Der Kreis Löbau war von 1952 bis 1990 eine Verwaltungseinheit im Bezirk Dresden der Deutschen Demokratischen Republik. Von 1990 bis 1994 war er als Landkreis Löbau eine Verwaltungseinheit im Freistaat Sachsen. Sein Gebiet liegt heute im Landkreis Görlitz in Sachsen. Der Sitz der Kreisverwaltung befand sich in Löbau.
Geographie Lage Der Kreis Löbau lag im Zentrum der Oberlausitz zwischen den Städten Bautzen, Görlitz und Zittau.
Nachbarkreise Der Kreis Löbau grenzte im Uhrzeigersinn im Westen beginnend an die Kreise Bautzen, Görlitz-Land und Zittau. Im Südwesten grenzte er an die Tschechoslowakei.
Naturraum Das westliche Kreisgebiet ist durch die langgestreckten, bewaldeten Bergrücken des Lausitzer Berglandes mit Höhen über 500 m geprägt. Sie wechseln mit breiten muldenförmigen Tälern ab. Der Kottmar östlich von Ebersbach bildet mit 583 m die höchste Erhebung des Landkreises. Von einem Aussichtsturm auf seinem Gipfel reicht der Blick bei klarem Wetter bis weit in die Tschechoslowakei zum Iser- und Riesengebirge. Am Südrand des Kottmar entspringt die Spree, die das Kreisgebiet in westlicher Richtung durchfließt. Im Osten geht die Landschaft in die Ostlausitzer Vorberge über. Bewaldete Einzelberge, so auch der als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesene Löbauer Berg (480 m), erhebt sich hier über breite Talmulden. Im nördlichen Kreisgebiet ist die Landschaft durch ausgedehnte Ackerflächen mit fruchtbaren Lößböden geprägt.
Geschichte Der Kreis Löbau ging aus der am 1. Januar 1939 in Landkreis Löbau umbenannten, 1874 gegründeten Amtshauptmannschaft Löbau hervor. Mit der Kreisreform der DDR am 25. Juli 1952 erfolgte die Bildung der Bezirke und eine Neugliederung der Kreise. Der alte Landkreis Löbau gab 23 seiner 74 Gemeinden an Nachbarkreise im Norden und Osten ab. Der neue Kreis Löbau wurde dem neugebildeten Bezirk Dresden zugeordnet, Kreissitz wurde Löbau. Im Einzelnen kamen 16 Gemeinden des alten Landkreises Löbau zum neuen Kreis Bautzen: Breitendorf, Hochkirch, Kohlwesa, Kotitz, Krappe, Lauske b. Löbau, Lehn, Maltitz, Nostitz, Plotzen, Rodewitz, Särka, Spittel, Taubenheim/Spree, Weißenberg und Zschorna sowie 7 Gemeinden des alten Landkreises Löbau zum neuen Kreis Görlitz-Land: Altbernsdorf a.d. Eigen, Berzdorf a.d. Eigen, Dittersbach a.d. Eigen, Kiesdorf a.d. Eigen, Oehlisch, Schönau a.d. Eigen und Sohland a. Rotstein.
51 Gemeinden des alten Landkreises Löbau bildeten den neuen Kreis Löbau: Beiersdorf, Bellwitz, Bernstadt auf dem Eigen, Berthelsdorf, Bischdorf, Carlsbrunn, Dolgowitz, Cunewalde, Dürrhennersdorf, Ebersbach, Ebersdorf, Eibau, Eiserode, Friedersdorf, Georgewitz, Glossen, Großdehsa, Großhennersdorf, Großschweidnitz, Herrnhut, Herwigsdorf, Kemnitz, Kittlitz, Kleindehsa, Kleinradmeritz, Kottmarsdorf, Kunnersdorf auf dem Eigen, Lauba, Lautitz, Lawalde, Löbau, Stadt, Neueibau, Neugersdorf, Neusalza-Spremberg, Niedercunnersdorf, Obercunnersdorf, Oberoderwitz, Oelsa, Oppach, Oppeln, Ottenhain, Rennersdorf, Rosenhain, Ruppersdorf, Schönbach, Schönberg, Strahwalde, Walddorf, Weigsdorf-Köblitz, Wohla und Zoblitz.
Durch Umgliederungen über Kreisgrenzen hinweg und Gemeindegebietsveränderungen sank die Zahl der Gemeinden von anfänglich 51 auf 29 bei Auflösung des Kreises (1994): 4. Dezember 1952 Umgliederung von Krappe aus dem Kreis Bautzen in den Kreis Löbau 1. Januar 1957 Eingliederung von Kunnersdorf a.d. Eigen in die Stadt Bernstadt 22. März 1970 Zusammenschluss von Georgewitz und Bellwitz zu Georgewitz-Bellwitz 1. April 1974 Eingliederung von Carlsbrunn, Krappe, Oppeln und Wohla in Kittlitz 1. April 1974 Eingliederung von Glossen in Lautitz 1. April 1974 Eingliederung von Dolgowitz in Rosenhain 1. Dezember 1976 Eingliederung von Schönberg in Cunewalde 1. Januar 1979 Umgliederung von Breitendorf aus dem Kreis Bautzen in den Kreis Löbau 1. Januar 1979 Eingliederung von Eiserode und Oelsa in die Stadt Löbau 1. Januar 1994 Eingliederung von Zoblitz in die Stadt Reichenbach/O.L. 1. Januar 1994 Zusammenschluss von Bischdorf und Herwigsdorf zu Rosenbach 1. März 1994 Eingliederung von Kemnitz in die Stadt Bernstadt 1. März 1994 Eingliederung von Rennersdorf/O.L. in Berthelsdorf 1. März 1994 Eingliederung von Ruppersdorf/O. L. in Herrnhut, Stadt 1. März 1994 Eingliederung von Kleinradmeritz und Lautitz in Kittlitz 1. März 1994 Eingliederung von Kleindehsa und Lauba in Lawalde 1. März 1994 Eingliederung von Großdehsa und Rosenhain in die Stadt Löbau 1. März 1994 Eingliederung von Georgewitz-Bellwitz in Kittlitz
Am 17. Mai 1990 wurde der Kreis in Landkreis Löbau umbenannt.Durch Gesetz über die Selbstverwaltung der Gemeinden und Landkreise in der DDR (Kommunalverfassung) vom 17. Mai 1990, im Gesetzblatt der DDR 1990, Band I, S. 255, Online (PDF). Erster und einziger Landrat des Landkreises Löbau war Volker Stange. Am 1. August 1994 erfolgte die Bildung des neuen Sächsischen Oberlausitzkreises, der 1995 in Landkreis Löbau-Zittau umbenannt wurde. Bei der Neubildung wurde der Landkreis Löbau (27 Gemeinden) mit dem Landkreis Zittau (18) und zwei südlich gelegenen Gemeinden des Landkreises Görlitz zusammengefasst. Der Landkreis Löbau gab des Weiteren zwei seiner Gemeinden an den Landkreis Bautzen ab. Diese Kreisreform von 1994 knüpfte an die territorialen Verwaltungsstrukturen, wie sie im 19. Jahrhundert vorhanden waren, wieder an.
Wirtschaft und Verkehr Die traditionelle Leinenweberei fand ihre Fortsetzung in der Textilindustrie. Mehr als ein Zehntel der Kreisbewohner arbeitete in diesem Industriesektor. Der VEB Oberlausitzer Textilbetriebe besaß drei Werke in Löbau, und in Neusalza-Spremberg war der VEB Baumwollweberei und -veredlung ansässig. Zentren der Textilherstellung waren weiterhin die Städte Ebersbach und Neugersdorf. Die Stadt Löbau war bereits im 14. Jahrhundert ein Mittelpunkt der Tuchmacherproduktion und entwickelte sich im 19. Jahrhundert zum größten Garnmarkt der Oberlausitz. Darüber hinaus war sie weitbekannt für die »Förster«-Klaviere, die hier seit 1859 hergestellt werden. Produkte der Industrie des Kreises waren außerdem Schuhe, Elektroanlagen, Möbel und Spiegel. Der Fremdenverkehr spielte im westlichen Kreisgebiet, im Lausitzer Bergland, eine Rolle. Hier lagen die Erholungsorte Neusalza-Spremberg und das nördlich gelegene Cunewalde. Die Ortsbilder der Straßendörfer waren durch Umgebindehäuser geprägt.
Das Kreisgebiet war stets Durchgangsland zwischen den Kaufmanns- und Handelsstädten Bautzen, Görlitz und Zittau. Durch den Landkreis verliefen die Straßen- und Schienenwege im Transitverkehr nach Polen und zur Tschechoslowakei mit Löbau als Verkehrsknotenpunkt, Handels- und Industriezentrum.
Bevölkerungsdaten der Städte und Gemeinden Bevölkerungsübersicht aller 43 Gemeinden des Kreises, die 1990 in den wiedergegründeten Freistaat Sachsen kamen.Regionalregister Sachsen
AGS Gemeinde Einwohner Fläche (ha) 03.10.1990 31.12.1990 14038010 Beiersdorf 1.444 1.449 645 14038030 Bernstadt auf dem Eigen, Stadt 2.342 2.334 1.098 14038040 Berthelsdorf 1.347 1.340 1.123 14038050 Bischdorf 701 703 968 14038070 Cunewalde 4.222 4.213 2.323 14038090 Dürrhennersdorf 1.203 1.196 1.067 14038100 Ebersbach, Stadt 12.669 12.592 1.489 14038110 Ebersdorf 1.282 1.275 760 14038120 Eibau 3.916 3.869 1.119 14038130 Eiserode 263 256 445 14038140 Friedersdorf 1.709 1.693 1.089 14038150 Georgewitz-Bellwitz 381 371 522 14038170 Großdehsa 389 391 456 14038180 Großhennersdorf 1.841 1.824 2.194 14038190 Großschweidnitz 1.777 1.770 744 14038200 Herrnhut, Stadt 1.754 1.747 199 14038210 Herwigsdorf 1.252 1.243 1.382 14038220 Kemnitz 1.069 1.067 1.559 14038230 Kittlitz 1.751 1.739 1.605 14038240 Kleindehsa 452 444 542 14038250 Kleinradmeritz 214 210 362 14038260 Kottmarsdorf 643 640 794 14038280 Lauba 752 746 351 14038290 Lautitz 566 560 921 14038300 Lawalde 880 886 561 14038310 Löbau, Stadt 17.479 17.332 1.756 14038320 Neueibau 789 786 161 14038330 Neugersdorf, Stadt 7.725 7.676 553 14038340 Neusalza-Spremberg, Stadt 2.862 2.848 1.199 14038350 Niedercunnersdorf 1.386 1.366 741 14038360 Obercunnersdorf 2.016 1.999 768 14038370 Oberoderwitz 2.975 2.956 1.668 14038390 Oppach 3.256 3.209 801 14038410 Ottenhain 496 484 676 14038420 Rennersdorf/O.L. 776 756 1.101 14038430 Rosenhain 698 700 1.047 14038440 Ruppersdorf/O.L. 1.447 1.431 1.789 14038450 Schönbach 1.570 1.501 906 14038470 Strahwalde 1.066 1.058 989 14038480 Walddorf 1.059 1.040 456 14038490 Weigsdorf-Köblitz 2.127 2.098 339 14038510 Zoblitz 207 210 353 14038520 Breitendorf 193 188 374 14038 Landkreis Löbau 92.946 92.196 39.992
Kfz-Kennzeichen Den Kraftfahrzeugen (mit Ausnahme der Motorräder) und Anhängern wurden von etwa 1974 bis Ende 1990 dreibuchstabige Unterscheidungszeichen, die mit den Buchstabenpaaren RO und YO begannen, zugewiesen. Die letzte für Motorräder genutzte Kennzeichenserie war YX 75-01 bis YX 97-00.
Anfang 1991 erhielt der Landkreis das Unterscheidungszeichen LÖB. Es wurde bis zum 31. Juli 1994 ausgegeben. Seit dem 9. November 2012 ist es im Landkreis Görlitz erhältlich.
Codes Postleitzahlen bis 1993: 870* Postleitzahlen seit 1993: 027* Telefonvorwahlen: 0358*
Einzelnachweise
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