mini|Leehom Wang – Harbin Film Festival, 2011 mini|Leehom Wang – Hongkong, 2008
Alexander Leehom Wang (; * 17. Mai 1976 in Rochester, New York) ist ein US-amerikanischer Musiker, Musikproduzent, Regisseur und Schauspieler.
Während er in Europa erst durch seine Rolle in Ang Lees Gefahr und Begierde bekannt wurde, ist er in China und anderen Teilen Asiens vor allem als Sänger sehr bekannt. Leehom Wang ist in China auch als Werbefigur für zahlreiche Firmen wie COACH, Seiko, Garnier Men, Nikon, SONY Ericsson, McDonald’s und Fossil tätig.
Wangs Schulausbildung erfolgte an der Eastman School of Music, am Williams College und am Berklee College of Music. Seine Musikrichtung ist dafür bekannt, chinesische Elemente (z. B. Peking Oper, traditionelle Stile der ethischen Minderheiten sowie klassische Musik) mit Hip-Hop und R&B verschmelzen zu lassen. Leehom Wang begann seine Karriere 1995 in Taiwan. Er gewann viermal den Golden Melody Award, den „Grammy“ der taiwanisch-chinesischen Musik.
Am 14. April 2012 gastierte Wang auf einer Welttournee mit seinem aktuellen Programm Music Man II – Open Fire im Nationalstadion Peking. Es war das erste Popkonzert eines Solokünstlers, das in diesem Stadion, das für die Olympischen Spiele 2008 errichtet wurde, stattfand.
Schauspielkarriere Wang wirkte bereits während seiner High-School- und College-Zeit in einigen Musicals mit. Im Jahre 2000 stand er in seinem ersten großen Actionfilm China Strike Force, einer Hongkong-Produktion, neben Aaron Kwok, Norika Fujiwara, Ruby Lin und Coolio vor der Kamera. 2001 folgte The Avenging Fist (SciFi-Action) mit ihm in der Hauptrolle und Stars wie Sammo Hung und Yuen Biao in Nebenrollen. Wang spielte außerdem in den japanischen Filmen Moon Child (2003) und Starlit High Noon (2005). Seinen großen Schauspiel-Durchbruch erlangte er mit Ang Lees Film Gefahr und Begierde.
2009 spielte Wang neben Jackie Chan in Little Big Soldier den jungen General. Wangs Rolle hatte Chan ursprünglich für sich selbst geschrieben, jedoch kam es erst nach rund 20 Jahren zur Projektverwirklichung, so dass Chan in die Rolle des alternden Soldaten schlüpfte. Mit Love In Disguise trat Wang 2010 zum ersten Mal auch hinter die Kamera. Er führte Regie, schrieb das Drehbuch, die Filmsongs (die alle auf seinem Album „The 18 Martial Arts“ erschienen sind) und spielte die Hauptrolle neben seinen Schauspiel-kolleginnen Liu Yifei und Joan Chen. Love In Disguise wurde der umsatzstärkste Film eines Debüt-Regisseurs in der chinesischen Geschichte mit einem Gesamteinspielergebnis von über 60 Millionen RMB (über 6 Millionen Euro).
Leben und Musikkarriere Bereits als Kind lernte Wang Geige zu spielen; später brachte er sich selbst Klavier, Gitarre, Schlagzeug, Bass, Erhu, Xylophon und andere Instrumente bei. Nicht selten spielt er seine Alben im Alleingang im heimischen Tonstudio ein.
Kindheit und Karrierestart (1976–1997) Wang wurde in Rochester (New York) als zweiter von drei Söhnen einer Immigrantenfamilie aus Taiwan mit festlandchinesischen Wurzeln geboren. Sein Vater, ein Kinderarzt, und seine Mutter zogen in den frühen 60er Jahren für ihr fortführendes Universitätsstudium in die Vereinigten Staaten. Mit seinem älteren Bruder Leo, der seit seinem siebten Lebensjahr Geigenunterricht bekam, als Vorbild, entwickelte Wang selbst schon mit drei Jahren großes Interesse an der Geige. Er bat seine Mutter um Geigenstunden mit seinem Bruder, aber seine Mutter war in diesem jungen Alter dagegen. Als Wang sechs Jahre alt wurde, durfte er endlich am Unterricht teilnehmen. Im Teenager-Alter hatte er seinen ersten Klavier-Unterricht und brachte sich selbst das Gitarrespielen bei. Des Weiteren verdiente er sich mit verschiedenen Kleinjobs Geld, um sich ein gebrauchtes Schlagzeug zu kaufen.
Er besuchte die Jefferson Road Elementary School, Pittsford Middle School und machte seinen Abschluss an der Pittsford Sutherland High School in Pittsford, New York. Aufgrund seiner Leidenschaft zur Musik, schrieb er sich in daraufhin in das Williams College ein, mit den Hauptfächern in Musik und Asienwissenschaften. Er trat einer A-cappella-Gruppe namens The Springstreeters bei, welche einige Demostücke aufnahm.
Im Sommer 1995, während seines Ferienaufenthaltes bei seinen Großeltern in Taiwan, unterschrieb Wang seinen ersten Plattenvertrag mit BMG. Die Plattenfirma war durch einen selbstveranstalteten Talentwettbewerb, an dem Wang aus Lust und Laune teilnahm, aufmerksam geworden. Um sich solch eine Gelegenheit nicht entgehen zu lassen, begann er sofort mit den Vorbereitungen seines Debütalbums Love Rival, Beethoven, welches noch im Dezember erschien. Das Album wurde kaum beachtet und Wang musste das Label wieder verlassen. Im folgenden Jahr kam er bei Decca Records unter Vertrag. Decca war in zu dieser Zeit in Taiwan bekannt für seine „besonders leistungsstarken Sänger“ (實力派歌手). Das Label plante ursprünglich Wang als „romantisches Mainstream-Idol“ zu vermarkten. Als die Verantwortlichen jedoch Wangs weitumfassendes Musiktalent erkannten, warben sie für ihn stattdessen als „Super-Idol“ (優質偶像). Wang veröffentlichte in der ersten Jahreshälfte 1996 sein zweites Album If You Heard My Song, welches auch einige seiner eigenen Kompositionen umfasste. Er war Co-Autor des gleichnamigen Titelliedes, das vom Publikum positive Reaktionen erhielt. Das Album, so wie auch das folgende dritte und vierte Album, hatte eher mäßigen Erfolg und Wang wurde als „aufgehender Stern“ gefeiert. In dieser Zeit wurde Wang gebeten, sein Studium abzubrechen, um sich vollzeitig seiner Gesangskarriere widmen zu können, aber er bestand darauf, seine Studien beenden zu wollen. Während des Semesters studierte und komponierte er zu Hause in den USA; in den Semesterferien stand er im Studio oder promotete seine Musik in Taiwan.
Aufstieg (1998–2000) Wangs Vertrag mit Decca Records wurde nach der Veröffentlichung des vierten Albums White Paper im Sommer 1997 beendet. Im selben Sommer schloss er seinen Bachelor-Abschluss mit Auszeichnung am Williams College ab. Im August 1998 veröffentlichte er sein erstes preisgekröntes Album Revolution unter Sony Music Entertainment. Das Album verhalf ihn zum endgültigen Durchbruch und verkaufte über 10.000 Platten in der ersten Woche nach Veröffentlichung. Auch Kritiker lobten das Album in hohen Tönen und Wang wurde mit zwei Golden Melody Awards (dem taiwanischen Grammy) als „Bester Produzent“ sowie „Bester Mandarin-Sänger“ ausgezeichnet. Er war der bis dahin jüngste, in beiden Kategorien ausgezeichnete, Künstler. Wang wird seit dem Erfolg von „Revolution“ jährlich für den „Besten Mandarin Sänger“ nominiert. Die Singleauskopplungen von Revolution erreichten ähnlichen Erfolg: Das Titellied des Albums Revolution wurde Leehom Wangs erste „Nummer 1“ und war in den „Top 20“ der Jahrescharts des Musikkanals Channel V Taiwan.
Er setzte sein Master-Studium am Berklee College of Music fort, mit „Gesang als sein Hauptinstrument“. Wangs sechstes Album Impossible to Miss You erschien im Jahre 1999 und kombinierte die eingängigen Pop-Melodien von Revolution mit einem skurrilen Stil des neu-entdeckten Dance-Pops. Es wurde sein bis dato bestverkauftes Album mit über 1 Million Platten. Alle Singleauskopplungen des Albums erreichten höhere Plätze der Karaoke- und jährlichen Musikcharts, insbesondere das peppige Julia und die Ballade Crying Palm (Liu Lei Shou Xin). Nun erreichte Leehom Wang auch internationale Aufmerksamkeit – Wang gewann gleich dreimal den „Besten Sänger“-Preis bei drei verschiedenen Preisverleihungen und wurde ebenfalls für seine musikalischen Verdienste des aktuellen Albums bei den 1. Asia Chinese Music Awards mit einem Preis belohnt.
Um die Jahrtausendwende begann Wang mit den Dreharbeiten zu mehreren kantonesisch-sprachigen Hongkong Blockbustern, welche ihn dazu inspirierten, die kantonesische Sprache zu erlernen. Er veröffentlichte auf der Hong-Kong-Version seines siebten Albums Forever’s First Day (2000) das kantonesische Lied Love My Song (Ngoi Nog Dik Goh) als Bonustrack. Anders als seine vorherigen zwei Alben, wandte sich Forever’s First Day hauptsächlich melodischen R&B-Stücken zu. Die gleichnamige Single ist eine tragische, romantische Ballade, die von der Trennung zwei Individuen handelt. Obwohl Wang in New York aufwuchs, spürte er seit dem Umzug nach Taiwan seine chinesischen Wurzeln. Forever’s First Day lieferte aus diesen neu gewonnenen Stolz eine Coverversion von Descendants of the Dragon, das Lied, mit dem bereits einige Jahrzehnte zuvor sein Onkel erfolgreich gewesen war. Wang arrangierte das Lied mit stärkeren Rock- und Dance-Elementen komplett neu. Der Song enthielt außerdem eine neue englische Rap-Bridge, die die Erlebnisse seiner Eltern als chinesische Migranten in New York zusammenfasste.Descendants of the Dragon Songtext auf absolutelyrics
Internationaler Erfolg (2001–2003) Wangs nächstes Album The One and Only (2001) erreichte einen phänomenalen internationalen Erfolg. Allein in Asien verkaufte es sich über eine Million Mal und das rock-inspirierte Werk gewann über sieben verschiedene Auszeichnungen in den Jahren 2001 und 2002. Das Titellied The One and Only (Wei Yi) erreichte in fast allen taiwanischen Musikcharts die Spitzenposition und war über ein Jahr die Nummer eins der einheimischen Klingelton-Download Charts, was das Lied zu Leehom Wangs Aushängeschild werden ließ. The One and Only fand auch in Japan seine Anhänger, was Wang dazu ermutigte, seine erste japanische Langspielplatte The Only One am 9. Mai 2003 zu veröffentlichen. Das Album hatte nur eine Single, eine japanische Version von The One and Only, und hatte nicht den erwarteten Erfolg in Japans Oricon-Charts. Wang begann währenddessen mehrere japanische Filme zu drehen, welche seine Popularität in Japan ankurbelten.
2003 startete Wang seine erste große Asien-Tournee The Unbelievable Tour, nur wenige Monate vor Veröffentlichung seines neunten Albums Unbelievable. Die Konzerte erhielten sehr gute Rezensionen von Fans und Musikkritikern; man war beeindruckt und zugleich geschockt von seinem neuen Hip-Hop-Image. Sein R&B/Hip Hop-inspiriertes Album Unbelievable beinhaltete neue Nummern mit Hip-Hop-Einflüssen von verschiedenen Stilen der Popmusik, wie Indiepop und Urban-Pop. Das Album markiert einen Meilenstein in seiner Musikkarriere; sein neues Image erhielt internationales Kritikerlob und war ein Chartstürmer mit über 1,5 Millionen Einheiten bis 2004. Eine Sonderauflage (celebratory version) des Albums erschien drei Monate später und wurde genauso ein großer Erfolg. Die Singleveröffentlichungen, insbesondere die Ballade You’re Not Here (Ni Bu Zai), feierten ebenfalls internationale Erfolge. You’re Not Here war an der Chartspitze verschiedener Musikcharts für über 10 Wochen. Mit Unbelievable erhielt Wang zum zweiten Mal den Golden Melody Award als „Bester Produzent“ im Jahre 2004.
Chinked-out (2004–2006) Mit seinem neu gefestigten Status als einer der einflussreichsten und produktivsten chinesischen Künstler der chinesischen Musik, setzte Wang seine Arbeit im Erfinden und Experimentieren von neuen Sounds und Stimmen fort. Für den Großteil des Jahres 2004 reiste er zu abgelegenen Dörfern Chinas, um ungehörte Stammesklänge der chinesischen Ureinwohner, tibetische und mongolische Musik zu sammeln. Mit seinem jüngeren Bruder Leekai als sein Assistent, trugen sie 15 kg Musik-Ausrüstung mit sich, um ihn diese Sounds aufnehmen zu lassen und sein Album unterwegs aufzunehmen und zu produzieren. Er integrierte die gesammelten Klänge in R&B und Hip-Hop und nannte diesen selbstkreierten Stil „Chinked-out“. Trotz der ursprünglich abfälligen Bedeutung des Begriffes „chink“ (ähnlich dem deutschen Ausdruck ‚Schlitzauge‘), wollte Wang mit dieser Namensgebung das Wort wieder salonfähig und „cool“ machen.