mini|Henri-Paul Motte, ca. 1880 mini|Mottes Ehefrau Constance und ihre gemeinsamen fünf Töchter
Henri-Paul Motte (auch: Henri Motte) (* 15. Dezember 1846 in Paris; † 23. März 1922 in Bourg-la-Reine) Abweichend wurde als Geburtstag auch der 13. Dezember 1846, als Sterbedatum auch der 1. April 1922 in Paris genannt. war ein französischer Historienmaler. Seine Bilder stellen meist Themen aus der Antike oder der neuzeitlichen französischen Geschichte dar.
Leben Henri-Paul Motte, ein Schüler von Jean-Léon Gérôme, hatte sein Atelier in Neuilly-sur-Seine bei Paris (rue de Longchamps 94) und wurde 1880 mit einer Medaille 3. Klasse geehrt.Theodore Reff: World's Fair of 1889, S. 1892. (Ausstellungskatalog in 47 Bdn.) Taylor & Francis Ltd: Milton Park 2019. Außer als Maler betätigte er sich auch als Architekt, Kunstschriftsteller und Buchillustrator. Er verfasste eine „kleine Kunstgeschichte“ auf über 300 SeitenHenri Motte: Petite histoire de l'art. Paris 1896, 319 S., illustriert. und fertigte für die Ilias-Übersetzung von Emile Pessoneaux (1886) zu jedem Gesang eine ganzseitige Illustration an.Iliade. Vingt-quatre grandes compositions par M. Henri Motte. Traduction par Emile Pessonneaux. Paris o. J., ca. 1880 (laut BNF), 1886 laut I. Krueger. Vgl. Ingeborg Krueger: Illustrierte Ausgaben von Homers Ilias und Odyssee vom 16. bis ins 20. Jahrhundert, Tübingen 1971, S. 106. Motte war Mitglied der Société des Artistes Français und schuf auch Wandgemälde; so dekorierte er das Theater in Monte Carlo und das Rathaus in Limoges.Obituary | Henri Paul Motte. American Art News Vol. 20, No. 31 (May 13, 1922), S. 6. Henri-Paul Motte wurde 1892 zum Ritter der Ehrenlegion (ranghöchste Auszeichnung Frankreichs) ernannt. Die Weltausstellung 1893 in Chicago beschickte Motte mit einem wandfüllenden Gemälde auf Leinwand.William Henry Goodyear (Fotograf): World's Columbian Exposition: interior view, Chicago, United States, 1893 (Abbildung). In: Brooklyn Museum, via Wikimedia Commons. Auf der Weltausstellung von 1900 in Paris erhielt er eine Bronzemedaille.
Um die Jahrhundertwende zog Henri-Paul Motte nach Bourg-la-Reine, wo er für seine vielköpfige Familie ein großes Haus erwarb. Nach einem hohen Baum im Garten wurde das Anwesen „Pin Ginko“ (deutsch: Pinien-Ginkgo) genannt. Mit dem Aufkommen des Impressionismus wurde es für Motte immer schwieriger, seine einst so populären Gemälde zu verkaufen. Deshalb nahm er in seinem Haus auch Pensionsgäste auf.Beverly Collins, Inger M. Mees: The Real Professor Higgins: The Life and Career of Daniel Jones. Berlin: Mouton de Gruyter 1998, S. 20.
Rezeption Mottes Gemälde wurden seinerzeit auch als Reproduktionen (besonders in Schwarz-Weiß) verbreitet. Jedoch gelangte nur ein Teil der Originale in Museen. Manche Bilder aus Privatbesitz sind seit Jahrzehnten nicht mehr auf dem Kunstmarkt aufgetaucht (z. B. „Die Gänse auf dem Kapitol“) und müssen heute als verschollen gelten. Einige von Mottes Bildern werden immer noch gerne, z. B. in Schul- und Geschichtsbüchern, zur Illustration eingesetzt.Z. B. Die Schlacht von Zama, in: Helge Hesse: Bilder erzählen Weltgeschichte. München 4. Aufl. 2013, S. 50; Die Gänse auf dem Kapitol, in: Adeamus. 1. Aufl. 2016, S. 61; Napoleon in Aachen vor dem Thron Karls des Großen, in: Daniel Bernsen, Dieter Brückner (Hg.): Das waren Zeiten 1, Bamberg 2016, S. 303.
Zum Gemälde Vercingetorix kapituliert vor Caesar mini|Henri-Paul Motte: Vercingetorix kapituliert vor Caesar (1886) Im Laufe des 19. Jahrhunderts entdeckten die Franzosen ihre gallische Vorgeschichte wieder. Napoleon III. hatte am vermuteten Ort der Schlacht von Alesia Ausgrabungskampagnen durchführen lassen, und 1885 regte die École nationale des beaux-arts in Paris einen Malwettbewerb zum Thema „Die Kapitulation des Vercingetorix“ an. Mottes Gemälde „Vercingetorix kapituliert vor Caesar“ ist als Beitrag zu diesem Wettbewerb entstanden.Beitrag des Musée Crozatier zum Gemälde Motte lehnte sich dabei an den Bericht des Plutarch an, wonach Vercingetorix in vollem Waffenschmuck in Caesars Lager geritten sei, um sich dort zu unterwerfen. Im Gemälde dominiert Vercingetorix zu Pferde den Vordergrund, während Caesar nur klein im Hintergrund auf einem Podest zu sehen ist, so dass hier die Rollen von Sieger und Verlierer beinahe vertauscht erscheinen. Die römischen Legionäre, durch deren Reihe Vercingetorix im Begriff zu reiten ist, wirken fast wie ein Ehrenspalier. Damit griff Motte eine damals in Frankreich verbreitete Stimmung auf: Nach dem verlorenen Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 fühlte man sich als stolzer Besiegter, unterlegen und doch ungebrochen. Vercingetorix symbolisiert bei Motte Gambetta, Caesar Bismarck und die Schlacht von Alesia die von Sedan.Beitrag auf e-stoire zum Gemälde
Familie Henri-Paul Motte war Sohn des Jean Baptiste Jules Motte (1816–1882) aus Draguignan und der Emile Elisa, geb. Barre (1822–1899). Am 13. Dezember 1882 heiratete Henri-Paul Motte Constance Sarah Ivatts, die 1856 in Paris geborene Tochter englischer Eltern. Motte und seine Frau hatten neun Kinder, vier Söhne (Marcel, geb. 1884, gest. 1961 in Frederikshavn, Dänemark; Lionel, geb. 1886; Roland, geb. 1898, gest. 1955 in Mayfield, New South Wales, Australien; Gilbert, geb. 1902) und fünf Töchter (Irène, geb. 1889, verh. Platts; Cyrille, geb. 1890, verh. Jones; Gisèle, geb. 1893, verh. Dannatt; Renée, geb. 1895; Odette, geb. 1896).Stammbaum der Familie Motte. auf Myheritage
Außerdem lebte die Dänin Sophie Lund, genannt „Marraine“ (französisch für „Patin“), im Haushalt; sie war Hauslehrerin von Mottes Töchtern und wurde wie ein Familienmitglied behandelt. Im Hause Motte herrschte eine Atmosphäre entspannter Exzentrik, die sich z. B. darin äußerte, dass auch die Söhne langes Haar trugen, was damals sehr ungewöhnlich war.Beverly Collins, Inger M. Mees: The Real Professor Higgins: The Life and Career of Daniel Jones. Berlin: Mouton de Gruyter 1998, S. 19–20. Die Tochter Cyrille Motte heiratete 1911 den englischen Sprachwissenschaftler Daniel Jones. Dieser hatte als Sommergast regelmäßige Aufenthalte im Hause Motte verbracht und so Cyrille kennengelernt. Zwei weitere Töchter heirateten ebenfalls Engländer und Odette einen Amerikaner.Beverly Collins, Inger M. Mees: The Real Professor Higgins: The Life and Career of Daniel Jones. Berlin: Mouton de Gruyter 1998, S. 20, 85–87.
Werke (Auswahl) Bild Titel (Entstehungsjahr) Material (in Bezug auf die linke Abbildung), Größe des Originals Besitzer des OriginalsrahmenlosDas Trojanische Pferd (1874)Ölgemälde,96 × 147 cmOriginal früher in der Corcoran Gallery of Art, Washington, USA; 2009 bei Bonhams verkauft;Lot 275: Henri Paul Motte (French, 1846-1922) The Trojan Horse invaluable.com seit 2011 im Wadsworth Atheneum, Hartford, Connecticut, USAEnvisionfest Community Day 2016. thewadsworth.orgBaal verzehrt die Kriegsgefangenen in Babylon(auch unter dem Titel: Das Baalsopfer) (1876)Farbholzstichnach einem ÖlgemäldeOriginal in Algier, Musée National des beaux-artsrahmenlosHannibals Armee überquert die Rhône (1878)Schwarz-Weiß-Reproduktioneines Ölgemäldes(Heliogravüre von 1894)Original in Bagnols-sur-Cèze, Musée Albert-AndrérahmenlosKirke verwandelt die Gefährten des Odysseus in Schweine (1879)Schwarz-Weiß-Reproduktion (Sepiaton)nach einem ÖlgemäldeOriginal verschollenrahmenlosDer Kaiser langweilt sich (1880)Ölgemälde,225 × 315 cmAuxerre, Musée d’Art et d’HistoireCésar s'ennuie.gouv.frrahmenlosKardinal Richelieu bei der Belagerung von La Rochelle (1881)Ölgemälde,112 × 190,5 cmRichelieu sur la digue de La Rochelle. alienor.orgMusée d’Orbigny Bernon, La Rochellerahmenlos|150pxDie Gänse auf dem Kapitol (1883)Farbreproduktioneines ÖlgemäldesOriginal verschollenrahmenlosDie Obervestalin fährt vorbei (1885)Heliogravüre nacheinem ÖlgemäldeOriginal 1994 auf einer Auktion versteigert unter dem Titel „The Parade of the Vestal Virgins“Henri Paul Motte. artnet.derahmenlos|150pxDie Braut des Belus (1885)Ölgemälde, 178 × 122 cmfrüher Galerie Vincent Lécuyer,seit 2013 im Musée d’Orsay, ParisLa Fiancée de Bélus. musee-orsay.frrahmenlosVercingetorix kapituliert vor Caesar (1886)Ölgemälde, 172 × 250 cmMusée Crozatier, Le Puy-en-VelayVercingétorix se rendant à César de Henri-Paul Motte. .musee.patrimoine.lepuyenvelay.frrahmenlosDie Belagerung von Alesia (1888)Farbreproduktioneines ÖlgemäldesOriginal im 19. Jh. von der Société des Sciences de Semur-en-Auxois erworbenVgl. Bildunterschrift auf Le siège d'Alésia Wikimedia CommonsrahmenlosDie heiligen Gänse der Juno (1889)Ölgemälde, 32 × 46 cm2019 bei Bruun Rasmussen versteigertHenri Paul Motte: Scene from ancient Rome with the sacred geese. barnebys.deScene from ancient Rome with the sacred geese kept as guardians in the temple of Juno. bruun-rasmussen.dkrahmenlos|150pxDie Priesterin zu Delphi (1890)Nachkolorierter Holzstichnach einem ÖlgemäldeOriginal verschollenrahmenlosDer Tuileriensturm (1892)Farbreproduktionnach einem Ölgemäldeaus: Le Petit Journal, Supplement illustré, 13. Aug. 1892, S. 264 Original verschollenrahmenlosDie Tauben des Venustempels (um 1896)Holzstich nacheinem Ölgemäldeaus: Die Gartenlaube, Heft 17/1897, S. 292 (dort auch mehr zur sakralen Bedeutung der Tauben bei den Römern; Digitalisat auf Wikisource)Original verschollenrahmenlosNapoleon in Aachen vor dem Thron Karls des Großen (1898)ÖlgemäldePrivatbesitzrahmenlosDer Tanz der Israeliten um das Goldene Kalb (1899)Wasserfarbe und Gouache auf Papier, 61 × 99 cm2020 bei Bruun Rasmussen angeboten (nicht verkauft)The Israelites dancing aroung the golden calf. bruun-rasmussen.dk;