Staaken ist ein Ortsteil des Bezirks Spandau im Westen Berlins.
Geographie Berlin-Staaken liegt im Naturraum der Zehdenick-Spandauer Havelniederung. Im Nordosten grenzt Staaken an das Falkenhagener Feld, im Osten liegt die Ortslage Klosterfelde zwischen Staaken und dem Kern des Bezirks Spandau (Ortsteile Spandau und Wilhelmstadt). Im Westen und Süden bildet der Ortsteil die Berliner Stadtgrenze zur Stadt Falkensee und den Orten Dallgow und Seeburg der Gemeinde Dallgow-Döberitz im Landkreis Havelland.
Während der historische Teil Staakens um das alte Dorf im Norden und Süden überwiegend durch Einfamilienhaussiedlungen sowie die Gartenstadt Staaken geprägt ist, bestehen der östliche Teil und Neu-Staaken überwiegend aus Großsiedlungen, die ab dem Ende der 1950er bis in die 1970er Jahre in mehreren Bauabschnitten entstanden sind.
Geschichte Bis zur Eingemeindung in den Bezirk Spandau von Berlin Staaken wurde erstmals am 26. März 1273 urkundlich als Dorf in Stakene erwähnt. Der Name kommt aus dem Mittelniederdeutschen To den staken und bedeutet „Ort, wo Knüppel, dicke Stöcke, Pfähle sind.“Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. (= Brandenburgische Historische Studien, Band 13), im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission. be.bra wissenschaft verlag, Berlin/Brandenburg 2005, ISBN 3-937233-30-X, S. 161.
mini|Karte des geteilten Berlin. Gebietsaustausch am westlichen Stadtrand (gepunktete Linie) erkennbar
Das Dorf wurde wohl kurz nach 1200 von deutschen Zuzüglern als Straßendorf „aus wilder Wurzel“ gegründet, denn archäologische slawische Funde liegen bisher nicht vor.
Zwischen 1295 und 1872 lag die Herrschaft über Staaken bei der Stadt Spandau. Von 1273 bis 1420 gehörte dem Benediktinerinnenkloster Spandau acht Hufen, von 1420 bis zur Reformation dem Heilig-Geist-Spital zwölf Hufen, danach dem Rat der Stadt Spandau elf Hufen. 1273 wurde Staaken als Pfarrdorf bezeichnet; die Dorfkirche Staaken war eigenständige Mutterkirche. Im Landbuch Karls IV. (1375) wird Staaken nicht erwähnt, weil der Markgraf dort keine Rechte mehr besaß. 1624 wurde erstmals die Gesamthufenzahl des Dorfs mit 59 Hufen erwähnt.
Am 1. Oktober 1920 erfolgte auf der Grundlage des Groß-Berlin-Gesetzes die Eingemeindung des bisherigen Dorfes Staaken nach Berlin und die Zuordnung zum Bezirk Spandau.
Das geteilte Staaken (1945–1990)
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Staaken im Rahmen eines Gebietstausches zwischen Briten und Sowjets per 31. August 1945 aufgeteilt. aus den Jahren 1929, 1946 (ohne Grenzverlauf), 1974 (Grenzverlauf Straßenmitte), 1981, 1988 (Grenzverlauf am Straßenrand), 1991 und aktuell (Spandau) Der westliche Teil wurde der sowjetischen Besatzungsmacht zugesprochen. Dabei wurde dieser Teil zunächst weiter vom Spandauer Rathaus aus verwaltet. So konnten die Bewohner West-Staakens am 3. Dezember 1950 noch an den Wahlen zum West-Berliner Abgeordnetenhaus teilnehmen. Der östliche Teil Staakens blieb – wie der gesamte Bezirk Spandau – Teil des Britischen Sektors. Grund für diese außergewöhnliche Aufteilung Staakens unter den Alliierten – abweichend von den Berliner Bezirksgrenzen – war, dass die britische Siegermacht den in Gatow gelegenen Flugplatz für ihren Sektor in Berlin benötigte. Der Flugplatz Gatow lag ursprünglich zum Teil auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Die beiden alliierten Mächte einigten sich darauf, West-Staaken den Sowjets und den Briten im Gegenzug Teile der Gemeinde Groß Glienicke sowie den sogenannten „Seeburger Zipfel“ (einen schmalen Gebietsstreifen auf der Höhe der brandenburgischen Gemeinde Seeburg, der relativ weit in den Britischen Sektor von Berlin hineinragte) im Südwesten Spandaus zuzuteilen, wodurch die Briten den Flugplatz Gatow besser nutzen konnten. Die Grenze zwischen dem sowjetischen West-Staaken und dem britischen Staaken in West-Berlin verlief in einer Linie von Nord nach Süd in der Mitte der Straßenzüge Finkenkruger Weg, Nennhauser Damm und Bergstraße.Lage der Grenzziehung auf dem Stadtplan Berlins von 1955
mini|Ausgabe von DDR-Lebensmittelkarten in West-Staaken, 1951
Am 1. Februar 1951 wurde West-Staaken von der DDR-Volkspolizei besetzt und zunächst vom Ost-Berliner Bezirk Mitte aus regiert. Am 1. Juni 1952 wurde die Verwaltung auf die zur DDR gehörige Gemeinde (ab 1961 Stadt) Falkensee (Kreis Nauen, Bezirk Potsdam) übertragen; jedoch gehörte West-Staaken weiterhin zur Viersektorenstadt Berlin,Für Weststaaken befand sich auf in der DDR herausgegebenen Karten der 1960er Jahre die Anmerkung: gehört zum Demokratischen Sektor (Bezirk Mitte) bis am 1. Januar 1961 die Eingliederung nach Falkensee erfolgte. Die Errichtung der Berliner Mauer am 13. August 1961 trennte auch Ost- von West-Staaken. An der Heerstraße wurde ein Grenzübergang für den Straßenverkehr eröffnet, der auch für den Transitverkehr in das Bundesgebiet (Westdeutschland) benutzt werden konnte. Nach der Fertigstellung der Bundesautobahn 24 (Berlin–Hamburg) und der Inbetriebnahme des Grenzübergangs Heiligensee/Stolpe am 1. Januar 1988 diente dieser Übergang nur noch als einfacher Grenzübergang zur Einreise in die DDR. Daran wird auf einer Gedenktafel erinnert.
Am 1. Januar 1971 wurde Weststaaken wieder ausgegliedert und bildete fortan die Gemeinde Staaken in der DDR. Die Einwohnerzahl betrug zu diesem Zeitpunkt 4146.
mini|links|Dorfkirche mit einem Kreuz, das an die Teilung Staakens zwischen 1951 und 1990 erinnert
Trotz der Zugehörigkeit zum Bezirk Potsdam gab es einige Besonderheiten. Die Katasterunterlagen für West-Staaken verblieben beim zuständigen Vermessungsamt des Bezirks Spandau. In Ermangelung anderer Unterlagen stellte der Liegenschaftsdienst des Bezirks Mitte (Ost-Berlin) eine eher rudimentäre Katasterkarte im Maßstab 1:4000 auf. Später wurde die Katasterführung an den Liegenschaftsdienst des Kreises Nauen übergeben, der erst nach mühseligen Verhandlungen die bei ihm geführten Unterlagen im Jahr 1991 an den nach der deutschen Wiedervereinigung wieder zuständigen Bezirk Spandau herausgab. Die Telefonanschlüsse waren bis in die späten 1980er Jahre im Telefonbuch von Ost-Berlin verzeichnet. Für ein Telefongespräch zwischen Ost-Berlin und West-Staaken (Vorwahl „572“) galt der Ortstarif. Laut Telefonbuch von 1989 war Staaken nicht mehr als Ortsgespräch über „572“ zu erreichen. Die Telefonanschlüsse waren nunmehr im Telefonbuch des Bezirks Potsdam eingetragen.
Staaken wieder in Berlin Kurz nachdem am Abend des Mauerfalls am 9. November 1989 die innerstädtischen Berliner Grenzübergänge geöffnet worden waren, wurde in derselben Nacht um 0:32 Uhr auch der Grenzübergang Heerstraße geöffnet. Im Rahmen der Wiedervereinigung wurden die getrennten Ortsteile am 3. Oktober 1990 wieder im Berliner Bezirk Spandau zusammengeführt, West-Staaken zählt – wie auch das Gebiet Ost-Berlins – zum Beitrittsgebiet zur Bundesrepublik Deutschland.Gebietsänderungen vom 01.01. bis 31.12.1990. StBA
Ortslagen
Albrechtshof
mini|hochkant=0.6|Erinnerung an die Zugflucht im Dezember 1961 (Gedenktafel im Bürgermeistergarten in Falkensee)
Die Ortslage Albrechtshof befindet sich im westlichen Teil Staakens. Sie wird im Osten begrenzt durch den Finkenkruger Weg, im Norden und im Westen durch die Stadtgrenze zu Falkensee sowie im Süden durch die Hamburger Bahn. Sie zeichnet sich vor allem durch die Bebauung mit Einfamilienhäusern aus, die ihr einen ländlichen Charakter verleiht. Ein Teil von Albrechtshof liegt außerdem noch in Brandenburg bei Seegefeld.
Am 5. Dezember 1961 gerieten die Ortslage und der Bahnhof Albrechtshof in die Schlagzeilen der Westpresse, nachdem hier dem Lokführer Harry Deterling und einem Heizer zusammen mit mehreren Familien mit einer Tenderlok der Baureihe 78 und acht Personenwagen von Oranienburg über die Hauptstrecke Hamburg–Berlin erfolgreich die Flucht nach West-Berlin gelungen war.
Gartenstadt Staaken mini|hochkant|links|Gartenstadt Staaken, Sicht entlang der StraßeZwischen den Giebeln
Das ursprüngliche Gebiet der Gartenstadt Staaken erstreckt sich auf einem Gelände zwischen der Hamburger Bahn und der Lehrter Bahn, also zwischen der nördlichen und der südlichen Eisenbahnstrecke und wird im Osten von der Hackbuschstraße und im Westen vom Finkenkruger Weg begrenzt. Diese Fläche hat 350.000 m², bei denen es sich um Ackerland handelte. Die Bebauung des Areals nach der Planung des Architekten Paul Schmitthenner in den Jahren 1914–1917 bildet den Kern der Gartenstadt Staaken. Die Genossenschaft der Gartenstadt Staaken wurde am 27. Juni 1913 gegründet und verfügt inzwischen über Wohneinheiten außerhalb dieses Areals. Als problematisch stellte sich der ursprünglich zwischen der Genossenschaft und dem preußischen Ministerium des Innern ausgehandelte Pachtvertrag dar. Dieser war nur bis Ende 1999 befristet und somit galt die Zukunft der Gartenstadt Staaken über diesen Zeitraum hinaus als ungewiss. Die Wohnungsbaugenossenschaft Gartenstadt Staaken eG konnte das Gelände käuflich erwerben, bevor der Pachtvertrag endete. Die Häuser stehen unter Denkmalschutz.
Dorf Staaken mini|Dorfkirche Alt-Staaken, 1992
Der eigentliche Ortskern von Staaken erstreckt sich entlang des Nennhauser Damms, südlich des Brunsbütteler Damms. An der Hauptstraße befindet sich die Staakener Dorfkirche, die als Dorfkirche Alt-Staaken bezeichnet wird.
Siedlung Neu-Jerusalem
Die Siedlung Neu-Jerusalem befindet sich westlich des Staakener Ortskerns kurz vor der Berliner Stadtgrenze beiderseits der Heerstraße. Den Namen verdankt die denkmalgeschützte Siedlung ihrer kubischen Architektur.
Neu-Staaken mini|links|Blick vom „neuen“ Hahneberg auf die Bullengrabenniederung und die Louise-Schroeder-Siedlung
Kleingärten und einzelne landwirtschaftliche Betriebe, die südlich der Lehrter Bahn ansässig waren, mussten in den 1960er und 1970er Jahren zunehmend dem Bau von Mehrfamilienhäusern der Louise-Schroeder-Siedlung weichen – benannt nach der Oberbürgermeisterin Berlins in den Jahren 1947–1949, Louise Schroeder. So wurden Mitte der 1960er Jahre zunächst im Bereich nördlicher Brunsbütteler Damm/Oldesloer Weg Häuser mit meist vier Etagen errichtet. Am Ende dieses Jahrzehnts wurde die Bebauung auf die Gebiete südlicher Brunsbütteler Damm, Südekumzeile und Zweiwinkelweg ausgedehnt.
Ab 1962 entstanden im Neubaugebiet Heerstraße Nord die Obstalleesiedlung und die Rudolf-Wissell-Siedlung, wobei die Zahl der Etagen von Bauabschnitt zu Bauabschnitt stets anstieg. Mittlerweile lebt in den etwa 8000 Wohnungen im Gebiet Heerstraße Nord knapp die Hälfte der Einwohner Staakens. Aus dem ehemals dörflichen Staaken wurde somit eine kleine Stadt innerhalb des Bezirks Spandau.
Siedlung Hahneberg Das von Ein- und Zweifamilienhäusern geprägte Siedlungsgebiet Hahneberg liegt südwestlich des alten Spandauer Forts Hahneberg. Es wird begrenzt von der Heerstraße im Norden, dem „alten“ Hahneberg () im Osten sowie der Berliner Stadtgrenze im Süden und Westen. Die Parzellierung des Siedlungsgebietes fand bereits um die Wende zum 20. Jahrhundert statt, allerdings gehörte damals Staaken ebenso wie Spandau noch nicht zu Berlin, sodass keine unmittelbare Bebauung folgte. Erste Ansiedlungen vor dem Zweiten Weltkrieg blieben ohne Kontinuität während der Kriegs- und Nachkriegszeit. Zu Zeiten des Kalten Krieges war das Siedlungsgelände wegen der Nähe zur Berliner Mauer als Teil des von West-Berlin getrennten West-Staaken Sperrgebiet. Nach der deutschen Wiedervereinigung und der verwaltungstechnischen Rückgliederung West-Staakens nach Berlin setzte in den 1990er Jahren auf den großteils unbebauten Grundstücken rege Bautätigkeit ein, die in wenigen Jahren einen offenen Siedlungscharakter entstehen ließ. Diese Offenheit sorgt für einen kontinuierlichen Übergang in die feld- und waldgeprägte Landschaft im benachbarten Bundesland Brandenburg.
Unternehmen
Flugplatz Staaken/Zeppelinwerke