mini|Joachim Meyerhoff (2024)

Joachim PhilippJoachim Meyerhoff: Man kann auch in die Höhe fallen, Köln 2024, S. 64; „Ich mag es nicht, nur Floskeln rauszuhauen.“ In: General-Anzeiger, 30. November/1. Dezember 2024, Boulevard Seite 3. Maria Meyerhoff (* 18. Juli 1967 in Homburg/Saar) ist ein deutscher Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller. Nach über 13 Jahren am Wiener Burgtheater wechselte Meyerhoff 2019 an die Berliner Schaubühne, wo er bis 2024 Mitglied des Ensembles war und seither Gast ist.

Leben Herkunft, Kindheit und Jugend Joachim Meyerhoff wurde als jüngster von drei Söhnen des Psychiaters und Ministerialdirigenten Hermann Meyerhoff (1932–1993) und der Krankengymnastin Susanne Meyerhoff, geb. Schultze (* 1937), in Homburg im Saarland geboren, wo sein Vater als leitender Abteilungsarzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Universitäts-Nervenklinik tätig war. Seine Großmutter mütterlicherseits war die Schauspielerin Inge Birkmann, die in zweiter Ehe mit dem Philosophen Hermann Krings verheiratet war.Darüber berichtet Meyerhoff in seinem autobiografischen Roman Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke Sein Großvater väterlicherseits war der Herner Oberstadtdirektor und Bürgermeister Hermann Meyerhoff.Siehe den Lebenslauf seines Vaters in dessen Dissertations-Manuskript: Hermann Maria Meyerhoff: Geburtshelfliche Statistik 1960, München, Univ., Diss., 1964, S. 69.

Meyerhoff wuchs in Schleswig auf. Sein Vater hatte dort 1971 eine Stelle als ärztlicher Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie angetreten. Die Familie lebte in einem Gebäude auf dem Gelände der Klinik im Stadtteil Hesterberg. In Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war, dem zweiten Teil seiner autobiografischen Romanreihe Alle Toten fliegen hoch beschreibt Meyerhoff seine Kindheit und Jugend dort. Trotz seiner Legasthenie begann er schon im Alter von sieben Jahren damit, Gedichte und Geschichten zu schreiben.

Künstlerische Karriere Von 1989 bis 1992 absolvierte Meyerhoff eine Ausbildung zum Schauspieler an der Otto Falckenberg Schule in München. In dieser Zeit wurde er nach eigener Aussage „theatersozialisiert“. Als Schauspielschüler riss er in den Münchner Kammerspielen die Karten ab und durfte die Vorstellungen besuchen, „wenn noch Platz war“.Einer, der sich voll reinschmeißt, Süddeutsche Zeitung. 2. Juni 2023.

Nach Engagements am Staatstheater Kassel, in Bielefeld, Dortmund und an den Bühnen der Stadt Köln wurde er 2001 Ensemblemitglied des Maxim Gorki Theaters Berlin, wo er auch oft Regie führte. 2002 wechselte er ans Deutsche Schauspielhaus in Hamburg, wo er bis 2005 verpflichtet blieb und unter anderem in Inszenierungen von Jan Bosse und Sebastian Hartmann spielte. Ab September 2005 war Joachim Meyerhoff Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. Nach dem Ende der Spielzeit 2018/19 wechselte Meyerhoff an die Berliner Schaubühne.Schauspieler Joachim Meyerhoff geht nach Berlin, nachtkritik.de, erschienen und abgerufen am 3. Juni 2019. Weiterhin steht Meyerhoff am Deutschen Schauspielhaus Hamburg in einzelnen Stücken auf der Bühne.

Neben seiner darstellerischen Tätigkeit konzipiert Joachim Meyerhoff eigene Programme. Sein Projekt Alle Toten fliegen hoch sorgte im Burgtheater Wien regelmäßig für ein volles Haus. In diesem autobiografischen, in sechs Teile unterteilten Programm erzählt Meyerhoff seine eigene Geschichte und die seiner Familie. Er berichtet von seinen Geschwistern, seinen Großeltern in München, seinem Vater, dem Aufwachsen auf dem Anstaltsgelände sowie seinem Austauschjahr in Amerika. Die ersten drei Teile dieser Serie wurden zum Berliner Theatertreffen 2009 eingeladen. Von 2011 bis 2024 veröffentlichte er sechs Teile in Romanform bei Kiepenheuer & Witsch, die letzten drei ohne vorherige Bühnenvorlage.Joachim Meyerhoff | Kiepenheuer & Witsch, kiwi-verlag.de, abgerufen am 26. August 2020 Im fünften Band der Reihe, Hamster im hinteren Stromgebiet, der im September 2020 erschien, beschäftigt sich Meyerhoff unter anderem damit, wie sich ein Schlaganfall mit zeitweiliger Lähmung der linken Körperhälfte, den er im Dezember 2018 in Wien erlitten hat, auf sein Leben und sein künstlerisches Schaffen auswirkte.

Im Frühjahr 2023 kehrte Meyerhoff für eine Produktion von Tschechows Frühwerk Die Vaterlosen (besser bekannt unter dem Titel Platonow) nach München zurück. Das Wiedersehen mit den Kammerspielen beschrieb er als ergreifend.Einer, der sich voll reinschmeißt, Süddeutsche Zeitung. 2. Juni 2023. Für seine Interpretation des zynischen Dorfschullehrers Michail Wassiljewitsch Platonow wurde er vom Feuilleton gefeiert. Christian Gampert schrieb 2023 in der Zeit: „Joachim Meyerhoff spielt seine Figur so überreif-desillusioniert, dass gerade in den Beziehungskatastrophen [...] Momente heller Wahrhaftigkeit aufleuchten. Und damit auch des reinen Theaterglücks.“Christian Gampert: Platonow fühlt sich nicht zuständig für die Liebe. Sie passiert ihm halt so. In: Die Zeit. 7. Juni 2023, S. 48.

Privates Meyerhoffs zweitältester Bruder Martin starb 1985 bei einem Autounfall, als Meyerhoff sich für ein Jahr als Austauschschüler in Laramie in den USA aufhielt. Nach seiner Rückkehr aus den USA legte er das Abitur ab. Meyerhoff hat zwei Töchter mit der Burgschauspielerin Christiane von Poelnitz, darunter die ebenfalls als Schauspielerin tätige Alberta von Poelnitz, sowie einen Sohn aus einer späteren Beziehung.

Rollen

Deutsches Schauspielhaus Hamburg 2002: Hedda Gabler von Henrik Ibsen, Regie: Sandra Strunz 2002: Vorher/Nachher von Roland Schimmelpfennig, Regie: Jürgen Gosch 2003: Wie es euch gefällt von William Shakespeare, Regie: Jürgen Gosch 2004: Warten auf Godot von Samuel Beckett, Regie: Jan Bosse 2004: Der zerbrochne Krug von Heinrich von Kleist, Regie: Jürgen Gosch 2004: Mephisto in Faust I von Johann Wolfgang Goethe, Regie: Jan Bosse 2014: Die Schule der Frauen von Molière, Rolle: Arnolphe, Regie: Herbert Fritsch 2018: Der Kaufmann von Venedig von William Shakespeare, Rolle: Shylock, Regie: Karin Beier 2024 Herr Puntila und sein Knecht Matti von Bertolt Brecht, Rolle: Herr Puntila, Regie: Karin Beier

Schauspielhaus Zürich 2007: Hamlet von William Shakespeare, Rolle: Hamlet, Regie: Jan Bosse

Burgtheater Wien 2005: Wir wollen den Messias jetzt oder Die beschleunigte Familie von Franzobel, Rolle: Jesus, Regie: Karin Beier 2005: Kleinbürger von Maxim Gorki, Rolle: Tetrew, Regie: Karin Beier 2006: Torquato Tasso von Johann Wolfgang von Goethe, Rolle: Alfons II., der Herzog von Ferrara, Regie: Stephan Kimmig 2006: Viel Lärm um nichts von William Shakespeare, Rolle: Benedikt, Regie: Jan Bosse, Salzburger Festspiele 2006: Höllenangst von Johann Nestroy, Rolle: Thuming, Regie: Martin Kušej (Koproduktion mit den Salzburger Festspielen) 2007: Der Sturm von William Shakespeare, Rolle: Ariel, Regie: Barbara Frey 2007: Die Brüder Karamasow von Fjodor M. Dostojewski, Rolle: Iwan, Regie: Nicolas Stemann 2008: Der Gott des Gemetzels von Yasmina Reza, Rolle: Alain Reille, Regie: Dieter Giesing 2008: Wer hat Angst vor Virginia Woolf? von Edward Albee, Rolle: George, Regie: Jan Bosse 2009: Mea Culpa – Eine ReadyMadeOper von Christoph Schlingensief, Regie: Christoph Schlingensief 2009: Faust I als Vertretung für den verletzten Gert Voss, Regie: Matthias Hartmann 2009: Faust II, Regie: Matthias Hartmann 2010: Othello von William Shakespeare, Rolle: Othello, Regie: Jan Bosse 2010: Was ihr wollt von William Shakespeare, Rolle: Malvolio, Regie: Matthias Hartmann 2011: Professor Bernhardi von Arthur Schnitzler, Rolle: Prof. Bernhardi, Regie: Dieter Giesing 2011: Die Kommune, von Mogens Rukov, Thomas Vinterberg Rolle: Erik, Regie: Thomas Vinterberg 2012: Robinson Crusoe, Rolle: Robinson Crusoe, Regie: Jan Bosse 2012: Der Ignorant und der Wahnsinnige von Thomas Bernhard, Rolle: Doktor 2013: Tartuffe von Molière, Rolle: Tartuffe, Inszenierung: Luc Bondy 2014: Dantons Tod von Georg Büchner, Rolle: Danton, Regie: Jan Bosse 2015: Der eingebildete Kranke von Molière, Rolle: Argan, Regie: Herbert Fritsch 2015: Antigone von Sophokles, Rolle: Kreon, Regie: Jette Steckel 2016: Bella Figura von Yasmina Reza, Rolle: Boris, Regie: Dieter Giesing 2017: Die Welt im Rücken von Thomas Melle, Regie: Jan Bosse 2017: Ein Volksfeind von Henrik Ibsen, Rolle: Doktor Tomas Stockmann, Regie: Jette Steckel 2019: Land in Sicht, Regie: Joachim Meyerhoff 2025: Der Fall McNeal von Ayad Akthar, Rolle: Jacob McNeal, Regie: Jan Bosse

Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin 2019: Amphitryon nach Molière, Rolle: Sosias, Regie: Herbert Fritsch 2021: Das Leben des Vernon Subutex 1. Von Virginie Despentes, Rolle: Vernon Subutex, Regie: Thomas Ostermeier 2021: Eurotrash. Von Christian Kracht, Rolle: Der Sohn, Regie: Jan Bosse 2023: Die Möwe. Von Anton Tschechow, Rolle: Trigorin, Regie: Thomas Ostermeier

Münchner Kammerspiele 2023: Die Vaterlosen (häufig unter dem Titel Platonow) von Anton Tschechow, Rolle: Michail Wassiljewitsch Platonow, Dorfschullehrer, Regie: Jette Steckel

Filmografie 1991: Ein Ring 2005: Tatort – Stille Tage, Regie Thomas Jauch 2005: Doppelter Einsatz – Seitensprung in den Tod, Regie Peter Patzak 2011: Rubbeldiekatz, als US-Regisseur 2017: Bibi & Tina: Tohuwabohu Total, Regie Detlev Buck 2022: Babylon Berlin, 4. Staffel, Rolle: Richter Voss 2023: Sörensen fängt Feuer (Fernsehfilm) 2026: Vaterland

Regie und Projekte 2001: Wenedikt Jerofejews Moskau – Petuschki 2003: Erich Kästners Fabian 2003: Sauna 2005: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war – 2023 von Sonja Heiss verfilmt 2006: Marathon: 2:04:55 2007–2009: Alle Toten fliegen hoch (Teile 1–3 eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2009) 2007: Alle Toten fliegen hoch, Teil 1: Amerika 2008: Alle Toten fliegen hoch, Teil 2: Zuhause in der Psychiatrie 2008: Alle Toten fliegen hoch, Teil 3: Die Beine meiner Großmutter 2008: Alle Toten fliegen hoch, Teil 4: Theorie und Praxis 2009: Alle Toten fliegen hoch, Teil 5: Heute wärst Du zwölf 2009: Alle Toten fliegen hoch, Teil 6: Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Literarische Werke

Man kann auch in die Höhe fallen. In: Alle Toten fliegen hoch. Nr. 6. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2024, ISBN 978-3-462-00699-5.

Verfilmungen Meyerhoffs autobiografischer Roman Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war wurde 2023 gleichnamig unter der Regie von Sonja Heiss verfilmt.

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke, der dritte Teil des autobiografischen Romanzyklus, wurde von Simon Verhoeven verfilmt und ist seit 29. Januar 2026 in den deutschen Kinos zu sehen.

Ehrungen und Auszeichnungen mini|hochkant|Joachim Meyerhoff als Ehrenpreisträger beim Bayerischen Buchpreis 2019 in München 2006: Nestroy-Theaterpreis – Nominierung – Bester Schauspieler für Schauspielerische Gesamtleistung in der Saison 2005/06 2007: Nestroy-Theaterpreis – Nominierung – Bester Schauspieler Benedict in Viel Lärm um Nichts 2007: Schauspieler des Jahres – Kritiker-Preis der Fach-Zeitschrift Theater heute 2011: Nestroy-Theaterpreis – Nominierung – Bester Schauspieler Professor Bernhardi in Professor Bernhardi 2011: Franz-Tumler-Literaturpreis für den Roman Alle Toten fliegen hoch. Amerika 2012: Nestroy-Theaterpreis – Bester Schauspieler Erek in Die Kommune 2012: Förderpreis zum Bremer Literaturpreis für den Roman Alle Toten fliegen hoch. Amerika 2014: Rolf-Mares-Preis – Herausragende Leistung als Darsteller in Die Schule der Frauen, Schauspielhaus Hamburg 2016: Nicolas-Born-Preis (Debütpreis) 2016: Euregio-Schüler-Literaturpreis für Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war 2017: Carl-Zuckmayer-Medaille 2017: Deutscher Hörbuchpreis in der Sparte „Beste Unterhaltung“ für seine Lesung Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke 2017: Aufnahme in die Berliner Akademie der Künste 2017: Schauspieler des Jahres der Zeitschrift Theater heute 2017: Nestroy-Theaterpreis – Bester Schauspieler für Die Welt im Rücken