Die Kölner Alexianer waren eine katholische Ordensgemeinschaft für Laienbrüder in der Krankenpflege. Sie entwickelten sich in Köln wie auch in anderen Städten vor allem im niederrheinischen Raum und in Brabant aus der spätmittelalterlichen Bewegung der Begarden. Im Jahr 1507 wurden die Alexianer, die sich nach ihrem Schutzheiligen Alexius von Edessa benannten, von Papst Julius II. als Ordensgemeinschaft anerkannt. Im Verlauf des frühen 20. Jahrhunderts gründeten die Kölner Alexianer verschiedene Filialklöster. Sie fusionierten 1968 mit den Neusser Alexianern.
Köln Spätmittelalter Die Anfänge der Kölner Alexianer sind nicht genau bekannt, manche gehen von der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts aus. Der damalige Fokus ihrer Arbeit als Begarden, also als gemeinschaftlich lebender christlicher Laien, ist unklar. Gesichert ist, dass sie später neben der Krankenversorgung zum Tode Verurteilte auf ihre Hinrichtung geistlich vorbereiteten, darunter bis in das 17. Jahrhundert Hexen. Eine Zeit lang widmeten sie sich der Betreuung von Geisteskranken. Ihre erste nachweisbare Niederlassung befand sich auf dem Kirchhof der Benediktinerinnenabtei und Pfarrkirche St. Mauritius, welche bis heute existiert. Bald verließen sie dieses Haus und bezogen zwei kleine Häuschen, welche an der Stiftsmauer von St. Caecilia angebaut und in der Fleischmengergasse, der heutigen Altstadt-Süd gelegen waren. Im Jahr 1300 siedelten sie in das Haus Erkelenz in der Lungengasse über und wurden von der Bevölkerung nach der von ihnen bewohnten Straße als Lungenbrüder bezeichnet. Der Priester Johann von Krefeld, der sich der Gemeinschaft angeschlossen hatte, kaufte das Haus und übergab es ihr am 3. August 1306.
Nach der Diözesansynode von 1307 beauftragte der Erzbischof von Köln, Heinrich II. von Virneburg, den Pfarrer von St. Aposteln mit der Exkommunikation der Lungenbrüder. Als sich hochstehende Persönlichkeiten für die Begarden einsetzten, wurden sie im Jahr 1308 öffentlich rehabilitiert. Um sich rechtlich besser abzusichern, wählten sie 1324 mit Rutger Overstolz einen Patrizier der Stadt zum Prokurator, der vier Jahre später wieder durch einen Bruder abgelöst wurde. Vor dem Jahr 1334 wurden einige Brüder zur Gründung eines Konvents in Aachen ausgesandt, aus dem 1477 das heutige Alexianerkloster Aachen entstand. Seit 1334 ist das Bestehen dieses Klosters urkundlich gesichert. Dieser Gründung folgten weitere in Trier 1354 und vor 1434 in Koblenz. In Köln baten die Brüder im Jahr 1382 den Offizial der Diözese Köln, Johannes de Cervo, um Visitation ihrer Ordensgemeinschaft, also um eine offizielle Bestandsaufnahme und Normenkontrolle. Wahrscheinlich mussten sie dafür eine bedeutende Summe zahlen, da einige Jahre zuvor der Papst zur Aufbesserung seiner stark belasteten Finanzen dem Kölner Erzbischof die Erlaubnis zur Visitation aller Ordensniederlassungen in der gesamten Kirchenprovinz verkauft hatte.
Am 2. Juli 1427 gab sich die Gemeinschaft neue Satzungen. Urkundlich bestätigt sind für April dieses Jahres 26 Brüder, die dem Hause angehörten. Ebenfalls 1427 stellte der Prokurator der Kölner Alexianer, Bruder Johann von Hildesheim, alle Dokumente, die dem Konstanzer Konzil vorgelegt worden waren, zusammen und ließ diese als Absicherung gegen zukünftige Verfolgungen notariell beglaubigen, was zugleich den Anfang des Archivs darstellte. 1450 gab ihnen Papst Nikolaus V. die Bestätigung als exemter Orden. Die Alexianer gaben sich den Wahlspruch caritas Christi urget nos (Uns treibt die Liebe Christi).
1468 nahm das erste Generalkapitel des Gesamtordens die Regel des heiligen Augustinus für den ganzen Orden an. Sie wandten sich deshalb an ihren Erzbischof und baten diesen, er möge die Änderungen ihrer Satzungen und die Annahme der Augustinusregel bestätigen, was am 2. Januar 1469 geschah. Im Jahr 1472 zu einem kirchlichen Orden erhoben, legten die Kölner Alexianer am 17. Januar 1473 erstmals die feierlichen Gelübde ab. Drei Jahre später wandten sie sich an den päpstlichen Legaten für Deutschland, Alexander von Forlì, und baten um die Erlaubnis zur Errichtung einer eigenen Kapelle, was dieser ihnen in einem Privileg am 24. April 1476 zuerkannte.
Nachdem der Stadtrat den Alexianern am 5. Juni 1481 das Haus „Zum Leopard“, welches am Neumarkt gelegen war, überlassen hatte, übergab er ihnen am 8. November 1484 auch die zweite Hälfte des Hauses „Zum Klüppel“, dessen erste Hälfte sie bereits 1336 erworben hatten. Hierbei handelte es sich um Überlassungen der Stadt zur freien Verfügung der Klostergemeinschaft, die sich dafür jedoch zur Fortführung ihrer karitativen Tätigkeit verpflichtete. Die Stadt betrachtete sich nun als Patron und Stifter des Klosters. Nachdem die beiden Häuser am Neumarkt dazu erworben wurden, begannen die Alexianer mit dem Bau einer Kapelle, die das Patrozinium des heiligen Alexius trug.
16. Jahrhundert Diese öffentlich zugängliche Kapelle besaß anfangs nur einen Altar, wurde aber nach und nach ausgebaut. Aus einer am 15. Mai 1518 zwischen dem Pfarrer von St. Aposteln und den Brüdern getroffenen Vereinbarung geht hervor, dass sie mittlerweile ein kleines Türmchen mit Glocke besaß. In diesem Dokument wurde der Ordensgemeinschaft zugestanden, dass sie in der Kapelle drei konsekrierte Altäre besitzen sowie das Allerheiligste und die heiligen Öle aufbewahren durfte. Gleichzeitig war es ihnen erlaubt, von einem beliebigen Geistlichen eine öffentliche heilige Messe in ihrer Kapelle lesen zu lassen wie auch einen geweihten Friedhof für die Brüder und alle im Hause verstorbenen Personen anzulegen. Im Gegenzug musste das Kloster jedoch einige finanzielle Verpflichtungen übernehmen und der Priester, welcher für die Besorgung des Klostergottesdienstes zuständig war, das Versprechen ablegen, keinesfalls in die Parochialrechte von St. Aposteln einzugreifen. Als sich die Alexianer einmal nicht daran hielten, beschwerte sich 1718 der gesamte Pfarrklerus der Stadt Köln beim Generalvikariat.
Das Kloster, welches auch alte Menschen zur Pflege aufnahm, litt seit Mitte des 16. Jahrhunderts unter einer sich verschlechternden finanziellen Lage. Die Stadt ließ den Brüdern auf ihr Bitten hin eine gewisse Unterstützung zukommen, wodurch die Alexianer immer weiter in die Vormundschaft der Kölner Obrigkeit gerieten. 1546 klagten die Brüder erstmals vor dem Stadtrat über die zerrütteten Verhältnisse ihrer Finanzen und baten diesen um Hilfe, worauf dieser seine Provisoren anwies, sich mit den Brüdern gemeinsam über die Regelung ihrer Finanzangelegenheiten Gedanken zu machen. 1566 war die finanzielle Lage des Hauses dermaßen schlecht, dass viele Brüder das Kloster verließen und in der Stadt lebten. Der Stadtrat, welcher sich als Patron betrachtete, war jedoch nicht gewillt diesen Zustand hinzunehmen und forderte die in der Stadt lebenden Brüder auf, in das Haus zurückzukehren oder die Stadt zu verlassen. Die hochverschuldete Gemeinschaft aber klagte aufs Neue über ihre Lage, so dass der Stadtrat finanzielle Unterstützung leistete. Nach einer eingehenden Untersuchung ernannte der Stadtrat zwei Provisoren zur Überwachung der Klosterfinanzen. Die Brüder erklärten sich mit dieser sie in ihrer Freiheit einschränkenden Maßnahme einverstanden, da der Rat sich gleichzeitig bereit erklärte ihre Schulden zu bezahlen, welche sich auf etwa 1.000 Gulden beliefen. Über Jahre hinweg beschäftigte sich der Rat in seinen Sitzungen mit den Finanzen der Brüder, welche sich trotz allem nicht erholen wollten. Nachdem das Kloster bereits ein Haus verkauft und einen Prozess gegen säumige Schuldner eingeleitet hatte, gestattete der Stadtrat, welcher ernsthaft bemüht war den Brüdern zu helfen, im Jahre 1593 eine Sammlung zur Tilgung ihrer Schulden. Um dieser jedoch von Anfang an einen gewissen Erfolg zu sichern, schickte er seine Provisoren, gewissermaßen als Druckmittel auf die Geber mit auf den Rundgang. Sie müssen recht erfolgreich gewesen sein, denn bereits im Jahre 1608 waren sie wieder in der Lage ein Haus zu kaufen. Hatten sie ihre Schulden auch verloren, die Beaufsichtigung der Buch- und Rechnungsführung durch die Stadt, welche ihre „Rechte“ sehr genau wahrte und gebrauchte, verloren sie nicht mehr.
17. Jahrhundert Die Moral des Ordens litt zusehends, so dass die Brüder 1601 durch eine Kommission des Erzbischofs von Köln einen Tadel erhielten, da sie durch ihr Benehmen den Pfarrern ernsthafte Unannehmlichkeiten bei den Begräbnissen bereiteten. Die Verhältnisse besserten sich jedoch nicht, so dass der Visitator 1613 um einen Kommissar bat, da er der Missstände im Kloster nicht mehr Herr werden könne. Unter Begleitung von drei Kommissaren hielt der genannte Visitator am 13. März des Jahres eine neuerliche Visitation ab. Als diese auch nichts in Bewegung setzte, kam man zu dem Entschluss den Pater abzusetzen. Da sich niemand im Konvent finden ließ, der die Stelle hätte übernehmen können, blieb der abgesetzte Pater für ein weiteres Jahr in seinem Amt.
Nachdem sich die Verhältnisse wieder gebessert hatten, untersagte der Stadtrat den Brüdern im Jahre 1636 das Tragen protestantischer Leichen. Da die Brüder dagegen protestierten, wurde das Verbot bald wieder aufgehoben. In den Zeiten der Pest starben im Jahr 1665 bis auf Pater Gottfried Undorp alle 22 Brüder des Konvents bei der Pflege der Pestkranken. Als im Dezember dieses Jahres die letzten beiden Novizen verstarben, legte Pater Gottfried die Habits seiner verstorbenen Mitbrüder auf die Kommunionbank der Kirche, so dass jeder, der wollte, sie ergreifen und in die Gemeinschaft eintreten konnte. Auf die vorgeschriebenen Eintrittsgelder verzichtete man unter diesen Umständen. Von den Neueintritten fielen schon im Folgejahr erneut sechs Brüder der Seuche zum Opfer, 1667 waren es zwei und 1668 wiederum fünf. Der Konvent erholte sich relativ bald von diesen Todesfällen, jedoch nicht zur Gänze von seiner prekären Finanzlage.
18. Jahrhundert Im Jahre 1701 wurde Bruder Peter Efferen zum Pater gewählt. Nachdem er anfangs etwas Besserung in die wirtschaftliche Lage brachte und das Vertrauen des Rates und seiner Mitbrüder genoss, musste man schon bald feststellen, dass man sich in ihm getäuscht hatte. Seine Lebensführung löste Ärger aus, sein Ruf war schlecht und die Einkünfte des Klosters verschwendete er. Nachdem sich einige Brüder wiederholt über ihn beim Nuntius beschwert hatten, kam es am 27. Mai 1707 zu einer Visitation, welche den Pater tadelte und ihm eine Buße auferlegte. Das Verhalten des Paters besserte sich nicht, so dass der Visitator, durch den Nuntius nun zum Generalkommissar ernannt, am 10. Juni 1710 ein Provinzkapitel zur Hebung der Ordenszucht hielt. Da weder Kapitel noch wiederholte Visitation etwas an der Situation des Hauses änderten, führte der Nuntius auf Bitten einiger Brüder nun selbst eine Visitation durch, welche mit der Absetzung des Paters endete. Doch Peter Efferen hatte einflussreiche Freunde, welche ihm am 13. September 1717 beim Nuntius eine Wiedereinsetzung in sein Amt verschafften. Er setzte sein früheres Verhalten aber unverändert fort. Die Alexianer in Aachen und Trier lösten sich daraufhin von Köln und gaben an, nur noch den Generalkommissar als Oberen anerkennen zu wollen. Der Nuntius sah sich gezwungen den Apostolischen Stuhl davon in Kenntnis zu setzen und schlug eine außerordentliche Visitation vor, welche vom 4. bis zum 6. März 1722 gehalten wurde. Die Folge war die erneute Absetzung des Paters und seines Stellvertreters. Nun endgültig aus seinem Amt entfernt ging Bruder Peter Efferen nach Siegburg, wo er im Jahre 1733 verstarb.