Das westerzgebirgische Dorf Dittersdorf ist ein Ortsteil der Bergstadt Lößnitz im sächsischen Erzgebirgskreis und gehört damit zum Städtebund Silberberg.

Geographische Lage Der östlich von Lößnitz gelegene Ort erstreckt sich mehr als zwei Kilometer bergaufwärts rechts und links des Vorderen Aubaches und des Dorfbaches.

Geschichte Gründung Die Besiedlung Dittersdorfs erfolgte vermutlich durch mainfränkische Bauern in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Um diese Zeit drangen Ritter, Mönche und Bauern von Nordwesten immer weiter entlang der Zwickauer Mulde in das von Menschen noch unbewohnte Waldgebiet vor und gründeten Klöster, Burgen und Dörfer. Bis dahin galt die Gegend als schwer zugänglicher Urwald, in dem Bären und Wölfe lebten. Aus einer Beschreibung des Kleingaues Zwickau aus dem Jahre 1118 geht hervor, dass dessen Siedlungsplanung bereits sehr nahe an das heutige Dittersdorfer Flurgebiet heranreichte. In der Beschreibung wird der Berg Luderni (Schnepfenberg bei Lenkersdorf oder der Jermiasberg bei Lauter) und die Mündung des Schwarzwassers als südöstlichste Grenze erwähnt. 1173 erreichten die Siedler im unmittelbaren Südwesten die Flur von Aue und gründeten das Klösterlein Zelle. Lothar Enderlein weist darauf hin, dass die Augustiner von Celle schon sehr bald mit Unterstützung der Burgherren von Lößnitz versucht haben, Erze zu finden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie dabei in andere Täler vorgedrungen sind, zum Beispiel in die heutigen Fluren von Affalter, Kühnhaide und Dittersdorf. Einige dieser bergbaulichen Ansiedlungen wurden wieder aufgegeben, da sich entweder kein Ertrag einstellte oder spätestens durch die Hungersnot in den Jahren 1224/25. Ein Beispiel dieser verlassenen Wüstungen bilden die Kutten im Lößnitzer Gotteswald, dessen Name darauf hindeutet, dass dort Mönche tätig waren. Der Ort Dittersdorf wurde als typisches einreihiges Waldhufendorf angelegt und gehörte vermutlich von Beginn an zu den Besitzungen der Grafschaft Hartenstein und damit auch dem Burggrafen von Meißen, Meinher II. Dittersdorf ist vorwiegend ein Bauerndorf mit stattlichen Hofanlagen (zum Teil mit Vierseithöfen). Einige Häuser sind in Fachwerkbauweise errichtet worden (zum Beispiel Nr. 17). Viele Dächer sind mit heimischem Schiefer gedeckt.

Kloster Grünhain (1238–1536) 1238 wurde der Ort als Thederickersdorf (Dorf eines Tederichs bzw. Dietrichs) erstmals urkundlich im Privilegium über Dittersdorf bei Zwönitz erwähnt, als es an das Zisterzienserkloster Grünhain verkauft wurde. Zeugen des Kaufs waren ein Münzmeister Widego von Lesnitz und Bruno von Bilowe, Besitzer des Rittergutes im heutigen Vielau. Beide Zeugen waren Dienstmannen der Meinheringer, welche wiederum die Grafschaft Hartenstein besaßen. Zum Zeitpunkt des Kaufs war Dittersdorf bereits voll besiedelt, hatte die Freijahre schon hinter sich und bestand seinerzeit vermutlich aus 16 Waldhufengütern. Lothar Enderlein vermerkte nämlich für das Jahr 1240, dass das Grünhainer Zisterzienserkloster aus Dittersdorf immer zu Martini 49 altenburgische Scheffel Korn und Hafer (welche aus 16 Pflügen Winter- und Sommersaat entstanden) an Einnahmen erhalten hat. Weiterhin mussten 8 Pfund Pfennige weniger drei Schillinge je zur Hälfte am Martinstag und am Walpurgistag gezahlt werden. Zusätzlich wurden die Bauern verpflichtet zweimal im Jahr die Klosterfelder zu pflügen. 1456 hatte jeder Bauer alljährlich 6 Scheffel Korn, 14 Scheffel Hafer, 11 Schock und 18 Stück Eier und 50 Käse in natura für des Abtes Küche zu liefern. Das Kloster und seine Pfarren wurden daher auch als Kornwurm bezeichnet. Diese Lasten wurden nach und nach weiter erhöht, bis es zu Arbeitsverweigerungen, Aufständen und schließlich zum Bauernkrieg führte, welcher 1526 niedergeschlagen wurde.

Einige Heimatforscher vermuten aufgrund des Verlaufs der einzelnen Flurstücke und der Gemeindegrenze, dass es auf oder in der Nähe der Grünen Wiese am Grünen Bach eine Kleinsiedlung gegeben haben könnte.

Seit dem Kauf durch den Grünhainer Abt Brüning lag das Klosterdorf Dittersdorf genauso wie das Nachbardorf Kühnhaide etwas abseits und war dadurch Jahrhunderte lang auf sich selbst angewiesen. Es hatte weder einen Herrenhof noch eine eigene Kirche. Dittersdorf hatte weder eigenes Braurecht, Fleischbänke, Salzschank, noch durfte es eigene Handwerker (zum Beispiel einen Hufschmied) halten, dafür waren im Klostergebiet die Städte zuständig. Zudem gab es im Ort keine Kirche, so dass es viele Gründe für die Dorfbewohner gab, die benachbarte Stadt Zwönitz aufzusuchen.

mini|Schiefergedecktes Bauerngut in Fachwerkbauweise mit Bausubstanz aus der Klosterzeit (1999) mini|Schiefergedecktes Fachwerkhaus am Zusammenfluss von Grünem Bach und Dorfbach (1999) Das östlichste und am höchsten liegende Bauerngut war einst ein Wirtschaftshof des Klosters, der gleichzeitig auch die Jagdunterkunft des Grünhainer Abtes gewesen sein soll. Entsprechende Bausubstanz aus der Klosterzeit soll dort heute noch zu finden sein. Weiterhin soll das Bauerngut am Zusammenfluss von Grünem Bach und Dorfbach den Grünhainer Äbten ebenfalls als Jagdunterkunft gedient haben. Im 15. Jahrhundert wurde die Grünhainer Klosterkirche mit Dittersdorfer Schiefer eingedeckt. An den Schieferabbau erinnert noch heute das Schieferloch bei Dreihansen.

1534 waren die sieben äbtischen Bauern von Lenkersdorf zu Dittersdorf geschlagen worden und mussten seitdem den Dittersdorfer Dingstuhl benutzen. Bereits seit 1495 gab es diesen Dingstuhl, an dem Zwönitzer Richter regelmäßig im Jahr Gerichtstage abhielten und dessen erster Richter in Dittersdorf Oswald Heimpol hieß. Die Dittersdorfer konnten dadurch ihre Streitigkeiten im Ort austragen und brauchten nicht mehr nach Zwönitz zu fahren. Die Zwönitzer Richter wiederum wurden vom Kloster(-amt) Grünhain eingesetzt und waren der Stadt Zwönitz keinerlei Rechenschaft schuldig.

Amt Grünhain (1536–1821) Nach der Auflösung des Grünhainer Klosters gehörte Dittersdorf ab 1536 zum Klosteramt Grünhain. Von den Folgen des Schmalkaldischen Krieges weitgehend verschont, mussten die Einwohner des Dorfes gemeinsam mit jenen der umliegenden Dörfer im Vorfeld des Dreißigjährigen Krieges für den Kriegsfall einen gemeinsamen Zwönitzer Heerwagen und Fußknechte stellen, weiterhin wurden Kriegssteuern eingefordert. Im Jahr 1548 zählte Dittersdorf 25 besessene Mann und 28 Einwohner auf 26,5 Hufen. Vom schweren Kriegs- und Pestjahr 1640 war Dittersdorf nicht betroffen.

In der kursächsischen Holzordnung von 1560 heißt es u. a.: „Die Flecken sind zur Wolfsjagd zu gehen schuldig, wie sie das zu der Mönche Zeiten auch getan“, damit wird die Teilnahme an der Wolfsjagd zur Pflicht gemacht. Vor allem nach dem Dreißigjährigen Krieg hatten sich die Wölfe wieder stark vermehrt. Daher bestand noch bis ins 18. Jahrhundert hinein ein regelrechter Wolfsdienst, welcher den Dorfbewohnern zwar wenig begehrenswert erschien, deren Notwendigkeit sie aber dennoch einsahen, und zu dem ein jedermann verpflichtet war. Dabei handelte es sich um winterliche Wolfstreibjagden, welche anstrengend und gefährlich waren. Im Jahre 1662 musste Dittersdorf 15 Mann stellen, für die Wolfstreibjagd „nach Rabenstein oder wo das Wolfszeug anzutreffen“, während Lenkersdorf 3, Kühnhaide 18, Gablenz 13 und Zwönitz 40 Mann zu stellen hatte. Die letzten großen Treibjagden, an denen 477 Mann teilnahmen, fanden 1703 und 1711 bei Burgstädtel statt. Der letzte Wolf wurde 1816 in der Nähe des Jägerhauses bei Aue abgeschossen, der letzte Braunbär wurde bereits 1760 bei Lauter gefangen.

Ein Riss von Balthasar Zimmermann (Erste Kursächsische Landesaufnahme) aus dem Jahre 1615 zeigt Dittersdorf mit 24 Höfen, einer Mahlmühle mit 3 Gängen am oberen Dorfbach, einer Brettmühle am Zufluss vom Grünen Bach, einer Brettmühle am Vorderen Aubach und einer zweiten Mahlmühle mit nur einem Mahlgang am unteren Ortsende. Weiterhin kann man aus den Rissen von Balthasar Zimmermann und den Rissen und Aufzeichnungen von Georg Oeder dem Älteren und dem Jüngeren aus den Jahren 1560 bis 1570 erkennen, dass sich der Waldbestand seitdem nicht wesentlich geändert hat. Alle anbaufähigen Flächen wurden schon zu dieser Zeit bewirtschaftet. Das Bergamt Schneeberg belehnte 1667/68 erste Schieferbrüche in Dittersdorf.

Da der Schulweg für die Dittersdorfer Schüler nach Zwönitz sehr weit und im Winter auch oft gefährlich war, gründete sich Dittersdorf kurz vor dem Jahr 1680 eine eigene Nebenschule. Diese wurde von einem Schulhalter (Lehrer ohne kirchliches Amt) oder einem Kinderlehrer geleitet.

Am 26. Juni 1667 erfolgte durch den Schneeberger Bergmeister Tröger die bergmännische Verleihung eines Schieferbruches an den Planitzer Schieferdecker Gabriel Bleil. 1674 wurde ein weiterer Bruch an den Schieferdecker Christian Steinel aus Schneeberg verliehen. Daneben standen noch weitere Brüche im Betrieb, über deren unfachmännische Bewirtschaftung beim Bergamt Klagen eingingen.

1764 zählte Dittersdorf 24 besessene Mann und 9 Häusler auf 26,5 Hufen zu je 22 Scheffel.

Amtshauptmannschaft Schwarzenberg (1821–1939) mini|Ehemalige Schule Dittersdorf (Lößnitz) Das Amt Grünhain, und mit ihm Dittersdorf, ging 1821 nach der Auflösung des Erzgebirgischen Kreises in seinem Kerngebiet in der Amtshauptmannschaft Schwarzenberg auf. 1834 lebten 272 Einwohner in Dittersdorf. Haupterwerbszweige waren die Landwirtschaft, Waldarbeit, Schieferbrucharbeit und Heimarbeit für Lößnitzer Gewerbetreibende. Weiterhin gab es zwei Mahlmühlen, eine Ölmühle und eine Walkmühle, deren Mühlgräben teilweise noch heute zu sehen sind. Die Walkmühle, an der Nachbargemeinde zu Dreihansen gelegen, war der ehemalige Dittersdorfer Waffenhammer, welcher mit der Wasserkraft des vereinten Aubaches für die Befriedung des Eisenbedarfs in den nahen Schieferbrüchen sorgte. Dieser Waffenhammer wurde später in eine Walkmühle und eine Tuchfabrik umgebaut, und 1884 wiederum zu einem Betrieb für Landmaschinenbau. Außer den Dreihansener Schieferbrüchen gab es noch fünf weitere Schieferbrüche in der Dittersdorfer Flur.

Am 6. April 1835 erfolgte eine neue Verwaltungsgliederung des Königreiches Sachsen und die Bildung der Kreisdirektion Zwickau, zu der die Amtshauptmannschaft Schwarzenberg u. a. mit dem Amt Grünhain und damit die Gemeinde Dittersdorf gehörte. Um 1850 wurde die Freiwillige Feuerwehr Dittersdorf gegründet. 1856 gehörte Dittersdorf zum Gerichtsamt Grünhain.

1868 schickte der vom Staat beauftragte „Civil-Ingenieur“ Oskar Heßler zur Rentabilitätsprüfung der geplanten Bahnstrecke Chemnitz-Zwönitz-Lößnitz-Aue-Adorf Fragebögen an die betroffenen Gemeinden, darunter an die Gemeinde Dittersdorf und ihre Gewerbetreibenden. Die Auswertung ergab unter anderem, dass zu dieser Zeit 360 Einwohner in Dittersdorf lebten, und sich dort eine Mahlmühle sowie zwei Schneidemühlen befanden. Außerdem existierte die Sächsische-Lößnitzer-Schieferbruch-Compagnie, die ein insgesamt 400 Acker großes Abbaureal auf Lößnitzer, Affalterer, Lenkersdorfer und Dittersdorfer Flur für den Schieferabbruch nutzte. Insgesamt bestand die Compagnie aus einer Plattenschneiderei für Schieferplatten und fünf Schieferbrüchen; dem Dittersdorfer Bruch beim heutigen Schieferloch, der mit einem jährlichen Abbau von 100.000 Zentnern Dachschiefer und 200 Arbeitern der größte war, dem Foigt-Bruch (80 Mann, 35.000 Zentner), dem Hasenschwanzbruch (65 Mann, 30.000 Zentner), dem Kommunenbruch (55 Mann, 25.000 Zentner) und dem Lenkersdorfer Bruch (45 Mann, 22.500 Zentner). 1871 begannen die Bauarbeiten für diese Bahnstrecke und in der Gemeinde lebten nun 374 Einwohner, welche seit dem 15. Oktober 1874 zur neu gegründeten Amtshauptmannschaft Schwarzenberg gehörten. mini|Steinernes Eisenbahnviadukt des Semmeringteils (1999)