Alten-Buseck, manchmal auch bekannt als „schönes Buseck“, ist ein Ortsteil der Gemeinde Buseck im mittelhessischen Landkreis Gießen.

Ortsgeschichte Mittelalter Der Siedlungsname Buseck wird historisch zunächst undifferenziert gebraucht: So datiert ein Eintrag aus dem 9. Jahrhundert, überliefert in einem Kopiar aus der Zeit um 1150: „... In pago Loganinse: In villa Eihloha et Ewilzdorf et in Lundorf et in Amana, Crisenbuhil et in buocheswilccul ...“Hans Weirich: Hersfelder Urkundenbuch. Marburg 1936. Nr. 38, S. 73. 802/803 wird der Ort als Bucheseicheche im Codex Eberhardi genannt: „... bona sua in Bucheseicheche et in Bramaren ... (Seine Güter in Buseck und in Bramaren)“Ernst Friedrich Johann Dronke: Traditiones et antiquitates Fuldenses. Fulda 1844. Kap. 6, Nr. 66. = StAM, K 425, fol. 156 r. Die Kopie einer Papsturkunde, verfasst zwischen 1145 und 1153 nennt „... Predia in Buchesecke ...“ (Besitz in Buseck)Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Band III. Nr. 1335, S. 310. Erst im 13. und 14. Jahrhundert wird zwischen Alten- und Großen-Buseck unterschieden.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 73–75, S. 75. 1210 wird Dammo, genannt „Harloppo de Aldenbuchesecho“ (Harlopp von Alten-Buseck), erwähnt, von dem der Abt Meffried des Klosters Arnsburg zwei Mansen in Burkhardsfelden kaufte.Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau. = AUB. Darmstadt 1851. Nr. 10, S. 7. Aus diesen wurde tw. eine Grangie des Klosters errichtet.Andreas Kuczera: Grangie und Grundherrschaft. Zur Wirtschaftsverfassung des Klosters Arnsburg zwischen Eigenwirtschaft und Rentengrundherrschaft 1174–1400. Dissertation. Darmstadt und Marburg 2003. Hrsg.: Hessische Historische Kommission Darmstadt und Historische Kommission für Hessen. = Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 129. S. 122. Dies ist die erste Erwähnung von Alten-Buseck. Eine Urkunde aus den Jahren zwischen 1220 und 1230 spricht von „... in Buceseken et in Dorfilen sita“ (in Buseck und in Dorfilen gelegen).Ludwig Baur: AUB, Nr. 10, S. 7. Eine Urkunde, datiert um 1300, unterscheidet zwischen Buseck und Alten-Buseck: „... Sedes in Bussecken. Item Aldenbusseckin ... It. Bussecke ...“Stephan Alexander Würdtwein: Dioecesis Moguntia. Band III. Mannheim 1777. S. 286. Noch spät erscheint der Ortsname Buseck 1464 als Bußeck undifferenziert.Eduard Erwin Becker: Riedeselsches Urkundenbuch. 1200–1500. Offenbach 1924. Regest, Nr. 973, S. 269.

Die Unterscheidung zwischen den beiden Ortsnamen ist siedlungsgeschichtlich begründet. Alten-Buseck ist die ältere Siedlung, Großen-Buseck die jüngere, aber größere Siedlung. Zweifelsfrei handelt es sich bei dem Ortsnamen Buseck um ein Kompositum im Genitiv. Das setzt sich zusammen aus dem mhd. buch = Buchenwald sowie dem mhd. Wort ecke, das nhd. Ecke, Kante, Winkel bedeuten kann.Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage Berlin 1967. bearbeitet von Walther Mitzka. S. 151. Deshalb wird Buseck als „Siedlung an der vorspringenden Ecke des Buchenwalds“ gedeutet.Lutz Reichardt: Siedlungsnamen, S. 74. Sicher ist der Ortsnamen durch den Gewässernamen Buseck beeinflusst und weist in der Wortbildung Parallelen zum Namen Wieseck auf.Lutz Reichardt: Siedlungsnamen, S. 74.

Die angebliche Erwähnung von Alten-Buseck im Jahr 1093Günter Hans: Überlegungen zur Ersterwähnung von Alten-Buseck. In: Günter Hans: Buseck. Seine Dörfer und Burgen. Gießen 1986, S. 8–10. lässt sich urkundlich nicht nachweisen.

Bekannt ist Alten-Buseck durch die drei ehemaligen Burgen in Ortslage: Zaunburg (Zannenburg/Tzanburg), Hofburg und Brandsburg. Die Burgen waren im Besitz der Familie von Buseck.vgl. Abschnitt Burgen und Befestigungen in Der Widderkopf ihres Wappens und die drei Burgen fanden Eingang ins Ortswappen.

Neuzeit Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über das Busecker Tal:

sowie über Alten-Buseck:

Während des Kalten Krieges befand sich in der Gemarkung des Ortes das Sondermunitionslager Alten-Buseck.

Ein ortsbildprägendes Gebäude ist die Evangelische Kirche Alten-Buseck. Das Erlebnismuseum „Sammler- und Hobbywelt“ zog bis zu seiner Schließung jährlich 25.000 Besucher an.

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Alten-Buseck zum 1. Januar 1977 kraft dem Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen mit den Gemeinden Beuern und Großen-Buseck zur neuen Gemeinde Buseck zusammengeschlossen. Für die ehemals eigenständigen Gemeinden von Buseck wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Alten-Buseck angehört(e):

1508 und später: Heiliges Römisches Reich, Gericht Busecker Tal (Ganerbschaft des „Busecker Tals“ der Freiherren zu Buseck) vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Gericht Busecker Tal ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Gericht Busecker TalDie gerichtlichen Auseinandersetzungen um die Landeshoheit endeten erst 1726. 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Oberamt Gießen (ab 1789), Gericht Busecker Tal ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Ober-Hessen, Landamt Gießen, Gericht Busecker Tal ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landamt Gießen, Gericht Busecker Tal ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GießenTrennung zwischen Justiz und Verwaltung (Landgericht Gießen; 1827 ging die Patrimonialgerichtsbarkeit der Freiherren zu Buseck an das Landgericht über). ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Gießen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Gemeinde Buseck ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Gemeinde Buseck ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Gemeinde Buseck

Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Alten-Buseck das „Patrimonialgericht der Freiherren zu Buseck“ in Großen-Buseck zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen, aber erst ab 1827 wurde die Patrimonialgerichtsbarkeit durch das „Landgericht Gießen“ im Namen der Freiherren ausgeübt. Infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes am 1. Oktober 1879 wurden die bisherigen Land- und Stadtgerichte im Großherzogtum Hessen aufgehoben und durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt, ebenso verfuhr man mit den als Obergerichten fungierenden Hofgerichten, deren Funktion nun die neu errichteten Landgerichte übernahmen. Die Bezirke des Stadt- und des Landgerichts Gießen wurden zusammengelegt und bildeten nun zusammen mit den vorher zum Landgericht Grünberg gehörigen Orten Allertshausen und Climbach den Bezirk des neu geschaffenen Amtsgerichts Gießen, welches seitdem zum Bezirk des als Obergericht neu errichteten Landgerichts Gießen gehört. Zwischen dem 1. Januar 1977 und 1. August 1979 trug das Gericht den Namen „Amtsgericht Lahn-Gießen“, der mit der Auflösung der Stadt Lahn wieder in „Amtsgericht Gießen“ umbenannt wurde.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Alten-Buseck 3261 Einwohner. Darunter waren 141 (4,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 528 Einwohner unter 18 Jahren, 1347 zwischen 18 und 49, 714 zwischen 50 und 64 und 672 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 1455 Haushalten. Davon waren 456 Singlehaushalte, 441 Paare ohne Kinder und 411 Paare mit Kindern, sowie 108 Alleinerziehende und 39 Wohngemeinschaften. In 306 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 964 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1577: 72 Hausgesesse • 1630: 14 zweispännige, 15 einspännige. Ackerleute, 4 Witwen, 17 Vormundschaften • 1669: 326 Seelen • 1742: ein Geistlicher, 79 Untertanen, 23 Junge Mannschaften, 14 Beisassen/Juden • 1806: 827 Einwohner, 127 Häuser • 1829: 1014 Einwohner, 154 Häuser • 1867: 1208 Einwohner, 211 Häuser

Historische Religionszugehörigkeit • 1830: 943 evangelische (= 83,0 %), 5 katholische (= 0,5 %), 66 jüdische (= 6,5 %) Einwohner • 1961: 1446 evangelische (= 82,6 %), 284 katholische (=16,0 %) Einwohner

Historische Erwerbstätigkeit • 1961: Erwerbspersonen: 203 Land- und Forstwirtschaft, 440 Produzierendes Gewerbe, 119 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 137 Dienstleistungen und Sonstiges.

Persönlichkeiten Gerd Aberle (* 1938 in Stolp), Wirtschafts- und Verkehrswissenschaftler, Professor für Volkswirtschaftslehre der Justus-Liebig-Universität in Gießen, wohnte in Alten-Buseck.

Wappen In Gold ein schwarzer Widderkopf; darüber im durch ein blaues Wellenband abgeteilten schwarzen Schildhaupt drei bezinnte goldene Burgen.

Literatur Johannes Bickel: Das Dorf Alten-Buseck. Ein Beitrag zur Heimatgeschichte. Gießen 1971, 2. Aufl. Günter Hans: Buseck. Seine Dörfer und Burgen. Gießen 1986 Erco von Dietze: Archiv Evangelische Kirchengemeinde Alten-Buseck mit Filiale Trohe. 1409–1989. unpl. Findbuch. 1989

Weblinks

Ortsteil im Internetauftritt der Gemeinde Buseck

Anmerkungen

Einzelnachweise Einwohnerzahlen der Gemeinde Buseck (Webarchiv): 2003, ab 2016.

Kategorie:Ort im Landkreis Gießen Kategorie:Geographie (Buseck) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Gießen) Kategorie:Gemeindeauflösung 1977