mini|Detail eines echten Terrazzo-Fußbodens mini|Moderne Betonwerksteine mit dunkel eingefärbtem Zement und hellem Kies, häufig als „Terrazzo-Platten“ bezeichnet

Terrazzo ist die Bezeichnung für einen bereits seit der Antike bekannten mineralischen Bodenbelag. Farblich ausgewählte Zuschlagstoffe werden mit Wasser, Pigmenten und Bindemitteln wie Kalk und Zement vermischt und wie ein Estrich auf den Unterboden aufgetragen. Nach dem Aushärten wird der Mörtel geschliffen und gegebenenfalls nach dem Auftragen von Wachsen und anderen Stoffen poliert, um eine glänzende Oberfläche zu erzielen.

Die Herstellung von Terrazzo-Böden ist in Deutschland durch DIN 18500-1 geregelt.

„Terrazzo-Platten“ sind moderne Betonwerksteine, die industriell als Formatplatte mit fertig geschliffener Oberfläche hergestellt und vor Ort in einem Mörtelbett verlegt werden. Muster und Farbe von Terrazzo-Platten entsprechen häufig dem traditionellen Estrich. Die typische fugenlose Oberfläche von historischem Estrich mit umlaufendem dekorativem Fries lässt sich mit Terrazzo-Platten jedoch nicht erreichen. „Vor Ort“ hergestellter und fugenlos gegossener Terrazzo, wie er bis Mitte des 20. Jahrhunderts üblich war, wird auch als „Ortsterrazzo“ oder „Guss-Terrazzo“ bezeichnet.

Geschichte mini|Terrazzoboden in einem Haus im antiken Herculaneum mini|Terrazzoboden aus der Zeit um 1900 mini|Ornament im Terrazzoboden mini|Terrazzo Zürich 1898 mini|Terrazzo-Boden im Treppenhaus Klosbachstrasse 150, 8032 Zürich, erbaut 1898 vom Tessiner Baumeister Francesco Righini (1837–1914) für sich und seine Frau Katharina geb. Steinbrecher (1838–1925) mini|Terrazzoboden mit Reparatur im Naturkundemuseum Berlin mini|Terrazzoboden neueren Datums Terrazzoböden gab es bereits in der griechischen und römischen Antike, womöglich noch früher, sowie etwa zur gleichen Zeit auch in außereuropäischen Kulturen, so etwa die Arga-Technik in Tibet.Hubert Feiglstorfer: A Comparative Study of European Terrazzo and Tibetan Arga Floor Making Techniques, World Academy of Science, Engineering and Technology, International Journal of Structural and Construction Engineering, Vol:16, No:06, 2022. In: publications.waset.org Der zur römischen Kaiserzeit verwendete Betonmörtel Opus signinum wurde häufig aus Ziegelbruch und anderen weichen Zuschlägen hergestellt und konnte bei Verwendung als Fußbodenbelag leicht geschliffen werden. Terrazzoböden aus Opus signinum fanden sich in hervorragender künstlerischer Ausführung wie auch in einfacher Machart ebenso in den Städten wie in den Landgütern der Provinzen und Militärposten entlang der Grenzen.

Neben Ziegelbruch wurden typischerweise Marmor, Kalkstein und Dolomit als Zuschlagstoffe verwendet. Es wurden aber auch früher schon bei hochbelasteten Böden härtere Materialien wie Granitsplitt, Moränen- oder Flusskiesel verwendet. Eine erneute Blüte erlebte Terrazzo im Italien der Renaissance, beispielhaft etwa in den Palästen Venedigs. In Italien wurde er früher mit Bezug auf das verwendete Marmormehl „composto terrazzo marmorino“ genannt. Heute heißt Terrazzo dort allgemein „Terrazzo alla veneziana“, weil er im Gebiet von Venedig und Triest häufig historisch verbaut wurde. Der historische venezianische Pastellone ist ein dreilagiger Kalkmörtelboden, der in drei Schichten aufgetragen wird und aus Cocciopesto (Luftkalkmörtel mit Ziegelmehl), feinen Kiesen, Splitt und Marmormehl besteht. Die oberste Schicht wird wie bei anderen Kalkpress- und Glättetechniken mit der Kelle gespachtelt und verdichtet und in mehreren Durchgängen mit Leinöl getränkt und poliert.Pastellone und Kalkmörtelboden in Materialarchiv.ch

Über den Kirchenbau im Mittelmeerraum hielt Terrazzo erneut verstärkten Einzug in Mitteleuropa und wurde im Laufe der Zeit auch in anderen öffentlichen Gebäuden als belastbares, funktionelles und schmückendes Bauelement eingesetzt.

In der Gründerzeit und um die Jahrhundertwende 1900 fanden Terrazzoböden ihre weiteste Verbreitung, nicht nur in Wohnbauten, sondern auch in öffentlichen Gebäuden wie Kirchen oder Bahnhöfen. Dabei wurden häufig verschiedenfarbige Flächen miteinander kombiniert und zusätzlich noch Ornamente oder auch Inschriften aus Mosaiksteinen eingelegt. Dagegen wurden spätere Böden eher einfarbig gestaltet, jedoch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vielfach in beanspruchten Bereichen des Wohnungsbaus eingesetzt, etwa in Treppenhäusern, Küchen und Bädern. Auch im deutschen Wiederaufbau der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sehr häufig Terrazzoböden verlegt, inzwischen aber auch in Form sogenannter „Terrazzo-Platten“. Terrazzo wurde nicht nur für ebene Bodenflächen, sondern auch für Treppen verwendet, die entweder gegossen oder aus fertigen Terrazzostufen aufgebaut wurden. Auch Spülbecken oder Tischplatten stellte man aus dem dekorativen Material her.

Ab den 1960er-Jahren verdrängten zunehmend billigere, industriell hergestellte Produkte wie Keramikfliesen, Teppichboden und PVC die Terrazzoböden aus dem Massenmarkt. Mancherorts wurden sogar bestehende Terrazzoböden mit „modernen“ Belägen abgedeckt, auch weil das Wissen über die Reparaturmöglichkeit von Schäden verloren gegangen war. In jüngerer Zeit wurde Terrazzo für hochwertige Wohnbereiche wiederentdeckt. Durch die Verwendung von rein mineralischen Stoffen ist die Gefahr von Ausdünstungen nicht gegeben. Bei vielen historischen Bauten sind Terrazzoböden noch erhalten und in einem guten Zustand, was ihre Haltbarkeit belegt.

Aber auch beschädigte oder später mit anderen Belägen überdeckte Flächen können wieder restauriert werden. Beispielsweise werden Reste von Kleber und Mörtel, wie sie z. B. von aufgeklebten PVC-Böden oder Fliesen zurückgeblieben sind, abgeschliffen und die Oberfläche neu poliert. Die Ergänzung von Fehlstellen verlangt einige Erfahrung, da durch die richtige Auswahl von Farb- und Zuschlagstoffen das Aussehen des alten Belags möglichst genau getroffen werden muss. Mit den entsprechenden Kenntnissen ist es aber durchaus möglich, selbst große Fehlstellen unauffällig zu ergänzen oder neue Bodenflächen passend zu vorhandenen zu erstellen, wie es z. B. bei Veränderungen am Grundriss eines Gebäudes notwendig werden kann. Abgesehen von Anforderungen des Denkmalschutzes lassen auch die große Haltbarkeit, leichte Pflege und das heute wieder geschätzte Aussehen von Terrazzo die Instandsetzung lohnend erscheinen.

Eigenschaften Terrazzo besitzt gegenüber anderen Belägen meist Vorteile in Bezug der Tragfähigkeit, Gebrauchstauglichkeit und vor allem Lebensdauer. Er besteht aus mineralischen Werkstoffen, nimmt kaum Wasser auf und die sichtbare Oberlage ist relativ dick. Die Werkstoffauswahl beeinflusst Härte und Resistenz im Einzelfall. Zudem besteht – ähnlich wie bei massivem Parkett – die Möglichkeit zur Aufarbeitung der Oberfläche durch Schleifen und Polieren.

Handelsbezeichnungen In Deutschland wird Terrazzo seit einiger Zeit auch unter der italienischen Bezeichnung Terrazzo alla Veneziana angeboten, obwohl es sich häufig um epoxydharzgebundene Massen handelt.

Herstellung Traditionell wird Terrazzo vor Ort aus Bindemitteln und Zuschlagstoffen (meist ab 5 mm Korngröße) trocken gemischt, mit Wasser und hydraulischen Kalken oder Zement vermengt. Durch Zumischung von Pigmenten und verschiedenfarbigen Zuschlägen kann die Farbigkeit des Bodens beeinflusst werden. Um klare Farben zu erhalten, wird Weißzement anstelle des gewöhnlichen grauen Portlandzements verwendet.

Als Zuschläge dienen Steinmehle, Sande und Kies oder Splitt mit Korngrößen bis 8 oder höchstens 16 mm. Insbesondere Gesteinsmehle beeinflussen auch die Farbe der Matrix, während andersfarbige gröbere Zuschläge nach dem Schleifen als Sprenkel sichtbar werden. Um das Schleifen des Bodens zu vereinfachen, werden weiche Gesteinskörnungen wie Brechsand und Splitt aus Kalkstein verwendet.

Terrazzo wird wie Estrich verarbeitet und hat vergleichbare Eigenschaften. Um hochwertiges Material einzusparen, wird die Terrazzoschicht üblicherweise nur in einer Stärke von wenigen Zentimetern in der Art eines Verbundestrichs auf einen mineralischen Unterboden aufgetragen. Der mineralische Untergrund wird vor dem Auftrag der Terrazzomasse angefeuchtet und mit einem Haftvermittler behandelt. Zementestrich und Beton etwa werden mit einer Mischung aus Zement und Kunstharzdispersion eingestrichen.Handwerkskunst! - Wie man einen Terrazzoboden gießt, Fernsehbeitrag in der Reihe Handwerkskunst des SWR. In: ardmediathek.de

Unterschiedlich gefärbte Sande, Kiese oder andere Granulate können entweder der Mischung beigegeben oder nach dem Einbringen in die frische Terrazzomasse eingestreut werden. Die aufgetragene Schicht wird mit Walzen verdichtet. Durch Schleifen werden die Körner der Zuschläge sichtbar und bestimmen so das Erscheinungsbild des Bodens.

Bodenflächen mit unterschiedlicher Färbung werden voneinander traditionell mit eingelegten Messingschienen oder linienförmig eingebrachten Mosaiksteinchen aus weißem Marmor abgetrennt. Eingelegte Stahlschienen würden das abschließende Schleifen des Terrazzobodens erschweren.

Um die Bildung von Rissen zu vermeiden, werden kalk- und zementhaltige Terrazzomassen durch Benässen oder Abdecken etwa 10 Tage lang feucht gehalten. Beim Abschleifen mit Hartstoff- oder Diamant-Werkzeugen entstehen durch herausspringende Gesteinskörnung oft Fehlstellen im Boden, die mit einer Spachtelung ausgeglichen werden können.

Ein Auftrag von Lithiumsilikat verfestigt und verdichtet die Oberfläche. Durch mehrfachen Feinschliff und eine Politur kann eine glänzende Oberfläche hergestellt werden.

Terrazzoböden können durch die Zugabe von korrosionsfesten Metallspänen oder Graphitzugaben elektrisch leitend hergestellt werden. Durch eine eingelegte geerdete Metallgittermatte können dann elektrostatische Aufladungen abgeleitet werden, was in Werkshallen, Forschungseinrichtungen oder Operationssälen von Interesse sein kann.

Anstelle von Kalk und Zement kann wie bei Gussasphalt auch Hartbitumen als Bindemittel verwendet werden. Durch die Plastizität und Zugfestigkeit des Bitumens kann Gussasphalt-Terrazzo in einer Stärke von lediglich 3 bis 4 cm direkt auf elastische Zwischenschichten aufgebracht werden. Je nach Zuschlägen ist Gussasphalt wasser-, gas- und wasserdampfdicht. Die Wärmeleitzahl ist mit 0,7 bis 0,9 W/(m*K) niedriger als bei Beton mit 2,10 W/(m*K).

Vorgefertigte Terrazzo-Platten werden auf die gleiche Weise wie Bodenplatten aus Naturstein oder Beton verlegt.

Oberflächenbehandlung Ein Kriterium für die Auswahl der Pflegemethoden ist die Zusammensetzung.

Klassische Methoden Geschliffene Terrazzoböden wurden im Altertum mit einem Gemisch aus Terpentin und Bienenwachs eingerieben. Terpentin oder auch Kanadabalsam wird aus frischem Baumharz gewonnen. Nach dem Anschneiden der Rinde wurde das ausgetretene Harz gesammelt, grob gereinigt und anschließend destilliert. In der Vorlage sammelt sich Terpentin, als Rückstand verbleibt Kolophonium. Anschließend wurde gereinigtes Bienenwachs erwärmt, bis eine dickflüssige Masse entstand. Dieses Wachs wurde langsam in das Terpentin eingerührt, bis eine pastöse Masse entstand, die in verschlossenen Gefäßen auskühlte. Diese Paste wurde von Hand mehrfach, bis zur Sättigung, auf den Boden aufgetragen. Dies führte zu einer Farbintensivierung des Bodens, der nach dem Polieren mit einer Bürste seidenmatt glänzte. Diese Art der Einpflege wird häufig in Bauwerken unter Denkmalschutz genutzt.