mini|225px|Die Westseite heute (2017) mini|Die Lage des Katharinenklosters im Norden der Rostocker Altstadt

Das Rostocker Katharinenkloster war eine Klosteranlage der Franziskaner im Stil der Backsteingotik, von der einige bauliche Reste erhalten sind. Das Kloster war Katharina von Alexandria geweiht; es entstand vor der Mitte des 13. Jahrhunderts und wurde infolge der Reformation aufgelöst. Von 1998 bis 2001 wurden an die verbliebenen historischen Bauten moderne Gebäude angefügt, in denen heute die Rostocker Hochschule für Musik und Theater ihren Sitz hat.

Lage mini|Die Lage nahe der Warnow (Blick von Osten) mini|Klostermauer und Neubau der Hochschule (2017)

Das vor 1243Sandra Groß: Rostock: Kloster S. Katharina (Ordo Fratrum Minorum/Franziskaner). 1.2.1 Gründungsjahr, Gründer, Mutterkloster. In: Wolfgang Huschner u. a.: Mecklenburgisches Klosterbuch. Band II, Rostock 2016, S. 873. gegründete Katharinenkloster war neben dem Dominikanerkloster St. Johannis, das völlig aus dem Stadtbild verschwunden ist, und dem weitgehend erhaltenen Zisterzienserinnenkloster Zum heiligen Kreuz eins der drei mittelalterlichen Klöster innerhalb der Stadtmauern. Ein viertes, das Kartäuserkloster Marienehe, befand sich in der Nähe des gleichnamigen Dorfes und wurde 1559 abgerissen. Von diesen vier Anlagen gilt das Katharinenkloster als das älteste.

Die Klosteranlage befindet sich im Nordabschnitt der historischen Rostocker Altstadt, also des Gebietes zwischen einem „Grube“ genannten damaligen Nebenarm der Warnow, der heutigen Grubenstraße, und der östlichen Stadtmauer. Im Süden wird die Anlage von den Straßen Beim Waisenhaus und Beim Katharinenstift begrenzt, während das recht weiträumige Klostergelände im Westen durch die Grube und im Osten durch die Faule Straße eingerahmt wird. Es war ein Merkmal aller innerstädtischer Klöster in Rostock wie auch in mehreren anderen mecklenburgischen Städten, dass sie in der Nähe zur Stadtmauer errichtet wurden. Das Katharinenkloster befand sich nah der hafenseitigen Mauer, von welcher zwischen Gruben- und Wendenstraße ein einziges Teilstück erhalten blieb. Es war verkehrsmäßig günstig an den Hafen und den Altstadtmarkt angebunden.

Die Klosterkirche befand sich im Süden der Anlage, westlich davon lag der Friedhof des Klosters. Nördlich von Friedhof und Kirche schlossen sich, verbunden durch den Kreuzgang, zwei Wohn- und Wirtschaftsgebäude an.

Geschichte mini|Rekonstruierte Ansicht (Blick von Norden)

Gründung Der erste schriftliche Beleg für die Anwesenheit von Brüdern des 1210 gegründeten Franziskanerordens stammt von 1243, da in einer Rostocker Urkunde aus diesem Jahr ein Mitglied dieses Ordens erwähnt wird, und zwar Eylardus fratrum minorum gordianus („Eylardus, Guardian der Minderbrüder“). Die Franziskaner wurden wegen ihrer Kleidung auch als Graue Brüder bezeichnet. Sie gingen barfuß. Die Bezeichnung Eylards als Guardian weist darauf hin, dass zu dem Zeitpunkt ein Konvent mit mehreren Mitgliedern bestand und dass der Obere dieser Niederlassung in der Stadt bereits so angesehen war, dass er als Zeuge eines Rechtsaktes auftreten konnte.Ingo Ulpts: Die Bettelorden in Mecklenburg. Werl 1995, S. 34f. Die Gründung des Franziskanerklosters in der damals noch jungen Kaufmannstadt Rostock erfolgte also einige Jahre vor 1243 und ging wohl vom 1225 gegründeten Lübecker Katharinenkloster aus, jedenfalls gehörte das Kloster dann zur Lübecker Kustodie der sächsischen Ordensprovinz („Saxonia“). Archäologische Untersuchungen ergaben, dass bereits ab 1234 Baulandgewinnungsmaßnahmen auf dem Gelände beschrieben wurden, durch die ein Strandabschnitt der unteren Warnow in hochwassersicheres Bauland umgewandelt wurde.Sandra Groß: Rostock: Kloster S. Katharina (Ordo Fratrum Minorum/Franziskaner). 1.2.1 Gründungsjahr, Gründer, Mutterkloster. In: Wolfgang Huschner u. a.: Mecklenburgisches Klosterbuch. Band II, Rostock 2016, S. 874.882.

Das Kloster wurde auf einem ehemaligen wendischen Burggelände auf einer Anhöhe am Amberg erbaut. Als Stifter kommt Fürst Heinrich Borwin III. in Frage, zu dem der erste Guardian Eylard offenbar guten Kontakt hatte. Eylard war von 1248 bis zu dessen Tod 1249 auch Beichtvater des Schweriner Bischofs Wilhelm und hatte insgesamt eine große Bedeutung für die gesellschaftliche Anerkennung des Franziskanerordens in Mecklenburg.Ingo Ulpts: Die Bettelorden in Mecklenburg. Werl 1995, S. 36.42. Ursprünglich lag die Klosteranlage auf einem der weniger begehrten Bauplätze vor der westlichen, aus Holz errichteten Stadtgrenze der eigentlichen Altstadt, da diese sich zunächst am Altstadthügel um die Petrikirche konzentrierte. Recht schnell wurde jedoch auch das zur Grube hin abfallende Gelände besiedelt, so dass das Kloster in die 1265 entstandene Gesamtstadt Rostock miteinbezogen wurde. In der Nachbarschaft des Klosters waren vor allem Handwerker und Kleinhändler – Krämer, Schlachter, Bäcker – ansässig.Ingo Ulpts: Die Bettelorden in Mecklenburg. Werl 1995, S. 38.

mini|Grundriss der heutigen Hochschule für Musik und Theater mini|Erhaltenes Spitzbogenportal der gotischen Klosterkirche mini|Der Kreuzgang (2015)

Eine Klosterkirche wurde 1259 als ecclesia fratrum minorum in Rostoch zum ersten Mal erwähnt. Die erste Kirche war wahrscheinlich eine spätromanische Saalkirche aus dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts, die die Franziskaner bei der Klostergründung übernahmen. Ein Stadtbrand zerstörte diese Kirche und erste hölzerne Klosterbauten im Jahr 1262. Die dann errichtete Klosterkirche war eine einfache dreischiffige, frühgotische Hallenkirche mit kurzem, zweijochigen Chor im Stil einer Bettelordenskirche mit dem Patrozinium der heiligen Katharina von Alexandrien. Gleichzeitig entstanden steinerne Klosterbauten nördlich der Kirche um einen Hof, die im 14. und 15. Jahrhundert mehrfach erweitert und umgebaut wurden. Im Erdgeschoss des Ostflügels, der an den Chor der Kirche anschloss, lagen Versammlungsräume, möglicherweise der Kapitelsaal und eine geheizte „Konventsstube“ als Arbeits- und Besprechungsraum. Im Stockwerk darüber befand sich das Dormitorium zum Schlafen und Arbeiten („lese und Slaphuse“), höchstwahrscheinlich mit Zellen-Einbauten für die einzelnen Brüder, wie es bei den Franziskanern üblich war. Im Obergeschoss des Westflügels verfügte das Kloster wahrscheinlich über einen Saal, der für Versammlungen mit Laien oder als Bibliothek genutzt worden sein könnte. Die zum Teil erhaltenen Kreuzgänge waren mit Kreuzrippengewölben überfangen und öffneten sich mit Spitzbogenarkaden zum Innenhof. Auch die Kirche wurde Baumaßnahmen unterzogen, das Langhaus erhielt möglicherweise erst nachträglich ein Gewölbe, und im 14. Jahrhundert wurde ein hoher spätgotischer Langchor mit Gewölbe gebaut.Leonie Silberer: Rostock: Kloster S. Katharina (Ordo Fratrum Minorum/Franziskaner). 7.2 Baugeschichtliche Entwicklung und 7.5 Kunstgeschichtliche Einordnung. In: Wolfgang Huschner u. a.: Mecklenburgisches Klosterbuch. Band II, Rostock 2016, S. 882–885.888.891ff.

Bereits 1283 tagte im Katharinenkloster das Provinzkapitel der Saxonia; dafür standen offenbar inzwischen ausreichend große Räumlichkeiten zur Verfügung. Möglicherweise unterhielt das Kloster in der Petrivorstadt bis 1325 eine Ziegelei, die 1360 abgerissen wurde. Weitere Provinzkapitel tagten 1310, 1343, 1388 und 1509 in Rostock.Sandra Groß: Rostock: Kloster S. Katharina (Ordo Fratrum Minorum/Franziskaner). 1.2.1 Gründungsjahr, Gründer, Mutterkloster. . In: Wolfgang Huschner u. a.: Mecklenburgisches Klosterbuch. Band II, Rostock 2016, S. 874f. Im Klarissenkloster Ribnitz waren Franziskaner aus Rostock und Wismar mehrfach als Beichtväter tätig und vertraten als Guardiane den Nonnenkonvent kirchen- und zivilrechtlich nach außen. In Güstrow unterhielten die Rostocker Franziskaner, genau wie die dortigen Dominikaner, eine Terminei zum Almosensammeln und als seelsorgerlichen Stützpunkt. Mit der Gründung eines observanten Franziskanerkonvents in Güstrow 1509 wurden die Rostocker Brüder aufgefordert, sich von dort zurückzuziehen.Ingo Ulpts: Die Bettelorden in Mecklenburg. Werl 1995, S. 35f.39.173.175.312f.

14.–16. Jahrhundert Das Kloster war ins politische und gesellschaftliche Leben der Stadt Rostock eingebunden. Im Kloster fanden öffentliche Versammlungen statt und wiederholt beglaubigten oder transsumierten die Klosteroberen Urkunden oder traten als Zeugen in Gerichtsverfahren auf; so sagten sie 1373 zugunsten des Bürgermeisters und des Stadtrates aus, als Bischof Friedrich von Schwerin gegen diese beim Papst schwere Vorwürfe wegen Ungerechtigkeiten und Vergehen erhoben hatte. Bei innerstädtischen Auseinandersetzungen traten die Franziskaner nicht besonders in Erscheinung. Das Verhältnis zum Pfarrklerus in Rostock verlief ohne Spannungen, es gab vereinzelt sogar Stiftungen von Weltpriestern an die Mendikantenklöster. Die Klosterkirche diente seit dem 14. Jahrhundert als Grablege für Rostocker Familien.Ingo Ulpts: Die Bettelorden in Mecklenburg. Werl 1995, S. 172.178.183.Heiko Schäfer: Rostock: Kloster S. Katharina (Ordo Fratrum Minorum/Franziskaner). 7.4 Materielle Kulturgeschichte, Bauausstattung. In: Wolfgang Huschner u. a.: Mecklenburgisches Klosterbuch. Band II, Rostock 2016, S. 891.

mini|Innenhof der Hochschule für Musik und Theater mit Kreuzgang („Klosterhof“, Nord- und Ostflügel, 2017)

Das Kloster war eines der Generalstudienhäuser der Saxonia zur theologischen und philosophischen Ausbildung des Ordensnachwuchses. An der 1419 gegründeten Universität Rostock studierten mehrfach Franziskaner, die von den Ordensoberen verschiedener Provinzen dorthin versetzt wurden und nach dem Studium als Lektoren für Theologie und Philosophie in anderen Klöstern wirken sollten, so etwa Thomas Murner aus Straßburg. Mit seiner umfangreichen, nur zum kleinen Teil erhaltenen Bibliothek war das Katharinenkloster eines der geistigen Zentren in Rostock. Die über 640 Drucke deckten viele Bereich des mittelalterlichen Wissens ab; neben theologischen und philosophischen gab es auch medizinische, juristische, astronomische und historiographische Werke.Sandra Groß: Rostock Kloster S. Katharina (Ordo Fratrum Minorum/Franziskaner). In: Wolfgang Huschner u. a.: Mecklenburgisches Klosterbuch. Band II, Rostock 2016, S. 875.879. Als akademische Lehrer waren die Provinzialminister Matthias Döring und Eberhard Runge sowie der Theologe Johannes Bremer an der Universität tätig.Ingo Ulpts: Die Bettelorden in Mecklenburg. Werl 1995, S. 179f.

Die Franziskaner erhielten durchgehend Stiftungen und Vermächtnisse, die aber, entsprechend der im Orden geltenden Armutsregeln, nicht in ihren Besitz übergingen, sondern von Rostocker Ratsmitgliedern als Prokuratoren verwaltet wurden. Einzelne Stifterinnen nahmen in der Nähe des Konvents Wohnung – so in einem Nachbarhaus einige Beginen, mit denen die Franziskaner im 13. und 14. Jahrhundert Kontakt pflegten – oder wurden als Mägde in die Konventsgemeinschaft aufgenommen. Dennoch gerieten die Franziskaner zeitweise in wirtschaftliche Schwierigkeiten, etwa um die Wende zum 14. Jahrhundert.Ingo Ulpts: Die Bettelorden in Mecklenburg. Werl 1995, S. 39–42.172.