mini|Luftbild des Meißner Doms auf dem Burgberg mini|Meißner Dom vor dem neugotischen Ausbau (Messbildaufnahme 1898 von Albrecht Meydenbauer) mini|hochkant|Domtürme mini|hochkant|Innenraum nach Osten mini|hochkant|Hauptportal des Doms in der Fürstenkapelle mini|hochkant|Innenhof des Kreuzgangs mit Blick auf den Chorumgang mini|Stifterfiguren mini|Hochaltarretabel mini|Kreuzgangflügel mit Zellengewölbe mini|Eule-Orgel
Der evangelische Dom zu Meißen ist den Heiligen Johannes und Donatus von Arezzo geweiht und trägt daher den Namen St. Johannis und St. Donatus.Caspar Ehlers: Die Integration Sachsens in das fränkische Reich (751–1024), in: Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte. Band 231, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, ISBN 3-525-35887-3, S. 95. (Zugleich: Würzburg, Univ., Habil.-Schr., 2005). Donatus von Arezzo war Patron des alten Bistums Meißen und ist einer der Patrone des heutigen katholischen Bistums Dresden-Meißen. Der Dom gehört zusammen mit der Albrechtsburg, dem Bischofsschloss und der Dompropstei zum Burgberg-Ensemble, das sich über die Meißner Altstadt erhebt. Der Hauptteil der Kirche erscheint als einer der stilreinsten deutsch-gotischen Dome. Daneben verfügt er über eine der reichsten und wertvollsten Ausstattungen sächsischer Kirchen und zahlreiche Nebenräume von der frühesten Gotik bis hin zur ausgehenden Spätgotik.
Funktion Der Kirchenbau steht in der Tradition der Gründung des Bistums Meißen durch König Otto I. im Jahr 968 und stellt somit die christliche Keimzelle des heutigen Sachsens, der früheren Mark Meißen, dar. Als Kathedrale dieses Bistums war sie bis 1581 Bischofskirche der römisch-katholischen Bischöfe von Meißen.
Viele Markgrafen von Meißen betätigten sich als Mäzene der Meißener Domkirche. Um 1400 war es Markgraf Wilhelm I., der die Exemtion der Meißener Kirche (und des Bistums) vom Erzbistum Magdeburg durchzusetzen half. Erst Bischof Johannes IV. konnte mehrere Jahrzehnte später den Exemtionsstreit schlichten.
1581 wurde der Dom eine lutherische Kirche. Heute ist der Dom die Predigtkirche für den Landesbischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsens. Das katholische Bistum Dresden-Meißen hat seine Kathedrale seit 1980 in Dresden und die Konkathedrale in Bautzen.
Die Verwaltung des Doms erfolgt durch das Hochstift Meißen, vertreten durch das Domkapitel, dem acht ordentliche Domherren angehören.
Baugeschichte Vorgängerbau als Basilika Der Vorgängerbau an diesem Ort war schon im Jahr 968 anlässlich der Gründung des Bistums Meißen durch das Kaiserpaar Adelheid und Otto I. als kleine Kapelle errichtet und in den Jahren 1006 bis 1073 in eine viertürmige romanische Basilika umgebaut worden, die zur bischöflichen Kathedralkirche erhoben wurde.
Bau des Doms als Hallenkirche Um 1260 wurde der Neubau des Doms von Osten aus als gotische Kirche begonnen. Zunächst wurden der einschiffige Chor und das Querhaus errichtet. Ab 1268 konnten bereits der Chor und der Kreuzgang genutzt werden. Um 1270 wurde das große Chorfenster mit markantem Maßwerk und wertvollen mittelalterlichen Glasmalereien aus derselben Zeit gestaltet. Es folgten die Fertigstellung der Allerheiligenkapelle an der Ostseite des Kreuzgangs um 1280 (heute als Lapidarium und als Raum der Stille genutzt), die achteckige Johanneskapelle im Winkel zwischen Südquerhaus und Langhaus im Jahr 1291 und der Kapitelsaal im Jahr 1297. Das östliche Joch des Langhauses auf der Südseite zeigt, dass zunächst eine Basilika beabsichtigt war. Das Langhaus wurde nach einem Planwechsel einheitlich als siebenjochige Hallenkirche erbaut, die um 1410 weitgehend fertig gestellt war. Trotz der langen Bauzeit und der Planänderung ist ein bemerkenswert einheitliches, hochgotisch wirkendes Bauwerk entstanden, das bei mäßiger Größe eine monumentale Wirkung entfaltet. Goethe würdigte den Dom im April 1813 mit den Worten: „Der Dom … hat aus mehreren Ursachen äußerlich nichts Anziehendes, inwendig aber ist es das schlankste, schönste aller Gebäude jener Zeit, die ich kenne.“ Bei dieser Bewertung ist zu berücksichtigen, dass die Westtürme zu dieser Zeit nur bis zum dritten Stockwerk ausgeführt waren.
Türme Jahrhundertelang war nur eine einzige Turmspitze am Dom vorhanden – der sogenannte „Höckrige Turm“ in der Südostecke zwischen Querhaus und Chor, welcher 1909 und nach 1990 umfassend saniert wurde. Die mit Blendmaßwerk belebten Untergeschosse der Westtürme wurden bereits im frühen 14. Jahrhundert errichtet, jedoch nicht vollendet. Um 1413 wurden die damaligen hölzernen Turmabschlüsse durch einen Sturm zerstört. Zwischen 1470 und 1477 setzte Arnold von Westfalen ein formenreiches drittes Geschoss auf die Domtürme auf. Zwischen den kräftigen Pfeilern sind die Treppenläufe zu erkennen, welche die Außenansicht der Türme zusammen mit dem Blendmaßwerk und den freistehenden Maßwerkschleiern prägen. Dieses Geschoss erhielt Turmspitzen, die jedoch im Jahr 1547 zusammen mit den westlichen Jochen des Langhauses durch Blitzschlag zerstört wurden. Diese Joche wurden 1595 wiederhergestellt, die Westtürme blieben jedoch unvollendet und wurden im 18. Jahrhundert durch ein querliegendes Dach auf dem Westbau, den sogenannten „Schafstall“, abgeschlossen.
Die beiden heute weithin sichtbaren 81 Meter hohen Turmspitzen der Westfassade wurden zusammen mit dem vierten Geschoss der Türme erst zwischen 1903 und 1909 im Stil der Neugotik nach Entwürfen des Architekten Carl Schäfer unter Anleitung des ansässigen Architekten Joseph Schäffler als Dombauführer errichtet.Carl Schäfer: Denkschrift über die Wiederherstellung des Meissner Domes. In: Centralblatt der Bauverwaltung. Nachrichten der Reichs- und Staatsbehörden, Jg. 22 (1902), Nr. 91, S. 553–557. Diesem Projekt ging allerdings ein erbitterter Streit mit anerkannten Kunsthistorikern wie Cornelius Gurlitt und Georg Dehio voraus, welche den neugotischen Ausbau des Doms ablehnten. Selbst nach der erfolgreichen Fertigstellung polemisierten Architekturtheoretiker wie Wilhelm Pinder noch gegen die „Verschäferung“ der Westfassade. Inzwischen werden die neugotischen Turmobergeschosse als eine lebendige, sensible Interpretation und Vervollständigung des mittelalterlichen Bestands gewürdigt. Der damals für zahlreiche Klammern und Dübel verwendete Stahl verursacht jedoch über 100 Jahre später Probleme, da er den Sandstein durch Korrosion sprengt.
Fürstenkapelle Markgraf Friedrich der Streitbare (reg. 1381–1428, ab 1423 als Kurfürst von Sachsen) ließ im Jahr 1425 die Fürstenkapelle als neue Begräbniskapelle der Wettiner (zuvor seit 1190 im Kloster Altzella) an die Westfront des Doms anbauen. Die Fürstenkapelle zeigt ein betont schmuckreiches Netzgewölbe mit Maßwerkmotiven vermutlich von Moyses von Altenburg aus den Jahren 1443 bis 1446. Die bronzene Grabtumba Friedrichs des Streitbaren, der hier seine letzte Ruhestätte fand, ist von künstlerisch wertvollen Bronzegrabplatten wahrscheinlich aus der Nürnberger Gießerwerkstatt Vischer umgeben. Im Dom sind 164 weitere Grabdenkmäler zu finden. Als besonders wertvoll werden davon im Dehio-Handbuch die folgenden genannt: aus der Werkstatt Hermann Vischer: Bischof Sigmund von Würzburg († 1471) Kurfürst Friedrich der Sanftmütige († 1464) Kurfürst Ernst († 1486) aus der Werkstatt Peter Vischers des Älteren (Zuschreibung): Herzog Albrecht († 1500) Herzogin Amalie († 1502) Herzogin Sidonia († 1510), möglicherweise nach einer Zeichnung von Albrecht Dürer aus der Hilligerhütte in Freiberg: Hochmeister Herzog Friedrich († 1510) Herzog Johann († 1537), beide möglicherweise nach einer Zeichnung von Hans Krell Das um 1370 ursprünglich als Hauptportal des Doms geschaffene Portal ist durch den Anbau der Fürstenkapelle zum Innenportal geworden. Es zeigt einen reichen figürlichen Schmuck im Gewände und Tympanon, der die Geburt Christi, die Anbetung der Könige, die Marienkrönung und das Jüngste Gericht darstellt. Durch die frühe Umbauung mit der Fürstenkapelle ist hier die mittelalterliche Polychromie gut erhalten. An die Fürstenkapelle schließt sich die spätere Georgskapelle an, siehe #Kreuzgang und weitere Anbauten.
Grabmal des Bischofs Benno Die Heiligenverehrung des Meißner Bischofs Benno und der Bau des gotischen Domes bildeten eine geistliche Einheit. Der ursprünglich an einer abgelegenen Stelle des romanischen Vorgängerbaus um 1106 bestattete zehnte Bischof von Meißen wurde unter Bischof Withego um 1270 in die Mitte des geplanten Langhauses des neuen Doms umgebettet. Zu dieser Zeit standen an der Stelle des heutigen Langhauses noch Teile des alten romanischen Domes. Erst 120 Jahre später lag das Bennograb, das Ziel einer bis in die Reformationszeit bestehenden Wallfahrtstradition, tatsächlich in der Mitte der neuen Kathedrale. Eine heute vermauerte Pforte im vierten Joch in der südlichen Langhauswand diente wahrscheinlich für eine Übergangszeit den zahlreichen Pilgern, die mit ihren Gaben für die Finanzierung des gotischen Domes sorgten, als Zugang zum Bennograb. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde die schlichte Grabtumba mit einem Hochgrab versehen. Anlässlich der durch Herzog Georg von Sachsen betriebenen Kanonisation Bennos zum ersten sächsischen Heiligen 1524 wurde das Grab weiter ausgeschmückt. Nach dem Tod Georgs führte Herzog Heinrich von Sachsen das lutherische Bekenntnis ein. 1539 erzwangen er und der ernestinische Kurfürst Johann Friedrich den Zugang zum Dom und ließen das Grabmal Bennos vollständig zerstören. Seit 2017 zeigt eine schlichte Platte im Mittelschiff den früheren Standort des Grabes.
Kreuzgang und weitere Anbauten mini|Innenraum Der Kreuzgang wurde in den Jahren 1470/71 erneuert und besitzt in drei Flügeln ein kunstvolles Zellengewölbe. Der Kreuzgang geht in den Chorumgang über, der sich in zwei Geschossen um den hohen Chor zieht. An den Kreuzgang schließt sich im Osten die Allerheiligenkapelle an, ein dreijochiger, kreuzrippengewölbter Bau mit Satteldach und massiven Giebeln mit Maßwerkfenster nach Osten. In diesem Raum sind Schlusssteine, Konsolen und einzelne Glasmalereien aus der Bauzeit des Chores erhalten.
Die nordöstlich vom Chor gelegene Sakristei mit kunstvollem Zellengewölbe über unregelmäßigem Grundriss entstand 1504. In der um 1530 angebauten spätgotischen Georgskapelle in der Südwestecke zwischen Domtürmen und Fürstenkapelle sind Herzog Georg der Bärtige und seine Gemahlin Barbara beigesetzt. Wolf Caspar von Klengel zog 1677 eine Stuckdecke in diese Kapelle ein. Ein Rundbogenportal mit einer Ädikula-Architektur im Renaissancestil erschließt diese Kapelle von der Fürstenkapelle aus.
Restaurierungsarbeiten Nach der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 begannen umfangreiche Wiederherstellungsarbeiten, die bis zum Jahr 2002 andauerten. Sie umfassten die Restaurierung des Chores im Innern und im Äußeren, eine Erneuerung der Domschatzkammer im zweiten Geschoss des Südostturms, Restaurierungsarbeiten am Äußeren dieses Turms, statische Sicherungsarbeiten am südlichen Querhaus, eine Restaurierung des Langhauses im Äußeren und Innern, die Neueindeckung des Langhausdachs sowie umfangreiche Sicherungs- und Wiederherstellungsarbeiten an den Westtürmen. Die Nebengebäude, insbesondere die Fürsten- und die Allerheiligenkapelle des Doms wurden ebenfalls baulich gesichert und zahlreiche denkmalpflegerische Forschungs- und Erhaltungsarbeiten an der Ausstattung des Doms durchgeführt.Die Restaurierung des Doms zu Meißen 1990–2002. Hrsg. von Günther Donath. Fraunhofer IRB Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-8167-6214-X.
2023 wurden die mittelalterlichen Glasmalereien im Chorscheitelfenster mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gereinigt und restauriert.Annelie Seck: Himmlisches Leuchten im Glas. Monumente Heft 6 (2023), S. 52–53.