mini|hochkant=1.5|Das Hauptgebäude der Universität Graz; 1895 errichtet

Die Universität Graz (vollständig Karl-Franzens-Universität Graz, kurz KFU, ) in Graz ist die größte Universität der Steiermark und nach der Universität Wien die zweitälteste Universität Österreichs. Sie wurde am 1. Jänner 1585 von Erzherzog Karl II. von Innerösterreich gegründet (Überreichung des Stiftungsbriefes von Kaiser Rudolf II. am 14. April 1586) und 1827 von Kaiser Franz I. von Österreich erneuert, wovon sich ihr vollständiger Name ableitet.Werner W. Strahalm, Peter Laukhardt: Graz. Eine Stadtgeschichte. 7. Auflage, Edition Strahalm, Graz 2013, ISBN 978-3-9503597-6-3, S. 97.

Sie ist insofern keine Volluniversität im klassischen Sinne mehr, als die Medizinische Fakultät durch das Universitätsgesetz 2002 mit 1. Jänner 2004 als Medizinische Universität Graz ausgegliedert wurde.

Geschichte mini|Stiftungsbrief Universität Graz, Erzherzog Karl II., 1. Jänner 1585; Steiermärkisches Landesarchiv I.Ö., Urk. Nr. 575, 1585 I 1, Graz mini|Stich der Alten Jesuiten-Universität in Graz mini|Bau des Hauptgebäudes im Jahr 1894 mini|Luftaufnahme des Campus (2011) mini|Gebäude der Rechtswissenschaftlichen sowie der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (ReSoWi) der Uni Graz (2024) mini|Das Zentrum für Molekularbiologie der Uni Graz (2024)

Gründungsphase Im Zuge der Gegenreformation wanderten zahlreiche Bürger und Adelige aus der Steiermark in Universitäten in protestantischen Fürstentümern des Heiligen Römischen Reiches aus. Dieser Entwicklung wollten die katholischen Landesherren der Steiermark entgegenwirken, indem sie den Plan zur Etablierung einer Universität unter Führung der Jesuiten in Graz verfassten. So erfolgte die Gründung der Universität am 1. Jänner 1585 durch Erzherzog Karl II. von Innerösterreich, doch erst am 14. April 1586 wurden Stiftungsbrief samt Zepter und Siegel dem Ordensprovinzial der Societas Jesu und gleichzeitig dem ersten Rektor, Pater Heinrich Blyssem SJ (1526–1586) in der Grazer Pfarrkirche St. Ägidius, dem heutigen Grazer Dom, feierlich überreicht.

Die landesfürstliche Gründung wurde durch einen päpstlichen und einen kaiserlichen Bestätigungsbrief besiegelt, wobei der Universität Autonomie sowie besondere Gerichts- und Steuerprivilegien zuerkannt wurden. Ursprünglich plante der Landesfürst eine Volluniversität mit vier Fakultäten, doch es sollten anfänglich nur zwei werden. Die Theologische Fakultät hatte die Aufgabe, für die Schaffung eines neuen, verlässlichen Klerus zu sorgen, und die Artistische Fakultät befasste sich mit der Lehre der Freien Künste (septem artes liberales) – den philosophischen Disziplinen.

Im Jahr 1607 erfolgte die Übersiedlung der Hörsäle in das von Erzherzog Ferdinand II. neu errichtete Gebäude an der Ecke Hofgasse/Bürgergasse, das heute als "Alte Universität" bekannt ist. Der ursprünglich frei stehende Bau wurde im Laufe der Zeit mit dem Kollegium zu einem einheitlichen Komplex verbunden. Im Erdgeschoß des Gebäudes wurden die Lehrveranstaltungen abgehalten, die beiden großen Räume des oberen Stockwerks dienten als Aula. Die Alte Universität im Zentrum von Graz ist bis heute nahezu unverändert und wird von der Landesregierung Steiermark zu Repräsentationszwecken genutzt.

1607 bis 1827 Bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde erstmals die Erweiterung der Universität Graz um eine juristische und medizinische Fakultät diskutiert. Allerdings stemmten sich die Jesuiten mehr als 100 Jahre lang erfolgreich gegen die Einrichtung der neuen Fakultäten. Dennoch finanzierten die steirischen Stände ab 1648 einen einjährigen Kurs in römischem Recht. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens im Jahre 1773 wurde die Universität vom Staat übernommen und die Jesuiten an der Theologischen Fakultät ausnahmslos durch Weltgeistliche ersetzt.Werner W. Strahalm, Peter Laukhardt: Graz. Eine Stadtgeschichte. 7. Auflage, Edition Strahalm, Graz 2013, ISBN 978-3-9503597-6-3, S. 142. Ziele der Ausbildung waren das Heranziehen treuer Staatsdiener und die Vermittlung ausschließlich praktisch verwertbarer Kenntnisse. 1778 wurde die Juristische Fakultät gegründet.

Die Machtübernahme im Habsburgerreich durch Kaiser Joseph II. und die von ihm vorangetriebenen Josephinischen Reformen hatten große Auswirkungen auf alle Universitäten, auch die Universität Graz. 1782 wurde diese in ein LyzeumWerner W. Strahalm, Peter Laukhardt: Graz. Eine Stadtgeschichte. 7. Auflage, Edition Strahalm, Graz 2013, ISBN 978-3-9503597-6-3, S. 147. umgewandelt und verlor damit den Großteil ihrer Privilegien. Die Anzahl der Professuren wurde beschränkt. Parallel dazu erfolgte die Etablierung der medizinisch-chirurgischen Ausbildung in Graz, wobei eine Promotion weiterhin lediglich in den Fächern Theologie und Philosophie möglich war. In den Bereichen Jura und Medizin wurden lediglich niedere Ausbildungsgänge angeboten.

Nach dem Ableben von Kaiser Joseph II. forderten die steirischen Stände umgehend die Wiedererrichtung als Volluniversität. Nachdem die Universität Innsbruck 1826 wieder neu gegründet worden war, brachten die steirischen Stände ebenfalls ein Ansuchen auf die Neugründung der Universität Graz als Volluniversität inklusive medizinischer Fakultät ein. Kaiser Franz I. gab dem Ansinnen nach und gründete die Universität Graz 1827 erneut. In dieser doppelten Gründung liegt der Ursprung des Langnamens „Karl-Franzens-Universität“. Im Universitätsgesetz 2002 wird die Universität unter dem Kurznamen „Universität Graz“ geführt, im Firmenbuch unter dem Langnamen „Karl-Franzens-Universität Graz“.Gerald Bast: Universitätsgesetz 2002 (2003), Anm. 1 zu § 6: Die Möglichkeit zur Beifügung eines Zusatzes zum gesetzliche festgelegten Namen der Universität ist nicht ausdrücklich geregelt und wird somit weiter zulässig sein, ohne dass diesem Namenszusatz eine rechtliche Qualität zukäme. Zuständig für die Festlegung eines derartigen Namenszusatzes ist mangels ausdrücklicher Erwähnung aufgrund der Auffangkompetenz des § 22 Abs. 1 das Rektorat. Im Firmenbuch wird die Universität als Karl-Franzens-Universität Graz geführt.

1827 bis 1918 Mit Ausnahme des Promotionsrechts für Juristen kam es durch die erneute Erhebung zur Universität zu keinen signifikanten Veränderungen. Die Universität hatte zu diesem Zeitpunkt 23 Lehrkräfte und bis 1848 keine wesentliche Verbesserung. Dies führte dazu, dass viele Studierende auch Kurse am 1811 gegründeten Joanneum besuchten, dem Vorläufer der heutigen Technischen Universität Graz.

Das Revolutionsjahr 1848 verlief in Graz zwar nicht so stürmisch wie in Wien, dennoch forderten Studierende sowie Professoren der Universität Graz und des Joanneum auch hier vom Landesfürsten ein Ende der Zensur sowie eine Ausweitung der Lehr- und Lernfreiheit mit einer starken Autonomie der Hochschule nach den Prinzipien Wilhelm von Humboldts. Diese Forderungen wurden seitens des Landtages am 3. April 1848 zum Teil gewährt.

In den folgenden Jahren wurde eine allgemeine Studienordnung erlassen sowie eigene Fakultätsstudien geschaffen. In den 1860er-Jahren setzte eine weitere Liberalisierungswelle ein. So wurde nach langjährigen Bemühungen 1863 auch die Medizinische Fakultät an der Universität Graz Realität, womit sie zu einer Volluniversität wurde. 1871 wurde ein Neubau der Universitätsgebäude genehmigt, der ursprünglich im heutigen Stadtpark errichtet werden sollte. Aufgrund des Widerstands der Stadtregierung wurde das Projekt jedoch auf das Gelände des heutigen Campus verlegt. 1872 konnte das erste Gebäude bezogen werden, und 1895 war der Neubau schließlich mit der Eröffnung des neuen Hauptgebäudes abgeschlossen. Die Universitätsleitung meldete jedoch bald weiteren Raumbedarf an. In der Folge erwarb die Universität bis 1914 weitere Baugründe im Umfeld des Campus. Im Jahr 1912 konnte die Medizinische Fakultät die neuen Kliniken am Gelände des LKH Graz beziehen. Bereits 1913 gab es konkrete Ausbaupläne, die jedoch mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs begraben wurden.

In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg beherbergte die Universität Graz zahlreiche namhafte Forscher, wie etwa Ernst Mach, Ludwig Boltzmann, Albert von Ettingshausen, Hans Groß und viele mehr. Auch der Entdecker der kosmischen Strahlung, Victor Franz Hess, promovierte 1906 an der Universität Graz. 1898 wurde mit Seraphine Puchleitner die erste Frau für ein Studium an der Universität Graz zugelassen. 1902 promovierte sie in ihrem Studium der Geographie als erste Frau an der Universität Graz. 1905 promovierte in Graz Oktavia Aigner-Rollett als erste praktizierende Ärztin.

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs bedeutete für die Universität Graz eine Zäsur, die sich in einer signifikanten Reduktion der Studierendenzahl sowie einer drastischen Kürzung der finanziellen Mittel äußerte. Die Ära des Sparens an den Universitäten sollte in Österreich nahezu 50 Jahre anhalten.

Erste Republik (1918–1933) Die ersten Jahre nach dem Ersten Weltkrieg waren für die Universität Graz durch politische und wirtschaftliche Unsicherheit geprägt, die sich auch auf das Ansehen der Wissenschaft in der Bevölkerung auswirkten. Die Forschung wurde nicht mehr als Mittel zum Zweck des Gemeinwohls betrachtet, sondern diente dem nationalpolitischen Ziel des Aufstiegs. Die Universität Graz fokussierte sich daher in erster Linie auf Studierende aus Österreich, während Studierende aus dem Ausland lediglich geduldet wurden.

Die Regierung in Wien zeigte sich der Autonomie der Universitäten gegenüber kritisch, während die Universitäten selbstbestimmt versuchten, diese zu bewahren. So gründete die Universität Graz einen eigenen "Senatsausschuss für politische Fragen", der die Haltung der Universität zu allen politischen Fragen definierte. Die Rolle der Frauen in der Wissenschaft besserte sich etwas. Nachdem die Kompetenz der Germanistin Christine Touaillon für eine Habilitation an der philosophischen Fakultät 1920 noch aufgrund ihres Geschlechts in Frage gestellt wurde,Alois Kernbauer, Karin Schmidlechner-Lienhart: Frauenstudium und Frauenkarrieren an der Universität Graz (= Publikationen aus dem Archiv der Universität Graz, Band 33), Akademische Druck- u. Verlagsanstalt 1996, ISBN 3-201-01660-8, S. 219 habilitierte Dora Boerner-Patzelt in Histologie und Embryologie 1929 als erste Frau an der Universität Graz.

Ein Novum stellten ab 1919 die Wahlen einer Vertretung der Studentenschaft dar, die in den folgenden Jahren von einer Konkurrenz zwischen deutschnationalen und katholischen Vertretern geprägt waren. Was beide Gruppen jedoch vereinte, war die Ablehnung der Studierenden aus dem sozialistischen Lager. Im Jahr 1924/25 trat erstmals eine Liste an, die als nationalsozialistische Gruppierung klassifiziert werden kann. Bei der Studentenvertretungswahl an der Universität Graz im Jahr 1930/31 kandidierten erstmals offen nationalsozialistische Studenten der NSDStB.

Zwischen 1931 und 1933 kam es im Zuge der großen Depression zu einer drastischen Verschlechterung der budgetären Lage aller Universitäten. Dies führte im September 1931 zu einer Kampagne in der Wiener Zeitung gegen die "Provinzuniversitäten" in Innsbruck, Graz und Leoben, wobei sogar die Schließung der Universität Graz im Raum stand, was zu Protesten in Graz führte. Die Pläne wurden nie verwirklicht, dennoch konnte ein Abbau des wissenschaftlichen Personals nicht verhindert werden.