mini|François Morellet (1995) François Morellet (* 30. April 1926 in Cholet, Département Maine-et-Loire, Frankreich; † 10. Mai 2016 ebendort) war ein französischer Künstler, der sich vor allem mit Malerei, Lichtkunst, Kinetischer Kunst, Bildhauerei und Kupferstich beschäftigt hat. Seine Kunst wird der geometrischen Abstraktion, dem Minimalismus zugerechnet und zeigt Elemente neo-Dadaistischer Distanz. Morellet zählt zu den hervorragendsten französischen Vertretern der Konkreten Kunst. Er gehörte neben Julio Le Parc, Horacio Garcia Rossi, Francisco Sobrino, Joël Stein und Yvaral im Jahr 1960 zu den Mitbegründern der Künstlergruppe Groupe de Recherche d’Art Visuel (GRAV).
Leben und Werk mini|„Sphère - trames“ – Skulpturengarten Museum Abteiberg Morellet arbeitete zunächst von 1948 bis 1975 im Betrieb seiner Eltern. Während dieser Zeit beschäftigte er sich erst autodidaktisch mit der Malerei, bevor er sich auch von einem Maler unterrichten ließ. 1950 war er in Rio de Janeiro und fand durch Amir Mavignier zum Werk von Max Bill. Schon um 1950 bezeichnete sich Morellet selbst als „abstrakten Maler“ und hatte seine erste Ausstellung in der Galerie Creuze in Paris.
Ende 1951 wählte Mavignier Morellets Arbeiten als Beitrag für die Ausstellung „Abstractions“ aus, die im Januar 1952 in Nantes eröffnete. 1954 und 1957 traf Morellet Max Bill in Zürich. Darauf begann eine Suche nach gesteigerter Abstraktion, worin ihn seine Kontakte mit Jack Youngerman, Elisworth Kelly und Georges Vantongerloo bekräftigten. Dabei erhielt der Zufall eine wachsende Bedeutung im Gestaltungsprozess.
Als Kelly 1954 in die USA zurückkehrte, Youngerman sich in Richtung einer völlig freien Abstraktion verabschiedete und ihr gemeinsamer Freund Alain Naudé mit dem Malen aufhörte, blieb er zunächst isoliert. In den 60er-Jahren wandte er sich mehr und mehr der experimentellen Kunst zu und wurde Mitglied der GRAV, einer Gruppe von Künstlern, die die Möglichkeiten der visuellen Kunst wissenschaftlich experimentell erforschen wollten.
Ab 1963 setzte er Neon ein. Ab Ende der 1960er-Jahre begann sich Morellet auch für Architektur und Arbeiten im öffentlichen Raum zu interessieren und war u. a am Centre Culturel in Compiègne, am Pariser Viertel La Défense und am Skulpturenpark am Kröller-Müller-Museum in Otterlo beteiligt. 1972 entstand sein Werk 2 trames de tirets 0° 90° für die Peter Stuyvesant Zigarettenfabrik in Zevenaar, Niederlande. Morellet lebte zuletzt in Cholet und Paris.
François Morellet nahm als Teil der Groupe de Recherche d’Art Visuel und später auch als Einzelkünstler an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen weltweit teil. Dazu gehörte unter anderem 1964 die Teilnahme an der documenta III in Kassel in der berühmten Abteilung Licht und Bewegung, und als Einzelkünstler außerdem an der 4. documenta 1968 und der documenta 6 im Jahr 1977. Zudem nahm er 1970 an der Biennale in Venedig teil.
Im Jahre 2010 wurden im vom Architekten Hector Lefuel im 19. Jahrhundert gebauten Treppenhaus des Louvre in Paris seine Glasfenster mit dem Titel L'esprit d'escalier fertiggestellt.
Sein Kunstwerk Haute et basse tension (= Hoch- und Niederspannung) findet sich im Deutschen Bundestag vom Paul-Löbe-Haus bis zum Marie-Elisabeth-Lüders-Haus.
Auszeichnungen 2008: Preis Peter C. Ruppert für Konkrete Kunst in Europa 2011: Mitglied der Académie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique 2012: Komtur des Ordre des Arts et des Lettres
Ausstellungen 10. März bis 28. April 1991: Moderne Galerie des Saarland Museums Saarbrücken: François Morellet - Grands Formats 22. Januar 2001 bis 20. Mai 2002: Museum Würth, Künzelsau: MorelletGabriele Hoffmann: Späte Liebe zum Spätbarock – Das Museum Würth in Künzelsau zeigt François Morellet. In: Stuttgarter Zeitung, 26. März 2002. 21. November 2008 bis 7. Februar 2009: Galerie m, Bochum 19. März bis 26. Juni 2016: Ausstellungshaus Spoerri: François Morellet – Daniel Spoerri – Roland Topor 27. April bis 30. Juli 2016: Galerie m, Bochum 24. September 2016 bis 29. Januar 2017: Zentrum für internationale Lichtkunst Unna: MORELLET 8. März 2026 bis 24. Januar 2027: Museum Würth, Künzelsau: Die Vielseitigkeit der Geometrie. Francois Morellet zum 100. Geburtstag
Literatur François Morellet: Grands Formats. Katalog zur Ausstellung im Saarland Museum 1991, hrsg. von Ernst-Gerhard Güse, mit Beiträgen von François Morellet und Serge Lemoine (a.d. Frz. v. Hinrich Schmidt-Henkel), von Ernest W. Uthemann und Meinrad Maria Grewenig. 160 S., 58 Abb., davon 17 farbig, Saarbrücken 1991, ISBN 3-925303-52-9 François Morellet: Die Quadratur des Quadrats. Eine Introspektive. Ausstellungskatalog, hrsg. von Museum Ritter/Gerda Ridler, (dt., engl., frz.), 96 Seiten, Heidelberg 2009, ISBN 978-3-88423-321-4 François Morellet: Arbeiten 1971–1988. Dokumente unserer Zeit – Band VII, Mit Texten von Max Bense, Dorothea van der Koelen, François Morellet (deutsch, engl., franz.) 48 S., 35 s/w Abb., Mainz 1988, ISBN 3-926663-07-3 François Morellet: Abhandlung über die Methode. Dokumente unserer Zeit – Band XIX, Mit Texten von François Morellet, Dorothea van der Koelen (deutsch, engl., franz., korean.) 84 S., 47 Abb., davon 39 farbig, Mainz 1996, ISBN 3-926663-19-7 François Morellet: Konstruktionen mit der Zahl π. Dokumente unserer Zeit – Band XXVII, Texte von Jean-Hubert Martin und François Morellet (deutsch, engl., frz.) 72 S., 74 Abbildungen davon 16 in Farbe, Mainz 2001, ISBN 3-926663-27-8 François Morellet: Ein Buch, in dem es nichts zu sehen gibt, Über Kunstwerke, die nichts sagen wollen; Eine Auswahl von Texten des Künstlers; übersetzt und eingeleitet von Marie-Amélie zu Salm-Salm, 112 S., zweisprachig: französisch/deutsch, Mainz 2003, ISBN 3-931876-49-7 François Morellet: Senile Lines and others. Dokumente unserer Zeit – Band XXXV, Texte von François Morellet und Dorothea Strauss (deutsch, engl., frz.) 72 S., ca. 50 Abbildungen, meist farbig, Mainz 2006, ISBN 3-926663-35-9 Francois Morellet, mit Beiträgen von Thomas McEvilley, Arnauld Pierre, Jacqueline Lichtenstein und Jean-Francois Groulier, Vorwort von S. C. Weber, zweisprachig: deutsch/englisch, Swiridoff 2002, ISBN 978-3-934350-67-0 Francois Morellet · Vernunft und Ironie, mit Beiträgen von Francois Morellet, Serge Lemoine, Sonja Klee, Daniel Abadie. Vorwort von Sylvia Weber, Pierre Hugel, Peter van Etten. Zweisprachig: deutsch/französisch, Swiridoff 2008, ISBN 978-3-89929-145-2 documenta III. Internationale Ausstellung; Katalog: Band 1: Malerei und Skulptur; Band 2: Handzeichnungen; Band 3: Industrial Design, Graphik; Kassel/Köln 1964 Ausstellungskatalog zur IV. documenta: IV. documenta. Internationale Ausstellung; Katalog: Band 1: (Malerei und Plastik); Band 2: (Graphik/Objekte); Kassel 1968 Harald Kimpel / Karin Stengel: documenta III 1964 – Internationale Ausstellung – Eine fotografische Rekonstruktion (Schriftenreihe des documenta-Archives), Bremen 2005, ISBN 978-3-86108-528-7 Katalog zur documenta 6: Band 1: Malerei, Plastik/Environment, Performance; Band 2: Fotografie, Film, Video; Band 3: Handzeichnungen, Utopisches Design, Bücher; Kassel 1977, ISBN 3-920453-00-X
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Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Frankreich) Kategorie:Bildhauer (Frankreich) Kategorie:Künstler der Konkreten Kunst Kategorie:Künstler des Minimalismus Kategorie:Kinetische Kunst Kategorie:Künstler (documenta) Kategorie:Träger des Ordre des Arts et des Lettres (Komtur) Kategorie:Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften und Schönen Künste von Belgien Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1926 Kategorie:Gestorben 2016 Kategorie:Mann