Thomas J. Richter (* 15. Juni 1955 in Ost-Berlin; † 17. Juli 2026 in Berlin) war ein deutscher Maler und Grafiker.

Leben und Werk

Der Großvater Richters, Gottfried Richter, war Maler und ebenso der Vater Gottfried Uwe Richter. Richter studierte von 1976 bis 1978 Geschichte und Kunsterziehung an der Karl-Marx-Universität Leipzig und von 1978 bis 1983 Malerei bei Dieter Goltzsche und Dietrich Nosky an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Seitdem lebte und arbeitete er als Maler und Grafiker in Berlin-Friedrichshagen. 1986 hatte er seine erste Einzelausstellung. 1986/1987 erhielt er einen Porträtauftrag des Magistrats von Berlin, 1987 beteiligte er sich an der künstlerischen Gestaltung des U-Bahnhofs Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin. 1988 kaufte die Staatliche Kunstsammlung Cottbus eines seiner Gemälde. 1988/89 entstand in Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Martin Wilke (* 1956) die Monumentalskulptur „Schiff zur Rettung der Unschuld der Kunst“, die eine Gesamthöhe von 5,70 m aufweist und als Dauerleihgabe dem Bezirksamt Pankow überlassen wurde und vor dem Amtsgebäude Fröbelstraße in Berlin ihren Platz fand.

Von 1989 bis 1991 war Richter Meisterschüler der Akademie der Künste der DDR (seit 1990: Akademie der Künste) bei Nuria Quevedo. 1997 vermittelte die Ernst-Schroeder-Gesellschaft die Schenkung eines Gemäldes an die Kunstsammlung Neubrandenburg. Zu Richters Arbeit gehörten Ausstellungen im In- und Ausland wie auch politisches Engagement in Form von Zeitungsartikeln, Podiumsbeiträgen und angewandter Kunst, u. a. für die jährlich stattfindende Rosa-Luxemburg-Konferenz. Seit 2007 arbeitete er als Künstlerischer Leiter der jW-Ladengalerie der Tageszeitung junge Welt. Zur Gestaltung dieser Zeitung wie zu deren Werbeaktionen trug er wesentlich bei.

Mit seinem umfassenden erotischen künstlerischen Werk, zu dem Druckgrafik, Zeichnungen und Gemälde gehören, nahm Richter eine auffällige Außenseiterposition im zeitgenössischen Kunstgeschehen ein.

Richter war bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR.

Thomas J. Richter wurde tot in seiner Berliner Wohnung aufgefunden.

Rezeption

„Aufgewachsen in einer Künstlerfamilie, war Richter nicht nur mit den Gemälden des Großvaters Gottfried Richter vertraut. Auch Werke des mit dem Vater befreundeten Malers Ernst Schroeder und Bronzen von Gustav Seitz gehörten zum Täglichen. All das öffnete den Blick – auf Henri Rousseau und Werner Heldt, Giorgio de Chirico und Arnold Böcklin, auf Carlo Carrà, Ottone Rosai und Niko Pirosmanaschwili. Aus der damit angesprochenen Fülle kunsthistorischer Haltungen lässt sich kein eigenes Bild machen.Richters Suche nach ‚seinem Bild’ zeigt eine kontinuierliche Entwicklung ohne Zäsuren und schroffe Richtungswechsel.“(Jörg Makarinus in: Thomas J. Richter. Bilder. Berlin 1998, S. 8)

Weitere Werkbeispiele

Thüringer Landschaft (1980; Kunstsammlung der Wismut GmbH, Chemnitz) Imagination Kulmbach II (90 × 130 cm; Neue Nationalgalerie Berlin, Inv. KM 274) Labyrinth (1983, 90 × 120,3 cm; aus der Serie Offene Wände; Pinakothek der Moderne, München, Inv. KM 236) Kleine Bucht (Öl, 100 × 120 cm)Abbildung in Bildende Kunst, Berlin, 10/1986, S. 455 Figur vor Landschaft (1986, 122 × 96 cm; Kunstsammlung Neubrandenburg; Inv. 97/11/G)

Hof am Meer (1984, Öl, 110 × 130 cm)Abbildung in Bildende Kunst, Berlin, S. 399 Sitzender Akt (1985, Öl, 96 × 79 cm)Abbildung in Bildende Kunst, Berlin, S. 398

Kleine Bucht (1985, Öl, 100 × 120 cm)Abbildung in Bildende Kunst, Berlin, 10/1986, S. 455 Zwischen Häusern am Kanal (1986, Öl auf Sperrholz, 90 × 113 cm; Neue Nationalgalerie) Große Seebrücke mit Figur (1986, Öl, 121 × 94 cm; auf der X. Kunstausstellung der DDR)Abbildung in Bildende Kunst, Berlin, 9/1986, S. 396

Ausstellungen (unvollständig)

mini|„Schiff zur Rettung der Unschuld der Kunst“1988/89, Berlin-Prenzlauer Berg Einzelausstellungen 1987: Galerie Mitte in Berlin 1990: Galerie Junge Kunst in Frankfurt/Oder 1991: Arts Centre Galway (Irland) 1991/1992: Staatliches Museum Schwerin 1992: Galerie Alter Markt in Berlin 1993: Broekhuis in Enschede (Niederlande) 1994: Kurt-Tucholsky-Gedenkstätte in Schloss Rheinsberg 1995: Galerie am Prater in Berlin 1997: Cafe del Arte in Münster 1998: Galerie im Turm in Berlin 1998: Kunsthaus Borkam in Trier 1999: Galerie am Alten Markt in Rostock 2004: XIII. Internationale Buchmesse in Havanna/Kuba 2005: Galerie Pohl in Berlin 2005: Galerie Alte Schule in Berlin 2006: GBM-Galerie in Berlin 2010: Galerie Arbeiterfotografie in Köln 2011: Vorpommersches Künstlerhaus in Heinrichsruh 2011: Galerie Pohl in Berlin (mit Stefan Reichmann)

Gemeinschaftsausstellungen 1984: Berlin, Altes Museum („Junge Künstler der DDR“) 1986: Berlin, Ausstellungszentrum am Fernsehturm („Erste Ausstellung Berliner Junger Künstler“) 1986 und 1989: Berlin, Bezirkskunstausstellung 1987: Berlin, Ephraim-Palais („Das Bild der Stadt Berlin von 1945 bis zur Gegenwart“) 1987: Paris, Kulturzentrum der DDR ("Tempéraments - jeunes artists de Berlin") 1987: Leonhardimuseum in Dresden 1987/1988: Dresden, X. Kunstausstellung der DDR 1988: Moskau ("Kunst in Berlin") 1988: Nord-West in Schloss Plüschow in Mecklenburg 1989: Berlin, Ausstellungszentrum am Fernsehturm („Zweite Ausstellung Berliner Junger Künstler“) 1989: Berlin, Nationalgalerie („Konturen. Werke seit 1949 geborener Künstler der DDR“) 1989: Diomede-Projekt in PS 1 in New York (mit Martin Wilke, Martin Colden, Jürgen Köhler) 1990: Beteiligung am Skulpturenpark Herzogin Diane in Althausen 1994: Zu dritt in studio bildende kunst baumschulenweg in Berlin (mit Lutz Kommallein und Astrid Mosch) 2003: Alles Richter in Galerie Pohl in Berlin 2005: Kunstlandschaft: Garten in Galerie Alte Schule, Kulturzentrum Adlershof, Berlin 2008: Selbstportraits aus 30 Jahren in Galerie Mitte in Berlin 2011: Zehn Berliner Malerinnen und Maler in Klostergalerie in Zehdenick

Schriften

mit Christian Geissler: schattenschrift schriftschatten. und Figurentheater. In: Die Horen. Nr. 216, 2004, S. 142–156. Peter Hacks: Heile Welt. Liebesgedichte. Hg. von Heike Friauf. Mit Grafiken von Thomas J. Richter. Eulenspiegel Verlag, Berlin 2007. Künstlerbuch Zwei Lieder. von Peter Hacks. Andante Handpresse, Berlin 2007. Künstlerbuch Frage. Holzschnitte zu einem Gedicht von Peter Hacks. Andante Handpresse, Berlin 2008. Eros und Politik. Wider die Entfremdung des Menschen. Hg. von Heike Friauf. Mit Texten von Leo Kofler, Peter Hacks, Werner Seppmann und Bildern und Graphiken von Thomas J. Richter. Pahl-Rugenstein, Bonn 2008. Das erste dialektisch-melancholische Kunstbuch zur DDR-Geschichte. Künstlerbuch von Thomas J. Richter. Berlin 2009.

Literatur

Matthias Flügge: Thomas Richter. In: Bildende Kunst, Berlin, 9/1986, S. 398/399

Jörg Makarinus (Hrsg.): Thomas J. Richter. Bilder. Mit einem Text von Karl Mickel. edition refugium, Berlin 1998. Stefan Amzoll: Wir sind mindestens um hundert Jahre zurückgefallen. Interview. In: Utopie kreativ. Heft 57, 1995. Stefan Amzoll: Erotik findet links statt. Interview. In: Utopie kreativ. Heft 97/98, 1998, S. 53–73. Kürschners Handbuch der Bildenden Künstler. Deutschland, Österreich, Schweiz. Band II. K. G. Saur, München – Leipzig, 2007, S. 879 Simone Tippach-Schneider: Interview. In: Lebens-Mittel Kunst. Eine Ausstellung mit Bildern aus dem Kunstarchiv Beeskow. Katalog. Beeskow 2007. Richter, Thomas J. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 768/769

Weblinks

Website von Thomas J. Richter

Gegen die Eiszeit gemalt Mehr über den Künstler Thomas J. Richter bei kulturelle-projekte.de

Einzelnachweise

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