Das Aupatal (; furlanisch Val Aupe; slowenisch Aupaska Dolina) ist ein nördliches, dünn besiedeltes Seitental der Fella in Friaul, Oberitalien, im Grenzbereich der Karnischen und Julischen Alpen, das bei Moggio Udinese auf etwa 299 m.ü.Adria ins Eisental mündet. Die Talschaft wird von mehreren Zweitausendern – vornehmlich aus Kalkgestein – flankiert. Dordolla im mittleren Aupatal ist der größte Ort. Eine Straße entlang der Aupa führt von Moggio Udinese nach Pontebba im Kanaltal. Das Aupatal ist ein Beispiel für einen peripher gelegenen, strukturschwachen Raum, in dem sich die Konsequenzen der Gebirgsentvölkerung sehr deutlich zeigen.
Geografie mini|links|Der dominante Berg des Tales, die Creta Grauzaria Das Aupatal liegt im nördlichen Bereich von Friaul, in der Montagna Friulana in der Region Canale di Ferro und gehört zum Gemeindegebiet von Moggio Udinese. Es ist ca. 15 km lang und erstreckt sich über ein Höhengefälle von 299 m bei der Mündung in das Eisental bis auf 2066 m Seehöhe beim Pass Sella di Cereschiatis. Durch das Tal fließt der Gebirgsbach Torrente Aupa, der zum Flusssystem des Tagliamento gehört. Bei der Einfahrt in das Aupatal von Süden unterquert man das 209 Meter lange Val-Aupa-Viadukt der Pontafelbahn, das den Campiolo-Monte-Palis-Tunnel und den 9222 Meter langen Zuc-dal-Bor-Tunnel verbindet. Das in nordsüdlicher Richtung verlaufende Aupatal verschmälert sich zum Ende hin und ist rechts und links von schroffen Kalksteingipfeln umgeben. Das Tal endet am bewaldeten Sattel Sella Cereshiatis (1072 m). Bald nach diesem Pass am Weg nach Pontebba hinunter liegen die Weiler Località Aupa und Frattis mit dem Nebental Val Gleris zur schroffen Zuc-dal-Bôr-Gruppe hin. Am Fuße der Crete di Gleris gibt es eine Langlaufloipe.
Der Boden im Aupatal ist im unteren Bereich kalkhaltig, im oberen Bereich von den Erosionsprodukten der anstehenden Flyschfazies geprägt. Die Westflanke im unteren Tal ist durchwegs steil. Auf der Ostseite gibt es Bereiche mit geringerer Steigung und Bereiche mit noch nicht zugewachsenen Wiesen. Im oberen Bereich hingegen ist die Westseite besser für die Landwirtschaft geeignet, während sich auf der Ostseite alte Wälder befinden. Insgesamt gibt es durch die Aufgabe der Landwirtschaft viel Verbuschung und nachwachsenden Wald. Anfang des 20. Jahrhunderts galt Holz noch als Mangelware.
Verkehr Das Aupatal ist am besten mit dem Auto erreichbar. Eine Straße (Strada Provinciale 112) zieht sich entlang der Aupa von Moggio Udinese nach Pontebba im Kanaltal. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Aupatal aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte der Region schwerer erreichbar. Seit der weitgehenden Vertunnelung der Pontafelbahn liegt die nächste Bahnstation in Carnia, einem Ortsteil von Venzone. Ab dort geht es mit dem Autobus weiter nach Moggio Udinese und von dort mit einer anderen Autobuslinie ins Aupatal über Dordolla nach Bevorchians.
Orte im Aupatal
Weder Talgründe noch Schwemmkegel oder Talschlüsse eignen sich gut als Siedlungsraum. Durch das stauende Hochgebirge und die Adrianähe gibt es sehr hohe Niederschläge. Vor allem im Herbst kann es Starkregen geben. Hochwässer und Felsstürze führen zu ausgedehnten Schotterflächen. Das Tal ist sehr dünn besiedelt und hatte 175 Einwohner im Jahr 2015.
Pradis (470 m) ist die erste Ortschaft des Tales am Fuße des Masareit (1459 m) mit einigen Häusern im Tal und am Osthang des Tales. Das obere Dorf (480 m) bei einigen Rasenterrassen auf der Ostseite des Tales. Pradis wurde schon 1448 unter dem Namen Seletti Pradis erwähnt. Von hier führt eine Straße in den Naturpark im Val Alba bzw. nach Virgulins (700 m) und Drentus (720 m), wo es eine AgriKultura Alpina gibt. Geologisch betrachtet liegen die Ortschaften Moggio Basso und Borgo Aupa auch schon im Aupatal. Seit der Flussregulierung von 1770 werden sie aber eher als zum Fellatal gehörend gesehen.
Chiaranda oder Cjarande, für Zaun oder Mauer, liegt im Tal und besteht aus etwa zwanzig Häusern, einem Rasthaus und dem Brunnen l’Aip dai Cjavai. Nach dem Hochwasser von 2003 wurde die Straße komplett erneuert. Erstmals erwähnt wurde der Ort 1341 als Stauli Cjaranda.
mini|Borgo di Mezzo im Monticello Grauzaria, furlanisch Grauçàrie (520 m) sind einige Häuser am Zusammenfluss des Rio Forcja des Torrente Aupa. Das Dorf liegt an der Westseite des Tales bei einer grasbewachsenen Terrasse am Fuße der Creta Grauzaria. Die frühere Mühle von Grauzaria ist jetzt eine Forellenzucht. Von hier aus führt eine steile Straße in die Dörfer des Monticello (840 m), wo die Weiler Badiuz, Borgo di Mezzo und Morolz liegen. Von Morolz führt ein Wanderweg in die verlassene Ortschaft Moggessa di Là. Zu Grauzaria gehört auch der Weiler Plan des Staipie, der bis in die 1960er-Jahre bewohnt war.
mini|Dordolla mini|Dordolla, S.Floriano Dordolla ist der gegenwärtig größte Ort. Er liegt im mittleren Aupatal etwas oberhalb des Talbodens auf einer Terrasse (630 m). Die Zufahrtsstraße führt über eine neue errichtete Brücke über die Aupa auf die Ostseite des Tales. Etwas weiter taleinwärts gibt es eine Hängebrücke, über die ein Fußweg zur Nordseite des Ortes führt. Markant ist die Kirche des St. Florian aus den Jahren 1891 bis 1895 auf einer Klippe über dem Fluss. Die durch ein Beben zerstörte Kirche wurde auf Beschluss der Oberhäupter der Familien von Bevorchians (damals 65) und jener von Dordolla (damals rund 50) kooperativ an Stelle der alten Kapelle wieder errichtet. Obwohl größer, etablierte sich Bevorchians nicht als Kirchort. 1915 wurde der Kirchweg der Bevorchianer, der nördliche Zugangswegs nach Dordolla, besser ausgebaut. Hinter Kirche und Friedhof liegt ein zentraler Parkplatz, die Piazza des Ortes mit einer Bar und Alimentari. Zum dicht bebauten Teil des Dorfes sind es noch 200 Meter bergauf, wohin alle Materialien mit Rodel oder Schubkarre transportiert werden mussten. Das Renovieren von Häusern ist unter diesen Umständen sehr aufwändig. Wohl auch deshalb hat sich in Dordolla bis heute ein sehr harmonisches Ortsbild erhalten. Die engen Gassen wirken beinahe etwas venezianisch. Im Volksmund heißt es sogar: „Venezia è bella, Dordolla è sua sorella.“ (Venedig ist schön, Dordolla ist seine Schwester). Der Ortsname leitete sich vom slowenischen dol, für Tal ab, wie auch andere Flurnamen der Umgebung, die im Rahmen eines Kulturprojekts sehr detailliert erhoben wurden.Christopher Thomson: The Place Between. Photographs of landscape form a mountain village amidst.Il luogo in mezzo. Fotografie della metamorfosi paesaggistica attorno ad un villagio di montagna. Platin Press, 2013. ISBN 978-0-9569404-5-2. Durch das Fehlen der Menschen und der Einstellung der Bewirtschaftung der abgelegenen Felder und dem Wechsel zum Auto verschwinden viele Jahrhunderte lang benutzte alte Fußwege und mit ihnen die Flurbezeichnungen. Gegenwärtig hat der Ort etwa 40 ständigen Bewohner. 1936 waren es noch 346. Typische Familiennamen in Dordolla sind Della Schiava, Di Gallo, Faleschini, Filaferro, Gallizia, Not, Tolazzi oder Moretti. Die verbleibenden Bewohner lieben den Slogan Dordolla non molla! (Dordolla lässt nicht locker). Arbeitsmöglichkeiten im Ort gibt es praktisch keine. Man pendelt nach Moggio, arbeitet im Handwerk, öffentlichen Dienst, in der Papierfabrik oder bei Zivilschutz, Bergwacht oder Feuerwehr. Dennoch gibt es auch neu zugewanderte Bewohner.
Fußwege führen von Dordolla nach Soval (750 m), Virgulins und Drentus. Die beiden Weiler sind nur von Pradis di Sopra via Auto erreichbar, liegen aber durch den 15-minütigen Fußweg viel näher an Dordolla. Hier gibt es eine biologische Landwirtschaft. Es werden Plezzana Schafe gehalten und typische friulanische Nutzpflanzen wie Kartoffeln oder Bohnen. Die Agricoltura Alpina Tiere Viere (Friulanische Erde) ist bis auf eine Almhütte auf der Creta Grauzaria momentan die einzige Übernachtungsmöglichkeit im Aupatal. Etwas oberhalb der Orte befindet sich die aufgegebenen Neideralm Pustòts. Die kleinteilige und vielgestalte Kulturlandschaft mit Wiesen, Felder und Hausgärten lässt sich gut bei Wanderungen rund um das Dorf erkunden.
Ein neu gegründeter Verein Cort dai Gjats setzt sich für die Erhaltung von Dordolla und die umgebende Kulturlandschaft ein. Seit 2012 ist das Kulturhaus wieder nutzbar. In Dordolla haben sich Menschen gefunden, die entgegen jeder wirtschaftlichen Vernunft gegen Niedergang und Abwanderung ankämpfen. Es gibt immer wieder außergewöhnliche kulturelle Veranstaltungen im Ort wie 2014 das Ausstellungsprojekt Ewige Baustelle | Večno Gradbišče | Cantiere Continuo.
Auf der steilen Westseite gegenüber von Dordolla liegen Fassoz (624 m) und Zais (540 m), das seit 2014 unbewohnt ist. Weitere Weiler oberhalb von Dordolla sind Belcis, Gallizis und Nanghets e la cite, seit 1995 unbewohnt.
Bevorchians weiter hinten im Tal bedeutet Wegverzweigung und ist der Name für etwa fünfzehn Dörfer (borgate) und Weiler (casali) an den Hängen verstreut um eine ca. 2 km lange Hochebene entlang der Westseite des Tales. Die Namen der Weiler sind Cjampiui, Coset, Belcis, Culos, Frucs (unbewohnt seit 2012), Galizis, Gravons (unbewohnt seit 1980) und Matanins (seit den 1990er Jahren verlassen). Die Streusiedlung wurde 1338 erstmals als Bavorchans erwähnt und liegt etwa auf 690 m. Bevorchians war lange der größte und wohlhabendste Bereich im Tal. Der geologische Aufbau unterscheidet sich vom mittleren und unteren Aupatal. Der Boden ist Flysch-artig und damit ertrag- und grasreicher als der Kalkboden. Aber nicht nur die Landwirtschaft war leichter. Es gab neben der Wanderarbeit weitere Erwerbsmöglichkeiten. Auf der hier steilen Ostseite des Tales konnte hochwertiges Holz in den Wäldern von Griffon, Laduset, Valeri und Lius geschlagen werden. Im Bereich Gravons-Nais-Griffon gab es im Zeitraum 1972–1980 noch eine Valtellina-Umlaufseilbahn, die nur mit Schwerkraft funktioniert. Eine weitere wichtige Einnahmequelle von 1872 bis 1953 war der Bergbau in Rio da li Fous. In Bevorchians gab es in der wirtschaftlichen Blütezeit (487 Einwohner im Jahre 1944) die größte Zahl von Molkereien im Tal, es waren zehn, zwei Sägewerke und vier Mühlen. In Coset gab es bis Anfang der 1920er Jahre die Mulin Dodoine Moroldo, aus der später eine Molkerei wurde. Die Mühle Cucjâr bei Pustote wurde ein Opfer des Hochwassers von 1920. In Bevorchians wurden die meisten Rinder, 210 Stück, im Jahr 1925 gehalten und damit auch die umfangreichsten Heuwiesen (ca. 220 h). Hier existierte ab 1922 die erste und einzige Milchgenossenschaft des Tales, die 1976 den Betrieb einstellte. Hier gab es ab 1880 die erste Schule, die 1970 auch als letzte Schule des Tales geschlossen wurde. Innerhalb von ca. 70 Jahren ist die Einwohnerzahl auf weniger als ein Zehntel, zuletzt auf 36 Einwohner, gesunken. Seit 1990 ist Dordolla der bevölkerungsreichste Ort. Etwas oberhalb von Bevorchians liegt Saps. Bekannt ist das Gebiet um Bevorchians auch, weil dort in höherer Lage in Gran Cuel (963 m), Costa De L’Andri (971 m) und Costa Mozza (962 m) einige sehr stabile, also erdbebenresistente Häuser stehen. In früherer Zeit (Zensus 1891) waren die Häuser ganzjährig bewohnt. In Gran Cuel lebte bis 1927 die Bergführerfamilie Filaferro. Die Kreta Grauzaria wurde 1893 von Arturo Ferrucci und Emilio Pico geführt von den Brüdern Giovanni (1855–1938) und Giacomo Filaferro (1870–1942) von Bevorchians aus bestiegen. Giovanni Filaferro war der erste zertifizierte Bergführer im Aupatal. Costa de Andri war bis Mitte der 1970er Jahre zeitweilig bewohnt. Am Fuße der Nordwand der Kreta hält sich gelegentlich ein Schneefeld trotz geringer Höhenlage (1225 m) auch über den Sommer. Im Juli 2009 hatte es eine Länge von rund 70 m und war 25 m breit. Als der erste Neuschnee im Dezember kam, war es immer noch ca. 10 m lang.
Bevölkerung mini|Aufgegebene Niederalm bei Drentus