mini|hochkant|Stammwappen des vogtländisch-oberfränkischen Adelsgeschlechts Sack und dessen Linien von Berg, von Epprechtstein, von der Grün, von Münchberg, von Radeck, von Reitzenstein, von Sparnberg, von Stein, von Thoßfell, von Töpen und von Wildenstein.

Die Familien Sack (zu/von …) und von Sack sind ritterliche und später teilweise in den Freiherren- und Grafenstand erhobene, aber auch in den Bürger- und Bauernstand abgestiegene Geschlechter des deutschen und norditalienischen Uradels, deren frühester Vertreter im Jahr 1091 urkundlich erwähnt wurde. Zweige der Familien bestehen bis heute. Ob sie auf einen gemeinsamen Stammvater zurückgehen, ist nicht sicher erforscht, kann jedoch angenommen werden, soweit bei ihnen Wappengleichheit besteht.

Bei einem Teil der Familien leitet sich der Name nach gegenwärtigem Forschungsstand nicht von einem Sitz ab, so dass in diesen Fällen die Schreibweise ohne ein vorangestelltes von, sondern mit einem nachgestellten zu oder von (etwa „Sack zu Mühltroff“ oder „Sack von Planschwitz“) oder ohne eine Ortsangabe richtig ist. Der Name kommt auch in verschiedenen latinisierten Schreibweisen vor (etwa „Heinricus Saccus“ oder „Eberhardus Sacculus“). Auch findet sich oft die Bezeichnung „der Sack“ bzw. „die Säcke“ oder auch lateinisch „dictus Saccus“ („genannt Sack“). Denkbar ist eine Namensherkunft vom kirchlichen Amt des Saccelarius (Schatzmeister oder Kämmerer).Vgl. Harry Bresslau: Handbuch der Urkundenlehre für Deutschland und Italien. Erster Band, 2. Auflage, Leipzig 1912, S. 202 f. Dennoch findet sich gelegentlich die bei diesen Familien falsche Schreibweise von Sack, was vermutlich auf eine spätere Mode, den Adelsstand kenntlich zu machen, zurückzuführen ist, wie dies auch beim Briefadel praktiziert wurde.

Im 13. und 14. Jahrhundert nannten sich einige Linien der vogtländisch-oberfränkischen Familie Sack nach ihren Sitzen, so etwa die von Berg, von Epprechtstein, von der Grün, von Münchberg, von Radeck, von Reitzenstein, von Sparnberg, von Stein, von Thoßfell, von Töpen und von Wildenstein, die alle stammes- und wappenverwandt sind. Bei Standeswechsel wurde teilweise wieder der Familienname Sack angenommen, was etwa für die Familie von Berg genealogisch belegt ist.

Die vogtländisch-oberfränkisch-sächsischen Säcke mini|hochkant|Ritter Ulrich Sack zu Mühltroff, Hauptmann zu Eger, Vogt und Hofrichter zu Coburg († Juli 1461) – Grabplatte im Erfurter Dom mini|hochkant|Die Burgruine Epprechtstein bei Kirchenlamitz mini|Die Reste des Schlosses in Geilsdorf mini|Schloss Mühltroff mini|Epitaph des Schwanenordensritters Georg Sack im Kloster Heilsbronn mini|hochkant|Original des Epitaphs im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg mini|hochkant|Der Deutschordensritter Konrad Sack als Stadtgründer im alten Wappen von Gollub (heute Golub-Dobrzyń)

Ursprung Ab dem Jahr 1177 traten die Brüder Heinricus und Herman der Sach mehrmals in den Schenkungsurkunden des Klosters Sankt Emmeram unter der Ministerialität der Bischöfe von Regensburg in Erscheinung.Bayerische Akademie der Wissenschaften, Historische Kommission (Hrsg.): Quellen und Erörterungen zur bayerischen und deutschen Geschichte. Erster Band, München 1856, S. 111. Die Ursprünge der Familie dürften jedoch im früh- und hochmittelalterlichen Norditalien zu suchen sein, wo ein namens- und wappengleiches, ebenfalls zur kirchlichen Ministerialität zu zählendes Geschlecht bereits im Jahr 1091 urkundlich erwähnt wurde (siehe Die italienisch-lombardischen Säcke). Später befanden sich Mitglieder der Familie unter der Ministerialität der Herzöge von Andechs-Meranien, der Vögte von Weida, Gera und Plauen und der Wettiner. Als erster Sitz der Familie in Oberfranken gilt die Burg Epprechtstein im heutigen Landkreis Wunsiedel, die sie im Jahr 1308 als Reichslehen von König Heinrich VII. erhielt, aber nach der Urkundenlage schon früher besaß. Daher werden die vogtländisch-oberfränkischen Säcke auch zum reichsunmittelbaren alten Adel (Dynastenstand) gezählt. Sie galten im Vogtland als einflussreiches Geschlecht mit ausgedehntem Grundbesitz. Zu ihren Besitzungen gehörten u. a. Planschwitz und Tyrbel (bei Voigtsberg in Sachsen) und das Schloss Sachsgrün.

Verbreitung und Linien Im Jahr 1225 erschien ein „Eberhardus Sacculus“ unter der Ministerialität der Herzöge von Andechs-Meranien als Urkundszeuge im Rahmen einer Schenkung an das Kloster BanzPlacidus Sprenger: Diplomatische Geschichte der Benedictiner Abtey Banz in Franken von 1050 bis 1251, Nürnberg 1803, S. 346. und 1232 als Urkundszeuge eines Schiedsspruches Ottos VII. von Andechs (seit 1205 Herzog Otto I. von Meranien).Placidus Sprenger: Diplomatische Geschichte der Benedictiner Abtey Banz in Franken von 1050 bis 1251, Nürnberg 1803, S. 361. Ein 1248 als Urkundszeuge Ottos VIII. von Andechs (Herzog Otto II. von Meranien) auftretender „Eberhardus de Eckebretsteine“ ist wahrscheinlich identisch mit ihm, denn die Burg Epprechtstein bei Kirchenlamitz war zunächst der wichtigste Sitz der Familie. Nach dem Aussterben der Andechs-Meranier wechselten die Säcke in die Gefolgschaft der Vögte von Weida, Gera und Plauen. So erschienen 1243 „Cuntze und Ullr' die Secke“ als Urkundszeugen Heinrichs von Plauen.Carl Hermann Richter: Die Herrschaft Mühltroff und ihre Besitzer. Leipzig 1857, S. 33.

Ulrich I. Sack erhielt 1297 den Anteil der Vögte an Münchberg, Sparneck und Waldstein, nannte sich 1298 nach einem neuen Sitz „von Planschwitz“, erwarb 1302 die Burg Sparnberg an der Saale und hieß 1314 der alte „Herr Sack von Tyrben“ (Türbel). Von seinen fünf Söhnen wurden Ulrich II., Heinrich und Nikolaus 1308 vom späteren Kaiser Heinrich VII. mit dem Epprechtstein belehnt. Die Familie stieg damit zum reichsunmittelbaren Adel auf. Ulrich I. teilte sich außerdem mit seinem zweitjüngsten Bruder Konrad, dem späteren Landmeister des Deutschen Ordens in PreußenDieter Wojtecki: Studien zur Personengeschichte des Deutschen Ordens im 13. Jahrhundert. Wiesbaden 1971, S. 195., den Besitz in Planschwitz. Petzold, der zweitjüngste Sohn Ulrichs I., erbte den Besitz der kompletten Herrschaft Sparnberg, wobei sich dessen Nachkommen fortan „von Sparnberg“ nannten. Konrad, Ulrich III. und Nikolaus Sack, drei Söhne Ulrichs II. begründeten die Familienzweige zu Geilsdorf, Brambach (Erwerb ca. 1382) und Mühltroff (auch Mühldorf; Erwerb 1436).

Nach der Eroberung des Epprechtsteins durch die Burggrafen von Nürnberg im Jahr 1356 (siehe Die Säcke auf dem Epprechtstein) zog sich ein Teil der Familie in das Vogtland zurück. Ein anderer Teil verblieb in Oberfranken und wählte den Bürgerstand in Kirchenlamitz, Hof und Selb.Norbert Sack: Das vogtländische Geschlecht Sack, in: Das Vogtland-Jahrbuch, Plauen 1995, S. 76. Einige oberfränkische Familienmitglieder sind noch Jahrzehnte nach dem Verlust des Epprechtsteins im Adelsstand urkundlich belegt, so etwa als Teilnehmer an der Guttenberger Fehde von 1380 auf Seiten der Guttenberger, wobei die vogtländischen Familienmitglieder der Gegenseite angehörten. 1409 wurde ein Peter Sack als Ministeriale des Burggrafen Johann III. von Nürnberg und Pfleger bzw. Amtmann des Ortes Kasendorf genannt.Siehe Regest unter Regesta Imperii sowie Friedrich Wilhelm Anton Layritz: Fragmente zur aeltern Geschichte der Amtleute im Fürstenthum Baireuth. Bayreuth, 1797, S. 14. Im Jahr 1481 trat noch ein Ritter Albrecht Sack als Hauptmann von Waldsassen in Erscheinung. Nach einer Mitteilung des Heimatforschers Christian Primus vom Historischen Verein für Oberfranken aus dem Jahr 1931 sollen im ehemaligen Gebiet des Oberlandes des Fürstentums Bayreuth mehrere Zweige mit dem Familiennamen Sack als Nachkommen des in Oberfranken verbliebenen Familienteils bestehen und berechtigt sein, ihr überkommenes Wappen zu führen. Sie sollen sich im Laufe der Jahrhunderte als Bauern und Gewerbetreibende verdingt, jedoch aufgrund ihrer Abstammung immer eine gehobene Stellung innerhalb ihres jeweiligen Standes innegehabt haben.

Vom 6. Juni 1418 gibt es eine Aufstellung der Plauenschen Lehen in den Händen der Säcke: zwei Vorwerke in Triebel, das Dorf Geilsdorf (mit Ausnahme eines nach Voigtsberg lehenbaren Hofs), Güter in Ruderitz, Gutenfürst, Burgstein, Weischlitz und elf Güter zu Schwand. Am 30. Oktober 1425 wurden als wettinische Lehen genannt: ein Hof in Geilsdorf, Güter zu Schönbrunn, Bösenbrunn, Kleinzöbern und Großzöbern, Berglas, Ramoldsreuth, Engelhardtsgrün, Zettlarsgrün, dann vereinzelte Höfe in Techengrün, Planschwitz, Triebel und das Kirchlehen zu Großzöbern.

Nickel (Nikolaus) Sack zu Geilsdorf hatte uneheliche Kinder, die aus einer heimlichen Beziehung zu einer Bauerntochter hervorgingen.Regine Metzler: Nickel Sack zu Geilsdorf (1480–1547) – Wer war der adlige Lehnsherr, der eine Bauerntochter heiratete? In: Das Vogtland – Schrift zu Kultur und Geschichte des Vogtlandes. Plauen 2006, S. 58–64. Wegen deren „Anmaßung des Geschlechts, Schildes, Helms und Namens“ begehrte Nickel Sack den Rat Martin Luthers, mit dem er in Verbindung stand. Weil dieser jedoch nicht wusste, „was Recht oder Unrecht sei“, leitete er das Anliegen mit Schreiben vom 10. Januar 1534 an Kurfürst Johann Friedrich I. von Sachsen weiter.Johann Konrad Irmischer: Dr. Martin Luthers sämmtliche Werke: Vermischte deutsche Schriften. III. Band, Frankfurt a. M. und Erlangen 1853, S. 36. Auch fast alle damals lebenden Mitglieder der stammes- und wappenverwandten Familien von Reitzenstein, von Wildenstein, von der Grün und von Berg sowie Hans und Caspar Sack zu Mühltroff wandten sich in einer gemeinsamen Klageschrift an den Kurfürsten, wonach die Söhne des Nickel Sack nicht zur Nachfolge in die Ritterlehen zuzulassen seien. Die Angelegenheit wurde jedoch in Ingolstadt zugunsten Nickels entschieden.Norbert Sack: Das vogtländische Geschlecht Sack, in: Das Vogtland-Jahrbuch. Plauen 1995, S. 80. Nickel Sack war mehrfach in die reformatorischen Bestrebungen im Kurfürstentum Sachsen verwickelt und unternahm auch dichterische Versuche.Karl von Weber: Archiv für die Sächsische Geschichte. Band 3, Leipzig 1873, S. 325.

Die Brambacher Linie ist bereits am 20. April 1450 mit Ritter Ulrich Sack zu Brambach ausgestorben. Dieser war vom späteren Kaiser Sigismund in einer Urkunde vom 27. Mai 1431 mit den Dörfern Oberbrambach und Wernersreuth belehnt worden.Regesta Imperii, Regesta Imperii. König Friedrich III. bestätigte die Lehen am 18. Mai 1442 und belehnte Ulrich zusätzlich mit dem Dorf Rotenbach und mit der Gerichtsbarkeit über die Dörfer.Regesta Imperii, Regesta Imperii.

Ein anderer Ulrich Sack, der im Juli des Jahres 1461 in Mühltroff starb und jener Linie zuzuordnen ist, war von 1425 bis 1435 Hauptmann von Eger sowie 1442/1443 Vogt und Hofrichter zu Coburg. Er nahm vom 21. März bis zum 13. August des Jahres 1435 an der Pilgerfahrt der Markgrafen Johann und Albrecht Achilles von Brandenburg nach Jerusalem teil, wo er am Heiligen Grab zum Ritter geschlagen wurde. Ihm wurde nach seinem Tod außerdem die Ehre einer Bestattung im Erfurter Dom zuteil, wo eine figürliche Grabplatte an ihn erinnert.Norbert Sack: Das vogtländische Geschlecht Sack. in: Das Vogtland-Jahrbuch. Plauen 1995, S. 77. Ulrich hatte einen Bruder namens Nickel, bei dem es sich um den Großvater des oben genannten Nickel Sack zu Geilsdorf handeln dürfte, und war mit einem Rüdiger von Sparneck verschwägert.Alban von Dobeneck: Die Geschichte des ausgestorbenen Geschlechtes der von Sparneck. (Nachdruck), ISBN 3-8370-8717-4, S. 123 f. Ein Nachkomme Ulrichs, der ebenfalls diesen Vornamen trug, war Prokurator (Interessenvertreter) des Kurfürsten von Sachsen, Friedrichs des Weisen, beim Papst in Rom.Christoph Volkmar: Reform statt Reformation: Die Kirchenpolitik Herzog Georgs von Sachsen 1488–1525. Tübingen 2008, S. 122.