Die Church of England ( für Kirche von England) ist die Mutterkirche der Anglikanischen Gemeinschaft, sodass sich ihre Geschichte weitestgehend mit dieser deckt. Sie ist innerhalb dieser Gemeinschaft die letzte eigentliche Landeskirche (Staatskirche) und untersteht der Autorität des Staatsoberhauptes.

Die Church of England ist die mitgliederstärkste aller anglikanischen Kirchen weltweit. Sie erstreckt sich heute über das Gebiet Englands, der Kanalinseln und der Isle of Man; zum Gebiet der Diözese in Europa gehören ferner das europäische Festland sowie die Türkei und Marokko. Die Kirche ist noch immer eine Landeskirche im klassischen Sinne, da an ihrer Spitze der britische Monarch mit dem Titel Supreme Governor of the Church of England steht. Auch sind die beiden Erzbischöfe sowie 24 weitere Bischöfe Mitglieder im House of Lords. Allerdings bilden ihre Mitglieder heute nicht mehr die Mehrheit der Engländer und sie kämpft mit weiterem Mitgliederschwund. Bei der Zahl der Gottesdienstbesucher wurde sie Januar 2016 von der römisch-katholischen Kirche in England übertroffen.Kaya Burgess: Church congregations fall below one million for first time, The Times, 12. Januar 2016. In den weiteren britischen Landesteilen Schottland und Wales existieren weitere anglikanische Kirchen, die Church in Wales und die Scottish Episcopal Church. mini|Bistümer der Church of England

Innerhalb der Landeskirche steht ihr die Erzbischöfin von Canterbury als Primas von ganz England vor, die auch innerhalb der anglikanischen Weltkirchengemeinschaft einen Ehrenvorrang genießt. Der Erzbischof von York steht als Primas von England im Ehrenrang an zweiter Stelle. Die Church of England gliedert sich in zwei Kirchenprovinzen, Canterbury und York, mit insgesamt 42 Diözesen.

Zur Theologie der Church of England siehe den Artikel Anglikanische Gemeinschaft.

Geschichte Die Kirche von England datiert ihre Geschichte zurück bis in die römische Zeit. Die seit der konstantinischen Wende (313) begonnene Christianisierung Britanniens setzte sich bei den keltischen Stämmen in Schottland und Irland in Form der Iro-schottischen Kirche eigenständig fort. Nach dem Abzug Roms spätestens 411 siedelten vermehrt Angeln, Sachsen und Jüten ins heutige England. Im Gebiet dieser angelsächsischen Stämme wurden zunächst germanische Kulte gepflegt. Erst seit der Mission von Augustinus von Canterbury an den Hof von Kent im Jahr 597 fand die katholische Kirche wieder Verbreitung in England. Zeitgleich erfolgte eine Mission durch irische Mönche (siehe Columban).

Mit der Weigerung von Papst Clemens VII., die Ehe von König Heinrich VIII. für nichtig zu erklären, beschlossen die englischen Bischöfe, die Autorität des Papstes im Königreich England nicht mehr anzuerkennen, und erklärten am 11. Februar 1531, dass ihr König nunmehr Oberhaupt (Supreme head) der katholischen Kirche in England sei.David Gordon Newcombe: Henry VIII and the English Reformation. Routledge, London 1995, ISBN 0-415-10728-8, S. 45. Damit wurde die englische Reformation ausgelöst, die jedoch vorerst wenig Änderungen im liturgischen Leben vorsah, bis auf den Gebrauch der englischen statt der lateinischen Sprache. Die Suprematsakte wurde 1534 durch das Parlament beschlossen. Feiertage, Reliquienverehrung und Wallfahrten wurden eingeschränkt, alle Klöster bis 1540 geschlossen. Rechtsfreiheiten der Kleriker und Freistätten (sanctuaries) wurden abgeschafft zugunsten einer einheitlichen Rechtsprechung in der Hand des Königs. Die traditionelle Theologie und der Zölibat wurden dagegen ausdrücklich bekräftigt im Act of Six Articles 1539. Thomas Cromwell oblag die Aufsicht, die auch Strafprozesse kannte, der bekannteste richtete sich 1534 gegen Thomas More.

Obwohl die dynastischen Probleme Heinrichs VIII. den Anlass für die Abspaltung von Rom darstellten, müssen auch andere Aspekte für die Entstehung der Anglikanischen Kirche berücksichtigt werden, die ihren Ursprung im Mittelalter haben: Bereits im Hochmittelalter wurde gefordert: Ecclesia Anglicana libera sit („Die Englische Kirche soll frei sein“). Diese Forderung war dann im Spätmittelalter auch in die Tat umgesetzt: Der englische König hatte schon sehr früh sehr viel mehr Freiheiten in der Besetzung der Bistümer als andere Herrscher. Bereits vor der Abspaltung unter Heinrich VIII. war die Kirche von England von allen Ländern Europas die mit den geringsten Verpflichtungen Rom gegenüber. Die dynastischen Probleme radikalisierten so lediglich eine bereits entstandene Entwicklung.

Nach dem Tode Heinrichs VIII. leitete der Erzbischof von Canterbury, Thomas Cranmer, zusammen mit Richard Hooker, Craig John Stuart Heselton und Matthew Parker weitere Reformen ein, darunter die Einführung des ersten Book of Common Prayer. Mit dem Tod von Heinrichs Nachfolger, Eduard VI., kam seine Halbschwester Maria Tudor auf den Thron, und die englische Kirche erneuerte ihre Verbindung zu Rom, während viele Theologen der Reformation hingerichtet wurden. Erst nach Marias Ableben wurde die Kirche unter Elisabeth I. wieder protestantisch. Die Verpflichtung zum Zölibat wurde mit den 1571 vom Parlament verabschiedeten Neununddreißig Artikeln aufgehoben. Seit der Regierung Elisabeths I. ist es üblich, im Unterhaus des Parlamentes anglikanische Gebete zu verlesen. Seit 1660 gibt es das anglikanische Amt des Kaplan des Sprechers, der jede Sitzung des Unterhauses mit Gebeten beginnt.

Der Einfluss der Puritaner wuchs in dem folgenden Jahrhundert stetig an, kam jedoch durch die königliche Autorität nie zur vollen Entfaltung. Im Zuge der Stuart-Restauration nach dem Englischen Bürgerkrieg wurden die puritanischen Pfarrer aus der Kirche vertrieben, und es begann die Vorherrschaft des Latitudinarismus. Im 19. Jahrhundert, mit der Oxford-Bewegung und dem Aufkommen der Romantik, besannen große Teile der Church of England sich wieder auf ihre katholische Erbschaft.

Infolge der Union von 1800 zwischen Großbritannien und Irland kam es zur Vereinigung der beiden Staatskirchen der Church of England und der Church of Ireland als „one Protestant Episcopal church, to be called, the United Church of England and Ireland“. Als mittelbare Folge der katholischen Emanzipation wurde die bis dahin bevorrechtigte Stellung der Church of Ireland in Irland jedoch über die Jahrzehnte aufgeweicht.Francis_Stewart_Leland_Lyons: Ireland since the famine, 10. Auflage. Fontana Press, London 1987, ISBN 0-00-686005-2, S. 17. Diese wurde mit dem Irish Church Act 1869 aus dem Etat der Church of England herausgenommen, was gegen den erbitterten Widerstand konservativer Kreise in beiden Häusern des Parlaments geschah (Antidisestablishmentarianism).John D. Fair: The Irish disestablishment conference of 1869. Journal of Ecclesiastical History 26.4 (1975): 379-394. (englisch) Das Gesetz trat am 1. Januar 1871 in Kraft.

Der Erzbischof von Canterbury Charles Thomas Longley berief 1867 eine „nationale Synode der Bischöfe der Anglikanischen Kirche im In- und Ausland“ ein, die unter seiner Führung zusammentreten sollte. Nachdem er sich mit beiden Häusern der Convocation of Canterbury beraten hatte, willigte Erzbischof Longley ein und rief alle Bischöfe der Anglikanischen Gemeinschaft (damals 144 an der Zahl) zu einem Treffen in Lambeth ein. Die Lambeth-Konferenz wurde zu einer nunmehr im zehnjährigen Rhythmus stattfindende Vollversammlung aller Bischöfe der Anglikanischen Gemeinschaft.

Walisische Politiker, darunter David Lloyd George, forderten, die anglikanische Kirche in Wales von der Church of England zu lösen. Dies geschah durch ein 1914 vom britischen Parlament verabschiedetes Gesetz, den Welsh Church Act 1914. Infolge des Ersten Weltkrieges trat das Gesetz erst 1920 in Kraft. Durch den Welsh Church Act wurde die anglikanische Kirche in Wales selbständig und zugleich ihres Status als etablierte Staatskirche entkleidet („disestablishment“) – daher auch der Name Church in Wales statt Church of Wales.

Im Jahr 1994 ließ die Kirche die Frauenordination zu, sodass im März desselben Jahres erstmals Frauen das Weihesakrament erhielten.

2008 bedauerte die Church of England ihr Missverstehen („misunderstanding“) der darwinschen Evolutionstheorie und bezeichnet den in einigen „Ecken der Kirche“ herrschenden „anti-evolutionären Eifer“ als Fehler.Church of England, Rev Dr Malcolm Brown, Director of Mission and Public Affairs: Good religion needs good science

Gegenwart Charakteristisch für die Church of England ist die große Bandbreite, die von der katholisierenden High Church bis zur „evangelikalen“So die traditionelle Charakterisierung, das Wort hat inzwischen insbesondere in den USA eine etwas andere Bedeutung bekommen. Low Church reicht, zwischen den beiden gibt es noch die Broad Church.

Mitgliedschaft Die Church of England gibt keine offiziellen Mitgliederzahlen an.Siehe die Church Statistics 2010/11, die letzte umfassende statistische Darstellung. Laut der jüngsten Statistik kirchlicher Tätigkeit (Statistics for Mission) gibt es in England 32 Millionen Christen (2015), ohne jedoch zu spezifizieren, wie viele davon Anglikaner sind., S. 19. Dies entspricht in etwa dem Ergebnis der Volkszählung von 2011, die eine Zahl von 31,48 Millionen Christen in England (59,4 % der Bevölkerung) ergab.Office for National Statistics: Religion in England and Wales 2011 (59,3 % in England und Wales insgesamt; 59,4 % nur in England). Im Gegensatz zu Schottland und Nordirland wurde bei der jüngsten Volkszählung in England (und Wales) nur die Religionszugehörigkeit erhoben und nicht die Konfession. Die letzten Mitgliederzahlen der Church of England stammen aus dem Jahr 2005 und ergaben damals etwa 25 Millionen Mitglieder.. In: The Times, 15. Februar 2007. Da jedes Jahr die Zahl der Sterbefälle die der Taufen übersteigt, dürfte die Mitgliederzahl seitdem deutlich gefallen sein und bei 22–23 Millionen liegen (Stand 2015).

Gottesdienstteilnahme und Empfang der Sakramente An den Sonntagsgottesdiensten nahmen 2015 durchschnittlich 752.000 Gläubige teil (Usual Sunday attendance, die jährliche Zählung erfolgt jeweils an vier Sonntagen im Oktober)., S. 24. Das bedeutet, dass im Durchschnitt aller 16.000 Kirchen der Church of England sonntags 51 Gläubige den Gottesdienst feiern., S. 7. 1.142.000 Gläubige kamen „regelmäßig“ (definiert als „einmal im Monat oder öfter“) zum Gottesdienst; dieser weitere Kreis wird als „Worshipping Community“ (Gottesdienstgemeinde) bezeichnet., S. 25. Seit 2005 sank die Zahl der regelmäßigen Gottesdienstbesucher um 11 %.Pressemitteilung der Church of England: 2015 Attendance Statistics published, 27. Oktober 2016. An Weihnachten kamen 2.526.000 Gläubige zur Kirche (2015)., S. 6.

Nicht so einfach anzugeben ist der prozentuale Anteil aller Mitglieder, die zu den Gottesdiensten kommen. In der Statistics for Mission der Church of England für 2015 wird der Anteil der Teilnehmer am Sonntagsgottesdienst (im Sinne der Usual Sunday attendance) mit 2,3 % angegeben, allerdings nicht auf die eigene Mitgliederschaft bezogen, sondern auf die Zahl aller Christen in England. Dies rührt daher, dass die Church of England alle Christen zur Teilnahme einlädt, nicht nur die der eigenen (anglikanischen) Konfession. 2,3 % Gottesdienstteilnahme ist der Durchschnittswert; es gibt beträchtliche regionale Unterschiede. Am stärksten ist der Gottesdienstbesuch in den Diözesen Hereford (3,5 %) und Gloucester (3,4 %), am schwächsten in Liverpool (1,6 %), Birmingham (1,4 %) und Durham (1,2 %)., S. 29.

Rückläufig ist auch der Empfang der Sakramente. Im Jahre 2015 wurden 109.000 Kinder getauft (zum Vergleich: 125.000 Kindertaufen im Jahre 2005)., S. 30. 16.700 Gläubige ließen sich im Jahre 2015 firmen, 44 % von ihnen waren Erwachsene., S. 35.

Ökumenische Beziehungen