 3. Jahrhundert bekannt. Sie bestanden zunächst wohl nur aus einfachen Schlaufen, dann aus Bügeln aus Holz und/oder Metall, die anfangs noch sehr leicht und schmal waren, jedoch im Laufe der Zeit, insb. in Westeuropa, zunehmend massiver wurden und eine größere Trittfläche erhielten. Anfangs wurden die noch kurzen Steigbügelriemen noch am Sattelgurt befestigt, später dann höher am Sattel selbst.

Im römischen Imperium setzte sich ein Satteltyp aus Leder durch, der aufgrund seiner vier markanten Gesäßstützen als Hörnchensattel bezeichnet wird. Er wurde mutmaßlich von den Kelten entwickelt und verbreitete sich mit der Eroberung Galliens im ganzen römischen Reich und war darüber hinaus auch den Parthern und Sassaniden bekannt. Ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. verschwindet der Hörnchensattel und wird – im Osten der Alten Welt sehr schnell, im Westen erst deutlich später (im Frühmittelalter) – von einem Satteltyp mit Steigbügeln abgelöst.

Der Sattelbaum mit Vorder- und Hinterzwiesel ist seit der Zeitenwende belegt. Er wurde von den Sarmaten, einem Nomadenvolk iranischen Ursprungs, eingeführt. Auch dieser Sattel hatte noch keine Steigbügel, trotzdem gab er dem Reiter eine gewisse Sicherheit und Halt, da er sich beim Feindkontakt gegen den Hinterzwiesel stemmen konnte (wie es auch heute noch die Gardians gelegentlich tun um in die Bewegung der Pferde einzugehenArnim Basche: Geschichte des Pferdes. Sigloch, Künzelsau 1984. (2. Auflage. Stürtz, Würzburg 1991, ISBN 3-8003-0396-5, S. 128–134) (Stierreiter und Gardians), hier: S. 134.).

Aufbau mini|hochkant|Dressursattel mini|hochkant|Vielseitigkeitssattel mini|hochkant|Springsattel mini|hochkant|Rennsattel

Die Sattelblätter sind die beiden großen Lederflächen rechts und links am Sattel. Auf ihnen liegt der Steigbügelriemen auf, der oben am Steigbügelhalter befestigt ist. Der Steigbügel hat einen Schlitz, durch den der Riemen hindurchläuft, so dass der Steigbügel am unteren Ende des Steigbügelriemens hängt. Unter den Sattelblättern liegen üblicherweise die Schweißblätter, die jedoch bei manchen Sätteln fehlen. Zwischen diesen beiden Blättern befinden sich teilweise noch wesentlich kleinere Deckblätter, die die Gurtstrippen, an denen der Sattelgurt befestigt wird, verdecken.

Die Pauschen sind eine Polsterung vorne und teilweise auch hinten am Schweißblatt. Sie reichen vom unteren Teil des Blatts bis fast ganz oben. Obwohl die Pauschen unter dem Sattelblatt liegen, sieht man schon von außen ihre Lage, da das Leder des Sattelblatts über den Pauschen sich vom Rest des Blattleders unterscheidet und mit diesem durch eine Naht verbunden ist. In neuerer Zeit werden auch zunehmend Sättel produziert, bei denen die Pauschen oben auf den Sattelblättern angebracht werden. Je nach Sattelart sind die Pauschen unterschiedlich stark ausgeprägt und positioniert.

Der Aufsteigriemen, auch Mariahilfsbändel genannt, ist ein Lederriemen, der am Vorderzwiesel befestigt ist. Dieser dient einerseits als Aufsteighilfe, andererseits als Sicherheitsgriff insbesondere für ungeübte Reiter.

Satteltypen Dressursattel Der Dressursattel hat eine vergleichsweise kleine Auflagefläche, und der Reiter sitzt sehr nahe am Pferd. Es gibt tiefe, halbtiefe und normale, auch anatomisch genannte, Sitzflächen. Eine normale, eher flache Sitzfläche bietet mehr Bewegungsfreiheit, um beispielsweise die Hüfte nach Bedarf zu verschieben. Eine sogenannte tiefe Sitzfläche ist nicht näher am Pferd, sondern vorne und hinten höher aufgepolstert, wodurch der gefühlt tiefe, ruhige und sichere Sitz entsteht. Das lange, gerade geschnittene Sattelblatt erlaubt ein langes Bein, das für die differenzierte Hilfengebung in der Dressur wichtig ist. Der abgebildete Sattel hat sogenannte Bananenkissen und eignet sich besonders für Pferde mit geschwungenem Rücken. Für Pferde mit langem, geraden Rücken eignen sich Sättel, bei denen die Polster nach hinten durch Keilkissen verlängert werden, was eine größere Auflagefläche bewirkt.

Vielseitigkeitssattel Im Vielseitigkeitssattel sitzt der Reiter nahe am Pferd und kann präzise Gewichts- und Kreuzhilfen geben. Englische Pritschensättel sind nicht als Arbeitssättel konzipiert, die den ganzen Tag auf dem Pferd liegen, sondern als Sportsättel für kurzzeitige Belastungen, die dem Reiter viel Bewegungsfreiheit bieten.

Mit dem Vielseitigkeitssattel kann sowohl Dressur als auch Springen geritten werden. In Reitschulen ist er der häufigste Satteltyp, da er vielseitig einsetzbar ist und sich für Einsteiger eignet. Vielseitigkeitssättel sind besonders gut für Ausritte geeignet, da man darin einerseits gut Halt findet und springen kann und dabei dank des längeren Sattelblattes gut einwirken kann und bequemer sitzt als in einem extremen Springsattel. Es gibt Vielseitigkeitssättel mit Schwerpunkt Dressur (VSD), die sich durch ein längeres, geraderes Sattelblatt und kleinere Pauschen auszeichnen. Vielseitigkeitssättel mit Schwerpunkt Springen (VSS) sind an einem weiter nach vorne geschnittenen, kürzeren Sattelblatt und stärkeren Pauschen erkennbar. Für kleine Springen genügt meist ein guter VSS.

In großen Vielseitigkeitsprüfungen verwendet man für die Dressur einen Dressursattel, im Springen einen Springsattel und bei der Geländeprüfung einen speziellen Springsattel. In kleinen Prüfungen kann auch ein Vielseitigkeitssattel für alle drei Teilprüfungen genügen.

Springsattel Speziell für das Springreiten konstruiert, ist der Springsattel etwas länger und der Sitz flacher als der Dressursattel, wodurch weit nach vorn gezogene Sattelblätter mit hohen Pauschen ermöglicht werden, die dem Knie bei der Landung nach dem Sprung einen guten Halt bieten sollen. Er ist außerdem breiter als der Dressursattel und besser gepolstert, da er eher darauf angelegt ist, die freie Bewegung des Pferdes zu unterstützen, als darauf auch kleinste Hilfen zu übertragen. Zu Hufeisen mit Stollen wird häufig ein breiter Stollenschutzgurt verwendet, der den Pferdebauch vor der Berührung mit den Stollen schützt.

Rennsattel Rennsättel sind besonders kleine und leichte Sättel, die bei Pferderennen eingesetzt werden. Sie bieten dem Rennpferd möglichst viel Bewegungsfreiheit und ermöglichen so eine hohe Geschwindigkeit. Rennsättel eignen sich nicht zum bequemen Sitzen, stattdessen ermöglichen sie den Rennsitz, bei dem der Schwerpunkt durch Vorbeugen in der Hocke über den im Renngalopp weit vorverlagerten Schwerpunkt des Pferdes kommt. Der Sattel selbst kann ein Gewicht unter 150 Gramm haben und kommt komplett mit Gurt, Steigbügelriemen und Steigbügeln mitunter auf lediglich 250 Gramm.

Polosattel Der Sitz eines Polosattels ist häufig aus Rauleder. Traditionelle Sättel haben statt der Sattelgurtschnallen einen langen Lederriemen, der öfters durch einen großen Ring gewickelt wird und so den Bauchgurt spannt. Zusätzlich haben Sättel beim Polosport zur doppelten Absicherung noch einen eigenen Sicherheitsgurt, der über den Sattel verläuft, falls sich während des Spiels der Sattel lockert oder gar löst. An den Sattelblättern sind keine Kniepauschen.

Damensattel

Im Damensattel sitzt die Reiterin in Seitsitz, das heißt mit beiden Beinen auf einer Seite – normalerweise links – am Pferd. Der Damensattel ist dem normalen Sattel unterlegen, da hier das rechte Bein zur Hilfengebung fehlt. Der Damensattel ist bei Stürzen gefährlich, da die Reiterin oft nicht vom Sattel los kommt. Infolgedessen wurde er nach dem Ersten Weltkrieg schrittweise verdrängt und in Deutschland 1928 für schwere Springen verboten.

Militärsattel mini|hochkant|WW1 Militärsattel

Beim Militär wurden Bocksättel verwendet, die sich durch ihre Anpassungsfähigkeit an das Pferd auszeichnen. In Europa waren dabei Pritschensättel üblich, deren Trachten nach hinten verlängert wurden, um mehr Auflagefläche und Möglichkeiten für Gepäckbefestigung zu erreichen. Vertreter sind deutsche (am bekanntesten das Modell „Armeesattel 25“), Schweizer und österreichische Militärsättel. In Amerika wurde der McClellan-Sattel benutzt. Letzterer ermöglicht durch seine Bauweise eine besonders gute Belüftung des Pferderückens und wurde zur Ausgangsbasis für das Design zahlreicher neuerer Modelle für das Wander- und Distanzreiten.

Schulsattel