mini|Die heutige Amsterdamer Börse, Beursplein 5 Die Amsterdamer Börse ist die niederländische Börse mit Sitz in Amsterdam, die seit 2000 in dem Börsenkonglomerat Euronext aufgegangen ist.

Geschichte Die Amsterdamer Börse wurde 1611 als Warenbörse () eröffnet. Ab 1612 fand auch Wertpapierhandel statt. Damit ist die Amsterdamer Börse entgegen oft gelesener Auffassungen nicht die älteste Warenbörse, gilt aber als die älteste Effektenbörse der Welt.

Das erste Amsterdamer Börsengebäude der frühen Neuzeit entstand zwischen 1608 und 1611 nach einem Entwurf von Hendrick de Keyser und musste 1835 abgerissen werden, um einem neuen Gebäude nach einem Entwurf von Jan David Zocher d. J. Platz zu machen. Dessen unbeliebter klassizistischer Bau stand nur von 1845 bis 1903. Das dritte und heute noch erhaltene, 1903 eröffnete Börsengebäude nimmt einen so prominenten Platz in der niederländischen Architekturgeschichte ein, dass der Name des Baumeisters Hendrik Petrus Berlage längst auf das Gebäude übergegangen ist, das genannt wird.

Entstehung Die Niederlande am Anfang des 17. Jahrhunderts waren von einer enormen wirtschaftlichen Expansion geprägt, weswegen die Epoche auch als ihr Goldenes Zeitalter bezeichnet wird. Die wichtigsten Handelszweige waren der Ostseehandel, der Handel mit Russland und die (der Handel mit Italien und der Levante, den Ländern an der Ostküste des Mittelmeeres). So war es nur folgerichtig, dass 1609 die Amsterdamer Wechselbank – die weltweit erste Zentralbank – gegründet wurde, die den Zahlungsverkehr zu organisieren und zu fördern vermochte, der bis dahin durch die Vielzahl in Umlauf befindlicher Währungen erschwert wurde. Darüber hinaus zogen günstige Zinssätze, feste Devisenkurse und eine hohe Darlehensbereitschaft der niederländischen Bank bald Kapitalanleger und Finanzleute aus ganz Europa an. Binnen kurzem spielte die Amsterdamer Wechselbank eine enorm wichtige internationale Rolle, was auch den Warenumschlag in Amsterdam stark beförderte.

Der Warenhandel im Amsterdam des frühen 17. Jahrhunderts spielte sich unter freiem Himmel hauptsächlich in der Warmoesstraat und auf dem Platz de Dam am Rathaus und der Waage ab, in deren unmittelbarer Nähe die Anlegeplätze auf der Amstel für die Segelschiffe lagen. Seine starke Zunahme machte ein eigenes Gebäude erforderlich, in dem der Handel bei jedem Wetter und jeder Jahreszeit strukturiert abgewickelt werden konnte.

Warenbörse An einer Warenbörse werden bewegliche Sachgüter wie Rohstoffe, Landwirtschaftsprodukte oder Nahrungsmittel gehandelt. Praktisch bedeutsam sind Warenbörsen nur für Naturprodukte, nicht hingegen für industrielle Erzeugnisse. Die Preise wurden durch Angebot und Nachfrage bestimmt und die Käufe sofort abgewickelt; Spekulationen durch systematische Termingeschäfte (Warentermingeschäfte) waren an der Börse damals noch nicht üblich; das kam erst Mitte des 19. Jahrhunderts auf. Der zeitgenössische Tulpenhandel, der zu einer Tulpenmanie führte, die die Tulpe zum Kult-, aber auch hemmungslosen Spekulationsobjekt machte, fand hauptsächlich in Wirtshäusern in und um Haarlem statt, wo sich die Tulpenfelder befanden.

Es wird öfter behauptet, die Amsterdamer Börse sei die erste Warenbörse weltweit oder europaweit gewesen, andererseits ist auch häufig zu lesen, die älteste Warenbörse der Welt läge in Chicago. Beides ist unbegründet. Andere Warenbörsen sind deutlich älter als die Amsterdamer. 1409 wurde in Brügge die erste Börse gegründet; dort entwickelte sich auch die Bezeichnung, siehe Entstehung des Begriffs „Börse“. Die ältesten deutschen Warenbörsen entstanden 1540 in Augsburg und Nürnberg;Herbert Rosendorfer: Deutsche Geschichte – Ein Versuch. Band 4: Der Dreißigjährige Krieg, München 2007, S. 41. vermutlich im selben Jahr entstand die Börse von Lyon. Warenbörsen sind insgesamt um einige Jahrhunderte älter als Warentermin- und Wertpapierbörsen. Während die größte und älteste Terminbörse der Welt 1848 in Chicago etabliert wurde (Chicago Board of Trade), handelt es sich bei der Amsterdamer Börse um die älteste Wertpapierbörse, wo seit 1612 Effektenhandel betrieben wird.

Das erste Börsengebäude mini|Das erste Amsterdamer Börsengebäude (1608), nach ihrem Erbauer auch Beurs De Keyser genannt Die erste Amsterdamer Warenbörse wurde dort erbaut, wo sich bereits mindestens seit dem 13. Jahrhundert das Amsterdamer Finanz-, Handels und Verwaltungszentrum und die Stadtmitte befand: am und um den Platz de Dam herum. Nach seiner Londonreise im Jahr zuvor, begann 1608 Hendrick de Keyser auftragsgemäß, am südlichen Teil des Platzes, teilweise über dem RokinRokin heißt die Straße, die ehemals den inneren Hafen (Rak-in) von Amsterdam bildete. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Wasserlauf teilweise zugeschüttet. Zwischen Muntplein und de Dam endet heute die Amstel – abgeleitet durch Grachten –, wo sich innerer und äußerer Hafen (Dam-Rak) als Achse der Stadt, um den sich später der Grachtengürtel legte, deutlich erhalten haben. mit dem Bau, der 1611 eingeweiht wurde und sich in der Struktur grundlegend auf die Londoner Börse bezog.

Der Komplex bestand aus einem Innenhof, der mit überbauten Galerien auf Rundbögen umsäumt war. Ebenerdig befanden sich zunächst Geschäfte, später die Königliche Akademie der bildenden Kunst (Koninklijke Academie van Beeldende Kunsten). Vom Platz de Dam gab es einen Zugang zum Börsengebäude, das (der heutige Durchgang ist nicht mehr das originale Tor, das 1912 entfernt wurde). An der Südseite befand sich neben der Brücke über den Mittelübergang ein Glockenturm mit Glockenspiel von François Hemony.

Neben der Warenbörse (), die im Großen Saal untergebracht war, gab es einen eigenen, nicht viel kleineren Saal, in dem ausschließlich Getreide gehandelt wurde ().

Effektenhandel (ab 1623) mini|Ein Anleihepapier der Vereinigten Ostindischen Kompanie vom 7. November 1623 auf einen Betrag von 2.400 Fl ausgestellt in Middelburg und unterzeichnet in Amsterdam Etwa gleichzeitig mit der Eröffnung der Amsterdamer Warenbörse kam eine neue Handelsart auf: Der Handel mit Effekten, also Aktien und Wertpapieren. Er entstand durch die Niederländische Ostindien-Kompanie (, V.O.C.), eine Handelsgesellschaft, die im 17. und 18. Jahrhundert den Welthandel dominierte. Sie kontrollierte die Schifffahrtsrouten nach Asien, die Gewürzroute nach Hinterindien und besaß ein Handelsmonopol für Südafrika und Südamerika, das ihr das niederländische Parlament eingeräumt hatte. Ihre einzige ernst zu nehmende Konkurrenz war die Britische Ostindien-Kompanie (, E.I.C.), die sich aber gegen die V.O.C. nicht im Entferntesten durchsetzen konnte.

Die Nutzung des Monopols erforderte indes einen beträchtlichen finanziellen Aufwand, den das Unternehmen mit eigenen Mitteln nicht aufbringen konnte und 1602 die (historisch erstmalige) Finanzierung durch die Herausgabe von Aktien beschloss. Die V.O.C. war das erste börsennotierte Unternehmen der Welt; mit ihren Aktien begann der Wertpapierhandel in Amsterdam.

Während bisherige Finanzierungen eher mittelfristigen Schuldverschreibungen entsprachen und sich auf einzelne Schiffsladungen bezogen, hatten die V.O.C.-Aktionäre kein Mitspracherecht, keinen Einfluss auf die Investitionen und blieben zehn Jahre an ihre Anlage gebunden. Nach Ablauf der ersten Anlagefrist begannen die Anleger, mit ihren Anteilen an der Börse zu handeln, so dass zu der Warenbörse auch eine Effektenbörse hinzu kam, die zunächst aber nur wenig räumlichen Platz beanspruchte.

1668 wurde das Gebäude auf Kosten der Türme vergrößert und mit einem Dachreiter versehen. Da das Gebäude über Wasser gebaut war, war es für Feuchtigkeitsschäden empfänglich und senkte sich an einigen Stellen. Die ersten größeren Reparaturen mussten 1659 vorgenommen werden; Stadtarchitekt Abraham van der Hart nahm 1781 und 1796 umfangreiche Vermessungen vor, aber die Probleme blieben, so dass auch 1803 und 1825 Arbeiten größeren Umfangs nötig wurden.

Auch hatte der Aktienhandel weiter zugenommen und es bestand erhöhter Platzbedarf für Verwaltungsräumlichkeiten, so dass die Stadt Amsterdam 1836 beschloss, die erste Amsterdamer Börse zugunsten eines Neubaus abzureißen.

Ein griechischer Tempel als Börsengebäude mini|Das Börsengebäude von Zocher – Beurs van Zocher – in Form eines griechischen Tempels (1845) Obwohl rückblickend das Jahr 1648 für Amsterdam und die Niederlande den ökonomischen Höhepunkt des Zeitalters darstellte, der den Niedergang einleitete, dominierten Amsterdamer Händler sogar noch bis in das 19. Jahrhundert hinein bestimmte Handelsbereiche, wie den Handel mit Unter verstanden die Niederländer die Karibik und Teile von Mittel- und Südamerika. oder den Edelmetall- oder Getreidehandel. 1662 liefen beispielsweise 2.796 Schiffe den Amsterdamer Hafen an, 1695 waren es 3.861, 1747 aber immerhin noch 1.747.Geschichte Amsterdams, Gemeindearchiv Amsterdam, teilweise auch online recherchierbar unter Stadsarchief Amsterdam Der Bedarf für eine neue, größere Börse war daher ungebrochen, dennoch waren die Einzelheiten des geplanten Neubaus Grund jahrelanger Debatten im Amsterdamer Stadtrat. Erst im Oktober 1840 erhielt Jan David Zocher den Auftrag.

Er errichtete das Börsengebäude etwas weiter nordöstlich der bisherigen Börse an der Ecke Dam/Damrak. Am 10. September 1845 wurde das nach dem Vorbild eines griechischen Tempels mit hohen Säulen versehene Gebäude, Loonstaat. Stadsarchief Amsterdam, 23. April 2019. von König Wilhelm II. eröffnet. Schnell gaben die Amsterdamer dem Gebäude den Beinamen Mausoleum.

1851 wurde die gegründet, die fortan den Aktienhandel regulierte. Nur Mitglieder dieser Organisation waren jetzt berechtigt, am Börsenhandel teilzunehmen.

Zochers Gebäude wurde jedoch bereits ab 1884 baufällig und musste 1903 abgerissen werden. Im Jahre 1888 reichte Georg Frentzen einen Wettbewerbsentwurf (hors concours) für einen Neubau ein. Ein 1894 von dem Architekten Adriaan Willem Weissman (1858–1923) entwickelter Plan zur Schadenbeseitigung und Erweiterung scheiterte, wobei offenbleibt, ob die Bauschäden zu groß oder politische oder finanzielle Absichten Vater des Wunsches nach einem neuen Gebäude waren. Von 1912 bis 1914 entstand auf dem Grundstück ein Gebäude im Neorenaissance-Stil, das heute das Warenhaus De Bijenkorf beherbergt.

Beurs van Berlage mini|Beurs van Berlage (1903) mini|Beurs van Berlage (1903)

Die Börse von Berlage liegt unweit des vorherigen Börsengebäudes am DamrakDer Damrak ist das ehemalige äußere Hafenbecken Amsterdams. Es lag vor dem Damm, der das innere Becken (Rokin) abtrennte. Die Bezeichnung des Dammes hat sich im Platznamen "Dam" erhalten. auf einem trockengelegten Teil der Amstel.

1884 nahm Hendrik Petrus Berlage mit einem Entwurf am Architekturwettbewerb für den Bau der Warenbörse (später Beurs van Berlage genannt) in Amsterdam teil, den er 1896 gewann.