Der Landkreis Ammerland ist ein Landkreis im Nordwesten von Niedersachsen. Bis zur Verleihung des Stadtstatus an den Kreishauptort Westerstede am 28. Mai 1977 wies der Landkreis die Besonderheit auf, über keine einzige Stadt im Kreisgebiet zu verfügen.
Geografie Lage mini|Parklandschaft Ammerland. Im Hintergrund das Zwischenahner Meer.
Das Ammerland gehört größtenteils zur Ostfriesisch-Oldenburgischen Geest. Im Südwesten flacht dieser Geestrücken sanft über große Randmoore in die Leda-Jümme-Niederung ab, nach Osten hin gibt es ein relativ starkes Gefälle in Richtung der Wesermarsch, von der ein kleiner Teil dem Landkreis Ammerland zugeordnet ist. Lange Zeit lag das südliche Ammerland isoliert als Siedlungsinsel in einem Meer unwegsamer Hochmoore. Noch heute ist die baumarme Weite der Moore besonders im Osten und Süden charakteristisch für die Ammerländer Landschaft. Der größte Teil dieser Moorfläche wird heute als Dauergrünland genutzt. Die Geestgebiete sind traditionell durch eine Mischung aus kleinen Wäldern, Feldern und Wallhecken gekennzeichnet, die dem Ammerland das Attribut „Parklandschaft“ eingebracht hat.
Im Landkreis existiert eine seltene geologische Besonderheit, die „Parallelrinnen-Landschaft“ oder auch „Parallelrücken-Landschaft“ genannt wird. Näheres zu deren Entstehungsproblem sowie zu den geologischen Prozessen, durch die die Moore unterschiedlichen Typs sowie das Zwischenahner Meer entstanden sind, findet sich in einer Heimatchronik.Wilhelm Bruns, Wolfgang Hartung, Dieter Zoller, Heinrich Schmidt, Karl V. Riedel, Wolfgang Haubold u. a.: Heimatchronik des Kreises Ammerland. Verlag Archiv für Deutsche Heimatpflege, Köln 1975, 359 S.; Bibliographischer Nachweis (mit Inhaltsverzeichnis)
Nachbarkreise Der Landkreis Ammerland grenzt im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Landkreise Friesland und Wesermarsch, an die kreisfreie Stadt Oldenburg (Oldb) sowie an die Landkreise Oldenburg, Cloppenburg und Leer.
Gezeiten Obwohl rund 40 Kilometer von der Nordseeküste entfernt, wird das westliche Ammerland von den Gezeiten beeinflusst. Die Flüsse Leda und Jümme verbinden das Ammerland mit der Ems und damit mittelbar mit der Nordsee. Nahezu 17.000 ha des Verbandsgebiets der Ammerländer Wasseracht liegen im Niederungsgebiet von Aper Tief und Godensholter bzw. Nordloher Tief. Die dortigen Flächen liegen nur ca. 0,70 m über Normalnull. Am Pegel Augustfehn beträgt das mittlere Tidehochwasser +1,15 mNN und das mittlere Tideniedrigwasser +0,35 mNN und damit der Tidenhub immerhin noch 80 cm.
Geschichte Der heutige Landkreis Ammerland liegt vollständig auf dem Gebiet des sächsischen Ammergaus. Dieser bildete die nordwestliche Grenze zum Siedlungsgebiet der Friesen. Im Ammergau lebten Angehörige des sächsischen Teilstammes der Angrivarier (Engern).
Im Zuge der Territorialisierung fiel der Ammergau an die Grafschaft Oldenburg. Bereits der erste namentlich bekannte Graf von Oldenburg, Egilmar I. (ca. 1040–1108), herrschte über den Lerigau, den Hasegau und den Ammergau. Das Ammerland gehört also zu den oldenburgischen Stammlanden, von denen es während des gesamten Mittelalters und der Neuzeit bis 1946 nie getrennt wurde.
Seit dem 19. Jahrhundert gehörte das Gebiet des heutigen Landkreises zu den beiden oldenburgischen Ämtern Westerstede und Oldenburg. 1933 wurde aus dem Amt Westerstede sowie den Gemeinden Rastede und Wiefelstede des Amtes Oldenburg das Amt Ammerland gebildet. Der östliche Teil des Amtes Oldenburg mit den Gemeinden Hatten und Wardenburg kam zum neuen Amt Oldenburg. 1939 wurde aus dem Amt Ammerland der Landkreis Ammerland .
Details zur Geschichte des Landkreises von der Steinzeit bis ins Jahr 1975, mit zahlreichen Abbildungen von historischen Funden und Belegen, sind in einer Heimatchronik publiziert.
Mit der Fusion der Länder Hannover, Braunschweig, Schaumburg-Lippe und Oldenburg zum Land Niedersachsen wurde der Landkreis Ammerland zu einem niedersächsischen Landkreis im Verwaltungsbezirk Oldenburg, der 1978 im Regierungsbezirk Weser-Ems aufging. Dieser wiederum wurde, wie alle Regierungsbezirke in Niedersachsen, im Jahr 2005 aufgelöst.
Im Vorfeld der Kreisreform vom 1. August 1977 gab es Pläne, das Umland der Stadt Oldenburg in einem großen Landkreis Oldenburg zusammenzufassen. Diese Pläne wurden zugunsten einer Vergrößerung des Landkreises Ammerland auf Kosten des Landkreises Friesland aufgegeben. Am 1. August 1977 wurde der Landkreis Friesland aufgelöst, und die Gemeinden Bockhorn und Zetel sowie die Stadt Varel wurden in den Landkreis Ammerland umgegliedert. Aufgrund verschiedener Verfassungsklagen vor dem Niedersächsischen Staatsgerichtshof in Bückeburg wurde die Kreisreform in Teilen als verfassungswidrig festgestellt. Zum 1. Januar 1980 wurden die Landkreise Ammerland, Friesland und Wittmund in ihrer ursprünglichen Form wiederhergestellt.
Einwohnerstatistik mini|400px|rechts|Bevölkerungspyramide für den Kreis Ammerland (Datenquelle: Zensus 2011.)
Jahr Einwohner Quelle 1933 44.753 1939 47.805 1950 74.032 1960 68.400 1970 81.500 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1980 90.000 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1981 1990 96.737 2000 110.650 2010 118.004 2020 126.643
Konfessionsstatistik Gemäß der Volkszählung 2011 waren (Stand 9. Mai 2011) 60,4 % der Einwohner evangelisch, 8,8 % römisch-katholisch und 30,9 % waren Sonstige (konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe). Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 09.05.2011, Religion) Tabelle 1000X-1014 Personen: Religion, abgerufen am 21. September 2024 Der Anteil der Protestanten an der Gesamtbevölkerung sinkt seitdem jährlich um 1 Prozentpunkt, während der Anteil der Sonstigen jährlich um 1 Prozentpunkt steigt. Gemäß dem Zensus 2022 (Stand 15. Mai 2022) waren 48,3 % der Einwohner evangelisch, 8,4 % katholisch und 43,3 % waren Sonstige.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion) Tabelle 1000A-1018 Personen: Religion, abgerufen am 21. September 2024
Laut Mitgliederstatistik der oldenburgischen Kirche für die Jahre 2022, 2023 und 2024 gab es einen Rückgang der evangelischen Gemeindeglieder um 1 Prozentpunkt (Anteil an der Gesamtbevölkerung) jährlich. Mitgliederstatistik der oldenburgischen Kirche Stand 2021, abgerufen am 25. August 2024Rückgang der Mitglieder stellt evangelische Kirche weiter vor Herausforderungen, abgerufen am 28. März 2025
Politik Kreistag
Der Kreistag des Landkreises Ammerland besteht seit 2021 aus 50 Abgeordneten (vorher 46). Dies ist die festgelegte Anzahl für einen Landkreis mit einer Einwohnerzahl zwischen 125.001 und 150.000 Einwohnern., abgerufen am 12. November 2014 Die Mitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die allgemeine Wahlperiode beginnt am 1. November nach der letzten Wahl und endet nach fünf Jahren zum 31. Oktober.§47 NKomVG-Wahlperiode Neben den 50 in der Kreiswahl gewählten Abgeordneten ist außerdem der Landrat sitz- und stimmberechtigt.
Gemäß dem vorläufigen Ergebnis der Wahl vom 13. September 2026 setzt sich der Kreistag wie folgt zusammen:
+Ergebnisse der Kreistagswahl 2026 Parteien und Wählergemeinschaften Prozent2026 Sitze2026 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands28,314 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands23,912 Grüne Bündnis 90/Die Grünen14,37AfDAlternative für Deutschland13,57 UWG Unabhängige Wählergemeinschaft7,03LinkeDie Linke3,72 FDP Freie Demokratische Partei3,62 FWG WA Freie Wählergemeinschaft Wir Ammerländer1,31 DZ Die Zwischenahner1,61 Partei Die Partei0,60 -Einzelbewerber Fisbeck0,40ÖDPÖkologisch-Demokratische Partei0,20Gesamt10050Wahlbeteiligung in Prozent67,1 %Die Kreistagswahlen von 1991 bis 2016 ergaben die folgenden Ergebnisse:
+Kreistagswahlen in Ammerland seit 1991 Partei2021 2016 2011 2006 2001 1996 1991%Sitze%Sitze%Sitze%Sitze%SitzeSitzeSitze CDU32,01633,9 1635,9 1738,3 1839,4 18 19 17 SPD28,614 28,7 13 32,3 15 32,4 15 36,2 17 17 17 Grüne14,47 12,0 6 14,8 7 8,0 4 7,4 3 4 3 UWG8,34 8,6 4 7,1 3 6,5 3 8,4 2 4 1 AfD3,126,7 3 – – – – – – – – FDP7,04 6,5 3 6,2 3 11,9 5 8,7 4 3 5 LINKE2,81 2,8 1 1,6 1 – – – – – –FWG WA1,51––––––––––DZ0,91–––––––––– BfB–– – – 1,0 – 0,9 – – – – – UWG Rast./Wiefelst.–– – – 1,0 – 1,2 1 – 2 – – Freie Wähler–– – – – – 0,8 – – – – – Familie–– – – – – – – 0,1 – – –Wahlbeteiligung61,3 % 58,7 % 55,4 % 53,2 % 57,9 % 65,0 % 68,4 %
Landrat Landrätin des Landkreises Ammerland ist seit dem 1. November 2021 die parteilose Karin Harms. Sie trat die Nachfolge des ebenfalls parteilosen Jörg Bensberg an. Bei der Landratswahl am 12. September 2021 setzte sie sich im ersten Wahlgang mit 50,6 % der Stimmen gegen ihre Gegenkandidaten Jens Nacke (CDU) und Dirk Hooymann (Linke) durch. Harms trat für ein Wählerbündnis aus SPD, Grünen und unabhängigen Wählergemeinschaften (UWG) an.
Die Landratswahl 2026 ergab eine Stichwahl zwischen Hendrik Lehners (CDU) und Björn Meyer (SPD).
Wappen Das Kreiswappen in seiner heutigen Gestalt wurde am 3. Juli 1978 verliehen. Es ersetzt ein ähnliches Wappen vom 27. März 1952. Im (heraldisch) rechten oberen Feld zeigt es zwei rote Balken auf goldenem Grund aus dem altoldenburgischen Grafenwappen. Bei den roten Zickzackbalken im (heraldisch) linken unteren Feld handelt es sich um das Symbol der „ammerschen Balken“. Heraldisch rechts unten symbolisieren Eichenblatt und Eicheln auf blauem Grund „die typischen ammerländischen Eichen“. Erst seit 1978 ist das goldene Ankerkreuz auf blauem Grund im heraldisch linken oberen Feld zu finden. Es ersetzte das oldenburgische Spitzkreuz und sollte die 1977 eingegliederte Friesische Wehde repräsentieren (das Ankerkreuz war ein Symbol der Grafen von Bentinck, die bis ins 19. Jahrhundert in der Herrschaft Varel Herrschaftsrechte ausübten). 1980 wurde die Friesische Wehde zwar größtenteils wieder ausgegliedert und in den wiederhergestellten Landkreis Friesland einbezogen. Die Ortschaften Spohle und Conneforde, die schon 1972 dem Kreis Ammerland zugeordnet worden waren, verblieben jedoch bei diesem Landkreis, der deshalb das Ankerkreuz nicht wieder aus seinem Wappen entfernte. Es steht jetzt für diese beiden Orte. stadt-land-oldenburg.de crwflags.com wiefelstede.de
Bundestag Direkt gewählter Abgeordneter im Bundestagswahlkreis Oldenburg-Ammerland ist Dennis Rohde von der SPD.
Landtag Direkt gewählter Landtagsabgeordneter des Landtagswahlkreises Ammerland ist Björn Meyer (Augustfehn, Gemeinde Apen) von der SPD. Jens Nacke (Gem. Wiefelstede) von der CDU ist über die Landesliste in den Landtag eingezogen.
Partnerschaften Der Powiat Pleszewski (Kreis Pleszew) in Polen ist seit 2000 ein Partnerlandkreis vom Landkreis Ammerland.Eintrag über den Kreis Pleszew auf der Homepage des Landkreises Ammerland Abgerufen am 10. April 2019, 14:19
Wirtschaft mini|Baumschulen in Kayhauserfeld mini|Blumen- und Pflanzenproduktion für den Gartenbau im Ammerland
Im 19. und 20. Jahrhundert lebte ein Großteil der Bewohner des Ammerlandes von der Landwirtschaft und vom Torfabbau. Inzwischen hat ein Großteil der Urproduzenten im sekundären und im tertiären Wirtschaftssektor Arbeit gefunden. Darüber hinaus ist der größte Teil der ehemaligen Moorflächen abgetorft, und naturbelassene Moorgebiete stehen weitgehend unter Naturschutz,Landkreis Ammerland – Übersichtskarte der Naturschutzgebiete (Stand 01.01.2009) Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz so dass nur noch relativ wenige Kräfte im Moor arbeiten. In den kommenden Jahren sollen nach Plänen der Niedersächsischen Landesregierung große zusammenhängende Grünlandflächen, und zwar 726 Hektar im Hankhauser Moor (nördlich der B 211) und 587 Hektar im Loyer Moor (südlich der B 211), weiterhin als Vorranggebiete für den Torfabbau vorgesehen werden. NABU Niedersachsen