Heil drückt Begnadigung, Erfolg, Ganzheit, Gesundheit und in religiöser Bedeutung insbesondere Erlösung aus.

Abwandlungen des Wortes finden sich in sehr unterschiedlichen Zusammenhängen, z. B.: heil, heilig, heilsam, heilkräftig oder heilbar. Der Gegensatz dazu ist heillos, zum Heil das Unheil („Pech“, „Verderben“, „Unglück“). Das transitive bzw. intransitive Verb zu heil ist heilen, ein Substantiv hierzu Heilung.

Wortgeschichte Sprachgeschichtlich mit dem Adjektiv heil verwandte Wörter sind in allen germanischen Sprachen belegt mit der Bedeutung „ganz, gesund, unversehrt“, z. B. englisch whole „ganz, unversehrt“, hale „frisch, ungeschwächt“ und holy „heilig, geweiht“. In Lautfolge und Bedeutung verwandte Wörter gibt es auch in keltischen und baltoslawischen Sprachen. Das Substantiv Heil wird in ähnlicher Bedeutung gemeingermanisch verwendet (alt- und mittelhochdeutsch heil „Glück, glücklicher Zufall“, altenglisch hael „günstiges Vorzeichen“). Das Verb heilen (älter auch hailen) bedeutet transitiv „heil machen“ (‚gesund machen‘,Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben. Niemeyer, Tübingen 2003 (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50), ISBN 3-484-36050-X, S. 388–389 (heilen: ‚heilen‘, ‚gesund machen‘). „therapeutisch wirksam sein, einen pathologischen Zustand beseitigen, kurieren“; etwa in „Wer heilt, hat recht“) und intransitiv „heil werden“ („gesund werden, genesen“; etwa in „die Wunde heilt“).Vgl. Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 396–397 (zu hailen, heilen und heilsam). Im Althochdeutschen findet sich zudem das Wort heilazzen was im Sinne des Begrüßens verwendet wurde.

Religiöse Heilsvorstellungen

Herrschaftslegitimation

Frühmittelalterliche Könige, allen voran die fränkischen Merowinger, beriefen sich zur Herrschaftslegitimation auf die Thaumaturgie (auch Königsheil). Ein für Zeitgenossen deutlich erkennbares Ausbleiben von Erfolg konnte als Verlust dieser Heilkraft gewertet werden und zu einem Machtwechsel führen.

Hoffnung auf Erlösung Christen glauben, das Heil (Seelenheil) in der Nachfolge ihres nach dem Tod auferstandenen Heilands Jesus Christus zu finden. Im Neuen Testament ist Heil (bzw. lateinisch salus) die Übersetzung des griechischen Wortes σωτηρία (sotēría „Rettung“, „Erlösung“), so etwa im Lobgesang Nunc dimittis („Nun entlässest du“) des Simeon im Lukasevangelium: Meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel. ()

Dieses mit Jesus verbundene Heil sehen manche Gemeinschaften in einer bestimmten Organisation gegenwärtig, so etwa – gemäß katholischem Glaubensverständnis – in der römisch-katholischen Kirche.Stephan Horn: Die Taufe. In: Hubert Luthe (Hrsg.): Christusbegegnung in den Sakramenten. Kevelaer 1981, ISBN 3-7666-9219-4, S. 214.

Heil als Grußformel Der Heilsgruß wurde vornehmlich als Glücks- und Segenswunsch, aber auch als Trinkspruch oder zur wohlwollenden Anrede verwendet. Die Grußformel Heil! ist grammatikalisch eine Interjektion und etymologisch mit dem ähnlich klingenden englischsprachigen Begriff Hail! verwandt, was so viel wie Grüß dich! oder Glück dir! bedeutet.Eintrag hail in: http://dict.leo.org/. Die beiden Ausdrücke werden auch üblicherweise ineinander übersetzt. Beispiel: All hail, Macbeth! als Heil dir, Macbeth!William Shakespeare, Macbeth. Akt I, Szene III. Übersetzung u. a. bei Dorothea Tieck oder Friedrich Schiller.

In der nördlichen Hälfte Italiens ist der gleichbedeutende Gruß Salve! die allgemein üblichste informelle Begrüßungsfloskel.salve im Online-Wörterbuch Italienisch-Deutsch des Pons-Verlags (Abruf im Mai 2017).

Auch in Teilen Österreichs (Tirol, Vorarlberg und in Oberkärnten) wird Heil! oder Heile! als Gruß unter Freunden verwendet. eines Tiroler Berggasthofs (2009); Eintrag Heil/Heile in der privaten Austriazismensammlung ostarrichi (2008); beides gefunden im Mai 2017. Der Begriff kommt auch in dem Ausspruch „Heil am Seil!“ bzw. „Berg Heil!“ vor, mit dem Bergsteiger einander Glück wünschen. Auch „Weidmanns Heil“ (v. a. bei Jägern), „Ski Heil“ (v. a. bei Sportlern) sowie „Petri Heil“ (v. a. bei Anglern) kommen vor.

Literatur Schon Walther von der Vogelweide sprach zum Stauferkönig Philipp „... sie gebent dir alles heiles wort ...“, was zeitgemäßen Wünschen nach Glück entsprach.Johannes Hunger: Walther von der Vogelweide, Kongress Verlag, Berlin 1955, S. 103. Aber auch von anderen Minnesängern wie Konrad von Altstetten sind ähnliche Zeilen bekannt.Herausgeber: Walter Koschorreck: Minnesinger, Insel Taschenbuch 88, Frankfurt/Main 1974, S. 42 „aller frowen heil“, S. 99 „aller Frauen Heil“. Etwa zeitgleich zum Minnesang wurde die Edda in altisländischer Sprache niedergeschrieben. Sowohl im Original und in deren gängigen Übersetzungen findet sich der Heilsgruß wieder.Die Edda, Eugen Diederichs Verlag, München 1997. Auch im Nibelungenlied steht u. a. geschrieben: „ouch trûwe ich mînem heile“.Nibelungenlied, Strophe 2165. Protagonisten in historischen Romanen werden entsprechend Grüße wie „Heil, Meister Hildebrandt, Hildungs Sohn!“ in den Mund gelegt.Felix Dahn: Ein Kampf um Rom, Deutsches Verlagshaus Bong, München, S. 5. Richard Wagner lässt Hagen von Tronje die Zeilen „Heil! Siegfried, teurer Held!“ singen.Richard Wagner: Götterdämmerung, Oper, 1. Aufzug, 1. Akt, 2. Szene. Aber auch in Literatur und Lyrik ohne historischen Bezug, wie beispielsweise im „Buch der Lieder“ von Heinrich HeineHeinrich Heine: Buch der Lieder, Melzer Verlag, Neu-Isenburg 2006, S. 161 und S. 357., lassen sich entsprechende Stellen finden.

Volkslied Entsprechend dem jeweils gängigen Sprachgebrauch, fand der Heilsgruß auch Einzug in das Volkslied unterschiedlichster Epochen. So finden sich Lieder mit politischem, volkstümlichem, religiösem und jugendbewegtem Hintergrund.

In vielen Liedern mit regionalem Bezug heißt es beispielsweise „Heil unserm König, Heil!“ (Königreich Bayern)Worte: Unbekannt, Weise: Henry Carey: Heil unserm König, Heil!, Bayernhymne., „den König segne Gott, den er zum Heil uns gab“ (Königreich Sachsen)Worte: Georg Karl Alexander von Richter, Weise: Henry Carey: Den König segne Gott. oder auch „Heil dir, Helvetia!“Worte: Johann Rudolf Wyss (1811), Weise: Henry Carey: Den König segne Gott. All diese Lieder haben mit dem wohl bekanntesten Lied dieser Art „Heil dir im Siegerkranz“ und weiteren Nationalhymnen dieser Zeit eines gleich, die Melodie der britischen Königshymne.Herausgeber: Eckhard John Volkslied - Hymne - politisches Lied, Waxmann Verlag, Münster 2003.

Viele Lieder stehen in Verbindung mit dem christlichen Heilsbegriff, wenn es dort heißt „Gott ist mein Licht, Gott ist mein Heil“Worte: Paul Gerhardt, Weise: Melchior Vulpius: Gott ist mein Licht. oder „Heil und Segen allerwegen“Worte: Antonio Salieri, Weise: Fritz Jöde Heil und Segen allerwegen.. Im berühmten Kinderlied „Alle Vögel sind schon da“ wird „lauter Heil und Segen“ gewünscht.Worte: Hoffmann von Fallersleben, Weise: Schlesische Volksweise Alle Vögel sind schon da. In ähnlichem Zusammenhang steht auch das Oratorium Judas Maccabaeus von Georg Friedrich Händel in dem es beispielsweise heißt „Heil, Heil, Heil, Judäa, selig Land“Georg Friedrich Händel: Judas Maccabaeus, 2. Akt.. Wieder andere Lieder stehen im Zusammenhang mit der Turnerei, dem Skifahren, der Jägerei oder haben einen politischen Hintergrund.Grunefeld/Lüneberg: Revolution und Revolutionslieder in Mannheim 1848–1849, Reinhard Welz Verlag.

Im Wandervogel entstanden Lieder wie „Heil, Wandervogel, Heil“ oder das Lied „Märkische Heide“, in dem es heißt: „Heil Dir, mein Brandenburger Land“.Worte & Weise: Gustav Büchsenschütz: Märkische Heide, 1923. Im jugendbewegten Lied „Aus grauer Städte Mauern“ heißt es in der dritten Strophe „Ein Heil dem deutschen Walde“.Worte: Hans Riedel/Hermann Löns, Weise: Robert Götz: Aus grauer Städte Mauern.

Jagd und Sport Jäger grüßen sich gegenseitig traditionell mit den Worten Waidmannsheil! bzw. Weidmannsheil! bzw. Weidmanns Heil!Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 20, Leipzig 1909, S. 473, Stichwort Weidmanns Heil! (zeno.org) Mit Waidmannsdank! bzw. Weidmannsdank! bzw. Weidmanns Dank! wird geantwortet, wenn jemandem mit dem Gruß zu einem Jagderfolg gratuliert wurde oder der Gruß von einem „Nichtjäger“ an einen Jäger gerichtet war.

Traditionell grüßen sich Angler gegenseitig mit Petri Heil! Wird Petri Heil! als Glückwunsch zum Beuteerfolg benutzt, antwortet man mit Petri Dank!

Unter Bergsteigern in den deutschsprachigen Ostalpen ist die Formel Berg Heil! geläufig, die insbesondere dann angewandt wird, wenn Bergsteiger einen Gipfel erklommen haben; in der Schweiz ist dieser Gipfelgruß kaum bekannt. Dieser Gruß kommt gelegentlich auch bei Sektionsveranstaltungen der Alpenvereine vor: Berg – Heil! Die Naturfreunde gratulieren sich dagegen auf den Berggipfeln mit Berg frei! In den italienischen Alpen gratuliert man sich mit Auguri!

Unter Schützen gibt es den Gruß Schützen Heil!

Fritz Breuer war ein „athletisch gebauter Rheinländer mit dichtem Schnurrbart und strengen Augenbrauen“ und „arbeitet(e) als Prokurist in der Todtnauer Bürstenfabrik“.Vom Buchclub zum ersten Skiclub Deutschlands, abgerufen am 14. Dezember 2020. Dieser wagte im späten 19. Jahrhundert erste Skiversuche in Todtnau und gründete im Jahr 1891 den Skiclub Todtnau, den ersten Skiklub Deutschlands. Er war es auch, der ein Jahr später, 1892, den seither bei Skifahrern gängigen Gruß Ski Heil! einführte.

Radfahrer grüßten sich mit All Heil!Friedrich Kainz: Klassik und Romantik. In: Deutsche Wortgeschichte, hrsg. von Friedrich Maurer und Heinz Rupp, de Gruyter, Berlin 1974, S. 436. Digitalisat auf Google Books, abgerufen am 25. März 2021.

Turner wünschen sich seit 1817, bevor sie sich an ein Gerät begeben, Gut Heil! und drücken dadurch aus, dass sie dem Turnenden eine verletzungsfreie Übung wünschen. Die Grußformel geht auf den Turnvater Friedrich Ludwig Jahn zurück. Um sich von der nationalkonservativen Deutschen Turnerschaft stärker abzugrenzen, benutzten die Arbeiterturner ab 1899 den Gruß Frei Heil! Die Grußformel der Gewichtheber und Ringer lautet Kraft Heil!

Vor dem Aufkommen des Nationalsozialismus war der Gruß auch in der Jugendbewegung verbreitet, so im Wandervogel, wo er um die Jahrhundertwende von Karl Fischer eingeführt wurde.

Politische Kampf- und Grußformel Der Zuruf Heil! war schon vor 1918 – an Stelle des kaisertreuen Hoch! – in bestimmten politischen Gruppierungen in Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich – ein Kennzeichen der Opposition, die Österreich als Teil Deutschlands ansah (großdeutsche Lösung).

Nach 1918 grüßten im Deutschen Reich die Deutschnationalen einander mit „Heil Hugenberg!“, wiederum andere bevorzugten „Heil Deutschland!“ Im republiktreuen Reichsbanner hieß es „Heil dir, junge Republik!“ und „Frei Heil!“ (letztereres heute immer noch). In kommunistischen Kreisen war der Ausruf „Heil Moskau!“ zu hören. In christlichen Kreisen war der Gruß „Treu Heil“ bis in die Zeit des Nationalsozialismus hinein gebräuchlich.Cornelia Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus, De Gruyter, Berlin 2000, S. 300–301. In den Reihen der katholischen Zentrumspartei wurde in den letzten Jahren der Weimarer Republik auch „Heil Brüning!“ verwendet.Nikolaus Jackob: Wahlkämpfe in Deutschland: Fallstudien zur Wahlkampfkommunikation 1912–2005, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007, S. 81.