Ein Anthelminthikum (von anti- und [Genitiv ] „Wurm“) oder Wurmmittel (auch Vermizid, Vermicidum und Vermifugum genannt; von [Genitiv ] „Wurm“ und -zid für „abtötend“ beziehungsweise -fugum, etwa „entfliehend“, zu lateinisch „[ent-]fliehen“) ist ein Medikament gegen Wurminfektionen, das bei dem Krankheitsbild der Helminthiasis, der durch Eingeweidewürmer (Enthelminthen) hervorgerufenen Wurmkrankheit, eingesetzt wird. In der Regel handelt es sich um Stoffe, die als spezifisches Gift in den Stoffwechsel von Würmern (Helminthen bzw. Helminthes) eingreifen. Die Verabreichung eines Anthelminthikums wird auch als Entwurmung bezeichnet.

Wirkungsmechanismen

Humanpathogene Würmer lassen sich in Bandwürmer (Zestoden), Fadenwürmer (Nematoden) und Saugwürmer (Trematoden) einteilen.G. Geisslinger, S. Menzel, T. Gudermann, B. Hinz, P. Ruth: Mutschler Arzneimittelwirkungen. Pharmakologie – Klinische Pharmakologie – Toxikologie. Begründet von Ernst Mutschler, 11. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-8047-3663-4. S. 1117 ff.

Anthelminthika wirken, indem sie entweder hemmend in den Energiestoffwechsel der Würmer eingreifen oder über das Stilllegen neuronaler Übertragungsmechanismen zur Lähmung der Würmer führen. Unterschieden werden Mittel, die oral bioverfügbar sind und bei systemischen Wurmerkrankungen einsetzbar sind und solche, die nicht aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert werden und bei intestinalem Wurmbefall angezeigt sind.

Benzimidazole wie Mebendazol und Albendazol wirken in erster Linie gegen Fadenwürmer. Die Wirkung entsteht durch Anlagerung an die Mikrotubuli der Wurmzelle, wodurch intrazelluläre Transportvorgänge wie etwa die Glukose-Aufnahme gestört werden. In der Folge degeneriert der Verdauungstrakt der Würmer und sie sterben ab. Praziquantel wirkt gegen Bandwürmer und Saugwürmer (z. B. Pärchenegel). Es öffnet die Calcium-Kanäle in der Zellmembran der Wurmzelle. Calcium vermittelt in kontraktilen Zellen die Muskelkontraktion. Damit führt Praziquantel zu einer Dauerkontraktion des Muskelschlauchs (spastische Lähmung) des Wurmkörpers.

Wirkstoffe

Übersichtstabelle für einige als Anthelminthika verwendete Wirkstoffe: + Wirkstoff Einsatzbereich Wirkart Anthelm. Wirkspektrum Chemische Stoffgruppe Albendazol human, veterinär systemisch Fadenwürmer, manche Bandwürmer Benzimidazole Diethylcarbamazin human, veterinär systemisch Fadenwürmer (Spulwurm, Augenwurm, Onchocerca volvulus) PiperazineEprinomectinveterinärsystemischFadenwürmerAvermectine Epsiprantel veterinär lokal Bandwürmer Chinoline und verwandte Substanzen Febantel veterinär systemisch Fadenwürmer, Bandwürmer Benzimidazole Fenbendazol veterinär systemisch Fadenwürmer, manche Bandwürmer Benzimidazole Flubendazol veterinär systemisch Fadenwürmer, manche Bandwürmer Benzimidazole Ivermectin human, veterinär systemisch Fadenwürmer Makrolide Levamisol veterinär systemisch Fadenwürmer Imidazothiazole Mebendazol human systemisch Fadenwürmer, manche Bandwürmer Benzimidazole Metrifonat human systemisch Saugwürmer (Pärchenegel) OrganophosphateMilbemycinoximveterinärsystemischFadenwürmer (u. a. Herzwurm)Milbemycine Niclosamid human, veterinär lokal Bandwürmer Salicylanilid Oxamniquin human systemisch Saugwürmer (Darmpärchenegel) Chinoline und verwandte Substanzen Oxantel human lokal Fadenwürmer (Peitschenwurm) Tetrahydropyrimidine Piperazin human, veterinär systemisch Spulwurm, Madenwurm Piperazine Praziquantel human, veterinär systemisch Bandwürmer, Saugwürmer Chinoline und verwandte Substanzen Pyrantel human, veterinär lokal Fadenwürmer (Madenwurm, Spulwurm, Hakenwurm) Tetrahydropyrimidine Pyrvinium human lokal Madenwurm ChinoliniumsalzeTiabendazol human, veterinär systemisch Fadenwürmer Benzimidazole

An natürlichen Mitteln sind verschiedene Pflanzen als Wurmkräuter bekannt.

Siehe auch Schistosomiasis (Bilharziose)

Literatur D. Hüttemann: Da steckt der Wurm drin. In: Pharmazeutische Zeitung. 19. Mai 2015. (pharmazeutische-zeitung.de) P. Deplazes, A. Joachim u. a.: Parasitologie für die Tiermedizin. 4., überarbeitete Auflage. Thieme Verlag, Stuttgart 2021, ISBN 978-3-13-242138-7

Einzelnachweise

Weblinks