mini|290px|Lage von Mellum in der Wesermündung Mellum (auch Alte Mellum) ist eine relativ junge Düneninsel in der Nordsee, neun Kilometer östlich von Horumersiel im Land Niedersachsen. Die Insel entwickelte sich im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts aus einem Hochsand und liegt an der Nordspitze des Hohe-Weg-Wattrückens, eines Geestrückens, der von Butjadingen im Süden bis zur Insel Mellum im Norden reicht. Er stellt die Wattwasserscheide zwischen Jade und Weser dar. Die Mellum ist den Nordseeküstenorten Horumersiel sowie Schillig vorgelagert und eine von drei unbewohnten Inseln im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Ob Mellum zu den Ostfriesischen Inseln zählt, ist umstritten, da die Insel östlich von Wangerooge und der Außenjade liegt. Nach der Abgrenzung durch das Bundesamt für Naturschutz gehört die Mellum nicht mehr zu den Ostfriesischen Inseln, sondern zu den Watten im Elbe-Weser-Dreieck., Bundesamt für Naturschutz, abgerufen am 4. Oktober 2024 Knapp sieben Kilometer nordöstlich liegt die gelegentlich trockenfallende, rund 0,4 Quadratkilometer große Sandplate West-Eversand. Weitere neun Kilometer nordöstlich liegt der Hohe Knechtsand. mini|Begrüßungsschild auf Mellum
Geographie Die Insel hat eine Südwest-Nordost-Ausdehnung von etwa drei Kilometern. In Nordwest-Südost-Richtung erstreckt sich die Insel über rund 1,8 Kilometer. Sie besteht heute hauptsächlich aus Dünen und Salzwiesen. Durch Strömung und Wind ändert sich ihre Form ständig. Das Grünland mit der Salzwiese wächst und dehnt sich weiter aus. Dieser Inselbereich wird von bis zu zwei Meter tiefen Prielen durchschnitten.
Die Fläche des Grünlands belief sich 1903 auf zehn Hektar und wächst seitdem an:
1913: 13 Hektar 1924: 23 Hektar 1932: 38 Hektar 2006: 75 Hektar
Die Sandzufuhr bei Mellum, und damit die Vergrößerung der Insel, erfolgt durch Riffe und Platen, die von See her kommend, mit der Insel verschmelzen. Aber auch Sandverklappungen von Baggergut im Riffkomplex von Mellum können in jüngster Zeit dafür verantwortlich sein. Das Inselwachstum schritt aber nicht immer so ruhig voran. Im Jahr 1937 beispielsweise wurde im Protokoll des Mellumrats vermerkt, dass die Winterstürme die Insel völlig überspült hatten und die Düne auf einer Länge von 50 Metern etwa zehn Meter breit abgetragen wurde.
Nach dem Auffinden einer Süßwasserlinse im Jahre 1983 erübrigte sich der teils schwierige Transport von Süßwasser zur Versorgung der stationierten Naturschutzwarte. Als Notreserve wird zudem Regenwasser auf dem Dach des Stationshauses aufgefangen und in eine Zisterne geleitet.
Naturräumliche Zuordnung Mellum gehört auf dem Wattrücken Hoher Weg in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Ems- und Wesermarschen (Nr. 61) zum Naturraum Watten im Elbe-Weser-Dreieck Jadebusen. Auf oberer Ebene gehört er als Teil des Marschlands zur Großregion Norddeutsches Tiefland.
Zugehörigkeit Die Insel ist laut LSKN (Stand 28. Oktober 2009) nicht inkommunalisiert, das heißt Mellum gehört zu keiner Gemeinde, zu keinem Landkreis und ist auch kein gemeindefreies Gebiet. Mellum besitzt daher laut LSKN auch keinen Gemeindeschlüssel.Auskunft des Landesbetriebs für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen (LSKN) (Anfragen) an Benutzer:DW18 vom 28. Oktober 2009. Wortlaut der Auskunft des LSKN: „Die Insel Mellum wird in der amtlichen Statistik nicht als gemeindefreies Gebiet geführt. Deshalb ist Mellum auch in unserer Datenbank LSKN-ONLINE nicht zu finden. Wo der Schlüssel in der Veröffentlichung des LGN „03461501“ […] herkommt kann ich Ihnen leider nicht mitteilen. Wie Ihnen sicherlich bekannt sein dürfte, gibt es im niedersächsischen Wattenmeer noch eine Anzahl von Inseln (Sandbänken) die keinen amtlichen Gemeindeschlüssel führen z. B. Minsener Oog, Hoher Knechtsand und andere.“ Anderen mutmaßlichen jetzigen oder ehemaligen Zugehörigkeiten Mellums widerspricht auch der Landesbetrieb Landesvermessung und Geobasisinformation Niedersachsen (LGN) ausdrücklich.Anmerkung zu anderslautenden Angaben: Laut Angaben der Koordinierungsstelle GDI-NI beim Landesbetrieb Landesvermessung und Geobasisinformation Niedersachsen (LGN) im Geoportal Niedersachsen (amtliche Kartenwerke etc.) war die Insel (Stand 28. Mai 2008) ein gemeindefreies Gebiet (Gemeindeschlüssel 03461501) des Landkreises Wesermarsch in Niedersachsen. Quelle: . In: Geoportal Niedersachsen. Abfrage: Oktober 2009. Originäre Quelle: Ortsverzeichnis des Landes Niedersachsen (Stand: 28. Mai 2008). Hinweis zur Abfrage: Layer „Verwaltungsgrenzen u. Orte → Ortsbezeichnungen“ aktivieren. Abfrage über Werkzeug Info (Symbolleiste oben) und Klick in Umriss beim Vogelwärterhaus. Link mittlerweile (Stand November 2009) deaktiviert.) Dieser Darstellung widersprach das LGN auf Nachfrage aber und wies diese Information als falsch zurück. Gemäß Klarstellung des LGN an Benutzer:DW18 vom 6. November 2009 ist die Insel Mellum kein gemeindefreies Gebiet. Der Auslöser für die unrichtige Verschlüsselung im Geoportal Niedersachsen (s. o.) als „gemeindefreies Gebiet“ ist nicht mehr feststellbar. Die erwähnte Information im Geoportal Niedersachsen wurde daraufhin korrigiert. Wortlaut der Auskunft des LGN: „Vielen Dank für Ihre Mail, in der Sie die Verschlüsselung der Vogelschutzinsel „Alte Mellum“ als „gemeindefreies Gebiet“ angesprochen haben. Nach längerer Recherche, u. a. auch bei dem für Kommunalangelegenheiten zuständigen Referat beim Innenministerium, kann ich Ihnen mitteilen, dass Sie Recht haben. Warum und aufgrund welcher Unterlagen die Verschlüsselung seinerzeit vorgenommen wurde, ließ sich nicht mehr rekonstruieren. Es gab zwar bereits in den 1990er Jahren Bestrebungen, u. a. auch die Vogelschutzinsel „Alte Mellum“ zu inkommunalisieren […], jedoch scheint das Interesse bei allen Beteiligten mehr oder weniger erloschen zu sein, so dass die „Insel“ als „bessere Sandbank“ unmittelbar dem Land Niedersachsen untersteht. Ein neues „Ortsverzeichnis“ ist an die zuständige Stelle, die die Internetpräsentation „geodaten.geoportal.niedersachsen“ betreut, mit der Bitte um Austausch gesandt worden.Mit freundlichen Grüßen, Martin Bremer, LGN – Landesvermessung + Geobasisinformation Niedersachsen Topographische Informationsbeschaffung – Geobasis-Informations-Management (GIM)“. Auch war die Insel in älteren Karten teils zur (damaligen) Gemeinde Langwarden (seit 1974 Ortsteil von Butjadingen) im niedersächsischen Landkreis Wesermarsch zugehörig vermerkt (Quelle: Landesvermessung und Geobasisinformation Niedersachsen: Amtliche Karte TK 1:50.000 (L 2314 Hooksiel). Stand 1966. Auch der „Niedersachsenatlas“ von 1967 enthält eine Übersichtskarte der Gemeindegrenzen (Stand 1. April 1967), auf der die Insel Mellum der damaligen Gemeinde Langwarden zugeordnet ist. Auch diese ehemalige Zugehörigkeit, die sich aus den letzteren zitierten Kartenwerken ergibt, schließt das LGN ausdrücklich aus. Laut LGN war die Insel nie inkommunalisiert (Auskunft des LGN vom 13. November 2009 an Benutzer:DW18), mindestens aber seit der Kommunalreform 1974 nicht (Auskunft des LGN vom 25. November 2009 an Benutzer:DW18).
Im Gegensatz dazu zeigt der GeobasisdatenViewer Niedersachsen des LGLN (Stand 30. September 2022) ein rund 7,9 Hektar großes, oval abgegrenztes Gebiet im Süden der Insel Mellum rund um ein Gebäude (Naturschutzstation Mellum) als gemeindezugehörig.LGLN: GeobasisdatenViewer Niedersachsen: Mellum Die Shapefiles des LGLN mit Fluren, Gemarkungen und Gemeinden vom 25. März 2022 zeigen dieses Gebiet als Flur 023 der Gemarkung Langwarden, Gemeinde Butjadingen, Landkreis Wesermarsch. Ein ähnlicher kartographischer Hinweis findet sich bei Geolytics.Geolytics: Gemarkung Langwarden
Grundeigentümer ist größtenteils das Land Niedersachsen. Ein kleiner Teil (ehemals Flurstück 1 der Flur 23 der Gemarkung Langwarden mit einer Größe von 4522 Quadratmetern, seit 1950 bebaut mit der Naturschutzstation Mellum) gehört dem Oldenburger Landesverein für Geschichte, Natur- und Heimatkunde.
Geschichte
Entstehung Die Insel entstand Ende des 19. Jahrhunderts an der Wattwasserscheide im Wattenmeer zwischen Jadestrom und Weser vor der Halbinsel Butjadingen. Der Flutstrom, der von Nordwesten aufläuft, transportiert Sand heran, aus dem sich Strandriffe aufbauen. Die Brandung schiebt den Sand hoch und bildet einen Strandwall, der auf alten Seekarten als „Hochdünkirchen“ bezeichnet ist.
Menschliche Eingriffe in die Natur der Insel fanden nur in begrenztem Umfang statt. Im Süden befindet sich ein Ringdeich, der im Zweiten Weltkrieg errichtet wurde, als dort eine Flakbatterie stationiert war. Dies ist der einzige sturmflutsichere Bereich der Insel. Die Größe der eingedeichten Fläche beträgt rund vier Hektar. Vom Ringdeich verläuft in südwestlicher Richtung ein Pfad an den Südstrand der Insel. An diesem Pfad befindet sich ein Gedenkstein des 312. Marine-Festungspionierbataillons.
Wissenschaftliche Entdeckung mini|Auf der Karte von 1906 ist die Alte Mellum noch als überflutete Sandbank dargestellt mini|Reste von Flakstellungen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs mini|Gedenkstein an die militärische Vergangenheit Als Zeitpunkt der „Entdeckung“ der Insel Mellum in der Jade-Weser-Mündung gilt das Jahr 1903. Die Oldenburger Heinrich Schütte und Karl Sartorius verfolgten die Entwicklung genau, notierten alle Veränderungen und legten entscheidende Grundsteine für die heutigen wissenschaftlichen Arbeiten. Noch 1906 wurde an der Stelle der Insel in einer Karte der Mündungen von Jade, Weser und Elbe die Mellum nicht als Insel eingetragen (siehe die Abbildung rechts).
Den ersten Bericht über die neu entstandene Insel im Wattenmeer lieferte Rektor Heinrich Schütte, der „Entdecker“ Mellums und Gründungsvater des Mellumrats, dem später für seine bahnbrechenden küstengeologischen Forschungen der Ehrendoktortitel verliehen wurde. Er schrieb im Jahre 1905 über seine Fahrt im Herbst 1903:
„Von Bekannten aus der Nordostecke des Jeverlandes erfuhr ich im Sommer 1903, dass auf der Alten Mellum, einer grossen Sandbank zwischen Aussenjade und Wesermündung, Grünland vorhanden sei. Diese Kunde von einem Inselchen, das ich weder auf Land- noch auf Seekarten verzeichnet gefunden hatte, setzte mich in Erstaunen und liess mich die Frage aufwerfen, ob hier nicht Reste älterer Alluvialbildungen erhalten seien, wie sie auch noch unter den Dünen der ostfriesischen und der niederländischen Gestadeinseln stellenweise anzutreffen sind.“
Diese „Entdeckung“ der Insel kann ebenfalls als Geburtsstunde des Naturschutzes auf Mellum angesehen werden. Im Jahre 1905 fuhren Schütte, Wilhelm Olbers Focke sowie der Oldenburger Lehrer und Ornithologe Karl Sartorius auf die Insel. Die drei Wissenschaftler erkannten die Bedeutung dieses Eilandes als Brutgebiet für Seeschwalben und andere Strandvogelarten. Im Gegensatz zu den anderen ostfriesischen Inseln, wo durch Küstenschutzmaßnahmen in die Dynamik der Inselentwicklung eingegriffen worden ist, lassen sich die küstengeologischen Vorgänge auf Mellum ungestört beobachten. Im Jahre 1912 pachtete die Ortsgruppe Kiel des Bundes für Vogelschutz die Insel für zwölf Jahre vom Großherzogtum Oldenburg und setzte in den Sommermonaten zur Betreuung und Bewachung einen Vogelwärter ein.
Bereits im Ersten Weltkrieg gehörte Mellum zum Festungsbereich Wilhelmshaven. Während des Krieges konnte keinerlei Vogelschutz ausgeübt werden. Zwar war das unbefugte Betreten der Insel streng verboten, aber Erfolg war diesem Verbot kaum beschieden. In den 1920er Jahren wurde die Mellum-Plate oft von Eiersammlern und Schützen heimgesucht.
Angebliche Burg Mellum