Die Schlacht um Ostpreußen fand vom 13. Januar bis zum 25. April 1945 während des Deutsch-Sowjetischen Krieges im Zweiten Weltkrieg statt und war die blutigste und längste Schlacht des Jahres. Im Laufe der Ostpreußischen Operation () führte die Rote Armee sechs Unteroperationen durch: die Insterburg–Königsberger, Mlawa–Elbinger, Heilsberger, Braunsberger, Samlander und die Königsberger Operation.
Vorgeschichte Im Sommer 1944 war den sowjetischen Truppen die Zerschlagung der Heeresgruppe Mitte gelungen, fast unaufhaltsam rückte die Rote Armee bis an die östliche Grenze des Deutschen Reiches heran. Die weit nach Osten vorgelagerte Provinz Ostpreußen spürte zuerst die Schrecken des Krieges. Der erste Großangriff durch die sowjetische 11. Gardearmee (General Galitzki) brach am 16. Oktober 1944 während der Gumbinnen-Goldaper Operation los und konnte im Raum südlich Gumbinnen bis zur Angerapp durchstoßen. Die Einbrüche an der Front des XXVI. und XXVII. Armeekorps konnten durch Gegenstöße des XXXIX. Panzerkorps bis Ende Oktober abgeriegelt werden. Trotzdem hatten die Sowjets die Grenze Ostpreußens zwischen Memel und der Rominter Heide auf etwa 130 Kilometer Breite umfasst und deutschen Boden im Raum Schirwindt–Eydtkau–Trakehnen–Rominten bis 40 Kilometer Tiefe in ihre Hände gebracht. Die Front stabilisierte sich Ende Oktober notdürftig an der Linie Augustow–Goldap–Großwaltersdorf–Grünweiden–Schloßberg, entlang der Memel über Tilsit zum Kurischen Haff. Das durch sowjetische Truppen angerichtete Massaker von Nemmersdorf diente der NS-Propaganda dazu, die verängstigte Bevölkerung zum Durchhalten zu animieren.
Am 12. Januar 1945 begann mit der Weichsel-Oder-Operation die sowjetische Großoffensive gegen die zwischen Warschau und Sandomierz an der Weichsel-Linie haltende Heeresgruppe A. Nach der richtigen Einschätzung der Stawka war die deutsche Ostfront wegen der Ardennenoffensive an der Westfront von fast allen Reserven entblößt. Noch vor Erreichung des operativen Durchbruches im südlichen Polen, wurde der gleichzeitige Angriff der nördlichen Frontarmeen in Ostpreußen beschlossen, der um einen Tag später erfolgen sollte. So stand die Ostfront zwischen der Ostsee und den Karpaten im Angriff. Der nun auf die Hälfte der Ostfront ausgedehnte Großkampf überstieg die militärischen Ressourcen der Wehrmacht völlig. Die seit dem Winter 1944 neu aufgestellten Volksgrenadier-Divisionen waren kein Ersatz für die im Vorjahr durch die Rote Armee zerschlagenen Divisionen.
Truppenstärke Ostpreußen und Teile Nordpolens wurden von der 3. Panzerarmee unter Erhard Raus und der 4. Armee unter Friedrich Hoßbach (ab 30. Januar unter Friedrich-Wilhelm Müller) im nördlichen Frontabschnitt der deutschen Heeresgruppe Mitte unter Georg-Hans Reinhardt verteidigt. Sie hatten 580.000 Soldaten und 200.000 Angehörige des Volkssturms, 8.200 Geschütze, 700 Panzer und 700 Flugzeuge (41 Divisionen und 6 Brigaden). Die Luftwaffe griff mit dem Luftwaffenkommando Ostpreußen der Luftflotte 6 in die Kämpfe am Boden ein.Horst Boog, Richard Lakowski, Werner Rahn, Manfred Zeidler, John Zimmermann: Das deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Der Zusammenbruch des deutschen Reiches, Band 10/1, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2008, ISBN 978-3-421-06237-6, S. 545
Ihnen gegenüber standen die 2. Weißrussische Front unter Konstantin Rokossowski, die 3. Weißrussische Front unter Iwan Tschernjachowski (ab 20. Februar unter Alexander Wassilewski) und die 43. Armee der 1. Baltischen Front unter Howhannes Baghramjan mit einer Gesamtstärke von 1,67 Mio. Soldaten, 25.000 Geschützen, 3.000 Panzern und 3.000 Flugzeugen.David M. Glantz, Jonathan House: When Titans Clashed. University of Kansas Press, Lawrence 1995, S. 300.
30px|klasse=noviewer Heeresgruppe Mitte (Generaloberst Georg-Hans Reinhardt) 25px|klasse=noviewer 3. Panzerarmee (Generaloberst Erhard Raus) Armeereserve 5. Panzerdivision (Generalmajor Günther Hoffmann-Schoenborn) 20px|klasse=noviewer|rand XXVIII. Armeekorps (General der Infanterie Hans Gollnick) 95. Infanterie-Division (Generalmajor Joachim-Friedrich Lang) 58. Infanterie-Division (General Curt Siewert) Div. z. b. V. 607 (Generalleutnant Max Horn, Sicherung an der Nehrung) 20px|klasse=noviewer|rand IX. Armeekorps (General der Artillerie Rolf Wuthmann) 286. Sicherungs-Division (Generalleutnant Wilhelm Thomas) 551. Volks-Grenadier-Division (Generalmajor Siegfried Verhein) 548. Volksgrenadier-Division (Generalmajor Erich Sudau) 561. Volksgrenadier-Division (Generalmajor Walter Gorn) 20px|klasse=noviewer|rand XXVI. Armeekorps (General der Infanterie Gerhard Matzky) 56. Infanterie-Division (Generalmajor Edmund Blaurock) 69. Infanterie-Division (General Siegfried Rein) 1. Infanterie-Division (Generalleutnant Hans Schittnig) 349. Volksgrenadier-Division (Generalmajor Karl Koetz) 549. Volksgrenadier-Division (General Karl Jank) 25px|klasse=noviewer 4. Armee (General der Infanterie Friedrich Hoßbach) Armeereserve Div. z.b. V. 605 (Sicherung Lötzener Seen-Stellung) Fallschirm-Panzer-Division 1 Hermann Göring (Generalmajor Horst von Necker; ab 15. Januar im Abtransport) 23. Infanterie-Division (Generalleutnant Hans Schirmer, Raum Thorn) 20px|klasse=noviewer|rand Fallschirm-Panzerkorps Hermann Göring (Generalmajor Wilhelm Schmalz) 61. Infanterie-Division (Generalleutnant Rudolf Sperl) Fallschirm-Panzer-Division 2 Hermann Göring (Oberst Wilhelm Söth) 21. Infanterie-Division (Generalmajor Heinrich Götz) 28. Jäger-Division (Generalmajor Ernst König) 20px|klasse=noviewer|rand XXXXI. Panzerkorps (General der Artillerie Hellmuth Weidling) 50. Infanterie-Division (Generalmajor Georg Haus) 367. Infanterie-Division (Generalleutnant Hermann Hähnle) 170. Infanterie-Division (Generalleutnant Siegfried Haß) 20px|klasse=noviewer|rand VI. Armeekorps (General der Infanterie Horst Großmann) 558. Volksgrenadier-Division (Generalleutnant Arthur Kullmer) 131. Infanterie-Division (Oberst Nobiz) Polizei-Gruppe Hannibal (SS-Brigadeführer Heinrich Hannibal) 541. Volksgrenadier-Division (Generalleutnant Wolf Hagemann) 20px|klasse=noviewer|rand LV. Armeekorps (General der Infanterie Friedrich Herrlein) 203. Infanterie-Division (Generalleutnant Fritz Gädicke) 562. Volksgrenadier-Division (General Johann-Oskar Brauer, später Oberst Hufenbach) 547. Volksgrenadier-Division (Generalmajor Ernst Meiners) 25px|klasse=noviewer 2. Armee (Generaloberst Walter Weiß) 20px|klasse=noviewer|rand XX. Armeekorps (General der Artillerie Rudolf von Roman) 102. Infanterie-Division (Generalleutnant Werner von Bercken) 14. Infanterie-Division (Generalleutnant Erich Schneider) 292. Infanterie-Division (Generalleutnant Rudolf Reichert) 129. Infanterie-Division (Generalleutnant Heribert von Larisch) 20px|klasse=noviewer|rand XXIII. Armeekorps (General der Infanterie Walter Melzer) 299. Infanterie-Division (Generalmajor Karl Göbel) 7. Infanterie-Division (Generalmajor Rudolf Noack) 5. Jäger-Division (Generalmajor Friedrich Sixt) 20px|klasse=noviewer|rand XXVII. Armeekorps (General der Artillerie Maximilian Felzmann) 35. Infanterie-Division (Generalleutnant Johann-Georg Richert) 252. Infanterie-Division (Generalleutnant Paul Drekmann) 542. Volksgrenadier-Division (Generalleutnant Karl Löwrick)
Luftwaffenkommando Ostpreußen (Generalmajor Klaus Uebe) 25px|klasse=noviewer 4. Flieger-Division (Generalmajor Franz Reuss) Fliegerführer 6 (Oberst Karl Stockmann) Jagdfliegerführer Ostpreußen 18. Flak-Division