Die Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft der Erziehungswissenschaft. Sie wurde 1964 gegründet, ist als eingetragener Verein organisiert und hat ihren Sitz in Berlin. Ihr satzungsgemäßer Zweck ist die Förderung von Wissenschaft und Forschung, Bildung und Erziehung auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Pädagogik.
Die DGfE fördert die erziehungswissenschaftliche Forschung und Theoriebildung, veranstaltet wissenschaftliche Tagungen und Kongresse, gibt Fachpublikationen heraus und nimmt zu Fragen der Wissenschafts- und Bildungspolitik Stellung. Ihre fachliche Arbeit ist in 14 Sektionen und 18 Kommissionen gegliedert.
Geschichte
Vorgeschichte und Gründung In der westdeutschen Erziehungswissenschaft der Nachkriegszeit bestanden verschiedene pädagogische Verbände und Einrichtungen, zunächst jedoch kein überregionales Gremium zur Koordination der unterschiedlichen wissenschaftlichen Richtungen und Forschungsinteressen. Auf Initiative von Julius J. Oppenheimer, dem Leiter der Hochschulabteilung des High Commissioner for Germany, trafen sich am 29. und 30. Mai 1952 in Bad Wildungen Vertreter der Pädagogik an Hochschulen in Westdeutschland und West-Berlin. Gegenstände der Zusammenkunft waren unter anderem die Lehrerbildung, die pädagogische Forschung und die Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen.
Aus der Zusammenkunft entwickelte sich die meist jährlich tagende „Konferenz westdeutscher Universitätspädagogen“. Zu ihren Anliegen gehörten die gegenseitige Information über Forschungsprojekte, die Vertretung des Faches gegenüber der Deutschen Forschungsgemeinschaft und die Schaffung eines gemeinsamen wissenschaftlichen Diskussionsorgans. Letzteres wurde 1955 mit der Gründung der Zeitschrift für Pädagogik verwirklicht.
Auf der Konferenz in Hamburg wurde am 30. April 1963 die Gründung einer wissenschaftlichen Fachgesellschaft beschlossen. Die konstituierende Sitzung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft fand am 28. April 1964 in Frankfurt am Main statt. Zum ersten Vorsitzenden wurde Otto Friedrich Bollnow gewählt. Dem Gründungsvorstand gehörten außerdem Josef Dolch, Andreas Flitner, Wilhelm Hansen, Erika Hoffmann, Heinrich Roth und Hans Stock an.
Die Gründung wird in der wissenschaftshistorischen Forschung als eine institutionelle Zäsur bei der organisatorischen Formierung der Erziehungswissenschaft als eigenständiger wissenschaftlicher Disziplin eingeordnet.
Ausbau der Fachgesellschaft Die erste Arbeitstagung und die erste ordentliche Mitgliederversammlung der DGfE fanden am 30. April 1965 in Kassel statt. Die Mitgliederversammlung verabschiedete die endgültige Satzung; zu diesem Zeitpunkt gehörten der Gesellschaft 157 Personen an.
In der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre beteiligte sich die DGfE gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz und der damaligen Westdeutschen Rektorenkonferenz an der Entwicklung des Diplomstudiengangs Pädagogik. Im Jahr 1968 veröffentlichte sie eine Empfehlung zum „Kernstudium der Erziehungswissenschaft“, die gemeinsame wissenschaftliche Grundlagen der unterschiedlichen pädagogischen Ausbildungsgänge bestimmen sollte.
Am 11. Dezember 1970 wurde die DGfE in das Vereinsregister beim Amtsgericht Hamburg eingetragen; am 7. September 1971 wurde ihre Gemeinnützigkeit anerkannt. Mit dem Wachstum und der fachlichen Ausdifferenzierung der Erziehungswissenschaft entstanden unter anderem Kommissionen für vergleichende Erziehungswissenschaft, historische Bildungsforschung, empirische pädagogische Forschung, Erwachsenenbildung, Berufs- und Wirtschaftspädagogik, Sozialpädagogik und Schulpädagogik. Aus diesen und weiteren Arbeitszusammenhängen entwickelte sich die spätere Gliederung in Sektionen und Kommissionen.
Die Mitgliederzahl überschritt 1973 die Marke von 500. Der zunehmende Umfang der Gesellschaft veränderte auch ihre Arbeitsweise: Der fachliche Austausch und die Konsensbildung verlagerten sich stärker von den gemeinsamen Tagungen in spezialisierte Arbeitskreise und Kommissionen.
Im Jahr 2008 führte die DGfE die assoziierte Mitgliedschaft für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in wissenschaftlichen Qualifizierungsphasen ein. Dadurch stieg die Mitgliederzahl von 2.132 im Jahr 2008 auf 2.607 im Jahr 2010.
Aufgaben und Organisation Die DGfE fördert die erziehungswissenschaftliche Forschung, die Weiterentwicklung wissenschaftlicher Theorien und Studiengänge sowie den Austausch innerhalb der Erziehungswissenschaft und mit benachbarten Disziplinen. Sie veranstaltet alle zwei Jahre einen Fachkongress sowie weitere Tagungen, Seminare und Vorträge. Weitere Aufgaben sind die Anregung von Forschungsprojekten, die Information der Öffentlichkeit, die Klärung von Ausbildungs- und Prüfungsfragen pädagogischer Berufe und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Die Gesellschaft veröffentlicht außerdem Stellungnahmen zu wissenschafts-, bildungs- und professionspolitischen Fragen.
International arbeitet die DGfE mit anderen wissenschaftlichen Fachgesellschaften zusammen. Sie ist Mitglied der European Educational Research Association (EERA) und der World Education Research Association (WERA).
Organe der Gesellschaft sind die Mitgliederversammlung, der Vorstand, der Rat der Sektionsvorsitzenden sowie die wissenschaftlichen Sektionen, Kommissionen, Arbeitsgemeinschaften und Vorstandskommissionen. Die ordentliche Mitgliederversammlung tritt in der Regel alle zwei Jahre zusammen.
Der Vorstand besteht aus sieben ordentlichen Mitgliedern. Der Vorsitz wird für zwei Jahre gewählt; die übrigen Vorstandsmitglieder werden für vier Jahre gewählt, wobei in der Regel alle zwei Jahre ein Teil des Vorstands neu bestimmt wird. Vorsitzender für die Amtsperiode 2026 bis 2028 ist Michael Schemmann.
Mitgliedschaft Die Satzung unterscheidet zwischen ordentlichen, assoziierten, fördernden und Ehrenmitgliedern. Als ordentliches Mitglied kann aufgenommen werden, wer sich durch eine Promotion, kontinuierliche wissenschaftliche Publikationen oder ein vergleichbares wissenschaftliches Engagement ausgewiesen hat. Die assoziierte Mitgliedschaft richtet sich an Personen, die in einem erziehungswissenschaftlichen Zusammenhang wissenschaftlich tätig sind und eine Promotion anstreben. Sie ist grundsätzlich auf sechs Jahre befristet und kann unter bestimmten Voraussetzungen um bis zu zwei Jahre verlängert werden.
Juristische Personen, Vereine und vergleichbare Einrichtungen können Fördermitglieder werden. Personen mit besonderen Verdiensten um die Erziehungswissenschaft, das Erziehungswesen oder die Gesellschaft können durch einen einstimmigen Vorstandsbeschluss zu Ehrenmitgliedern ernannt werden.
Die Aufnahme kann entweder auf Vorschlag zweier ordentlicher Mitglieder oder durch einen eigenen Antrag erfolgen. In beiden Fällen müssen mindestens fünf Mitglieder des Vorstands zustimmen. Die frühere Darstellung, eine Aufnahme sei ausschließlich über zwei Bürgen möglich, entspricht damit nicht mehr der geltenden Satzung.
Die Mitgliederzahl entwickelte sich wie folgt. Wegen unterschiedlicher Stichtage und der 2008 eingeführten assoziierten Mitgliedschaft sind die Angaben nur eingeschränkt unmittelbar vergleichbar.
+ Entwicklung der Mitgliederzahl Zeitpunkt Mitgliederzahl Anmerkung 30. April 1965 157 Erste ordentliche Mitgliederversammlung 27. April 1966 knapp 200 1. Oktober 1968 254 Erstes veröffentlichtes Mitgliederverzeichnis 14. April 1970 324 11. April 1972 377 1973 mehr als 500 2008 2.132 Vor Einführung beziehungsweise zu Beginn der assoziierten Mitgliedschaft März 2010 2.607 Darunter 327 neu aufgenommene assoziierte Mitglieder 24. Januar 2024 4.438 3.147 ordentliche, 1.287 assoziierte und vier Fördermitglieder 26. Januar 2026 4.650 3.293 ordentliche, 1.353 assoziierte und vier Fördermitglieder Mai 2026 4.694 Mitgliederverzeichnis zur Vorstandswahl
Sektionen Die verschiedenen Teildisziplinen der Erziehungswissenschaft sind in Sektionen und Kommissionen der DGfE organisiert: Derzeit existieren 14 Sektionen und 18 Kommissionen.
Sektion 1 – Historische Bildungsforschung (Division for Historical Educational Research) Sektion 2 – Allgemeine Erziehungswissenschaft (Division for General Educational Research) Sektion 3 – Interkulturelle und International Vergleichende Erziehungswissenschaft (Division for Intercultural and International Comparative Educational Research) Sektion 4 – Empirische Bildungsforschung (Division for Empirical Educational Research) Sektion 5 – Schulpädagogik (Division for School, Curriculum and Pedagogy) Sektion 6 – Sonderpädagogik (Division for Special Education) Sektion 7 – Berufs- und Wirtschaftspädagogik (Division for Vocational Education) Sektion 8 – Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit (Division for Social Pedagogy and Early Childhood Education) Sektion 9 – Erwachsenenbildung (Division for Adult Education) Sektion 10 – Pädagogische Freizeitforschung und Sportpädagogik (Division for Physical Education and Educational Research on Recreation) Sektion 11 – Frauen- und Geschlechterforschung in der Erziehungswissenschaft (Division for Women’s and Gender Studies in Educational Research) Sektion 12 – Medienpädagogik (Division for Media Education) Sektion 13 – Differentielle Erziehungs- und Bildungsforschung (Division for Differential Educational Research) Sektion 14 – Organisationspädagogik (Division for Organizational Education)
Publikationen Die Zeitschrift „Erziehungswissenschaft“ ist das Mitteilungsheft der DGfE. Eine Online-Version der Zeitschrift ist über die Web-Präsenz der DGfE zugänglich. Sie erscheint auch als gedruckte Zeitschrift im Verlag Barbara Budrich. Darüber hinaus erscheint eine Schriftenreihe der DGfE mit Kongressbänden und weiteren Publikationen, wie dem in regelmäßiger Reihe erscheinenden „Datenreport Erziehungswissenschaft“ (2000, 2002, 2004, 2006, 2008, 2012, 2016, 2020, 2024).
Kongresse Im zweijährigen Rhythmus veranstaltet die DGfE-Kongresse an wechselnden Orten und zu einem jeweils bestimmten Oberthema. In den Jahren 1974 und 2004 fand der DGfE-Kongress im deutschsprachigen Ausland statt. Der kommende Kongress der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft wird im Jahr 2026 in München als Kooperation der Ludwig-Maximilians-Universität, der Universität der Bundeswehr und der Technischen Universität München stattfinden. Vorangegangene Kongressorte und -themen waren: