mini|Schloss in Hatvan mini|Jan Steen, Bauern beim Kegelspiel ging gemäß Provenienzangabe von Hugh Percy Lane an Baron F. Hatvany und wurde 1917 vom Kunsthistorischen Museum Wien erworben. Baron Ferenc von Hatvany, auch Ferenc Hatvany oder Franz Hatvany bzw. François de Hatvany (* 29. Oktober 1881 in Budapest, Österreich-Ungarn; † 7. Februar 1958 in Lausanne), war ein Maler und Kunstsammler aus der ungarischen Industriellenfamilie Deutsch, die 1880 in Hatvan das Schloss erworben hatte und 1908 als Deutsch von Hatvany geadelt wurde.

Leben Der Sohn des Zuckerindustriellen Sándor Deutsch de Hatvan wurde in Budapest und Berlin erzogen. Er war getauft und jüdischer Abstammung. Als Maler gehörte er zu den Schülern von Adolf Fényes, Sándor Bihari und Jean-Paul Laurens. Hatvany stellte bei den Galeristen Cassirer in Berlin und Bernheim in Paris aus. Auf der Sonderbundausstellung in Köln 1912 wurde das Bild Weiblicher Akt im Fauteuil gezeigt.Sonderbund, Katalog, Nr. 316

Seine Kunstsammlung soll aus rund 800 Werken bestanden haben,Burkhart List: Von der deutschen Justiz zum Betrüger gestempelt. In: Die Weltwoche, 23. August 2001/Ausgabe 34/01 ein Großteil seien impressionistische Gemälde gewesen, wie etwa von Paul Cézanne, Edgar Degas, Édouard Manet, Claude Monet und Pierre-Auguste Renoir. Auch Gemälde und Zeichnungen von Jacopo Tintoretto, Jean-Auguste-Dominique Ingres und Gustave Courbet, darunter der Ursprung der Welt, gehörten dazu. (englisch) Weiter umfasste sie Kunstwerke von John Constable, Jean-Baptiste Camille Corot, Pissarro, El Greco und Tizian. Hinzu kamen Isfahan-Teppiche aus dem 16. Jahrhundert, Gobelins und kostbare Kleinodien. Die Werke wurden im Hatvany-Palais in der Budapester Hunyadi János út 26 aufbewahrt.

Viele der Werke gingen während des Zweiten Weltkriegs verloren, wurden versteckt, gestohlen oder konfisziert. Welche Kunstwerke der Hatvany-Sammlung 1945 in Budapest von der deutschen SS und welche Kunstwerke von der sowjetischen Roten Armee gestohlen wurden, ist bis heute nicht geklärt.Uta Baier: Die Spur der Bilder. In: Die Welt, 26. Juli 2005. Ferenc von Hatvany ist auf dem Friedhof von Grandvaux am Genfersee beerdigt. Das Grab besteht bis heute (Stand Juni 2017).

Die Affäre Deutsch Der Anwalt Hans Deutsch konnte für die Erben eine Entschädigungszahlung von 17,5 Millionen DM nach dem Bundesrückerstattungsgesetz (BRüG) aushandeln. 1964 wurde Hans Deutsch zusammen mit anderen Personen des Betrugs angeklagt.Der Fall Hatvany – Betrug und Korruption in der Rückerstattung. In: Jürgen Lillteicher: Die Rückerstattung jüdischen Eigentums in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Eine Studie über Verfolgungserfahrung, Rechtsstaatlichkeit und Vergangenheitspolitik 1945–1971. Univ.-Diss., Freiburg i. Br. 2002/2003, S. 381 ff. Zu den Mitangeklagten gehörten die ehemaligen SS-Führer Friedrich Wilcke und Franz Visney. Der Betrug soll im Zusammenhang mit dem Wiedergutmachungsverfahren erfolgt sein.Ein deutscher Fall Dreyfus. In: Die Zeit, Nr. 28/1971. Später wurde Deutsch freigesprochen, doch in den Gerichtsverhandlungen wurde festgestellt, dass die Angaben der Erben Hatvanys falsch gewesen seien. Die dafür bestellten Zeugen der Hatvanys hätten Meineide geschworen.Gunnar Schnabel, Monika Tatzkow: Nazi Looted Art. Handbuch. Kunstrestitution weltweit. Berlin 2007, ISBN 978-3-00-019368-2, S. 408 f. Insbesondere die Angaben zur Zahl und dem Verbleib der Gemälde stellten sich als widersprüchlich heraus.

Siehe auch NS-Raubkunst und Restitution

Literatur Hans Morgenstern: Jüdisches biographisches Lexikon. Eine Sammlung von bedeutenden Persönlichkeiten jüdischer Herkunft ab 1800. LIT Verlag, Wien 2009. ISBN 978-3-8258-0509-8. László Mravik: Hungary’s Pillaged Art Heritage. Part Two: The Fate of the Hatvany Collection. In: Hungarian Quarterly, 1998, Vol. 39, S. 15. Hungarian Quarterly (englisch); abgerufen am 19. Oktober 2007. László Mravik: Princes, Counts, Idlers and Bourgeois: A Hundred Years of Hungarian Collecting, 3rd part. In: T. Kieselbach (ed.): Studies in Modern Hungarian Painting 1892–1919. hungarianart.com (englisch); abgerufen am 19. Oktober 2007. Uta Baier: Die Spur der Bilder. In: Die Welt, 26. Juli 2005. Burkhart List: Die Affäre Deutsch -Braune Netzwerke hinter dem größten Raubkunst-Skandal, Eulenspiegel Verlagsgruppe Buchverlage GmbH, Berlin 2018

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Einzelnachweise

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