Homeworld (englisch für Heimatwelt) ist ein im Jahr 1999 erschienenes Echtzeit-Strategiespiel, entwickelt von Relic Entertainment, vertrieben von Sierra Entertainment. Es war eines der ersten Echtzeit-Weltraumstrategiespiele mit voller Bewegungsfreiheit in alle drei Raumdimensionen. Das Spiel wurde zu einer Reihe mit drei Titeln und einem späteren Remaster.
Handlung Den Hintergrund bildet die Geschichte eines Volkes, das den Wüstenplaneten Kharak besiedelt und erste Schritte in der Raumfahrt unternimmt. Durch Zufall entdeckt dieses Volk unter dem Sand der Großen Wüste die Überreste eines 4000 Jahre alten Raumschiffes mit den Überresten eines Hyperraumantriebs, der von den Vorfahren der Kharakianer hier zurückgelassen wurde – warum ahnt noch niemand. Im Umfeld des Schiffes wird schließlich ein fundamentales Objekt des Spiels freigelegt, der sogenannte „Führungsstein“, ein schwarzer Stein mit Gravuren und Zahlen, die einen Punkt im äußeren westlichen Spiralarm der Galaxis zeigen (Kharak) und einen weiteren Punkt in der Nähe des galaktischen Kerns. Neben diesem steht ein einziges Wort, älter als die ältesten Clans Kharaks: „HIIGARA“ – Heimat.
Spätere Untersuchungen lassen darauf schließen, dass der Stein aus der Gegend des Zentrums der Galaxis stammt, vermutlich der Heimat der Kharakianer, als „Hiigara“ gekennzeichnet. Dies unterstützt die Theorie der Xenogenese, die besagt, dass die Kharakianer nicht von Kharak stammen. Bald blickt der ganze Planet nur noch einem Ziel entgegen: Den Ursprung ihres Steins zu erkunden. Alle restlichen und ohnehin schon knappen Ressourcen Kharaks werden daran gesetzt, im Orbit ein riesiges Kolonieschiff zu bauen, das eine Auswahl von 600.000 Personen zur Gründung einer Kolonie auf die alte Heimatwelt bringen soll. Dieses „Mutterschiff“ verfügt neben genügend Platz für die Kolonisten und dem antiken und kaum erforschten Hyperraumantrieb, der riesige Strecken in kürzester Zeit überwinden lässt, auch über eine vollausgestattete Werft, die vom einfachen Jäger bis zum Schweren Kreuzer mittels unterwegs zu sammelnder Rohstoffe eine komplette Raumflotte bauen kann. Aber mit der Zeit erscheint ein weitaus größeres Problem als die Konstruktion: Die Datenübertragung. Das Mutterschiff ist so komplex, dass selbst die größten und besten Superrechner Kharaks nicht imstande sind, die Menge an Informationen zu verarbeiten und gleichzeitig die einzelnen Sektionen zu verwalten. Das Problem wird ziemlich radikal von derselben Forscherin gelöst, welche es entdeckt hat: Karan S'jet, eine Neuroforscherin, die ihr eigenes Gehirn mit dem Mutterschiff verbindet, um den Datenstrom aufrechtzuerhalten. Das alles ist zwar sehr gefährlich, aber die einzige Lösung und immerhin geht es um die Vergangenheit und Zukunft des Volkes Kharaks. Karan S'jet ist ab diesem Zeitpunkt das Flottenkommando und eingebettet im Mutterschiff. Nach 60 Jahren Bauzeit wird das Mutterschiff fertiggestellt und unternimmt eine erste Erkundungsreise per Hyperraumantrieb in die Außenbereiche des Kharak-Systems, wo es das Hilfsschiff „Khar Selim“ treffen soll. Es sollen Verbesserungen am Antrieb und Analysen des Hypersprungkernes, dem Hauptbestandteil des Hypersprungantriebs, erfolgen.
Die „Khar Selim“ wird zerstört vorgefunden, und fremdartige feindliche Schiffe greifen das Mutterschiff an. Nach der Vernichtung der Angreifer kehrt das Mutterschiff nach Kharak zurück, um die erforderlichen Arbeiten zur Komplettierung durchzuführen. Aber es erwartet sie ein schwelender Trümmerhaufen um den alten Heimatplaneten, die bewohnbaren Polkappen sind vernichtet und von einer schwarzen Schicht aus Qualm und Trümmern gänzlich überdeckt. Nur die Kolonisten in ihren Kälteschlafkammern haben im Orbit überlebt und müssen gegen die Angreifer, Teile der Flotte eines riesigen interstellaren Reichs, welches die Kharakianer vor Jahrtausenden auf den Gefängnisplaneten Kharak verbannte, geschützt werden. Nachdem die Kolonisten in das Mutterschiff verbracht wurden, sammelt es die letzten verwertbaren Rohstoffe ein und flieht in den Hyperraum, bevor die Angreifer zurückkehren.
Nach der Vernichtung der Heimat gibt es kein Zurück mehr, es geht nur noch nach vorn – Hiigara ist die einzige mögliche Hoffnung der Kharakianer zu überleben. In einer epischen Odyssee durchquert das Mutterschiff mit einer ständig wachsenden Begleitflotte im Schlepptau die halbe Galaxis, jede Mission bringt neue Kämpfe und Herausforderungen, aber auch neue Freunde, die den Verbannten beistehen. Die Heimatlosen bekämpfen Piraten, seltsame Nebelbewohner sowie Flotten und Stationen des Imperiums, suchen auf gewaltigen Raumschifffriedhöfen nach Verbündeten und gelangen langsam, aber sicher immer näher an den galaktischen Kern und erfahren Erstaunliches über das Imperium, durch welches die Kharakianer einst verbannt wurden. Innerhalb dieses Imperiums bricht ein Bürgerkrieg aus und die Abtrünnigen stehen den Exilanten zur Seite. Dazu tauchen oftmals die mysteriösen und in Rätseln sprechenden Bentusi-Händler auf, ein uraltes und friedliches Volk, das die Kharakianer mit Technologie und Informationen im Austausch gegen einen geringen Anteil von Rohstoffen versorgen und ihnen schließlich die Wahrheit über ihre Vergangenheit offenbaren. Der Höhepunkt ist dann der Endkampf hoch über Hiigara gegen die imperiale Flotte und den Imperator selbst, welche die schon zum Greifen nahe Heimatwelt nun um jeden Preis unerbittlich verteidigen. Schlussendlich trifft der von den Bentusi zusammengerufene galaktische Rat ein, der den Anspruch der Kharakianer auf Hiigara anerkennt und deren lange Reise damit beendet.
Spielprinzip Der Spieler übernimmt die Rolle des Flottenkommandos (bzw. Karan S'jet, welche ihr Gehirn mit den Systemen des Schiffes verbunden hat) und befehligt eine stetig wachsende Ansammlung von verschiedenen Kampfschiffen, mit denen die Missionsziele erfüllt werden müssen. In ihren Größen und Aufgaben sind die Schiffe sehr verschieden, ihre Stärken und Schwächen ergänzen sich gegenseitig. Die Größenklassen reichen von kleinen Jägern und Sonden über Korvetten, Fregatten, Zerstörer und Träger bis hin zum Schweren Kreuzer, daneben gibt es Reparatur- und Tankschiffe sowie Rohstoffsammelschiffe. Es existieren zwei gleichberechtigt spielbare Völker (Kushan und Taiidan), die in ihren Eigenschaften und Schiffen weitgehend identisch sind. Mit beiden kann der Weg von Kharak nach Hiigara zurückgelegt werden, Gegner ist dann die jeweils andere Rasse. Der Schwierigkeitsgrad ist von vornherein festgelegt und kann nur durch präzises Planen von Einsätzen und beste Strategien gemeistert werden. Zum Glück des unerprobten Admirals kann man jederzeit speichern und laden. Zu Beginn jeder Mission wird automatisch gespeichert.
Entwicklung mini|Logo der Homeworld-Reihe Artwork und Grafikdesign Die Raumschiffdesigns und Weltraumhintergründe des Spiels weisen starke Ähnlichkeiten zu den Science-Fiction-Illustrationen der Künstler Chris Foss und Peter Elson auf, die beide in der speziellen Dank geht an-Sektion im Nachspann erwähnt werden. Zudem beeinflussten die Werke des britischen Science-Fiction-Illustrators John Harris die Entwickler.
Soundtrack Es existiert ein Lied mit dem Titel Homeworld von der Rockgruppe Yes, das Bestandteil der Musik von Homeworld (1999) ist. Es stammt von dem Album The Ladder, dem 16. Studioalbum der Gruppe (1999). Der größte Teil des Soundtracks wurde von Paul Ruskay komponiert, welcher dafür 2000 den Best Score Award der Onlinezeitschrift Eurogamer gewann. Die Musik des Intros ist dagegen ein klassisches Stück: Adagio for Strings von Samuel Barber (1910–1981).
Homeworld SDL Am 26. September 2003 gab Relic Entertainment den Quelltext von Homeworld frei, was mit Hilfe von SDL zur Portierungen auf bisher nicht unterstützte Plattformen, z. B. auf Linux, MacOS (allerdings ohne Netzwerkspiel),Macintosh Homeworld Pandora, Maemo/N900(Announce) Homeworld (updated 2012/12/03) (englisch) und AndroidHomeworld (from 1999) on Android, auf YouTube (8. Juni 2014)Homeworld to Android auf beloko.com (2014) führte. Das Spiel ist allerdings keine freie Software, da es unter einer restriktiven, nicht-standardisierten Softwarelizenz freigegeben wurde. bzw. als neuere Seite mit – (letzter Zugriff am 21. Januar 2011) Die Lizenz-Limitierungen behindern eine Weiterentwicklung von Homeworld SDL signifikant, auf homesource.nekomimicon.net (englisch, 2012) weswegen es seit dem Übergang der Rechte an Gearbox 2013 Bemühungen der Community gibt eine Re-Lizenzierung zu erreichen. Im September 2013 reagierte Gearbox offen für solche Re-Lizenzierungsideen.
Rezeption Homeworld zeichnete sich zum Zeitpunkt seines Erscheinens durch den überzeugenden Einzelspieler-Teil aus, der neue Akzente in der Echtzeitstrategie mit einer epischen Geschichte über die Heimkehr der Vertriebenen verband. Gelobt wurde weiterhin die musikalische Untermalung von Paul Ruskay, die Grafik sowie ein durch die Steuerung der Einheiten im dreidimensionalen Raum innovatives, aber dennoch ausgereifter Spielmechanik mit liebevoll gestalteten Missionen und Zwischensequenzen. Dafür erhielt das Spiel zahlreiche Auszeichnungen:
E3 1999 – Game Critics Awards: Bestes Strategie Spiel IGN 1999 – Spiel des Jahres PC Gamer 1999 – Spiel des Jahres Well-Rounded Entertainment 1999 – Spiel des Jahres PC Joker – „Spiel des Jahres 1999“ Metacritic – Best and Worst Computer Strategy Games , Top 10: Platz 3 (2010) PC Games – 89 % SpielspassHomeworld-Wertung von PC Games GameStar – 84 % Spielspass, Wertung: „sehr gut“Homeworld-Wertung der GameStar
Lizenzgeschichte Die Rechte an der Homeworld-Serie fielen an THQ als Relic 2004 von diesen gekauft wurde. Nach der Übernahme verließen einige der Relic-Gründer und ehemaligen Homeworld-Entwickler Relic Entertainment und gründeten 2007 Blackbird Interactive um ein eigenes Weltraum-RTS, aber ohne die Homeworld-Rechte, zu entwickeln.
Nach der Insolvenz und anschließenden Zerschlagung THQs im Frühjahr 2013 wurden die Rechte an den Spieletiteln, darunter auch Homeworld, versteigert. Eine Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform Kickstarter zur Finanzierung des Lizenzkaufs durch das unabhängige Entwicklungsstudio Team-Pixel erzielte insgesamt ca. 70.000 US$, wurde jedoch bei der Versteigerung am 15. April 2013 überboten. Am 22. April wurde bekannt, dass die Rechte für 1,35 Millionen US-Dollar an Gearbox Software gegangen waren.
Gearbox Software gab auf der PAX Australia im Juli 2013 eine baldige Veröffentlichung von Homeworld-HD- und Homeworld-2-HD-Remakes zusammen mit den Originalversionen der Spiele über Online-Vertriebsplattformen wie Steam und GOG.com bekannt.Gearbox Announces Homeworld, Homeworld 2 HD Remakes on IGN.com Die Entwicklung der Homeworld Remastered Collection zog sich bis 2015 und erschien am 25. Februar 2015.
Im September 2013 wurde eine Kooperation von Gearbox mit Blackbird Interactive auf der PAX Seattle bekannt gegeben, welche Blackbird Interactive sowohl die Verwendung des Homeworld-Franchises erlaubt als auch finanzielle Unterstützung umfasst. Blackbird hat das in der Entwicklung befindliche Spiel Hardware: Shipbreakers unter dem Namen Homeworld: Shipbreakers weiterentwickelt und am 20. Januar 2016 als Homeworld: Deserts of Kharak veröffentlicht. Es ist ein Prequel zu Homeworld.
Fortführungen und Neuauflagen Homeworld: Cataclysm
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