mini|Heinrich Mißfeldt Heinrich Mißfeldt, auch Missfeldt, (* 20. Dezember 1872 in Kiel; † 27. Oktober 1945 in Torgau) war ein deutscher Bildhauer und Medailleur.
Leben Heinrich Mißfeldt wurde am 20. Dezember 1872 in Kiel geboren. Er war das erste Kind des Zieglers Detlef Wilhelm Mißfeldt (1847–1925) und seiner Ehefrau Magdalena Margarethe Elsabe (1844–1921), geb. Sinn. Er wuchs zusammen mit seinen Geschwistern Friedrich (1874–1969), dem späteren Kunstmaler, Caroline (1876–1958), Anna (1878–1969) und Max (1882–1927) am Alten Markt auf, wo seine Eltern eine Gastwirtschaft betrieben. 1888 erwarb sein Vater in Suchsdorf eine Ziegelei, die er gewinnbringend betrieb und so seinen beiden ältesten Söhnen eine künstlerische Ausbildung finanzieren konnte.
mini|Mißfeldt in seinem Atelier in Berlin-Friedenau, 1903 Schon als Kinder nahmen Heinrich und Friedrich am wöchentlichen Schnitzunterricht an der Gewerbeschule in Kiel teil. Friedrich erinnerte sich später:
Heinrich Mißfeldt beendete diese Lehre im September 1891 und ging anschließend zum Studium nach Berlin, zunächst an die Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin und anschließend an die Akademie für Bildende Künste bei Gerhard Janensch, Ernst Herter und Peter Breuer. 1899 beendete er sein Studium, genoss aber als Meisterschüler von Gerhard Janensch das Privileg, im Akademiegebäude weiterhin ein Atelier nutzen zu dürfen. Ab 1898 unterhielt er aber auch in Berlin-Friedenau eigene Werkräume.
mini|Eröffnungsfeier Klaus-Groth-Brunnendenkmal am Kleinen Kiel, 1912 Der künstlerische Durchbruch gelang ihm 1903 mit der Bronzeplastik Der Kugelspieler, die 1904 auf der Großen Berliner Kunstausstellung der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Ein Abguss wurde außerdem auf der Weltausstellung 1904 in St. Louis gezeigt. Die Gießerei Gladenbeck vertrieb über ihren Verkaufskatalog weitere Exemplare, die auch als erste Preise bei der Kieler Woche vergeben wurden. Ein Exemplar des Kugelspielers befindet sich seit 1911 im Bestand der Bremer Kunsthalle. Bereits 1907 sorgte ein weiteres Werk des Künstlers für Aufsehen. Auf der Großen Berliner Kunstausstellung zeigte Mißfeldt eine Plastik aus Marmor mit dem Titel Abschied. Dargestellt ist eine halbnackte Frauenfigur, deren Unterleib durch ein Tuch nur ansatzweise verhüllt ist. Kaiser Wilhelm II. erwarb die Skulptur für seine Frau Auguste Victoria, die es im Stadtschloss in Wiesbaden aufstellen ließ.
Im Jahr zuvor hatte er bereits Bertha Meyer (* 1867), die Tochter des niederdeutschen Dichters Johann Meyer geheiratet, für dessen Heimatstadt Wilster er 1909 das Denkmal des Dichters entwarf. 1912 kam als einziges Kind der Sohn Johann Detlef (1912–1976) zur Welt. Im selben Jahr wurde auch das Hauptwerk des Künstlers, der Brunnen für den Dichter Klaus Groth im Ratsdienergarten am Kleinen Kiel, fertiggestellt und feierlich der Öffentlichkeit übergeben. An der Enthüllungsfeier nahmen auch Prinz Heinrich und seine Frau Irene teil, die direkt mit dem Auto von der Einweihungsfeier der Holtenauer Hochbrücke kamen.
Der Erste Weltkrieg und die Jahre der Weimarer Republik brachten auch für Heinrich Mißfeldt tiefgreifende Veränderungen und Entbehrungen mit sich. Das bürgerliche Publikum konnte kaum noch Arbeiten des Künstlers kaufen und für große öffentliche Aufträge wurden seine Entwürfe nicht mehr ausgewählt. Er verlegte sich auf die künstlerische Gestaltung von Kriegerdenkmälern, von denen noch heute viele im norddeutschen Raum auf Friedhöfen existieren (u. a. Husum, Garding, Kappeln, Bad Segeberg und Bad Bramstedt). mini|Grab von Johann Meyer auf dem Kieler SüdfriedhofAußerdem intensivierte er die Zusammenarbeit mit der Berliner Münze, für die er ab 1925 mehr als 50 Medaillen entwarf, darunter waren Abbilder vieler historischer Persönlichkeiten.
In der Zeit des Nationalsozialismus war Mißfeldt Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste. Er schuf u. a. Werke mit Abbildungen von Repräsentanten des NS-Staats, darunter die Büste von Adolf Hitler, die in der Brandenburghalle des Schöneberger Rathauses aufgestellt wurde. Von dieser wurden über 1200 Abgüsse angefertigt, die in weiteren Rathäusern in ganz Deutschland aufgestellt wurden.
Das Adressbuch verzeichnete Hähnel 1934 in der Friedenauer Hähnelstraße 1. Am 30. Januar 1944 wurden die Wohnung und das Atelier des Künstlers bei einem Bombenangriff auf Berlin völlig zerstört. Das Ehepaar Mißfeldt zog zu einer Cousine nach Torgau. Als sich dort am 25. April 1945 sowjetische und amerikanische Truppen an der Elbe trafen, wurde die Bevölkerung evakuiert und in Baracken untergebracht. Das Ehepaar verlor sämtliche Habe und die Entbehrungen führten dazu, dass Heinrich Mißeldt im Alter von 73 Jahren am 27. Oktober 1945 verstarb.
Werk Zu Lebzeiten war Heinrich Mißfeldt bekannt für seine Skulpturen, die den künstlerischen Vorstellungen des Neoklassizismus entsprachen, wie sie idealtypisch in seinem Werk Der Kugelspieler von 1903 verkörpert sind. Ulrich Schulte-Wülwer schreibt über das Schaffen des Künstlers:
Die Widersprüchlichkeit der Kunstpolitik im Kaiserreich zeigt sich auch darin, dass diese „erotischen Kleinplastiken“ für staatliche Sammlungen aufgekauft wurden, aber trotzdem konfisziert werden konnten. Im Vorwärts vom 28. Dezember 1913 heißt es:
Diese Plastiken von Heinrich Mißfeldt werden immer noch vereinzelt im Kunsthandel angeboten. Für die breitere Öffentlichkeit wahrnehmbar sind die unzähligen Kriegerdenkmäler und die zwei erhaltenen Brunnenanlagen. Es sind dies der Klaus-Groth-Brunnen in Kiel und der Brunnen für Fritz Reuter in Berlin-Neukölln. Der Fritz-Reuter-Brunnen wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, 1949 völlig verändert wieder aufgestellt und 1992 auf Grundlage des 1914 erstellten Brunnens wiederhergestellt.
Werke (Auswahl) 1899: Klaus Groth, Bronzestatuette, Höhe 78 cm, heute in der Landesbibliothek Schleswig-Holstein, Kiel 1903: Kugelspieler, Bronze, 57 × 32 × 28,2 cm, ein Exemplar in der Kunsthalle Bremen 1905: Schäfer, Carrara-Marmor, Größe und Verbleib unbekannt 1905 Grabmal für Johann Meyer, Südfriedhof (Kiel) 1906: Kauerndes Mädchen, Carrara-Marmor, ehemals Nationalgalerie Berlin, Kriegsverlust 1906: Spiegel der Muse, Bronze, Höhe 48 cm, Privatbesitz 1906: Reue, Bronze Höhe 9,4 cm, Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen, Schleswig 1907: Im Lenz, Terrakotta, Höhe 70 cm, ehemals im Besitz des Dichters Johann Meyer, Kriegsverlust 1907: Abschied, Marmor, Höhe 47 cm, ehemals Stadtschloss Wiesbaden, Verbleib unbekannt 1912: Klaus-Groth-Brunnen, Kiel 1914: Drei-Kaiser-Denkmal, Tempelburg 1928: Bäuerin in Tracht, Keramik, Höhe 32 cm 1932: Baldurs Tod, Marmor, Privatbesitz 1942: Notung (Siegfried), Bronze, Höhe 55 cm, Verbleib unbekannt
Galerie
Sicher belegte Teilnahme an Ausstellungen in der Zeit des Nationalsozialismus
1935: Kiel („Schleswig-Holstein. Land und Volk“) 1937: Berlin (Frühjahrsausstellung des Vereins Berliner Künstler) 1939 und 1940: Berlin („Frühjahrsausstellung des Frontkämpferbundes bildender Künstler“)
Literatur Studio Talk: Heinrich Mißfeldt. Design for Monument. In: The Studio: An Illustrated Magazine of Fine and Applied Art, Bd. 191, Februar 1909, S. 72. (doi:10.11588/diglit.20966#0094) G. Kühn: Heinrich Mißfeldt. In: Die Heimat. Bd. 31 (1921), Nr. 10, Oktober 1921, S. 169–175 (Digitalisat).
Dierk Puls: Heinrich Mißfeldt, ein Kieler Bildhauer. In: Nordelbingen, Bd. 41 (1972), S. 37–47. Peter Bloch, Sibylle Einholz, Jutta von Simson (Hrsg.): Ethos und Pathos. Die Berliner Bildhauerschule 1786–1914. Band: Ausstellungskatalog. Gebr. Mann, Berlin 1990, S. 198–191, Biografie und Kat. Nr. 158 (Kugelspieler, 1903), ISBN 3-7861-1597-4. Band: Beiträge mit Kurzbiographien Berliner Bildhauer. Gebr. Mann, Berlin 1990, S. 138, 521f., Kurzbiografie Nr. 297 und Abb. Kaiser Friedrich III., Hohenzollernpark in Schenefeld, ISBN 3-7861-1598-2. Ute Beyer-Beckmann: Das Bronze-Standbild für Klaus Groth am Kleinen Kiel. In: Denkmäler in Kiel und Posen, hrsg. von Rudolf Jaworski, Witold Molik, Kiel 2002, S. 165–179, ISBN 3-933598-41-9. Sonja Mißfeldt: Friedrich Missfeldt (1874 - 1969). Leben und Werk eines Schleswig-Holsteinischen Malers und Grafikers. Kiel 2009, S. 20, ISBN 978-3-86935-006-6. Telse Wolf-Timm, Doris Tillmann: Friedrich Mißfeldt. Ein Kieler Künstler zwischen Moderne und Tradition. Heide 2012, S. 8, 11, 40, ISBN 978-3-8042-1364-7. Ulrich Schulte-Wülwer: Kieler Künstler. Band 2: Kunstleben in der Kaiserzeit 1871–1918. Heide 2016, S. 266–292, ISBN 978-3-8042-1442-2.
Weblinks
Heinrich Mißfeldt auf dem Portal der Deutschen Biographie Heinrich Mißfeldt Datenblatt auf dem Portal der Deutschen Digitalen Bibliothek Heinrich Mißfeldt Datenblatt auf dem Portal der Akademie der Künste Museen Nord Abb. von div. Werken von Heinrich Mißfeldt in norddeutschen Museen Biografie und Abb. div Werke auf dem Portal KUNST@SH Biografie und Abb. div. Werke auf dem Portal Friedenau aktuell Keramik-Figur Bäuerin in Tracht, um 1928, Keramik mit polychromer Malerei, H. 32 cm beim Auktionshaus Stahl Der Klaus-Groth-Brunnen in Kiel auf Kiel.Wiki Kauerndes Mädchen, 1906 Suchmeldung in der Lost Art-Datenbank
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer (Berlin) Kategorie:Medailleur Kategorie:Person (Kiel) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1872 Kategorie:Gestorben 1945 Kategorie:Mann