Der Leseturm war ein geplantes Gebäude in Wien. Es wurde ein schmales Hochhaus von zuerst 67, dann 57 m Höhe von Manfred Ortner und Laurids Ortner, den Architekten des Wiener MuseumsQuartiers als architektonisches Wahrzeichen dieses kulturellen Großbauvorhabens geplant, wurde aber dann nach heftigen, jahrelangen Debatten wegen anhaltender Widerstände nicht verwirklicht. Geplant war anfangs ebenso ein Medienturm, der auch nie verwirklicht wurde.Architektur gegen Neid in der Wiener Zeitung vom 13. August 2008, abgerufen am 21. April 2021
Zur Geschichte des Bauvorhabens Manfred und Laurids Ortners Ende April 1990 als Ergebnis eines zweistufigen Architektenwettbewerbs prämierter Entwurf für eine Art Wiener Centre Pompidou im Bereich der alten Hofstallungen (später Messepalast) fand zunächst ein sehr positives Medienecho.vgl. die Wiener Tagespresse vom 28. und 29. April 1990, Die Presse 5./6. Mai 1990, Profil 7. Mai 1990 Zunehmenden Widerstand erregte jedoch der als „Zeichen nach außen“ und Signal der Modernität vorgesehene Leseturm, ein zunächst gläsern und gleichsam transparent präsentiertes Hochhaus, auf sehr schmalem, nahezu elliptischen Grundriss. Der Leseturm hätte unmittelbar hinter dem Trakt Fischer von Erlachs als moderner Kontrapunkt zu den Museumsbauten Gottfried Sempers und dem unvollendet gebliebenen Kaiserforum stehen sollen.
Eine Bürgerinitiative sammelte Tausende von UnterschriftenSiehe gesamte Wiener Tagespresse vom 14. September 1990, vor allem Arbeiter-Zeitung, Kronen Zeitung, Kurier und fand Unterstützung unter anderem beim prominenten Querdenker Günther Nenningvgl. Profil vom 17. Juli 1990. Die mächtige, populären Anliegen stets aufgeschlossene Kronen Zeitung Hans Dichands machte sich zum Sprachrohr jener, die in der unmittelbaren Nähe der Wiener Ringstraße kein Hochhaus dulden wollten. Die Gebrüder Ortner waren zudem zur gleichen Zeit mit einem ähnlich umstrittenen Vorhaben in Innenstadtnähe, dem Hochhausprojekt Wien Mitte, engagiert, was die Konfrontation zu einer grundsätzlichen machte. Ein medial wenig rezipierter aber von viel Prominenz, etwa Sir Ernst Gombrich und Ieoh Ming Pei unterzeichneter internationaler Protestaufruf namhafter Kunsthistoriker wandte sich im Mai 1993 gegen das Ortner-Konzept und seinen Leseturm.vgl. Der Standard vom 6. Mai 1993. Gombrich nannte das Projekt eine „Kateridee“. Schlussendlich wurde auf den Bau des Leseturms, sehr zum Bedauern der Architekten, auf Betreiben der Wiener Stadtpolitiker Ursula Pasterk und Helmut Zilk im Oktober 1994 verzichtet.vgl. Kronen Zeitung 12. Oktober 1994
Am 29. März 1995 wurde die Entscheidung für den Bau des MuseumsQuartiers ohne den vorgesehenen Leseturm getroffen. Er blieb Ungebautes Wien. Von Seiten anderer Architekten war auch die Funktionalität der schmalen Struktur mit ihren zehn Doppelgeschoßen und ihren räumlich durch die notwendige Infrastruktur (Treppen, Lifts, Nassräume) sehr eingeschränkten „Salons“ in Frage gestellt worden.
Internationales Medienecho (Auswahl)
Literatur
Dieter Klein, Martin Kupf, Robert Schediwy: Stadtbildverluste Wien. LIT, Wien 2004, ISBN 978-3-8258-7754-5, S. 271ff. (speziell Chronikteil, 1945–2004).
Einzelnachweise
Weblinks Projekt Leseturm im Internetauftritt des Architekturbüros Ortner & Ortner Baukunst Englischer Übersichtsartikel mit ausführlichen Quellenhinweisen bezüglich der Mediendiskussion (PDF-Datei; 68 kB)
Kategorie:Architekturprojekt Kategorie:Architekturgeschichte (Wien) Kategorie:Nicht realisiertes Projekt (Städtebau)