mini|Mark Benecke (2022) Mark Oliver Benecke [] (* 26. August 1970 in Rosenheim) ist ein deutscher Kriminalbiologe, Spezialist für forensische Entomologie, Autor, Kolumnist, Politiker (Die PARTEI) und Schauspieler.
Leben Mark Benecke war nach dem Abitur am Humboldt-Gymnasium Köln an der Universität zu Köln für die Fächer Germanistik, Psychologie und Theaterwissenschaft eingeschrieben, beschränkte sich dann aber auf Biologie mit dem Nebenfach Psychologie. Er promovierte summa cum laude über genetische Fingerabdrücke. Im Bereich seines Nebenfachs Psychologie beschäftigte er sich mit Lernexperimenten an Tieren. Anschließend absolvierte er diverse polizeitechnische Ausbildungen innerhalb der Rechtsmedizin in den Vereinigten Staaten, unter anderem an der FBI-Akademie.
mini|Benecke untersucht eine Mumie in der Kapuzinergruft in Palermo (2012) Benecke wird als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger herangezogen, um biologische Spuren bei vermuteten Gewaltverbrechen mit Todesfolgen auszuwerten. Er ist Ausbilder an deutschen Polizeischulen sowie Gastdozent in den Vereinigten Staaten, Vietnam, Kolumbien und auf den Philippinen. Ende der 1990er-Jahre war Benecke als Kriminalbiologe im Office of Chief Medical Examiner (Institut für Rechtsmedizin) im New Yorker Stadtbezirk Manhattan angestellt.
Nach eigener Aussage versteht er weniger von Psychologie, ihn interessiert umso mehr die Biologie:
Die Fernsehsender National Geographic Channel, History Channel und n-tv berichteten bereits ausführlich über einige seiner Fälle. Der breiteren Öffentlichkeit ist Benecke auch durch seine Gastkommentare in den Fernsehserien Medical Detectives (VOX, RTL Nitro) und Autopsie – Mysteriöse Todesfälle (RTL II) bekannt, welche die Aufklärung realer Kriminalfälle zeigen und die hierbei eingesetzten, meist wissenschaftlichen Methoden in den Mittelpunkt stellen. Er erklärt dort allgemeinverständlich wissenschaftliche Hintergründe. In seinen Vorträgen setzt er sich auch mit den Auswirkungen des Klimawandels auf den Prozess der Verwesung toter Körper auseinander.
Benecke veröffentlichte mehrere populärwissenschaftliche Bücher, unter anderem über Kriminalfälle, Kriminalbiologie und das Altern aus biomedizinischer Sicht. Darüber hinaus gab er unter anderem für Ravensburger und Oetinger Kinder-Experimentierkästen und -bücher heraus. Mehrere seiner Bücher erreichten in der Spiegel-Bestsellerliste hohe Platzierungen und wurden in viele Sprachen übersetzt. Seine damalige Ehefrau, die Kriminalpsychologin Lydia Benecke, ist Mitautorin von vier seiner Bücher.
Er ist außerdem Gastherausgeber für die Forensic Science International (Forensic Entomology Special Issue) und war Mitglied im Wissenschaftsrat der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. Er veröffentlichte Bücher und Artikel in den Zeitschriften Skeptical Inquirer und Kriminalistik zu ausgefallenen Themen wie Spontane Selbstentzündung,Benecke M (1998): Spontaneous Human Combustion (SHC) – thoughts of a forensic biologist. Skeptical Inquirer 22 (March/April 1998):47-51Spontaneous Human Combustion (SHC): Is it True? National Geographic International TV, Season 1, Episode 5; mit Larry Arnold & Mark Benecke, Produzent: Jonathan Halperin, Kamera: Howard Shack, Erstausstrahlung: April 2005 Blutwunder (zusammen mit dem ZDF), Vampir, magnetische Berge und anderes.
Für die Annals of Improbable Research, die jährlich an der Harvard-Universität die Ig-Nobelpreise verleihen, arbeitet Benecke im Wissenschaftlichen Beirat und als Mitherausgeber.
Seit 2011 ist Benecke Vorsitzender des Vereins ProTattoo (Information, Schulung und Öffentlichkeitsarbeit für und von Angehörige/n der Tätowierbranche).
Benecke ist seit 2015 in zweiter Ehe verheiratet mit Ines Benecke geborene Fischer.Ines Brieden: Mark Beneckes Frau: Ist der promovierte Biologe liiert?, desired.de vom 16. Februar 2023
Im Jahr 2019 wurde die Tierart Astrophiura markbeneckei – ein Schlangenstern aus der Tiefsee – nach ihm benannt.Ben Thuy: Ein kleines Stück Unsterblichkeit oder: Ein Schlangenstern, der deinen Namen trägt in: Mark Benecke: Mein Leben nach dem Tod, Lübbe, 2019, S. 235–237, hier S. 236.Ben Thuy, Andy Gale & Lea Numberger-Thuy (2019) Brittle stars looking like starfish: the first fossil record of the Astrophiuridae and a remarkable case of convergent evolution PeerJ 7:e8008, DOI:10.7717/peerj.8008 Im Jahr 2022 wurde die neu entdeckte Waffenfliegen-Art Ptecticus benecki aus Guano von Fledermäusen aus einer Höhle in Kolumbien ebenfalls nach Benecke benannt. Benecke selbst entdeckte die Trauermücken-Art Pseudolycoriella martita an einem verwesenden Schwein im Urwald in Florencia, benannt nach der Biologin Marta Wolff und beschrieben von Wolff, Kristina Baumjohann und Hans-Georg Rudzinski. PDF
Subkultur und Body-Modification
Benecke dokumentiert die internationale Tattoo- und Piercing-Subkultur und hält regelmäßig Vorträge auf der Fachkonferenz BMXnet, die seit 2023 fest in Berlin stattfindet. Er engagiert sich zudem als Ehrenmitglied im Institut für deutsche Tätowier-Geschichte e.V. (IDTG) für die Erhaltung und wissenschaftliche Aufarbeitung der Fachhistorie.
Im Jahr 2008 nahm er gemeinsam mit dem Tätowierer und Fotokünstler Herbert Hoffmann an der Berliner Kunstausstellung Transgressive Bodies teil und erhielt von diesem eines seiner letzten Anker-Tattoos („Tattoogramm“). Nach Hoffmanns Tod im Jahr 2010 übernahm Benecke dessen feste Kolumne im TätowierMagazin. Auf der damals noch in Essen ausgetragenen BMXnet-Konferenz 2022 begleitete er die Vorstellung des historisch ersten, im Jahr 1978 von Manfred Kohrs angefertigten Barbell-Zungenpiercings; dabei übernahm er die kriminalbiologische Dokumentation sowie die forensisch-messtechnische und farbliche Erfassung des Exponats. Auf der Berliner BMXnet-Konferenz 2025 partizipierte er an dem kunsthistorischen Konzeptkunst-Happening „Richtungsweisend“, bei dem Kohrs ihn in einer traditionellen Hand-Poked-Technik tätowierte.
Bekannte Fälle 1997/1998 hatte Benecke nach der Untersuchung von Maden die Leichenliegezeit der getöteten Frau des Pastors Klaus Geyer festgestellt. Geyer hatte für den so ermittelten Tatzeitpunkt kein Alibi und wurde schließlich wegen Totschlags verurteilt. Im Todesfall einer pflegebedürftigen Frau in Köln ermittelte Benecke anhand von gefundenen toten Stallfliegen (Muscina stabulans), dass die Frau durch ihre Pflegerin vernachlässigt worden war. In Zusammenarbeit mit dem FSB (Inlandsgeheimdienst der Russischen Föderation) untersuchte Benecke Adolf Hitlers mutmaßliche Schädeldecke und sein Gebiss. Er untersuchte zudem den Fall des kolumbianischen Serienmörders und Vergewaltigers Luis Garavito. Die Mumien von Palermo untersuchte Benecke ausführlich in Zusammenarbeit mit Archäologen und dem Kapuziner-Orden. Im März 2024 bestätigte er, dass Lampenschirme, die in der Gedenkstätte des KZ Buchenwald gezeigt worden waren, entgegen einem Gutachten von 1992 tatsächlich aus Menschenhaut gefertigt waren.
Medien Radio/Podcast mini|hochkant|Mark Benecke als Moderator beim Amphi Festival 2013 Seit 1999 waren samstags Beiträge von Mark Benecke zu aktuellen wissenschaftlichen Themen auf dem öffentlich-rechtlichen Sender Radio Eins vom RBB im Rahmen der Wissenschaftssendung Die Profis zu hören. Seit dem 2. August 2006 wird das Interview auch als Podcast Der Benecke veröffentlicht. Am 5. Oktober 2024 erschien nach 25 Jahren die letzte Folge der Reihe.
2022 war er zusammen mit Romy Hausmann im zwölfteiligen Podcast Hausmann & Benecke zu hören. Hierbei kommentierte er mit seinem Fachwissen zum Thema Forensik Hausmanns Nacherzählungen diverser True-Crime-Fälle.
Print Von 2010 bis 2011 war Benecke Kolumnist auf der Meinungsseite der Frankfurter Rundschau und von 2001 bis 2011 hatte er eine monatliche Kolumne in der Fachzeitschrift Laborjournal. Von 2012 bis 2015 war er ständiger Kolumnist des TätowierMagazins, und berichtete danach unregelmäßig für die Zeitschrift. Im Jahr 2017 sammelte er im Auftrag und für die ständige Sammlung des Grassi-Völkerkunde-Museums in Leipzig Interviews mit tätowierten Menschen und führte in einer Video-Installation in die Tattoo- und Piercing-Ausstellung ein.
In Jacques Berndorfs Roman Eifelträume tritt Benecke als Spurenkundler auf.
TV Bis 2007 (und in regelmäßigen Wiederholungen bis heute) war und ist er als Rechtsmediziner in der Sendung Niedrig und Kuhnt – Kommissare ermitteln zu sehen. Auch in den Galileo-Mystery-Ausgaben über Jack the Ripper (2006), die Päpstin (2006), Piraten (2006), Die Kreuzigung Jesu (2007), Flüche (2007), Zombies und Wiedergänger (2007) und Vampire unter uns? (2011) hatte er Auftritte als Kriminalbiologe und Kriminalist. Zudem trat er in den Kriminalsendungen Autopsie – Mysteriöse Todesfälle und Akte Mord des Privatsenders RTL II sowie Medical Detectives des Partnersenders VOX auf. Im Jahr 2021 interviewte RTL Benecke zu möglichen Hinweisen, die sich aus kürzlich gefundene Knochen im Fall Engelbrecht, ergeben könnten.
Als Präsident der Transylvanian Society of Dracula war er 2009 Laudator der Corine-Preisverleihung für das Hörbuch Der verbotene Ort von Fred Vargas, in dem der sogenannte Vampir-Fall Plogojowitz zentrales Thema ist.
Benecke ist seit etwa 2000 häufig Gast in deutschsprachigen Talkshows, wo er zu kriminalistischen Themen Stellung nimmt. Auch in Kindersendungen wie 1, 2 oder 3 und dem Tigerenten Club ist er mehrfach aufgetreten.
Für den deutsch-französischen Sender Arte wirkte Benecke zusammen mit Michaela Schaffrath als Protagonist in Folge 34 von Durch die Nacht mit … mit.
Hörspiel & Blu-ray 2017 sprach Benecke, in einem Cameoauftritt, sich selbst im Horror-Hörspiel Blood Red Sandman von Kim Jens Witzenleiter. Ebenfalls 2017 sprach Benecke sich selbst in der Sonderedition "Brandmal" der Hörspielreihe "Geisterjäger John Sinclair", an der er auch als Autor mitwirkte.
Im Bonus-Material zur Bluray Er ist wieder da (2015) tritt er zusammen mit Christoph Maria Herbst in einer Talkshow auf. Auf der deutschen, restaurierten und ungeschnittenen Version der DVD und Bluray des Texas Chainsaw Massacre 2 (2018) spricht Benecke den Audio-Kommentar.
Kino In der Kino-Dokumentation Rest in Peace (Kooperation mit Arte, 2010) ist das Team von Benecke im Einsatz in der Rechtsmedizin Bukarest zu sehen. Im Dokumentarfilm Finding Tom Bombadil (Kino-Premiere Ostern 2019) nimmt Benecke die Spur der Figur Tom Bombadil aus Der Herr der Ringe auf.
Im Februar 2020 hatte der von Benecke gedrehte Dokumentarfilm Schweinchen – ein Dekompositionsfilm Premiere (Regie: Jörg Buttgereit) im Babylon Berlin. Der Film zeigt den Ablauf der Zersetzung von fünf Tieren. Im Juli 2020 startete deutschlandweit der Kinofilm Leif in Concert, in dem Benecke sich selbst spielt. Im Film Sky Sharks (2020) ist er kurz als Flugbegleiter zu sehen. 2021 wirkte Benecke an der Schweizer Splatter-Komödie Mad Heidi als Co-Produzent mit.
Musik und Theater mini|hochkant|Mark Benecke 1993 als Belcanto Bene in der Band Die Blonden Burschen 1989 gründete er mit Klaus Fehling in Köln die Schlager-Punk-Band Die Blonden Burschen, der er bis 2000 unter dem Künstlernamen Belcanto Bene angehörte.
Ab dem Jahr 2000 trat Benecke in einem Theaterstück von Klaus Fehling und Posttheater Berlin/New York/Tokyo in dem Stück The Real Forensic in Berlin, Singapur und anderen Städten als der Schauspieler Murat Belcant auf, ohne dass das Rätsel um die Person des Darstellers gelüftet worden wäre.