Nick Lars Heidfeld (* 10. Mai 1977 in Mönchengladbach-Rheydt) ist ein ehemaliger deutscher Automobilrennfahrer. Er trat von 2000 bis 2011 in der Formel-1-Weltmeisterschaft an. Die meisten Rennen absolvierte er für den in Hinwil beheimateten Rennstall Sauber inklusive der Jahre Saison 2006–Saison 2009, als BMW das Team übernommen hatte als Werksteam unter dem Namen BMW Sauber einsetzte. Sein größter Erfolg war neben einer Pole-Position und insgesamt acht zweiten Plätzen der fünfte Platz in der Gesamtwertung 2007.

Von 2012 bis 2016 fuhr er in der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) für Rebellion Racing. Danach bestritt er nur noch sporadisch Langstreckenrennen für Rebellion in der nordamerikanischen SportsCar Championship.

Außerdem trat er ab 2014 in der FIA-Formel-E-Meisterschaft an. Hier fuhr er in der Debütsaison zunächst für Venturi, von 2015 bis 2018 stand er bei Mahindra als Stammpilot unter Vertrag.

Heidfeld wurde 1997 deutscher Formel-3- sowie 1999 Formel-3000-Meister.

Zusammen mit Dilbagh Gill gründete er die Formel G, die sich 2023 in FG Series umbenannt hat.

Karriere Anfänge im Motorsport Als Fünfjähriger begann Heidfeld seine Rennsportkarriere, als er in einem Verein mit seinen Brüdern (Tim, Sven) an Motocross-Rennen teilnahm. Nach einem Unfall, bei dem sein Bein zwischen Schutzblech und weiter laufendem Rad eingeklemmt blieb, untersagten ihm seine Eltern den Sport, denn beinahe hätte er einen Wadenmuskel verloren.

Kartsport Schon als Sechsjähriger wäre er nach eigenem Bekunden gerne Kart gefahren. Doch Karts waren für ihn zu groß: „Ich war aber zu klein. An den Leihkartbahnen gab es immer solche Stangen: Wer darunter durchlaufen konnte, durfte nicht fahren.“ Nach einem Ausflug zum Nürburgring überzeugte er seine Eltern 1984, es noch einmal versuchen zu dürfen. Eine Decke und zwei Reifen halfen den Abstand zum Lenkrad zu überbrücken. Als er dann noch seinen Vater Wolfgang überholte und weit hinter sich hielt, versprach man ihm den Kauf eines eigenen Karts, das 1985 den Sprung in den Motorsport bedeutete.

Im Kartclub in Kerpen-Manheim trat er unter anderem auch gegen Michael und Ralf Schumacher an. Eine WDR-Dokumentation jener Jahre zeigt den sehr kindlichen Nick noch auf dem Schoß von Mutter Schumacher sitzend, die damals das Clubheim betrieb. Während dieser Zeit nahm er vermehrt an Clubmeisterschaften sowie nationalen und internationalen Rennen teil.

Anfänge im Motorsport 1994 wechselte Heidfeld in die Monoposto-Klasse Formel Ford 1600. Er gewann bereits in seiner ersten Saison acht von neun Rennen und sicherte sich damit überlegen den Titel. Auch in der nächsten Stufe in der Formel Ford 1800 gewann er 1995 die Meisterschaft. Heidfeld wechselte in die nächsthöhere Klasse, die Formel 3, in der er 1996 drei Rennen gewann und Dritter des Championats wurde. Beim internationalen Formel-3-Masters in Macau erzielte er die Pole-Position und den Laufsieg. 1997 gewann er schließlich den deutschen Formel-3-Titel, der ihm die Unterstützung von Mercedes-Benz einbrachte.

Dank dieser Unterstützung testete Heidfeld bereits im Dezember 1997 erstmals einen Formel-1-Wagen des McLaren-Mercedes-Teams und wechselte in die internationale Formel-3000-Meisterschaft, in der er zwei Jahre für das Juniorteam von McLaren, West Competition, antrat. Nebenbei testete er weiterhin sporadisch in der Formel 1.

In seiner ersten Formel-3000-Saison hatte Heidfeld nach drei Siegen vor dem Finale gute Titelchancen. Beim letzten Rennen wurde jedoch seine Pole-Position wegen eines Fehlers seines Teams nicht anerkannt, sodass er von ganz hinten starten musste. Stattdessen gewann der Kolumbianer Juan Pablo Montoya die Formel-3000-Europameisterschaft.

1999 entschied Heidfeld mit vier Siegen und einer Rekordpunktzahl die Meisterschaft für sich. Dabei erreichte er mehr Punkte als der Vizemeister Jason Watt und der Drittplatzierte Gonzalo Rodríguez zusammen. Da McLaren-Teamchef Ron Dennis dem jungen Deutschen kein Cockpit in der Formel 1 anbieten konnte, unterschrieb Heidfeld beim französischen Formel-1-Team Prost Grand Prix, das von Ex-Weltmeister Alain Prost geführt wurde.

Formel 1 Prost (2000) In seinem ersten Formel-1-Jahr blieb Heidfeld punktlos, was seinem Ruf als schnelles Nachwuchstalent angesichts des schweren, verwindungsschwachen Chassis seines Rennfahrzeugs und des kaum besseren Auftretens seines erfahrenen Teamkollegen Jean Alesi aber kaum schadete. Seine beste Platzierung war der achte Platz beim Großen Preis von Monaco, für den es aber zu dieser Zeit noch keinen Punkt gab. Da Prost Ende der Saison die Werksmotoren von Peugeot verlor, schaute sich Heidfeld frühzeitig nach Alternativen um und wechselte zur Saison 2001 zum Schweizer Sauber-Team.

Sauber (2001–2003) Schon bei Tests im Winter war zu erkennen, dass Sauber ein erheblich besseres Auto gebaut hatte als Prost im Vorjahr. Heidfeld punktete regelmäßig und errang beim Rennen in Brasilien seinen ersten Podestplatz. Am Ende der Saison lag er auf dem achten Rang der Fahrerwertung. Im September 2001 kam es zu einer vorübergehenden Verstimmung mit seinem einstigen Förderer Mercedes-Benz, da McLaren sich entschieden hatte, Heidfelds Teamkollegen Kimi Räikkönen für 2002 zu verpflichten. Der junge Finne fuhr zwar weniger Punkte ein als Heidfeld, überzeugte aber aufgrund seiner im Verhältnis zu seiner Erfahrung außerordentlichen Leistungen vor allem Ron Dennis.

Nach der Saison 2001, in der Sauber den vierten Rang in der Konstrukteurswertung errungen hatte, waren die beiden folgenden Jahre weniger erfolgreich. 2002 fuhr Heidfeld an der Seite des Formel-1-Neulings Felipe Massa, gegen den er sich teamintern durchsetzte, die Konkurrenzfähigkeit seines Wagens hielt sich aber in Grenzen. In der Formel-1-Saison 2003 fuhr Heidfeld neben dem ebenfalls aus Mönchengladbach stammenden Heinz-Harald Frentzen. Nachdem die Ergebnisse sich aber nicht merklich gebessert hatten, entschied sich Sauber die beiden für die Saison 2004 auszutauschen.

Jordan (2004) mini|Heidfeld im Jordan, 2004 Heidfeld nahm ein Angebot des Jordan-Teams für die Saison 2004 an. Er kam in diesem Jahr nur zweimal in die Punkte und landete am Ende mit 3 Punkten auf dem 18. Platz in der Gesamtwertung. Sein bestes Resultat war ein siebter Platz beim Großen Preis von Monaco.

Williams (2005) mini|links|„Quick Nick“ 2005 im Williams FW27 BMW V10 Zum Jahreswechsel 2004/2005 war er als zweiter Stammpilot bei Williams im Gespräch. Da ihm einige Experten, wie zum Beispiel Hans-Joachim Stuck zwar rennfahrerische Kompetenz zugesprochen, aber jegliches persönliches Profil abgesprochen hatten, kam dies überraschend. Lediglich der frühere Formel-1-Pilot und BMW-Motorsportdirektor Gerhard Berger sprach sich für Heidfeld aus. Heidfeld musste, um bei Williams fahren zu dürfen, direkte Vergleichstests gegen den vorherigen Testpiloten Antonio Pizzonia bestreiten, den er dabei aber klar übertraf. Ende Januar 2005 verkündete Frank Williams offiziell, dass Heidfeld zweiter Stammfahrer neben Mark Webber sein würde.

Von BMW-Motosportchef Mario Theissen bekam Heidfeld im Zusammenhang mit seinem öffentlichen Auftreten ein großes Lob: „Nick hat einen beeindruckenden Job gemacht. Er hat sich das zweite Cockpit mit seiner souveränen Vorstellung verdient.“ Im Laufe der Saison 2005 fuhr Heidfeld auf einem Level mit Webber. Als Saisonhöhepunkte gelten sein zweiter Platz in Monaco und seine erste Pole-Position auf dem Nürburgring. Ab dem Großen Preis von Italien wurde Heidfeld durch Pizzonia ersetzt. Anfangs konnte Heidfeld wegen eines Trainingsunfalls nicht starten, später musste er wegen einer weiteren Verletzung pausieren.

BMW Sauber (2006–2009) mini|Viermal Zweiter im BMW-Sauber F1.08, hier beim GP Kanada Nachdem sich BMW als Motorenlieferant von Williams getrennt und entschieden hatte, durch die Übernahme des Sauber-Rennstalls ein eigenes Team aufzubauen, wurde auch Heidfeld an Bord geholt. Neben ihm wurde für die Saison 2006 Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve verpflichtet, der jedoch nicht überzeugte und im Laufe der Saison durch den bisherigen Testfahrer des Teams, Robert Kubica, ersetzt wurde. Heidfeld etablierte sich mit seinem Team im Mittelfeld und sammelte regelmäßig Punkte. Für die Saison 2007 wurde das Ziel formuliert, sich unter die Top Vier der Konstrukteurswertung zu schieben.

In den ersten drei Rennen der Saison 2007 erreichte Heidfeld jeweils den vierten Platz und etablierte sich damit schon zu Anfang als dritte Kraft hinter Ferrari und McLaren. Das Team hielt diese Position durch die Saison und belegte am Ende – bedingt durch die Disqualifikation des McLaren-Teams – sogar den zweiten Platz unter den Konstrukteuren. Beim Großen Preis von Kanada fuhr Heidfeld das beste Saisonergebnis heraus, als er hinter Sieger Lewis Hamilton Zweiter wurde. Dieses Ergebnis stellte zugleich das beste Resultat in der Teamgeschichte dar. Heidfelds gutes Ergebnis wurde allerdings durch einen schweren Unfall seines Teamkollegen Kubica überschattet, der darauf beim nächsten Rennen pausieren musste.

Am 21. August 2007 gab BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen bekannt, dass Heidfelds Vertrag für die Saison 2008 verlängert wurde. (dpa-Meldung vom 21. August 2007) Am Saisonende belegte Heidfeld den fünften Platz in der Fahrerweltmeisterschaft und er musste sich somit nur den Ferrari- und McLaren-Piloten geschlagen geben.

Die Saison 2008 begann mit einem zweiten Platz beim Großen Preis von Australien für ihn erfolgreich. Im weiteren Verlauf war er seinem Teamkollegen Kubica jedoch mehrfach, vor allem im Qualifying, unterlegen. Beim Großen Preis von Kanada erzielte Kubica gar den ersten Sieg für BMW Sauber, nachdem Heidfeld für mehrere Runden in Führung gelegen war. Das Rennen beendete er auf Platz zwei. Heidfeld, der auch in Großbritannien und Belgien Zweiter geworden war, gelang es auch in der weiteren Saison nicht, ein Rennen zu gewinnen. Am Saisonende belegte er den sechsten Platz in der Fahrerweltmeisterschaft. Teamintern unterlag er Kubica mit 60 zu 75 Punkten.

Obwohl Heidfeld seinem Teamkollegen unterlag, ging er auch in der Saison 2009 für BMW Sauber an den Start. (N-tv.de am 6. Oktober 2008) Sauber setzte zum Anfang der Saison das Energierückgewinnungssystem KERS ein, konnte jedoch nicht um den WM-Titel mitfahren. Dennoch fuhr Heidfeld bereits beim zweiten Rennen in Malaysia auf den dritten Platz. Nachdem das Rennen wegen starken Regens hatte abgebrochen werden müssen und da es nicht mehr neu gestartet werden konnte, wurde für das Rennergebnis die vorherige Runde gewertet, in der Heidfeld den zweiten Platz belegte. Da weniger als 75 % der Renndistanz absolviert wurden, erhielten die Fahrer nur halbe Punkte. Nachdem das Team den Rückstand am Saisonanfang nicht mehr hatte aufholen können, gab BMW nach dem Großen Preis von Ungarn bekannt, dass man zum Jahresende aus der Formel 1 aussteigen werde. Nach dieser Entscheidung erzielte Heidfeld noch bei weiteren vier Rennen Punkte. In der Gesamtwertung belegte er mit 19 Punkten den 13. Platz und lag somit genau einen Platz vor Kubica, der 17 Punkte erzielte.

Mercedes/Pirelli (2010) Am 4. Februar 2010 gab Mercedes Grand Prix bekannt, dass Heidfeld in der Saison 2010 die Rolle als Test- und Ersatzfahrer des Teams einnehmen werde.„Nick Heidfeld 2010 Testfahrer bei Mercedes“ (motorsport-total.com am 4. Februar 2010) Mitte der Saison wurde Heidfeld von Mercedes freigestellt, um als Testfahrer zum Reifenhersteller Pirelli zu wechseln.„Offiziell: Mercedes lässt Heidfeld zu Pirelli wechseln“ (Motorsport-Total.com am 17. August 2010) Zudem war er in dieser Saison, bis zu seinem Abschied von Mercedes, Präsident der Fahrergewerkschaft GPDA.„GPDA: Barrichello löst Heidfeld ab“ (Motorsport-Total.com am 28. August 2010)

Sauber (2010) mini|links|Sauber-Pilot Heidfeld im Training zum Großen Preis von Japan 2010