mini|Ein Graffiti in Tutuala mit dem Wort für „Mörder“ klagt die Verbrechen von 1999 in Osttimor an

Die Wanra (von für „Volkswiderstand“) sind Gruppen von Zivilisten, die von den indonesischen Streitkräften (TNI) bewaffnet und ausgebildet werden, um im offiziellen Auftrag in ihrer Region für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Die indonesische Verfassung von 1945 und das Verteidigungsgesetz von 1988 legen fest, dass Zivilisten das Recht und die Pflicht haben, den Staat zu verteidigen, indem sie eine militärische Grundausbildung erhalten.

Diskussion über den Einsatz der Wanra Der indonesische Militärexperte Kusnanto Anggoro vom Center for Strategic and International Studies betonte, die Wanra sollten nicht für innere Konflikte, sondern nur als Unterstützung der TNI im Kampf gegen äußeren Gefahren eingesetzt werden. Hier müsse das Verteidigungsgesetz klar den Einsatz der Wanra in internen Konflikten ausschließen.

Yusron Ihza Mahendra, der stellvertretende Sprecher der Kommission I für Verteidigung des Repräsentantenhauses, widerspricht dieser Meinung und befürwortet den Einsatz der Wanra auch im Inneren.

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Brigadegeneral Edi Butar Butar erklärte, das aktuelle Gesetz führe die Begriffe „Wanra“ und „Sishankamrata“ (von für „Verteidigung der Bevölkerung und Sicherheitssystem“) gar nicht auf. Das Verteidigungsgesetz von 2002 sehe nur die TNI als Hauptkomponente des Verteidigungssystems vor. Zivile Gruppen würden nur als Reservekomponente aufgeführt. Das Weiterbestehen von bereits existierenden zivilen Einheiten liege nun in der Verantwortung der Provinzverwaltung. Das TNI sei nur noch für deren militärische Ausbildung zuständig.

Die Wanra in Osttimor

mini|João da Costa Tavares, Führer für die Integration und Oberkommandierender der Milizen, 17. Juli 1999 in Balibo

Bereits seit Juli 1998 stellte Generalmajor Zacky Anwar Makarim mit der Armee die Milizen auf.Hamish McDonald et al.: Masters of Terror: Indonesia's military & violence in East Timor in 1999, Strategic and Defence Studies Centre, Australian National University, Canberra 2002, ISBN 07315 54191. Sie gehörten zum Plan zum Vorgehen im nach Unabhängigkeit strebenden Osttimor, den er mit Generalmajor Sjafrie Sjamsoeddin erarbeitet hatte. Am 23. Februar 1999 hatte Zacky, zusammen mit Generalmajor Adam Damiri und Oberst Tono Suratman, den Chef der Unabhängigkeitsbewegung Xanana Gusmão im Gefängnis in Jakarta besucht. Es war der erste von mehreren Besuchen. Gusmão erzählte später, Zacky hätte ihm erklärt, er könne „den Verlust von Osttimor nicht akzeptieren.“ Gusmão habe die Strategien Zackys dazu vorhersehen können.

Domingos Maria das Dores Soares, Administrator (Bupati) von Dili, schuf am 17. Mai 1999 die Pam Swakarsa („Selbstinitiierte Sicherheitsgruppe“). Der Beschluss benannte José Abílio Osório Soares, Gouverneur von Timor Timur, Oberst Tono Suratman, Militärkommandeur der Provinz (Danrem) und Oberst Timbul Silaen, den Polizeichef der Provinz als die Hauptberater der Pam Swakarsa. Eurico Guterres wurde zum Operational Commander ernannt. Zu den 2650 registrierten Mitgliedern gehörten auch die 1521 Mitglieder der Aitarak-Miliz.„Part 3: The History of the Conflict“, S. 138 (PDF; 1,4 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)

Die Existenz der Wanra bestätigte Generalleutnant a. D. Kiki Syahnakri bei seiner Aussage vor der Wahrheits- und Freundschaftskommission (CTF) im Oktober 2007. Für die Finanzierung gilt Transmigrationsminister Abdullah Mahmud Hendropriyono als verantwortlich.UCA News: Timorese slam award for ‘rights abuser’ ex-general, 22. August 2022, abgerufen am 3. September 2022. Die CTF klärte die Zusammenhänge bei den gewaltsamen Ausschreitungen um das Unabhängigkeitsreferendum in Osttimor 1999 auf. Damals hatten pro-indonesische Milizen zusammen mit den TNI versucht, die Bevölkerung einzuschüchtern. In der Operation Donner wurden bis zu 1500 Menschen getötet, hunderte Frauen und Mädchen vergewaltigt, drei Viertel der Bevölkerung Osttimors vertrieben und 75 % der Infrastruktur des Landes zerstört. Erst das Eingreifen einer internationalen Friedenstruppe konnte dem Einhalt gebieten. Osttimor kam unter die Verwaltung der Vereinten Nationen. Gemäß dem Ergebnis des Referendums (78,5 % für die Unabhängigkeit), wurde Osttimor 2002 ein selbständiger Staat.

Syahnakri sagte aus, die Wanra seien legale, zivile Verteidigungsgruppen, die damals Teil des allgemeinen indonesischen Verteidigungssystems waren und es überall in Indonesien, und daher auch in Osttimor, gab. Diese Gruppen seien aber auf eigenen Wunsch nur zum Schutz ihrer Nachbarschaft bewaffnet worden.

Den politischen Arm für die Pro-Autonomie-Bewegung bildete eine Reihe Anfang 1999 gegründeter Organisationen. Am 27. Januar 1999 gründeten sie das Forum für Einheit, Demokratie und Gerechtigkeit ( FPDK). Die Führung übernahm Domingos Maria das Dores Soares. Im April wurde außerdem die Volksfront Osttimor (, BRTT) gegründet, mit Francisco Lopes da Cruz als Chef. Die am 23. Juni als Dachorganisation gegründete Vereinigte Front für Osttimor (UNIF) versammelte unter sich FPDK, BRTT und andere pro-indonesische Gruppen. Die neue Organisation stand unter der gemeinsamen Führung von Soares, Lopez da Cruz und Armindo Soares Mariano, dem Vorsitzenden des Rates der Volksrepräsentanten der Provinz (DPRD), dem Provinzparlament. João da Costa Tavares kommandierte die Milizen der UNIF, die in den „Streitkräften des Integrationskampfes“ ( PPI) alte Milizen und die Neugründungen von 1998/1999 vereinigte.„Chega!“-Report: Part 3, The campaign – Active pro-autonomy groups, S. 140–141.. Stabschef der PPI und damit Nummer 3 der Milizen nach Tavares und Eurico Guterres wurde im März 1999 Herminio da Costa. Die Organisationen waren eng mit der Zivilverwaltung verbunden und wurden von ihr finanziert. Routinemäßig wohnten die Milizionäre Treffen von Militär, Polizei und Regierung (Muspida) bei, obwohl sie keinen offiziellen Status hatten. In einer FPDK-Kampagne verunglimpfte man die UNAMET, was in der indonesischen Öffentlichkeit und über diplomatische Kanäle weit verbreitet wurde.

Nach dem Unabhängigkeitsreferendum wurde die Organisationen ersetzt, durch die am 5. Februar 2000 im indonesischen Westtimor gegründete Uni Timor Aswain (UNTAS, ).Michaela Müller und Monika Schlicher: Politische Parteien und Gruppierungen in Ost-Timor, Indonesien-Information Nr. 1 2002 (Ost-Timor), Watch Indonesia!

Liste der Wanra in Osttimor

+Wanra in Osttimor„Part 4: Regime of Occupation“ (PDF; 563 kB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)Sektor A (Ost) Kommandant: Joanico Césario BeloDistriktWanraFührergegründetInformationenBaucauTeam SakaJoanico Césario Belo1983Von Kopassus aufgestellt aus ehemaligen FALINTIL-Kämpfern und Mitgliedern der Milizen Railakan und 1959–75, sowie Paramilitär aus Baucau.Sera TeamAgustinho Boavide Ximenes (Sera Malik)1986Wie Team Saka von Kopassus aufgestellt.Forum Komunikasi Partisan (Partisanen-Kommunikationsforum)Antonio Monis1999Aus ehemaligen Partisanen von 1975 wieder aufgestellt.LautémTim/Team Alfa bzw. Jati Merah Putih (Teak Rot-Weiß) JMPJosé da Conceição, Joni Marques, Edmundo de Conceição Silva (JMP)1985Als Team Alfa von Kopassus 1985 gegründet; 1999 in JMP umbenannt.ManatutoMahadomi (Leben und Sterben mit der Integration)Aleixo de Carvalho1999Distriktsadministrator (Bupati) und Kopassus-Mitglied Vidal Doutel Sarmento war Gründer und BeraterMorok (wild)Filomeno Lopes da Cruz, ab April 1999:

Thomas de Aquino Kallaca. 1995ViquequeMakikit (Adler)Lafaek Saburai & Martinho Fernandes1983Finanziert von KopassusPedjuang 59–75/Nagah Merah (Roter Drache)Alvaro de Jesus1999Wurzeln in der Viqueque-Rebellion 1959Sektor B (Zentrum) Kommandant: Eurico GuterresDistriktWanraFührergegründetInformationenDiliAitarak (Dorn)Eurico Guterres1999ErmeraDarah Merah Integrasi () / Partisanen / Darah Merah Putih ()Miguel Babo Soares, António da SousaApril 1999Naga Merah (Roter Drache)/ Darah Merah (Rotes Blut)/ Milisi Sayap Kanan (deutsch Rechter-Flügel-Miliz)/ Front Pembersihan Timor Timur (deutsch Osttimor-Säuberungsfront)Lucas Martins, José PereiraPancasila (Fünf Grundprinzipien) TeamJoão da Costa, Paulo BerleloLiquiçáBesi Merah Putih BMP (Rotes und Weißes Eisen)Manuel de Sousa27. Dezember 1998PanaGraciano Filipefrüh mit der BMP vereinigt.„Annexe 1: Timor-Leste 1999: Crimes against Humanity“ aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)Sektor C: Südwest Kommandant: Câncio de CarvalhoDistriktWanraFührergegründetInformationenAinaroMahidi (Mati Hidup Untuk Indonesia, Leben oder Sterben für Indonesien)Câncio de Carvalho17. Dezember 1998AileuAhi (Aku Hidup untuk Integrasi, Ich lebe für die Integration)Horacio Araújo / Thomas Mendonça27. März 1999Aufgestellt und unterstützt durch die DistriktsadministrationCova LimaLaksaurOlivio Mendonça MorukApril 1999Anklageschrift bei den Special Panels for Serious Crimes gegen 14 Mitglieder der Milizen.Distriktsadministrator (Bupati) und MilitärkommandantManufahiABLAINazario Corte-Real27. März 1999Verbindungen zu KopassusSektor D: West Kommandant: João TavaresDistriktWanraFührergegründetInformationenBobonaroHalilintar (Donner)Maliana: João da Costa Tavares;Bobonaro: Natalino Monteiro1975, wieder aufgestellt 1994Dadarus Merah Putih (Rot-Weiß Tornado); Guntur (Thunder);

ARMUI (Aku Rela Mati Untuk Integrasi, Ich sterbe freiwillig für die Integration);

Kaer Metin Merah Putih KMP

(Pegang Kuat Merah Putih, Halte schnell zu Rot-Weiß);

Harimau Merah Putih

(Rot-Weiß Tiger);

Saka Loromonu (Western Saka);

Firmi Merah Putih (Wahrer Gläubiger in Rot-Weiß)Natalino MonteiroOe-Cusse AmbenoSakunar (Skorpion)Simão LopesApril 1999Verbindung zu Kopassus

Siehe auch Kirchenmassaker von Liquiçá Kirchenmassaker von Suai Massaker im Haus von Manuel Carrascalão

Literatur Hamish McDonald et al.: Masters of Terror: Indonesia's military & violence in East Timor in 1999, Strategic and Defence Studies Centre, Australian National University, Canberra 2002, ISBN 07315 54191.

Weblinks

Geoffrey Robinson: People’s war: militias in East Timor and Indonesia (englisch; PDF; 408 kB)

Einzelnachweise

Kategorie:Militär (Indonesien)