Die F. X. Meiller Fahrzeug- und Maschinenfabrik – GmbH & Co KG ist ein Hersteller von Aufbauten für Nutzfahrzeuge, insbesondere Kippbrücken für Muldenkipper. Daneben produziert das Unternehmen Hydraulik und Aufzugtüren. 1850 in München gegründet, befindet es sich bis heute in Familienbesitz.

Neben dem Stammwerk in München gibt es weitere Standorte in Karlsruhe sowie in Österreich, der Schweiz, in Polen, Tschechien, Frankreich und Spanien. In Zusammenarbeit mit LKW-Herstellern werden Fahrgestelle und Aufbauten aufeinander abgestimmt.

Geschichte 19. Jahrhundert: Gründung und Anfänge In München war im Jahr 1850 die Industrialisierung bereits weit fortgeschritten, als der 1821 geborene Schmied Lorenz Meiller in der Münchner Vorstadt Au ein Anwesen in der Lilienstraße 3 erwarb.Bei Kippern und Aufzugtüren weltweit Spitze, Süddeutsche Zeitung vom 28. August 2000. In Weißach am Tegernsee, wo er bei seinem Vater Michael das Schmiedehandwerk erlernt hatte, besaß er bereits eine Hammerschmiede.Königlich-bayerisches Kreis-Amtsblatt von Oberbayern vom 1. August 1856, abgerufen über deutsche-digitale-bibliothek.de, Direktlink. Er kaufte weitere Schmieden in Mauerkirchen bei Endorf, in Bad Heilbrunn und eine in der Nähe von München. Es wurden zunächst vor allem Pickel, Hacken und Schaufeln hergestellt, dazu erhielt er eine Konzession als Waffenschmied. Zu den geschmiedeten Werkzeugen kamen im Jahr 1861 auch Winden für die Forst- und Bauwirtschaft hinzu. Das gut gehende Schmiedegeschäft konnte 1881 der Neffe Franz Xaver Meiller (1852–1935) übernehmen, wonach Hand- und Sackkarren dazukamen.

1904–1945: Ausbau zum Industriebetrieb Im Jahr 1904 wurden die Weichen für die Zukunft gestellt, indem der erste Aufbau eines Windenkippers auf einen Lastkraftwagen gebaut wurde. Dies stellte die Geburtsstunde der „Meiller-Kipper“ dar. Nur die Herstellung von Karren war zu wenig, denn es sollte auch mit wenig Kraft viel Masse bewegt werden. Der erste Lkw-Windenkipper war erfunden, wobei zwei seitliche Winden an einen Lkw montiert wurden, (wörtlich:) „die mittels Kurbeln und Zahnstangen im Handbetrieb die Ladebrücke einseitig anhoben“. Ein Kipp-Anhänger folgte drei Jahre später.

F. X. Meiller wurde 1907 vom Prinzregenten Luitpold der Titel „Königlich Bayrischer Werkzeugfabrikant“ verliehen. Im Adressbuch stand: „Hammer- und Waffenschmiede und Windenmacher“. Die Seilwinden wurden zum Kippen der Lkw-Ladeflächen benötigt. Größere Aufträge erforderten eine Erweiterung der Produktion und Meiller baute eine neue Fabrik, denn die Kipper wurden europaweit exportiert. Bereits 1901 war er in Anerkennung seines sozialen Engagements zum Kommerzienrat ernannt worden; 1916 erhielt er für seine Verdienste in der Kriegsarmenpflege das König-Ludwig-Kreuz. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden Schwerlastfahrzeuge mit Nachläufer für Langmaterial produziert.

In München wurde 1918 das zuvor von Benno Danner gepachtete Fabrikgelände in der Landshuter Allee 20 (damals Hindenburgstraße) gekauft. Es wurden nun Schwingachsanhänger, Bremsen und Fahrzeug-Hebebühnen hergestellt. Der Verkauf von Meiller-Zahnstangenwinden, mit denen Kipper und Lkw-Anhänger ausgerüstet wurden, war erfolgreich. Ab 1924 wurde von seinen beiden Söhnen die erste motorbetriebene Hydraulikpumpe für einen Lkw entwickelt, die von Büssing bestellt wurde. Ab 1925 konnte der erste von Meiller gebaute hydraulische Dreiseitenkipper nach dem Patent von Jakob Wirz (Schweiz) zum weltweiten technischen Durchbruch verhelfen. Mit ihm entfiel das Umhängen der Winde, die Ladebrücke ließ sich nach drei Seiten kippen. Die dafür benötigte Hydraulik fertigte das Unternehmen selbst. Diese Entwicklung markierte den endgültigen Wandel des Unternehmens vom Handwerks- zum Industriebetrieb. 1935 starb Kommerzienrat F. X. Meiller sen. Seine Söhne übernahmen das Unternehmen, wobei F. X. Meiller jun. (geb. 1885) den Betrieb weiterführte.

Im Zweiten Weltkrieg war das Unternehmen in die Rüstungsproduktion eingebunden. Es fertigte unter anderem einen eigens konstruierten Transportanhänger für die V2-Rakete, der nach dem Hersteller als Meillerwagen bezeichnet wurde; mit diesen Anhängern wurden die Raketen unter anderem in Peenemünde zur Abschussrampe bewegt. Mit 500 Mitarbeitern konnte die Produktion bis zum Jahr 1944 aufrechterhalten werden. Ab diesem Zeitpunkt wurden bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges etwa 70 Prozent der Meiller-Fabrikhallen zerstört.

1945–2000: Nachkriegszeit und Internationalisierung mini|Früherer Firmensitz von Meiller im Jahr 2011 Die verbliebenen 100 Mitarbeiter begannen nach 1945 mit dem Wiederaufbau. Mit viel Improvisation begann die Produktion allmählich, da Fertigungsteile nach Markt Schwaben ausgelagert worden waren. Die Stromversorgung konnte nicht ordentlich aufrechterhalten werden, deshalb wurde von Ottenhofen ein Dieselmotor nebst Generator zur Stromerzeugung vorübergehend nach München geholt. Meiller übernahm im Jahr 1956 die Aktienmehrheit der Waggonfabrik Josef Rathgeber, die den Firmensitz in der Untermenzinger Straße im Münchener Stadtteil Moosach hatte. Rathgeber hatte unter anderem Straßenbahnen gebaut und fertigte später die ersten U-Bahn-Wagen für die Olympischen Spiele in München; danach wurde der Waggonbau eingestellt. Durch die Übernahme gelangte Meiller in den Besitz des Betriebsgeländes in Moosach, das später zum Firmensitz wurde.

Im Jahr 1962 übergab Franz Xaver Meiller (1885–1966)Siehe zu diesem die Geschäftsführung an die vierte „Meiller-Generation“. Sein Sohn gleichen Namens übernahm das Unternehmen. Das Wirtschaftswunder steigerte die Nachfrage. Im Jahr 1972 kam der erste Abrollkipper auf den Markt. Im Oktober 1974 wurde das Delta-Projekt initiiert, der bis dahin größte Auftrag der Unternehmensgeschichte. Die Sowjetunion bestellte insgesamt 10.000 Hinterkipper. Die Kippbrücken dafür wurden bis 1976 fertiggestellt, damit wurden rund 9500 Magirus-Deutz-Lkw ausgerüstet, um sie auf sibirischen Ölfeldern und beim Bau der Baikal-Amur-Magistrale (BAM) einzusetzen.

1986 hatte das Unternehmen rund 2000 Beschäftigte und in Karlsruhe konnte 1990 ein Werk eingerichtet werden, um Just-in-time-Lieferungen gerecht zu werden. Im Jahr 1993 folgte eine Produktionsstätte in Slaný bei Prag, Tschechien. Zu dieser Zeit trat die 5. Meiller-Generation, Robert Meyer und Franz Xaver Meiller, in das Unternehmen ein. Im Jahr 1995 wurde die Fertigung von der Landshuter Allee in das Werk Moosach, den ehemaligen Rathgeber-Standort, verlagert. 1996 folgte der Abriss des alten Firmengeländes.

Im Jahr 1998 gab es speziell für den französischen Markt und die Benelux-Länder Neuentwicklungen des Zweiseiten- und Hinterkippers. Zum europäischen Expansionskurs der Firma kam 1999 die Übernahme des IFE-Geschäftsbereichs Fahrzeugtechnik, mit der zwei weitere Produktionsstandorte in Österreich hinzukamen.

Ab 2000: Jüngere Unternehmensgeschichte 2002 entwickelte das Unternehmen eine elektronische Steuerung für den Abrollkipper. 2004 erwarb das Unternehmen die Produktgruppe Kipper von den Kögel Fahrzeugwerken. Im Jahr 2007 wurde im polnischen Niepołomice ein neues Montagewerk eröffnet. 2011 wurde in Russland die Gesellschaft Meiller Vostok (von für Osten) gegründet.

Am 1. Juli 2014 erfolgte der Spatenstich für ein neues Verwaltungsgebäude in der Ambossstraße in Moosach, an dem Gesellschafter aus drei Generationen der Eigentümerfamilien teilnahmen. Seit 2016 werden Stahlrahmen für die Lkw-Aufbauten in dem Werk in Slaný, Tschechien, produziert. Im Juni 2017 gab Meiller den Kauf des britischen Kipperherstellers Boweld Truck Bodies Ltd. bekannt. Der Kauf ermöglichte den Zugang zum britischen Markt.

Im Januar 2020 eröffnete Meiller Österreich ein neues Werk in Oed-Oehling. Die beiden Werke in Waidhofen an der Ybbs sowie Asten wurden dafür stillgelegt, da sie an ihre Produktionskapazitäten stießen. Die Belegschaft an beiden Standorten zog nach Oed um. Im März 2020 wurde der erste Kipper an einen Kunden übergeben.

Unternehmensstruktur Das Unternehmen ist seit 1850 im Besitz der Familie Meiller und Meyer, mehrere Mitglieder der Familie sind in mittlerweile siebter Generation in die Leitung des Unternehmens involviert. Sprecher der Gesellschafter ist Franz Meiller.

Die Geschäftsführung haben Michael Stomberg als Geschäftsführer und Carolin Nonaka als Finanzvorstand inne. Stomberg verantwortet die Unternehmensstrategie sowie die Bereiche Marketing und Kommunikation, IT und Digitalisierung, sowie Vertrieb, Produktmanagement und Service. 2025 beschäftigte das Unternehmen rund 2.000 Mitarbeiter.

Muttergesellschaft ist die F. X. Meiller Fahrzeug- und Maschinenfabrik – GmbH & Co KG mit Sitz in München; zum Konzern gehören daneben unter anderem die Meiller Aufzugtüren GmbH sowie Produktions- und Vertriebsgesellschaften in Österreich, der Schweiz, Polen, Tschechien, Frankreich, Spanien und dem Vereinigten Königreich.

Standorte mini|Meiller-Firmensitz in München-Moosach Das Unternehmen ist an folgenden Standorten angesiedelt: München, Deutschland Karlsruhe, Deutschland Oed-Oehling, Österreich Rüthi, Schweiz Slaný, Tschechien Niepołomice, Polen Erstein, Frankreich Boadilla del Monte, Spanien Deeside, Wales, Großbritannien

Literatur Marita Krauss: Die königlich-bayerischen Hoflieferanten. Volk Verlag, München 2008, zu F. X. Meiller, S. 146–155. ISBN 978-3-937200-27-9 Marita Krauss (Hrsg.): Die bayerischen Kommerzienräte. Eine deutsche Wirtschaftselite von 1880 bis 1928. Volk Verlag, München 2016, zu Franz Xaver Meiller: S. 564. Wolfgang Seidel: Die ältesten Familienunternehmen Deutschlands. FinanzBuch Verlag, München 2019, zu Meiller: S. 225–227. Thomas Dill, Florian Kibler: Teillastschaltbare Kupplung für wirtschaftlich arbeitenden Nebenabtrieb. In: ATZ heavyduty. Jg. 12, Nr. 3, 2019, S. 58–62.

Weblinks

Historie – Die königlich-bayerischen Hoflieferanten Die Geschichte von Meiller Lastauto Omnibus, Sonderheft 1986 – 100 Jahre LKW, S. 136, Vereinigte Motor-Verlage Internetpräsenz Meiller

Einzelnachweise

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