Unter Zensur in der DDR, und zuvor in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ), werden Maßnahmen zur Kontrolle von Medien, Meinungsäußerungen, Verhalten, Lerninhalten und künstlerischer Produktion bezeichnet. Offiziell gab es in der DDR keine Zensur.

Die Wörter Zensur und Verbot waren Tabu und wurden ersetzt mit verharmlosenden Begriffen wie Parteimäßige Führungstätigkeit, Planung, Leitung, Lenkung, um ideologisch motivierte Steuerung und repressive Maßnahmen zu beschreiben.Ernest Wichner, Herbert Wiesner: Literaturentwicklungsprozesse – die Zensur der Literatur in der DDR. Suhrkamp, Frankfurt 1993. Abweichungen von der Parteilinie führten zu Aufführungs-, Ausstellungs-, Auftritts-, Berufs- und Publikationsverboten sowie zur Entlassung politischer und künstlerischer Amtsträger. Methodisch setzte die Staatssicherheit dabei Observation, Einschüchterung, Inhaftierung sowie die sogenannte „Zersetzung“ als Mittel ein.Katrin Schoelkopf, Stefan Schulz: Erinnerung an den Terror der Stasi. In: Die Welt. 5. Dezember 2005. Abgerufen am 1. August 2016.Susanne Leinemann: Stasi-Terror werktags von 9 bis 18 Uhr. In: Die Welt. 8. November 1999. Abgerufen am 1. August 2016. Die Ausbürgerung war eine der schwerwiegendsten Formen der systematischen Ausschließung von politisch unerwünschten Bürgern der DDR.

Alles, was als systemkritisch, unsozialistisch oder „westliche Dekadenz“ galt, hatte keine Chance auf Veröffentlichung. Die SED und ihre Zensoren stilisierten sich als Kulturförderer und Pädagogen, während Künstler als „nervige Teenager“ dargestellt wurden, die Anleitung benötigten.Laura Bradley: Cooperation and Conflict, S. 12. Fast alle Zensurakten sind erhalten und belegen im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde eine Länge von 130 Regalmetern.

Laura Bradley zeigte in einer Untersuchung aus dem Jahr 2010, dass Zensur in der unmittelbaren Nachkriegszeit als Teil der Entnazifizierung durchaus Akzeptanz fand, nach der Verfassung von 1949 aber nur noch verklausuliert angesprochen werden durfte. Durch penibel eingehaltene Sprachregelungen (siehe Sprachgebrauch in der DDR) sei die sehr weitgehende Kontrolle als positive Förderung dargestellt worden.Laura Bradley: Cooperation and Conflict, S. 13. Ergänzend hierzu war die gesamte Amtssprache durch Euphemismen, Parteijargon und ideologische Vorgaben geprägt. Quelle der euphemistischen Sprache waren die PlanwirtschaftVgl. Laura Bradley: Cooperation and Conflict, S. 11. und die AmtsspracheLaura Bradley: Cooperation and Conflict, S. 12. der DDR. In der Bundesrepublik Deutschland (BRD) nannte man das spöttisch „Sowjetdeutsch“ oder „Parteichinesisch“.

Das Zensur- und Überwachungssystem der DDR war ein komplexes Netz aus Tätern, Opfern, Mitläufern und Profiteuren, dessen Akteure in fließenden Rollen agierten und dessen allgegenwärtige Durchdringung der Gesellschaft maßgeblich von politischer Überzeugung, Angst, Druck, Opportunismus, Karrierechancen, finanziellen Vorteilen und patriotischer Pflicht geprägt war. Sie war tief in allen Bereichen der Gesellschaft verwurzelt, weit über Medien und Kultur hinaus, und wurde von zentralen bürokratischen Institutionen und ihren Spitzenfunktionären maßgeblich geplant und umgesetzt. Diese Akteure, insbesondere die ideologischen Hardliner an der Spitze der Partei, sahen die Zensur als eine marxistisch-leninistische und dialektische Notwendigkeit (z. B. Schutz vor „negativen“ Einflüssen oder zur „Erziehung“ der Bürger) auf dem Weg zum Kommunismus. Für sie war sie kein Übel im herkömmlichen Sinne, sondern ein unverzichtbares Instrument zum Schutz und zur Stärkung des „realsozialistischen“ Staates.Armin Fuhrer: Von Diktatur keine Spur? Mythen und Fakten über die DDR. S. 17. Olzog Verlag, 2009. ISBN 978-3-7892-8309-3

Sprachregelung Administrative Maßnahmen: Aufführungsverbote Druckgenehmigungsverfahren: Eine vorgeschaltete Zensur für Veröffentlichungen Geduldige Überzeugung, Hilfe, Unterstützung: Umschreibungen für ideologischen Druck, der zur Anpassung von Werken führte Lizenzierung: Kontrolle des Imports ausländischer Werke Selbstkritik, ideologische Klärungsprozesse: Aufforderungen an Künstler, ihre Werke an die Parteilinie anzupassen Spielplangestaltung: Kontrolle der Auswahl von Stücken im Theater und Film Schwerpunkttitel: Buchprojekte, die vom Kulturministerium überprüft und korrigiert wurden

Überblick In der DDR war die Sprache ein zentrales Instrument der politischen Kontrolle. Als subtile Zensur wurden scheinbar neutrale Begriffe als Trojanische Pferde eingesetzt, um gezielt das Denken, die Wahrnehmung der Realität und den Sprachgebrauch der Menschen zu steuern. Dies schuf ein Klima des Misstrauens und zementierte die Diskrepanz zwischen der Propaganda und dem Alltag in der DDR. Viele Bürger lebten in einer Doppelmoral: Sie passten sich an, indem sie öffentlich die DDR-Parteisprache nutzten oder Verschwiegenheit pflegten, während sie privat abweichende Ansichten hegten.

Der Perspektivplan in der DDR hatte aufgrund der totalitären Natur des Systems indirekte Zensurfolgen, besonders für die Bereiche Kultur, Bildung, Wissenschaft und Medien.

Die Wurzeln dieses Zensur-Systems reichten weit zurück. In der Sowjetischen Besatzungszone wurde am 9. Juni 1945 die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) mit Sitz in Berlin-Karlshorst installiert; sie übernahm die Regierungsgewalt und führte ein striktes System der Vorzensur ein. Ab 1949 versteckte die DDR ihre Kontrolle über Informationen sehr geschickt. Das Wort „Zensur“ wurde aus offiziellen Texten und den Medien gestrichen, obwohl die Verfassung freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit versprach.

Kontrolle und Überwachung waren untrennbar in das Zensursystem eingebunden. Die Kontrollinstanzen waren anfangs nach Organisationen wie der SED, staatlichen Behörden oder dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) gegliedert; später kamen regionale Strukturen hinzu. Ergänzt wurde diese institutionelle Kontrolle durch das SED/MfS-Nomenklatursystem. Dieses fungierte als Instrument der Herrschaftssicherung durch psychologische und materielle Privilegienbindung – eine Abhängigkeitssicherung für sozialen Aufstieg und Exklusivität.

Die SED vermied es, offen Werke zu verbieten, um öffentliche Auseinandersetzungen zu verhindern. Stattdessen wurden Verzögerungen oder Vorwände wie „Papierknappheit“ genutzt. Künstler, deren Werke dem Staat gefielen, wurden mit Belohnungen und Privilegien wie Westreisen oder Auszeichnungen gefördert. Diese Art der Kontrolle passte sich stets aktuellen politischen Ereignissen an, wie dem Mauerbau oder den Interventionen in Ungarn und der Tschechoslowakei. Zudem wurden ausländische Inhalte strikt überprüft. Darbietungen, die in der DDR unerwünscht waren, standen in der Systemkonkurrenz zur Bundesrepublik hoch im Kurs. Das MfS weitete diese Kontrolle sogar auf westdeutsche Verlage aus, um die Veröffentlichung kritischer DDR-Autoren im Westen zu verhindern.

Als Michail Gorbatschow 1985 in der Sowjetunion eine Kursänderung unter den Vorzeichen von Glasnost und Perestroika einschlug und befreundeten Regierungen im Ostblock eine Abkehr von der Breschnew-Doktrin („Sinatra-Doktrin“) anbot, lehnte die SED-Führung diesen Weg strikt ab. Sie verhängte Zensur über sowjetische Medien und propagierte einen „Sozialismus in den Farben der DDR“.

Diese Strategie der Abgrenzung folgte einer langjährigen Tradition. Schon 1970 versuchte die SED unter Ulbricht, eine „sozialistische deutsche Nationalsprache“ zu konstruieren, um die DDR linguistisch und kulturell von Westdeutschland zu isolieren. Doch dieser Versuch, die gemeinsame Sprache zu spalten, scheiterte ebenso wie die spätere Reformunfähigkeit an der Realität. Der wachsende Widerstand der Bevölkerung, der 1989 seinen Höhepunkt erreichte, führte schließlich zur Implosion des Staates 1989/1990.

Sowjetische Besatzungszone In der Sowjetischen Besatzungszone übte von 1945 bis zur Gründung der DDR im Oktober 1949 die Sowjetische Militäradministration (SMAD) die Zensur aus. In den örtlichen Kommandanturen waren dafür Presseoffiziere eingesetzt, meist im Hauptmanns- oder Majorsrang mit in der Regel sehr guten Deutschkenntnissen. Während die Zeitungen der Sozialistischen Einheitspartei (SED) sich mit Selbstzensur an die vorgegebenen Sprachregelungen für die Berichterstattung („Parteilinie“) hielten, unterlagen die Blätter der so genannten Blockparteien CDU, LDPD und NDPD der Vorzensur. In der Praxis musste ein dafür bestimmter Redakteur vor Beginn des Druckprozesses die Seitenabzüge der nächsten Ausgabe in der Kommandantur vorlegen und sich das Imprimatur erteilen lassen.

Organisatorisch bestand die „Verwaltung für Propaganda und Zensur“ (, uprawlenije propagandy), später „Verwaltung für Information“ (, uprawlenije informazii) als Teil der SMAD. Leiter dieser Verwaltung war 1945 bis September 1949 Generalmajor Sergei Iwanowitsch Tjulpanow.Martin Broszat, Gerhard Braas, Hermann Weber: SBZ-Handbuch; München: Oldenbourg, 1993², ISBN 3-486-55262-7, S. 53–54. Vergleichbare Abteilungen wurden auch bei den Landesverwaltungen des SMAD eingerichtet.

Mit der Gründung der DDR 1949 war die Gleichschaltung der Presse und die Verstaatlichung der Medien und Druckereien soweit abgeschlossen, dass die Vorzensur abgeschafft und durch subtilere Formen der Zensur abgelöst wurde.

Steuerung der Inhalte der Medien

Gegenstände und Schwerpunkte der Berichterstattung der Medien wurden zentral durch das Politbüro der SED vorgegeben. Der ZK-Sekretär für Agitation und Propaganda leitete die Abteilung Agitation, die für die Organisation und Lenkung der Massenmedien verantwortlich war, einschließlich der Verbreitung von Desinformation im In- und Ausland, gab ihre Anweisungen weiter an den Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst und die Panorama DDR-Auslandspresseagentur. Diesem Zweck dienten tägliche Konferenzen in Berlin, Konferenzschaltungen zu den übrigen SED-Zeitungen und Presseanweisungen. Ein weiteres Instrument waren die Anleitungen des Presseamtes der DDR-Regierung.

Auf lokaler Ebene erfolgte dieser Prozess über die staatlichen „Ämter für Information“, die ebenfalls Anleitungen gemäß der Ost-Berliner Vorgaben erließen. Auch über die Parteizentralen wurde eine indirekte Zensur durch die Vorgabe von den Redaktionen täglich über Fernschreiber zugestellten Pflichtthemen, Kommentarargumenten, Schlagzeilenformulierungen und „Sollplänen“ ausgeübt. Unter Redakteuren der Provinzzeitungen herrschte deshalb das geflügelte Wort: „Meine Meinung kommt um zwei Uhr aus Berlin!“

Es war ein offenes Geheimnis, dass die SED-Führung und ausgewählte Funktionäre Zugang zu westlichen Medien (wie Zeitungen und Magazinen) hatten, obwohl diese der breiten Bevölkerung der DDR offiziell verboten waren. So informierten sie sich über die Entwicklungen beim „Klassenfeind“, um ihre eigene Propaganda und Politik besser ausrichten zu können.

Zensurakteure in Führungspositionen der DDR

1. SED-Zentralkomitee (ZK): totalitäre Zensur, Festlegung der höchsten Zensurvorgaben Kurt Hager als ZK-Sekretär für Wissenschaft, Bildung und Kultur und Politbüromitglied, war der oberste Kulturideologe der SED, dessen Entscheidungen alle kulturellen Bereiche beeinflussten. Günter Mittag war ZK-Sekretär für Wirtschaft und spielte eine Schlüsselrolle bei der Steuerung der Wirtschaft und der damit verbundenen Informationskontrolle. Günter Schabowski war als Chefredakteur des Neues Deutschland und später Politbüromitglied ein wichtiger Akteur im Propagandasystem und damit in der direkten und indirekten Zensur.

2. Abteilung Agitation des ZK: systematische, präventive, ideologisch motivierte Zensur und gezielte Desinformation Leiter wie Joachim Herrmann, Horst Sindermann (erfand die Bezeichnung „Antifaschistischer Schutzwall“ für „die Mauer“), Werner Lamberz und Heinz Geggel waren maßgeblich beteiligt.

3. Ministerium für Kultur: Vorab- und Nachzensur, staatliche ideologische Zensur