Kösener Senioren-Convents-Verband 250px|Die Kösener Raute, das Symbol des Kösener Senioren-Convents-Verbandes.|zentriert Gründung 15. Juli 1848 in Jena Auflösung 28. September 1935 Rekonstitution 19. Mai 1951 auf der Godesburg Mitglieder 103 Kösener Corpsan 42 Hochschulorten (2018) Leitung Vororte des KSCV Altherrenverband Verband Alter Corpsstudenten Kartellvertrag WeinheimerSenioren-Convent (WSC) Verbandsorgan CORPS Magazin, Auflage 22.000, vier Ausgaben pro Jahr Geschäftsstelle VAC-BüroNaumburger Str. 2–406628 Bad Kösen Website www.die-corps.de

Der Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV) ist ein 1848 gegründeter Dachverband von Studentenverbindungen. Die heute in Deutschland, Österreich, Belgien und Ungarn und in der Schweiz ansässigen Corps wurzeln im Deutschen Idealismus.Hans Peter Hümmer: Die Entstehung der Corps im Zeichen des klassischen Idealismus. In: Rolf-Joachim Baum (Hrsg.): »Wir wollen Männer, wir wollen Taten!« Festschrift zum 150-jährigen Bestehen des Kösener Senioren-Convents-Verbandes. Siedler, Berlin 1998, ISBN 3-88680-653-7, S. 15–44.H. P. Hümmer, W. Bauer, H. Söhnlein: Erfand Friedrich von Schiller den corpsstudentischen Idealismus? Zum 200. Todestag des großen deutschen Dichters. In: Einst und Jetzt. Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung. Band 50 (2005), S. 13–30.Friedrich Hielscher: Die geistesgeschichtlichen Grundlagen der Corps. In: Festschrift zum Kösener Congresse vom 6. bis zum 9. Juni 1962 in Würzburg (= Neunte Festschrift des HKSCV). O. O. 1962, S. 7–33. Nicht wenige sind älter als 200 Jahre. Im Sommersemester 2018 gab es 103 Kösener Corps an 42 Universitätsstandorten. Rund 2.200 Studenten und mehr als 13.000 berufstätige Akademiker von allen Kontinenten sind Kösener Corpsstudenten.

Grundsätze mini|Das nicht gebaute Haus der Korpsstudenten in Bad Kösen mini|Kösen, Mutiger Ritter, Alter Sitzungssaal bis 1900 Der KSCV ist als nicht eingetragener Verein organisiert und hat seinen Sitz mit Geschäftsstelle in Bad Kösen. Im Gegensatz zu den anderen Korporationsverbänden besteht er nicht aus Einzelverbindungen, sondern aus den Senioren-Conventen (SC). Nach dieser Subsidiarität wird auf dem Kösener Congress in der Regel nach SC, nur ausnahmsweise nach CC abgestimmt. Die Statuten und Satzungen der Kösener Verbände schließen ein allgemeinpolitisches Mandat aus. Der KSCV, die Senioren-Convente und die Corps äußern sich deshalb nicht zur Tagespolitik und betreiben eine zurückhaltende Öffentlichkeitsarbeit. Dagegen wird hochschulpolitisches Engagement gefördert. KSCV und VAC stützen sich auf Kommissionen für Statuten, Geschichte, Verbände, WSC-Kartell und Fechten. Als einziger Korporationsverband veröffentlicht der KSCV in den Kösener Corpslisten von jeher seine Mitgliederlisten.

Die Kösener Corps pflegen die Mensur, das „Maßnehmen“ mit studentischen Fechtwaffen. Die selbstgegebenen Farben sind ihr wichtigstes Identitätsmerkmal. Obwohl kein Corps wie das andere ist, verbinden bestimmte Formen alle Corps. Auch dadurch unterscheiden sie sich in ihrer Gesamtheit von anderen Korporationsarten. Geistesgeschichtlich zutiefst „deutsch“, stehen die Corps von jeher Studenten aller Völker, Konfessionen und Nationalitäten offen. Zu ihren Stärken gehört die Duldsamkeit:Kosmopolitische Spaziergänge des Corpsburschen Kurt von Terzenheim, 1896.Academische Monatshefte. 1898.

Die Mitgliedschaft einzelner Mitglieder in mehreren Corps des KSCV ist in den allermeisten Corps möglich. Dagegen bleiben die wenigen verbliebenen Lebenscorps (Onoldia und Bavaria München) unter sich. Ihre Corpsbrüder können nicht in einem anderen Corps aktiv werden und Angehörige anderer Corps können nicht aufgenommen werden.

Zum Ehrbegriff meinte Wilhelm Liebermann von Wahlendorf:

Vorgeschichte mini|Corps in Europa

Ende des 18. Jahrhunderts bildeten sich Kränzchen und landsmannschaftliche Zusammenschlüsse, die schriftliche Regeln für den studentischen Umgang forderten. Sie schlossen sich zu Senioren-Conventen (SC) zusammen und vereinbarten verbindliche SC-Comments. Der Alleinvertretungsanspruch war insofern begründet, als alle landsmannschaftlichen Vereinigungen im SC mitwirkten. Dagegen erstrebte die Urburschenschaft eine „Allgemeine Burschenschaft“, die Vereinigung aller Kommilitonen. Das führte natürlich zu Konflikten mit den Senioren-Conventen. In der Auseinandersetzung mit jenem „revolutionären“ Gedanken bildete sich die Identität der Corps. „Corpsstudententum“ war nicht mehr „Studentenschaft“.H. P. Hümmer: . In: die-corps.de. Dass der KSCV der „am stärksten diversifizierte Korporationsverband“ ist, kann der ideologiefreien Anpassung der Corps an die soziologische Entwicklung im 19. Jahrhundert zugeschrieben werden. Anders als die Urburschenschaft erstrebten sie weder eine einheitliche Studentenschaft und Nation noch eine Republik. Die Emanzipation und Differenzierung des Bürgertums und die (allein in Deutschland einsetzende) Akademisierung des Adels spiegelten sich in den Kränzchen, „Landsmannschaften“ und Corps wider.

So spielt die Anciennität im KSCV von jeher eine große Rolle. Ihretwegen entwickelte sich vor und nach dem Ersten Weltkrieg ein lebhaftes Interesse an der eigenen Corpsgeschichte, besonders dann, wenn auf eine offizielle Rückdatierung des Stiftungsjahres gehofft werden konnte. Diese „Eitelkeit“ führte zu erbitterten Auseinandersetzungen, zum Beispiel in den 1920er Jahren zwischen Littuania und Masovia und 1934 in der (noch heute umstrittenen) Rückdatierung von Guestphalia Halle von 1840 auf 1789. Diese Kämpfe brachten den kaum ermeßlichen Gewinn, dass allein die Kösener Corps ihren Mitgliederbestand durchgängig dokumentieren und in den Kösener Corpslisten veröffentlichen. Viele Corps können mit einer tiefgehenden, meist gedruckten Aufarbeitung ihrer Geschichte aufwarten.

Aus Erlangen kamen 1818 und 1820 die ersten Anregungen, die Corps zusammenzubringen. Saxo-Borussia und der Heidelberger Senioren-Convent schlugen 1821 eine Vereinigung aller Corps vor. Bei ihrer geographischen Nähe unterhielten die sächsischen SC von Jena, Leipzig und Halle von jeher gute Beziehungen. Sie trafen sich oft auf der Rudelsburg bei Kösen. Schriftlich vereinbarten sie bereits am 4. März 1821 einen Allgemeinen Senioren-Convent (ASC). Dieser Vorläufer des KSCV trat bis 1842 an wechselnden Orten (Halle, Köstritz, Camberg) im Geheimen zusammen. Halle war ab 1838 nicht mehr dabei.Robert Paschke: Die Einigungsbestrebungen der deutschen Corps bis 1848. In: Einst und Jetzt. Band 3 (1958), S. 5–19.W. Fabricius: Geschichte und Chronik des Kösener SC-Verbandes. Nach den Akten von Dr. W. Fabricius. G. Elwert’sche Universitätsbuchhandlung, Marburg 1907, S. 4 f.

Gründung des Verbandes mini|Friedrich v. Klinggräff Beschleunigt durch den Progress und die Gründung von anderen studentischen Zusammenschlüssen, wuchs an den Universitäten des Deutschen Bundes das Bedürfnis nach einem Austausch über die Idee des „Corpsstudententums“. Zum Hintergrund gehörten die Deutsche Revolution 1848/1849 und das zweite Wartburgfest 1848. Dort standen die Corps einer „linken“, republikanisch-nationalen Mehrheit gegenüber, so dass die Notwendigkeit einer gemeinsamen Vertretung erkannt wurde.E. Bauer: Die Jenaer Corpsversammlung (15. bis 17. Juli 1848), die Wiege des Kösener Seniorenconventsverbandes. In: Einst und Jetzt. Band 3 (1958), S. 20–41. Die Instruktion für die Delegierten des Heidelberger Senioren-Convents lautete:Handbuch des Kösener Corpsstudenten. 4. Ausgabe (1953), S. 24.

Vom 15. bis 17. Juli 1848 versammelten sich auf Initiative Friedrichs von Klinggräff elf deutsche Senioren-Convente zu einem gemeinsamen Congress in Jena. In der späteren historiographischen Rezeption wird dieses Treffen überwiegend als Jenaer Corpsversammlung, Jenaer Corpscongress oder auch als Jenenser Senioren-Convents-Deputiertenversammlung bezeichnet, wobei bereits die zeitgenössische Terminologie keine einheitliche war. Im Jahr darauf und auch in den beiden Folgejahren tagte der Congress in Kösen; in den offiziellen Protokollen erscheint er nun unter der Bezeichnung Kösener Congress. Nach 1851 ging der Dachverband jedoch wieder ein. Im Jahr 1855 konstituierte sich erneut ein Dachverband der deutschen Corps. Nach der Wiederentdeckung der Protokolle und Beschlüsse der ersten Corpsversammlung von 1848 durch Heinrich Brüning im Jahr 1912 setzte sich im frühen 20. Jahrhundert die Auffassung durch, der KSCV sei nicht erst 1855, sondern bereits 1848 gegründet worden. Seit einem Beschluss des oKC aus dem Jahr 1920 gilt die Jenaer Versammlung von 1848 offiziell als Gründungsdatum des KSCV.Karsten Bahnson: Vorgeschichte und Gründung des Kösener Senioren-Convents-Verbandes. In: Rolff-Joachim Baum (Hrsg.): »Wir wollen Männer, wir wollen Taten!« Deutsches Corpsstudententum 1848 bis heute, Berlin 1998, S. 45–83.

Staatsdiener In der staatlichen Verwaltung, der „tätig werdenden Verfassung“ (Lorenz von Stein), waren Corpsstudenten führend vertreten.R. Döhler: Säulen Preußens – 59 Corpsstudenten als Oberpräsidenten preußischer Provinzen. In: Einst und Jetzt. Band 55 (2010), S. 143–148. Im Reichstag des Norddeutschen Bundes saßen 102 Corpsstudenten. Die beiden ersten Präsidenten des Reichsgerichts kamen aus Königsberger Corps. Als Preußenprinzen und Otto von Bismarcks Söhne aktiv wurden und zwei Corpsstudenten das Kaiserreich führten, erreichten die Corps eine unangefochtene Dominanz im gesellschaftlichen und politischen Leben Deutschlands. An Nachwuchs gab es keinen Mangel und die Alten „erzogen“ die Jungen. Schon auf dem oKC 1881 überwogen die Alten Herren der Corps die Aktiven derart, dass der Aktivencongress scherzhaft „Nebenkösener“ genannt wurde.Academische Monatshefte. 6 (1890), S. 418.

Auch außerhalb der Hochschulorte hatten sich bereits seit Ende der 1850er Jahre die Corpsstudenten aller Kreise an den Heimatorten als Alte Herren in den AHSC und Bezirksverbänden organisiert, die sich 1888 auf Reichsebene im Verband Alter Corpsstudenten zusammenschlossen. Der KSCV hatte sich in der Kaiserzeit über seine Denkmäler bei der Rudelsburg nicht unwesentlich als „Denkmalbauverein“ definiert. Wo sich „Kösener“ regelmäßig trafen, gründeten sie Stammtische und AHSC. Im Reich waren Stallupönen und Metz die am weitesten voneinander entfernten AHSC.In Preußen waren „Gumbinnen–Saarlouis“, im Kaiserreich „Gumbinnen–Metz“ die am weitesten voneinander entfernten Garnisonen. Wie „Flensburg–Garmisch“ in der (alten) Bundesrepublik kennzeichneten sie damals die Ausdehnung von Preußen und Reich. Außerhalb der Reichsgrenzen waren AHSC in Bern, Zürich, Wien, Triest, Paris, St. Petersburg und u. a. auch in Linz und Mitau entstanden. Mit dem Erwerb von Kiautschou erreichte das Deutsche Kaiserreich seine größte Flächenausdehnung. Und Corpsstudenten gab es in der ganzen Welt. AHSC entstanden schon 1882 in New York City, später in Tsingtau, Windhoek und Boston. Diplomaten, Marineärzte und Verwaltungsbeamte trafen sich in den Stützpunkten der Kolonien.

Kösener Fenster Da das Corps Onoldia „vor 100 Jahren in der ruhmreichen Geschichte der deutschen Corps den Weg eröffnet“ hatte, schenkte der Kösener SC-Verband 1898 der Onoldia zwei Glasfenster mit den Studentenwappen aller Kösener Corps.H. P. Hümmer: Die Kösener Fenster im Corpshaus der Onoldia. In: Einst und Jetzt. Band 34 (1989), S. 49–52. Sie wurden von Gustav Adolf Closs entworfen und von Franz Xaver Zettler in München hergestellt.

Reichstag hochkant|mini|Fürst Bismarck † Zur Zeit des Deutschen Kaiserreichs waren 7 von 13 Reichstagspräsidenten Kösener Corpsstudenten: Eduard von Simson (1871–1874) Max von Forckenbeck (1874–1879) Adolf von Arnim-Boitzenburg (1880–1881) Gustav von Goßler (1881) Albert von Levetzow (1881–1884) Wilhelm von Wedel-Piesdorf (1884–1888) Albert von Levetzow (1888–1895) Rudolf von Buol-Berenberg (1895–1898)

Erster Weltkrieg mini|KSCV-Stele in Langemark (2022)